Monatsarchiv für August 2021

RTelenovela

Kommt die Polizei, hat der Suffpöbel Schiss

Dienstag, den 31. August 2021
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Wie von der Tarantel gestochen rennt ein Besoffener auf einen anderen Besoffenen zu. Der andere steht neben seinem Fahrrad, und vielleicht hat er was gesagt, was dem ersten Besoffenen nicht passt. Vielleicht ist es auch nur seine bloße Anwesenheit. Der erste Besoffene stürmt auf den anderen zu und tritt so heftig gegen sein Fahrrad, dass einige Einzelteile auf die verkehrsberuhigte Limmerstraße fallen.
Schreiend rennt der erste Besoffene wieder weg, der zweite Besoffene schreit ebenfalls. Sie brüllen sich weiter an, bis Besoffener 1 wieder auf den den Besoffenen 2 zurennt. Diesmal schmeißt er das Fahrrad brutal um und tritt noch zweimal dagegen. Kurz sieht es aus, als würde er dem Fahrradbesitzer noch eine reinhauen wollen. Aber er macht es nicht. Stattdessen geht er wieder auf den Platz zu, wo noch ein paar andere Typen rumstehen.

Auch in Hannover gibt es Polizeistreifen, und vermutlich zufällig kommt gerade eine. Vielleicht hat auch – während ich Geld aus der Sparkasse abhob – jemand die Polizei angerufen.
Der Streifenwagen bleibt stehen, der Fahrradbesitzer ruft sie zu sich, er sagt, dass er angegriffen worden ist.
Der erste Besoffene hat mit der Polizei aber nicht so viel am Hut, denn er hat sich in der Zwischenzeit vornehm verpisst. Er läuft von der Szenerie weg.

Es sieht kurz aus, als würde der Streifenwagen ihn verfolgen, aber als der Typ rechts in eine Straße biegt, fährt der Polizeiwagen kurz darauf geradeaus weiter.
Amateure.

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RTZapper

Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust

Dienstag, den 31. August 2021
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MI 25.08.2021 | 23.45 Uhr | rbb

Rosa Glabe war eine Einwohnerin von Glambeck im Löwenberger Land. Sie hatte einen Kolonialwarenladen, und eigentlich war alles gut. Bis zum 9. November 1938.
Nicht nur in Berlin brannten jüdische Geschäfte, nicht nur in Berlin wurden die Scheiben von Häusern eingeschlagen, die Juden gehörten. Auch in Glambeck gab es Pogrome.
Bewohner des Dorfes haben Rosa Glabe, alleinerziehende Mutter und die Besitzerin des Ladens, aus dem Haus gescheucht. Dann zündeten sie Hausrat und persönliche Dinge an. Rosa und ihre Kinder Paul (16), Dora (15) und Theo (13) standen vor dem Nichts. Sie spürten den Hass.

Das ist der Ausgangspunkt einer Dokumentation, die am späten Mittwochabend im rbb zu sehen war: “Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust”.
Andreas Christoph Schmidt hat für seinen einstündigen Film recherchiert, was aus dem Glabes wurde. Sie verließen Glambeck, die jüdische Familie war dort nicht mehr erwünscht. Und so viel kann man sagen: Es ist der Weg in die Vernichtung. Familie Glabe wird den Zweiten Weltkrieg nicht überleben, sie ist ein Opfer des Holocausts.
Schmidt reist an die Orte, die für Glabes zu einem kurzzeitigen Ziel wurden, er spricht mit Experten, und irgendwann scheint er am Ende seiner Reisen und Recherchen – am Ende der Geschichte der Familie Glabe. Als alles vorbei war.
Kovno, Auschwitz, Treblinka: Das sind die Orte, das sind die Konzentrationslager, in denen die Glabes ermordet werden.

“Vernichtet” ist ein Film, der eigentlich so ruhig daherkommt. Man sieht die heutige Glambecker Dorfidylle. Man sieht Häuser der Großstadt, Gegenstände, viele ruhige Kamerafahrten. Auch ein KZ, eine heutige Gedenkstätte. Was aber erzählt wird, das ist das Grauen.
Ein wichtiger Film – und nicht umsonst bekam er in der vergangenen Woche einen Adolf-Grimme-Preis.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

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RTZapper

Am Anschlag – Die Macht der Kränkung

Montag, den 30. August 2021
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MI 25.08.2021 | 21.45 Uhr | zdf neo

„Wir können nicht viel sagen. Was wir aber mit Sicherheit sagen können: Menschen, die eine so schreckliche Tat begehen, sind immer solche, die tief gekränkt sind.“
Das sagt einer dieser Experten im Fernsehen – nach einem Amoklauf in einem Wiener Einkaufszentrum, in der Sunshine City. Und er hat recht.
Was wir erst am Ende erfahren, ist: Wer war so gekränkt, dass er zu dieser Tat fähig war?

“Am Anschlag – Die Macht der Kränkung” lief am Dienstag- und Mittwochabend bei zdf neo. In sechs Folgen wird die Geschichte von diversen Menschen erzählt, die am Anschlag sind. Am Anschlag dessen, was sie ertragen können. Wut, Scham, Trauer, Enttäuschung.

Da ist Georg, er arbeitet als Security-Mann im Einkaufszentrum. Er wird von jungen Trickdieben aufs Kreuz gelegt, man filmt ihn, wie er einen von ihnen hart zu Boden wirft. Das Video geht viral. Zu Hause hat er Stress mit seiner Freundin. Es läuft mies, in jeglicher Hinsicht. Er verliert Job und Freundin, und sein Chef sagt: Das sei nicht das Ende der Welt.
Da ist Ingeborg, die Lehrerin, die bald in den Ruhestand geht. Mit ihrer Tochter versteht sie sich nicht, es gibt Streit. Im Internet hat sie einen Mann kennengelernt, sie überweise ihm viel Geld – und sie erfährt später, dass er ein Betrüger sein könnte. Sie ist verzweifelt.
Da ist Lorenz. Er arbeitet in einem Café und verbummelt die Tageseinnahmen. Er will seinen Verlust anderen in die Schuhe schieben, doch das kommt raus. Er verliert seinen Job, seine Eltern schmeißen ihn raus, er wird verprügelt, weil ein Typ der Meinung ist, Lorenz habe seine Freundin angegraben.

Auf diese Menschen prasseln so viele Zumutungen ein, so viele schockierende Momente und Erkenntnisse, und auch als Zuschauer stockt mitunter der Atem. Es sind eine Kränkung nach der nächsten, die diese Menschen erleben müssen. Aber führt das zum Amoklauf? In der Hinsicht sind besonders die letzten beiden Folgen die mit Abstand spannendsten.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 14. September 2022)

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RTelenovela

Meine Rechnung, bitte!

Montag, den 30. August 2021
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Eigentlich war die Rechnung schon bezahlt. Wenn dann nicht irgendwann die Kellnerin bei uns am Tisch aufgetaucht wäre, um zu sagen, dass wir leider die falsche Rechnung bezahlt haben.
Und dann begann zwischen Tresen und Kasse das große Rätselraten.

Wir haben 100 Euro zu wenig bezahlt, die anderen standen nun quasi ohne Rechnung da. Die teure wollten sie jedenfalls nicht bezahlen. Für uns natürlich schade.
Bei den anderen Gästen kam noch hinzu, dass sie einen Gutschein hatten, der daraus resultierte, dass sie 2020 eine Feier angezahlt hatten, die wegen der Coronakrise nicht stattfinden konnte. Und die Kellnerin der Meinung war, dass sie diesen Gutschein nicht einlösen könne, weil er schon verfallen sei.
Was natürlich eine Frechheit ist, denn in Zeiten des Coronavirus können die Gaststätten ja über jeden dankbar sein, der wieder zu ihnen kommt. Und sie dann so abspeisen zu wollen, geht gar nicht. Die Chefin, die angerufen worden ist, sah das wohl anfangs anders, denn die Kellnerin meinte nach dem Telefonat, dass der Gutschein nicht eingelöst werden könne – worauf die anderen Gäste mit der Polizei drohten.
Und nun?

Die Kellnerin war mit der Situation sichtlich überfordert. Der ganze Akt dauerte nun schon eine gute Viertelstunde. Und da war unser Rechnungsproblem noch gar nicht im Gespräch.
Immerhin scheint die Polizeidrohung bewirkt zu haben, dass der Gutschein plötzlich doch gültig war. Ob die Leute nun aber noch mal in dieser Gaststätte gehen wollen, will ich mal bezweifeln. Sie wollten sich jedenfalls alles haarklein unterschreiben und quittieren lassen.

Bei unserer Rechnung ging die Rätselei weiter. Zurückbuchen und dann die richtige Rechnung zahlen? Den Rest zahlen? Aber wohin soll sie das buchen?
Ich verließ vorsichtshalber die Arena und ließ die anderen machen. Am Ende stimmte jedenfalls die Rechnung, und wie sie das im Lokal verbucht haben – na, irgendwie wird’s schon funktioniert haben…

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KeineWochenShow

#243 – Riss und raus

Sonntag, den 29. August 2021
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Auch in dieser Woche müssen wir über die Situation in Afghanistan sprechen. Allerdings haben wir diese Folge diesmal schon am Mittwochabend aufgezeichnet, so dass die Anschläge in Kabul vom Donnerstag noch nicht in unserem Gespräch vorkommen.

Außerdem geht es um die Bild, die jetzt auch Fernsehen macht. Wir schauen uns das Waldsterben im Nationalpark Harz an, und wir reden wir über den Wahlkampf, bei dem die SPD plötzlich vorn liegt. Das und mehr in KeineWochenShow #243 auf Youtube.

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RT im Kino

Nahschuss

Donnerstag, den 26. August 2021

Berlin, Hauptstadt der DDR, etwa 1980. Franz Walter (Lars Eidinger) will gerade mit der Interflug nach Äthiopien fliegen, als er aus dem Flugzeug geholt wird.
Die Äthiopien-Reise ist für ihn hinfällig. Stattdessen gibt es einen Glückwunsch. Seine Promotion an der Humboldt-Universität ist die beste des Jahrgangs. Bekommt er nun eine Professur? Davon geht Fritz aus. Aber das ist es nicht: Er bekommt ein Jobangebot beim Auslandsnachrichtendienst der DDR-Stasi.
Er bekommt eine Wohnung, ein Auto und die Aussicht auf die Professur – irgendwann. Er arbeitet nun für den Geheimdienst und lebt ein gutes Leben mit seiner Freundin Corina (Luise Heyer). Mit seinem Chef Dirk (Devid Striesow) freundet er sich an.
Anfangs geht es nur um Informationen. Dann aber geht es um einen geflüchteten Fußballer. Im Hamburg und Berlin sollen Fritz und Dirk sein Umfeld so manipulieren, damit der Promi zurück in die DDR kommt. Die Mittel, die angewandt werden, sind mitunter so grausam, dass Fritz beginnt, an allem zu zweifeln.

Es ist noch längst nicht alles aus der DDR erzählt. Es gibt immer noch Geschichten und Begebenheiten, die wir nicht kennen, die wir vielleicht nicht wahrhaben wollen. “Nahschuss” erzählt von einer DDR, die ihre ganz hässliche und verbrecherische Fratze zeigt.
Denn die Stasi geht hier mit perfiden Methoden zur Sache. Sowohl in der Methode, Fritz zu ködern, ihn später zu schikanieren, als auch in den Handlungen, die dazu führen sollen, den Sportler in die DDR zurückzuholen. Da wird gelogen, betrogen – es sind Verbrechen.
“Nahschuss” ist ein sehr fesselnder Film, der nicht nur die verbrecherischen Methoden der Stasi zeigt, sondern auch, wie Menschen daran zerbrechen.
Lars Eidinger spielt Fritz Walter, seine Naivität, seine Freude und später seine Angst und seine Überforderung. Ein schleichender Prozess. Man sieht das in seinen Augen, an seinem ganzen Körper. Eidingers Schauspiel ist einmal mehr eine Wucht.
Der Film von Franziska Stünkel ist ein weiteres, erschütterndes Puzzleteil in der Aufarbeitung der DDR-Geschichte. “Nahschuss” ist inspiriert nach einer wahren Geschichte.

-> Trailer auf Youtube

Nahschuss
D 2020, Regie: Franziska Stünkel
Alamode Film, 116 Minuten, ab 12
8/10

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RTelenovela

Planloses McDonald’s in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 26. August 2021
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Schnell mal zu McDonald’s. Gemütlich im Restaurant was essen. Nach meiner Reise-Rückkehr am Sonnabendnachmittag wollte ich in Sachsenhausen einkehren.
Doch, Überraschung: Alles wieder gesperrt. Wie schon im Herbst, Winter und Frühjahr kann man im Schnellimbiss seinen Kram nur noch mitnehmen oder man kann sich draußen hinsetzen, aber auch dort bekommt man das Essen nicht aufs Tablett.

Kopfschüttelnd und leise fluchend stand ich im Laden. Ein Mitarbeiter sah meine Ratlosigkeit und kam auf mich zu. Ich fragte, warum denn der Laden nun wieder zu sei.
Der Mitarbeiter antwortete, dass ja wegen des höheren Inzidenzwertes die Regierung neue Regeln aufgestellt habe. Die Regierung sei also schuld, dass McDonald’s in Sachsenhausen wieder alle Plätze gesperrt hat.
Das ist natürlich nicht zutreffend. Man könnte sagen: eine Lüge.
Und so sagte ich mit Mitarbeiter, dass die Regierung eben nicht verfügt habe, dass man drinnen nichts mehr essen dürfe, sondern man muss seinen Test- oder Impfstatus vorweisen.
Daraufhin war dann plötzlich doch nicht mehr die Regierung schuld. Der Mitarbeiter meinte, dann es gebe zu wenig Personal.

Aber auch das ist eine eher schwierige Aussage. Zutreffend ist eher: Sie haben kein Konzept, keine Idee, vielleicht haben sie auch keine Lust.
Denn normalerweise lassen sich die aktuellen Corona-Regeln auch bei McDonald’s umsetzen.
Jeder Kunde muss sowieso am Automaten bestellen, was übrigens in Sachen Corona und Anfassen des Automaten anderswo abgeschafft worden ist. Aber wenn man am Automaten bestellt, muss man ja sowieso auf das Bestellte warten. Will man also im Laden essen, holt man das Essen am Tresen ab und zeigt dort den Status. Was also soll da das Problem sein?

Der Mitarbeiter fragte mich dann noch, ob ich denn getestet oder geimpft sei. Ich bejahte die Impfung, und ob ich denn nun bleiben könne. Da lächelte der Mitarbeiter: nein.
Aufs Mitnehmen hatte ich aber auch keinen Bock, und so ging ich, ohne was zu kaufen. Die Burger am Imbiss am Oranienburger Südcenter sind eh viel besser.

PS: Am Oranienburger Bahnhof überprüft das Personal den Status – und wenn alles passt, kann man vor Ort im Laden essen. Geht doch.

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