Tagesarchiv für 22. Mai 2021

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Arno Strobel: Offline

Samstag, den 22. Mai 2021

Irgendwo in den Bergen. Ein abgelegenes Hotel. Kein Handy. Kein Internet.
Der Horror. Schon allein das.
Aber es wird schlimmer. Viel schlimmer.

Jenny König bricht von Berchtesgaden aus mit einer Gruppe zu einem Digital-Detox-Tour auf. Sie führt zu einem Hotel oben auf dem Berg. Handys sind verboten, und oben auf dem Berg, im Hotel gibt es auch kein wirkliches Internet. Zudem ist das Hotel gerade im Umbau und nicht so richtig in Betrieb, und die Gruppe ist die einzige vor Ort.
Eigentlich sollen vom Hotel aus weitere Touren stattfinden, aber es schneit so heftig, dass gar nichts mehr geht. Die Gruppe muss sich im Hotel einrichten.
Aber dann verschwindet Thomas. Und als er gefunden wird, ist er grauenvoll zugerichtet. Und das Grauen geht weiter. Niemand ist mehr sicher.

“Offline” heißt der Roman von Erfolgsautor Arno Strobel. Er spielt mit diversen Ängsten der Menschen. Abgeschnitten von der Außenwelt zu sein. In völliger Unsicherheit zu sein. Und keinen Kontakt nach außen zu haben, weil die Telekommunikation nicht möglich ist.
Das alles ist verwoben mit grauenvollen Taten, die sich im Hotel abspielen. Was besonders ist: Der Autor versetzt sich in das Erleben der Opfer. Einem Menschen, der in völliger Dunkelheit und Isolation ist. Das sind immer wieder bedrückende Momente, weil man als Leser sich gar nicht wirklich traut, sich in diese Situation hinein zu versetzen.
Die Geschichte also ist recht spannend und wäre auch sehr lesenswert.
Aber die Machart dieses Romans wirkt dann doch wie von der Stange. Ein Einleitung ist eher langatmig. Der Kriminalfall wirkt dann ein wenig wie aus dem Baukasten, man merkt als Leser direkt wie der Autor versucht, irgendwelche Pfade zu legen, die man natürlich nicht erkennt. Ärgerlich wird es, wenn eine Figur im Roman den Täter kennt und diese Gedanken ausspricht – nur nicht den Namen. Das ist ein Holzhammer, der keinen Spaß macht. Diesem Roman fehlen Raffinesse und wirkliche Tiefe.

Arno Strobel: Offline
Fischer, 364 Seiten
6/10

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