Tagesarchiv für 28. Mai 2021

RT im Kino

Und morgen die ganze Welt

Freitag, den 28. Mai 2021

“Und morgen die ganze Welt” ist hochpolitisches und gesellschaftliches Kino, über das man diskutieren kann. Denn er beschäftigt sich mit der Frage, wie weit man gehen darf, um die Demokratie zu verteidigen.

Jurastudentin Luisa (Mala Emde) aus Mannheim will, dass sich in Deutschland etwas verändert. Denn es ist zu einem Rechtsruck gekommen. Nazis marschieren, geben Konzerte mit rassistischen Liedern. Auf Flüchtlingsunterkünfte werden Anschläge verübt. Auf Kundgebungen bringt sich die Partei “Liste 14” ins Gespräch, und immer mehr hören den Parolen zu. Luisa will das nicht länger mit ansehen. Sie schließt sich einer Antifa-Gruppe an und freundet sich mit Alfa (Noah Saavedra) und dessen besten Freund Lenor (Tonio Schneider) an. Sie sagen, Gewalt sei ein legitimes Mittel, um Widerstand zu leisten. Luisa nimmt an ersten Aktionen teil – die bald in Gewalt umschwenken. Für Luisa stellt sich bald die Frage: Wie weit kann sie gehen? Wie akzeptabel ist Gewalt?

Es kommt immer wieder die Frage auf, was denn schlimmer sei: Rechtsextremismus oder Linksextremismus? Ist beides gleich schlimm und zu bekämpfen? Oder ist, wie man auch öfter hört, der Linksextremismus besser, weil er den Rechtsextremismus bekämpft?
Regisseurin Julia von Heinz lässt den Zuschauer teilhaben an einer Entwicklung, die Luisa mitmacht. Denn das Ziel der Antifa-Gruppe ist, den Rechtsterrorismus zu bekämpfen. Der Film spielt aber auch genau damit, mit der Sympathie des Zuschauers. Denn als Gewalt ins Spiel kommt, die auch von den Linken ausgeht, da kommt man in Zweifel: Ist das nötig? Macht das Sinn? Und so grundsätzlich: Sind wir nicht alle (also, die meisten) Antifaschisten?
Dass die AfD nicht gerade Sympathien für den Film hegt, kommt nicht von Ungefähr. Die “Liste 14” ähnelt im Layout der AfD, der Zusammenhang zum Rechtsterrorismus wird gezogen.
Es ist faszinierend und spannend zu beobachten, in welchen Strudel Luisa gerät. Es gibt Szenen, die haben eine Wucht, die einen in den Bann zieht. Man sieht, wie Luisa zunächst zweifelt, man sieht ihre Angst, dann aber auch ihre Entschlossenheit.
Dramaturgisch kann der Film die Spannung nicht immer halten, das ändert aber nichts daran, dass das Werk, das für Deutschland ins Oscar-Rennen ging, ein filmisches selten erzähltes Thema aufzeigt.

-> Trailer auf Youtube

Und morgen die ganze Welt
D 2020, Regie: Julia von Heinz
Alamode Film, 111 Minuten, ab 12
7/10

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ORA aktuell

Handball: Oranienburger HC trennt sich von Trainer Krause

Freitag, den 28. Mai 2021
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Der Handball-Drittligist Oranienburger HC trennt sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Silvio Krause. Die Trennung erfolge “im gegenseitigen Einvernehmen”. Das teilte der OHC am Donnerstagmorgen mit.

Krause war erst seit dem Sommer 2020 Cheftrainer der Männermannschaft. Manchmal müsse man auf bestimmte Entwicklungen reagieren, sagte OHC-Präsident Thomas Stahlberg der Märkischen Allgemeinen. Näher wollten sich sowohl er als auch Krause nicht äußern.

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RTZapper

Sendestart 80s80s

Freitag, den 28. Mai 2021
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MI 26.05.2021 | 8.08 Uhr | 80s80s

In Mecklenburg-Vorpommern endete am Mittwoch eine fast 28 Jahre lange Ära. Der Radiosender Antenne MV wurde eingestellt. Stattdessen startete am Morgen um 8.08 Uhr ein Spartenprogramm namens 80s80s. Und, nein, das spricht sich nicht “Achtzigs-Achtzigs”, sondern cool “Eightys-Eightys”. Überraschenderweise gibt es dort ausschließlich 80er-Jahre-Musik.
Über DAB sendet 80s80s schon eine Weile bundesweit, am Mittwoch startete in Mecklenburg-Vorpommern die regionale Variante, in der es, wie versprochen wird, auch weiterhin Infos aus dem nordöstlichen Bundesland geben soll. Wie immer das auf einem solchen Sender aussehen soll.

Der Schritt ist bemerkenswert. Denn Mecklenburg-Vorpommern ist nicht gerade bekannt für einen breiten Radiomarkt. Lange Zeit waren Antenne MV und die Ostseewelle die privaten Platzhirsche im Land. Erst seit wenigen Jahren sendet dort auch das Schlagerradio, das ehemalige Radio B2. Ein Sender mit einer ausgewogeneren Wort-Musik-Mischung wie radioeins vom rbb findet man dort vergebens.
Insbesondere den Quotenkampf mit der Ostseewelle hatte Antenne MV, das Ende Mai 1993 und noch der Ostseewelle gestartet war, verloren. Dass man aber dafür den ganzen Sender aufgibt, ist erstaunlich.

Die Erwartungen an 80s80s sind nun, das muss man wohl so sagen, nicht sehr hoch. Und tatsächlich legte der Sender am Mittwochmorgen zum Start die Messlatte extrem tief. Mit einem vorproduzierten Einspieler, einer billigen Countdownmusik und einer aufgezeichneten Ansage, ging es los.
Ganz anders der Abschied am Vorabend. Moderator Patrick Ortel hatte sich da mit einer emotionalen Schlussrede an die Hörer und Kollegen gewandt. Er erzählte davon, wie ihn Antenne MV im Leben begleitet hatte, und er erzählte von seinen Kollegen und von der Traurigkeit, die nun herrsche. Eine ergreifende, fast fünf Minuten lange Rede, die da über den Äther ging.
Patrick Ortel gehört wohl den denjenigen, der auch bei der MV-Version von 80s80s an Bord sein wird.

Und überhaupt wird es spannend zu beobachten, wie viel MV in 80s80s drin sein wird. Denn der Name steht für Musik, Musik, Musik. Vielleicht mal für ein Quiz. Aber kaum für regionale Infos, denn ansonsten hätte man die bekannte Marke nicht aufgeben müssen.
Spannend wird aber auch, ob es nun eine Hörerwanderung gibt. Wird 80s80s Hörer verlieren? Im großen Stil? Oder gar gewinnen? Profitieren Ostseewelle oder der NDR?
Es heißt immer: Konkurrenz belebt das Geschäft, und die Ostseewelle hat einen Konkurrenten (Mitbewerber!) verloren. Hoffentlich wird man nun nicht auch dort sparen – also den letzten Rest MV-Infos, den es dort noch gibt.

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