Tagesarchiv für 28. Juli 2021

RTelenovela

Etwas mehr als 89 Cent

Mittwoch, den 28. Juli 2021
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Sie haben mich ein bisschen angelächelt. Gegenüber des Gemüseregals standen die Schälchen mit den dunklen Kirschen. Und, ja, ich hatte darauf Appetit.
Allerdings gab es ein kleines Problem: Was kosten die hoffentlich süßen Früchte? Weil kein Preisschild zu entdecken war, suchte ich ein wenig rum, was einer Mitarbeiterin des Ladens auffiel. Ob ich wissen wolle, was die Kirschen kosten, und eigentlich müsste da ein Schild sein. Es gab tatsächlich eines, irgendwo ganz unten, an einer leeren Kiste befestigt. 89 Cent, sagte die Frau. Das ist preiswert, also griff ich zu einem Schälchen.

An der Kasse dann die Überraschung. Die Kirschen kosteten nämlich nicht 89 Cent, sondern 4,54 Euro. Bäm. Es handelte sich um 89 Cent pro 100 Gramm, und das Schälchen wog 510 Gramm. Ich habe das durch Nachfragen an der Kasse erfahren, weil mir bei den 4,54 Euro kurz der Atem stockte.

Liebe Leute vom Oranienburger Supermarktes meines stark angeknacksten Vertrauens: Wenn das Schälchen 4,54 Euro kostet, so sollte das doch auch genau so am Schälchen dranstehen. Denn die 89 Cent pro 100 Gramm ist eine Angabe, die mehr als irreführend und albern ist – schließlich kann ich ja nur das Schälchen kaufen und mir nicht wahllos 10 Kirschen greifen und damit zur Kasse gehen. (Wahrscheinlich könnte ich das, aber das ist ja bei den Schälchen nicht Sinn der Sache.) Aber die 89 Cent werden wahrscheinlich eh nur angegeben, damit das irgendwie billig aussieht. Hat funktioniert.
Wenigstens waren sie lecker.

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RT im Kino

Der Rausch

Mittwoch, den 28. Juli 2021

Der norwegische Psychologe Finn Skårderud sagt, dass der Mensch mit einem Blutalkoholspiegel-Defizit, also einem Blutalkoholspiegel, der 0,5 Promille unter den eigentlichen menschlichen Bedürfnissen liege, zur Welt komme.
Müssten wir also ein Leben lang bechern, um immer auf 0,5 Promille zu kommen, weil das eigentlich normal ist?

Martin (Mads Mikkelsen), Tommy (Thomas Bo Larsen), Nikolaj (Magnus Millang) und Peter (Lars Ranthe) wollen das ausprobieren. Wollen immer einen 0,5-Promille-Pegel halten.
Sie sind Kollegen, sie unterrichten an einer Schule. Gerade Martin ist in letzter Zeit extrem schlecht drauf. So schlecht, dass sein Unterricht offenbar so mies ist, dass die Jugendlichen in der Schule rebellieren. Sie wollen keinen Unterricht mehr mit ihm.
Bei einer Geburtstagsrunde kommen Martin und seine Kollegen auf die Alkoholidee – und sie fangen auch gleich damit an. Tatsächlich merken sie schnell eine Veränderung. Alkohol macht lockerer. Aber eigentlich reichen 0,5 Promille da nicht aus – also gehen sie auf 1 Promille hoch…
Alles scheint besser zu werden – bis es ordentlich bergab geht.

“Der Rausch” heißt der Film von Thomas Vinterberg, bei dem es gewissermaßen um mehr oder weniger experimentelles Saufen geht. Scheint zunächst alles ganz locker zu sein, geht es dann doch recht schnell ans Eingemachte. Auf recht eindrucksvolle Weise ist zu sehen, wie aus Spaß ziemlicher Ernst wird – und vor allem eine Sucht. Denn bald kommen die Männer an einen Punkt, an dem sie vieles nicht mehr kontrollieren können. Ihr Leben entgleitet ihnen.
Deshalb kann man Vinterberg auch nicht den Vorwurf machen, Alkohol mit seinem Film verharmlosen zu wollen. Ganz das Gegenteil ist der Fall.
Mads Mikkelsen und seine Kollegen zeigen recht eindrücklich, was Alkohol anrichtet. Lustlosigkeit, Aufgedrehtheit, Abgeschlagenheit. Ein Rausch, der kein guter ist. Dennoch ist Vinterbergs Werk etwas zu lang geraten.
Nicht umsonst gab es dafür unter anderem den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film.

-> Trailer auf Youtube

Der Rausch
Dänemark 2020, Regie Thomas Vinterberg
Weltkino, 117 Minuten, ab 12
7/10

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RTZapper

Böhmi brutzelt

Mittwoch, den 28. Juli 2021
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SA 24.07.2021 | 19.45 Uhr | zdf neo

Na, war wieder mal eine Schießerei?
Gestern erst wieder, hast du das gar nicht mitbekommen? War mächtig was los.
Und, wie lange warst du so im Knast?

Ja, das sind sie, diese stinknormalen, langweiligen Smalltalks, während man in der Küche rumsteht und kocht. Da bespricht man diese sehr belanglosen Themen.
Zumindest macht das Jan Böhmermann so. Der hat neuerdings eine Kochsendung bei zdf neo. Er sagt, er wollte das unbedingt mal machen und musste das ZDF dazu überreden. Nun hat er seinen Willen bekommen. Am frühen Sonnabendabend lief bei zdf neo die erste Ausgabe von “Böhmi brutzelt”.

In jeder Sendung lädt sich Böhmi in seine hässliche Studioküche einen Gast ein, und in Folge 1 war das Xatar. Dass ich von ihm noch nie was gehört habe, spricht vermutlich… also, natürlich spricht das für mich. Denn ich weiß nicht, ob ich mich so richtig wohlfühlen würde, würde ich mich am Herd über Schießerei und Knast-Aufenthalte unterhalten. Denn blöderweise habe ich von beidem irgendwie nicht so viel Ahnung.
Inzwischen war Xatar – zumindest für mich – eher, nein, sehr unspannend.

Böhmi hat Rouladen gemacht, die recht lecker aussahen. Aber irgendwie muss beim Einrichten der Studioküche was schiefgelaufen sein. Zwar wurde an alle Geräte gedacht, die man so zum Kochen braucht – aber danach muss entweder das Geld ausgegangen sein oder die Einrichter in den Urlaub entfleucht. Denn mal abgesehen von der Küchenzeile besteht die Studio aus einer unfassbar hässlichen orangenen Wand, irgendwo steht über überdimensionierte Pflanze herum. Ein Küchenfeeling kommt da nicht auf. Aber gut, da kann man wenigstens mal über den Knast und Ballereien quatschen. Muss man sich wenigstens nicht die hässlichen Küchenfarben anschauen…

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 24. Juli 2023)

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