Tagesarchiv für 1. Juli 2021

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Ein Hoch auf die Technik (64): Missglücktes Kino-Comeback

Donnerstag, den 1. Juli 2021
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(63) -> 10.12.2020

Endlich! Nach fast acht Monaten der erste Kinobesuch. Während die allermeisten Kinos in Berlin erst am 1. Juli öffnen, waren die UCI-Kinos bereits länger geöffnet. Und tatsächlich gab es auch schon im Juni einige Filmstarts für diese Kinos.
So war mein Kino-Comeback allerdings gleichzeitig eine Premiere, denn im UCI am Eastgate in Berlin-Marzahn war ich bislang noch nie – weil es von mir aus doch sehr weit außerhalb liegt.

Das Kino ist unweit vom Eastgate im Einkaufszentrum “Le Prom”. Ich kaufte mir ein Ticket – 9,90 Euro sind gut 2 Euro mehr als vor der Coronakrise.
Im Gegensatz zu Brandenburg braucht man in Berlin noch einen negativen Coronatest, um ins Kino zu kommen. Den wollen sie am Einlass dann auch wirklich sehen, außerdem loggt man sich mit der Luca-App ein.

Für die Kinos wird dieser Sommer spannend. Denn die Frage ist: Kommen die Besucher zurück? Oder streamen sie jetzt lieber zu Hause? Kinobetreiber müssen sich mit der Frage beschäftigen, warum die Leute zu ihnen kommen sollen, sehr sehr viel Geld für den Film und für Snacks ausgeben sollen.
Das UCI hat am Montag leider gezeigt, warum viele Leute das Kino nicht mehr brauchen.

Zur Erinnerung: 9,90 Euro Eintritt. Plus Fahrtkosten. Plus ein Getränk für 5 Euro.
Die Werbung beginnt, und das Bild sieht seltsam aus. Alle Schriften im Bild ragen aus allen Seiten raus. Das Bild ist zu sehr rangezoomt. Das Bildformat ist falsch.
Immer mal wieder gehen Leute raus, vermutlich, um Bescheid zu sagen. Immer mal wieder stehen Mitarbeitende and er Tür, um festzustellen, dass alles okay ist. Weil gerade keine Schrift zu sehen ist.
Der Film beginnt, das Problem ist dasselbe. Langsam werden die Leute sauer. Mitarbeitende kommen wieder und schauen, und dann fällt ihnen doch auf, dass ständig Köpfe aus dem Bild ragen.
Fünf weitere Minuten dauert es, als das Licht wieder an geht und eine Kinomitarbeiterin bekannt gibt, dass der Film noch mal gestartet werde.

Ein paar Minuten später. Der Film beginnt wieder. Aber nur der Ton. Das Licht geht trotzdem aus, die Leinwand bleibt dunkel. Plötzlich stoppt der Film wieder, ein lauter Störton dröhnt eine gute Minute lang aus den Lautsprechern. Dann ist es still. Und dunkel.
9,90 Euro. Fahrtkosten. 5 Euro fürs Getränk.
Es dauert wieder etwas, dann startet wieder der Film. Diesmal im richtigen Format. Blöd nur, diesmal zu hoch eingestellt. Der Film ragt oben raus, ein Teil der Bilder ist nun auf der Wandverkleidung zu sehen.
Unfassbar.

Etwas später kommt die Mitarbeiterin nochmals. Sie könne am jetzigen Zustand nichts ändern. Und nein, sie könne den Projektor oder das Bild nicht einfach nach unten schieben. Wer will, könne das Geld zurückbekommen.
Zwei Leute gehen tatsächlich, der Rest bleibt – auch ich. Ich will nicht umsonst nach Marzahn gefahren sein.
So viel Murks für so viel Geld. Liebes UCI, ihr habt leider überhaupt gar keine Reklame für eure Branche gemacht.

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RTZapper

ZDF-History: Osthits – Die DDR in 10 Scheiben

Donnerstag, den 1. Juli 2021
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SO 27.06.2021 | 23.35 Uhr | ZDF

Dass die deutsche Wiedervereinigung eigentlich eher ein bloßer Anschluss der DDR an die alte Bundesrepublik war, ist nichts Neues. Dass sich damals die die meisten Bundesbürger recht wenig dafür interessiert haben, was in dieser DDR eigentlich abging, was dort angesagt war, welche kulturellen Errungenschaften und Eigenarten es gab, ist auch bekannt. Während die meisten Menschen aus der DDR sehr gut darüber Bescheid wussten, was im Westen los ist, wussten die Menschen in der Bundesrepublik nur sehr wenig über die DDR. Mal abgesehen von Stasi, Honecker und Pionieren.

Was auch an den Medien liegt, die es 1990 schlicht versäumt haben, dem Westen den Osten nahezubringen. Wenige Sendungen und Shows haben es ins gesamtdeutsche Fernsehen geschafft, aber darum geht es nicht. Bis heute gibt es keine vollständige Dokumentation über die deutsch-deutsche Geschichte. Der rbb hat es in den vergangenen Jahren vorgemacht und eine gute Gesamt-Berliner Jahreschronik vorgelegt. Wiederholt das ZDF irgendwo die alten “Album”-Jahresrückblick kommt darin bis 1989 die DDR schlicht so gut wie nicht vor. Wird in großen Shows auf bestimmte Jahrzehnte geblickt, ist das fast immer eine westdeutsche Sicht, in der die DDR und dortige Ereignisse nur in der Rubrik “Und sonst so” vorkommen.

Am Sonntagabend zeigte das ZDF in der Reihe “ZDF-History” die Doku “Osthits – Die DDR in 10 Scheiben”. Sie löst im Grunde das ein, was man den Menschen 1990 schon hätte zeigen müssen. Gezeigt wurden Hits aus den 50er- bis 80er-Jahren – und ihre Geschichte dazu. Fred Frohbergs “Gute Freunde” wird man im Westen kaum kennen. Der Oktoberclub-Song “Sag mir wo du stehst” war im Osten sehr bekannt, im Westen kennt man ihn kaum. Auch weil er recht behaftet ist mit Propaganda. So sing es in der Doku darum, dass der Oktoberclub zwar bejubelt worden ist, in Wirklichkeit aber bei 95 Prozent der DDR-Jugend nicht beliebt war.
Dazu die Puhdys, Silly und viele mehr. Im Osten bekannt, und daher war diese ZDF-Doku für “alte Wessis” ein hoffentlich spannender Lehrfilm, für “alte Ossis” pure Erinnerung.
Davon sollte das ZDF mehr zeigen – DDR-Geschichte sollte nicht nur dem mdr überlassen bleiben.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 25. Juni 2026)

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