Tagesarchiv für 24. Mai 2021

RT im Kino

The United States vs. Billie Holiday

Montag, den 24. Mai 2021

Der Song “Strange Fruit” von Billie Holiday basiert auf einem Gedicht eines jüdischen Lehrers, er prangert Rassismus und Lynchjustiz an Schwarzen in den USA an.
Die Menschen lieben das Lied. Endlich hat Sängerin Billie Holiday (Andra Day), die auch Lady Day genannt wird, Erfolg beim Publikum. Aber bei Veranstaltern und Besitzern von Konzerträumen kommt das Lied natürlich nicht gut an. Aber Billie will auf das Lied bei den Auftritten nicht verzichten.
Das sorgt für Aufmerksamkeit, auch bei den Behörden, die sie nun offenbar auf dem Kieker haben. Bekannt ist, dass sie drogensüchtig ist. Beim FBI ermittelt ausgerechnet ihr Liebhaber Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes). Und tatsächlich steht eines Tages bei einer delikaten Situation die Polizei vor der Tür.

Lee Daniels erzählt in seinem Film “The United States vs. Billie Holiday” von der Drogen-Kriminalisierung in den USA der 1940er-Jahre – vermischt mit dem Rassenhass, den die schwarze Jazzsängerin auf sich zog. Ihre Weigerung, den bestimmten Song nicht zu singen, führte dazu, dass sich die Behörden auf sie stürzten.
Andra Day bekam für ihre Rolle den Golden Globe und eine Oscar-Nominierung. Tatsächlich füllt sie ihre Rolle recht gut aus.
Zudem gibt es, was natürlich in einem Biopic über eine Jazzsängerin nicht verwunderlich ist, viel Musik. Mitunter gibt es zwischendurch ganze Musikeinlagen, was aber leider etwas ermüdend wirkt.
Auch wenn das Thema an sich wichtig ist, Spannung und Emotion will sich irgendwie nicht einstellen. Der Film ist recht zäh, die wenigen emotionalen Momente reichen nicht aus, um die Stimmung zu drehen.

-> Trailer auf Youtube

The United States vs. Billie Holiday
USA 2020, Regie: Lee Daniels
Wild Bunch, 130 Minuten, ab 16
4/10

Hits: 319

RTZapper

Eurovision Song Contest 2021

Montag, den 24. Mai 2021
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SA 22.05.2021 | 21.00 Uhr | Das Erste

Bitte nennt mich jetzt ganz offiziell ESC-Experte! Im Tippspiel zum ESC 2021 tippte ich fünf Länder in die Top 5 – und alle diese Länder schafften es auch wirklich an die Spitze – wenn auch in anderer Reihenfolge. Aber immerhin. Deutschland hatte ich übrigens auf die 17 gesetzt.

Ja, Deutschland ist nur Vorletzter. Das ist nicht schön. Aber ist es wirklich das, was uns nach diesem Abend vorrangig gleich am Anfang beschäftigen sollte?
Denn: Der Eurovision Song Contest 2021 am Sonnabend, live aus Rotterdam, gehört sicherlich jetzt schon zu den Events des Jahres. Wieder einmal zeigte die Show, wie 39 Nationen zusammenkommen können und Musik leben und feiern.

2020 mussten wir darauf verzichten, das Coronavirus sorgte für eine Absage. Doch die Niederländer erstellten für 2021 ein Konzept (oder ja eigentlich mehrere), damit das Event auch wirklich über die Bühne gehen kann. Strenge Hygieneregeln wurden durchgesetzt, aber immerhin durften 3500 Zuschauer in die Halle. Was auch dafür sorgte, dass wir nach langer Zeit eine Show erlebten, in der der Applaus nicht (ausschließlich) aus der Konserve kam.

Aber auch inhaltlich konnte dieser Abend voll und ganz überzeugen. Es gab die härtere Rocknummer, es gab die Ballade, den Chanson, Elektrobeats, Ethnosounds, Rap, Pop. Für jeden sollte etwas dabei gewesen sein, natürlich gehört auch eine Prise Trash dazu.
Die Punktevergabe war an Spannung nicht zu überbieten. Seit es das neue System mit der getrennten Jury- und Zuschauerwertung gibt, dauert es bis zum allerletzten Ergebnis, bis feststeht, wer gewinnt.

Am Ende standen sich Italien mit der härteren Rocknummer und die Schweiz mit einer wahnsinnig tollen Ballade gegenüber. Den Sieg trägt die Band Måneskin aus Italien mit “Zitti e buoni” nach Hause. Beim Televoting lag die Band erstaunlicherweise ganz vorn. Aber der Auftritt war hochprofessionell und gut gemacht – und in der Landessprache. Ebenso wie die Schweiz, die dann auf Platz 3 landete. Gjon’s Tears sang “Tout l’univers” (mein Favorit!) auf Französisch. Dazwischen sortierte sich Frankreich mit “Voila” von Barbara Pravi ein – natürlich auch in Landessprache.
Große Freude auch für Island. Wie schon berichtet sind Teile von Daði & Gagnamagnið in Corona-Quarantäne, die Band nahm nur mit einem Probenvideo teil – und trotzdem war Platz 4 drin. Allerdings auch verdient, “10 Years” ist ein schöner, poppiger, cooler Song mit einer außergewöhnlichen, aber eben nicht bombastischen Show.
Und auf Platz 5 schließlich die Ukraine. Wenn Go_A “Shum” performen geht die Post ab. Der hohe Gesang (in Landessprache!) und dazu geradezu hypnotische Technobeats, die immer schneller werden, kamen beim Publikum sehr gut an – Platz 2 im Televoting!

Die Enttäuschung des Abends war übrigens Spanien. Blas Cantó sang “Voy a quedarme”, darin geht es um seine an Corona verstorbene Oma. Ursprünglich war das eine herzzerreißende Ballade. Doch für die Bühnenshow dachte sich jemand, man müsse doch noch ein paar Beats runterlegen und daraus eine öde Popnummer machen. Die Quittung gab es prompt: Platz 24 und 0 Punkte im Televoting.

Und Deutschland: Jendriks “I don’t feel Hate” hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Zunächst muss man ganz klar sagen: Die Konkurrenz war übermächtig, es waren sehr, sehr viele sehr gute Songs im Wettbewerb. Das deutsche Lied war am Ende nicht mehr als mittelmäßig. Es war nett, es war irgendwie freundlich, ein bisschen lustig. Die Performance von Jendrik und seiner Crew war niedlich. Allerdings hat die Videoprojektion im Hintergrund so gar nicht funktioniert. Es wirkte, als ploppte da Popcorn auf, ab und zu waberten (Hass-)Wörter durchs Bild. Und die Farbexplosionen aus dem Videoclips waren zwar hinten auch zu sehen – sie wurden aber nicht in die Inszenierung integriert. Sie konnten nicht wirken.
Die Jurys gaben uns drei Punkte, die Zuschauer null. Bäm.
Und wieder werden wir darüber reden müssen, wie das Auswahlverfahren besser laufen kann. Zumal Jendrik in der Nacht leider mit merkwürdigen Aussagen irritierte und verärgerte, in dem er meinte, er wollte ja eh nur dabei sein, und er habe ja bessere Lieder, aber sei ja drum gegangen, die deutsche Jury zu überzeugen.

Für die ESC-Saison 2022 wird es Aufgabe des NDR sein, endlich mal wieder mehr Euphorie für das Event zu erzeugen. Das ist wieder mal gar nicht gelungen. Brauchen wir doch einen Vorentscheid? Und überhaupt mehr Transparenz bei der Auswahl?
Allerdings: Die Antworten waren schon immer Ja, und dass wir mehr Euphorie brauchen, ist auch nicht neu. Aber beim NDR scheint man es ja besser zu wissen zu wollen.
Und wenn wir schon dabei sind: Brauchen wir wirklich noch Kommentare von Peter Urban, der uns nach einem Auftritt mitteilt, wie blöd er das Ganze fand? Und der rumheult, weil wir so schlecht abschnitten, obwohl doch alles, alles, alles so toll, toll toll (nein!) war? Die Kommentare sollten locker sein, auch mal flapsig. Aber Meinungen sollten sich die Zuschauer schon selber bilden.

Der Eurovision Song Contest 2022 zieht also nach Italien. Vielleicht nach Turin? Mailand? Rom? Es wird wieder ein Mega-Event. Es wird wieder das Mai-Highlight. Und vielleicht bekommt Deutschland ja auch mal wieder was auf die Reihe. Wir dürfen aber auch dabei nie vergessen: Am Ende geht es darum, einen tollen Abend zu haben und mit den Favoriten des Abends mitzufiebern. Das muss nicht zwingend der deutsche Act sein. Der ESC ist mehr als die Frage, wie wir da ankommen oder nicht. Es ist ein europäisches Kultur- und Musikfest!

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 21. Juni 2021)
-> Die Show (ohne Kommentar) auf Youtube

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