Tagesarchiv für 4. Mai 2021

RTZapper

Alt & Abgefahren

Dienstag, den 4. Mai 2021
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SO 02.05.2021 | 19.05 Uhr | RTL

Martin ist 96, und er fährt noch jeden Tag Auto. Inzwischen zwar nur noch im eigenen Ort, aber das will er sich nicht nehmen lassen.
Okay, er blinkt schon mal nach rechts, wenn er eigentlich links blinken müsste, während er sich darüber beschwert, dass andere Verkehrsteilnehmer gar nicht blinken. Oder er streift schon mal die Hecke am Straßenrand, wenn irgendwie nicht genug Platz ist auf der Straße. Aber Fehler? Nein, Fehler macht er nicht, sagt er. Er sei alt, aber nicht abgefahren.

“Alt & Abfahren” heißt eine Dokureihe, die am frühen Sonntagabend bei RTL zu sehen ist. Dort stellen sich Menschen jenseits der 80 einem Fahrschultest. Den müssen Senioren in Deutschland nämlich eigentlich nicht ablegen. Aber immer wenn es Unfälle mit Senioren im Straßenverkehr gibt, kommt die Diskussion hoch, ob den ältere Menschen nicht doch regelmäßig Tests ablegen müssten.

Martin gehört zu den Senioren, die sich der besonderen Situation stellen. Beobachtet von RTL-Kameras fährt er durch den Ort, das Fernsehteam verfolgt ihn mit einem weiteren Auto.
Das ist wohl auch besser so, denn es kommt immer mal wieder zu, nun ja, kritischen Situationen. Auf einem Parkplatz kommt ihm ein Auto entgegen. Beim Abbiegen verlässt er die Fahrspur. Oder er nimmt dem Gegenverkehr die Vorfahrt.
In Folge 1 saß wohl noch ein Kameramann hinten mit im Auto – davon nahm die Produktion offenbar Abstand. Vielleicht wegen Corona, vielleicht aber auch wegen der Versicherung…
Stattdessen wurde er von seiner Tochter begleitet, die ihm viele Tipps gab – und man fragt sich, wie er bestimmte Situationen alleine gemeistert hätte.

Heinz (81) übersieht beim Rechtsabbiegen eine Fußgängerin. Er kann sich nicht mehr so gut umsehen und dabei bewegen. Aber die Gefahrenbremsung klappt hervorragend.
Renate (82) nennt sich Oma Zack-Zack, und sie fährt gern schnell. Auch wenn ihre Beifahrerin bei der RTL-Testfahrt kurz vor der Krise steht, überholt sie mal fix einen Lkw.

“Alt & Abgefahren” klingt wie eine trutschige Dokureihe, die sich liebevoll über die Alten lustig macht, weil sie am Steuer alles falsch machen. Aber das ist diese Reihe erstaunlicherweise und erfreulicherweise nicht. Vielmehr macht sie darauf aufmerksam, wo alte Leute beim Fahren Probleme haben, denn natürlich bekommen die Zuschauer die Gefahrenquellen mit, und im Bestfall merken sich Senioren so etwas.
Die Reihe zeigt aber auch auf, dass es sich Kritiker immer sehr einfach machen, wenn sie sagen, die Alten sollten doch die Fleppen abgeben. Denn nebenbei wird auch erzählt, was denn passiert, wenn zum Beispiel Martin (96!) keinen Führerschein mehr hätte: Er wäre nicht mehr mobil, müsste sich seine Besorgungen bringen lassen, könnte nicht mehr ins Fitnessstudio. Und er müsste mit seiner Frau umziehen – ins Seniorenheim. An so einem Führerschein hängt also ein ganzes Leben. Es ist wichtig, auch so etwas mal erzählt zu bekommen.

Am Ende bekommt Martin übrigens gesagt, dass er besser seinen Führerschein ruhen lassen sollte. “Absolut erschütternd” sei das, sagt Martin. Ob er auf den Rat hört, muss aber Martin entscheiden. Zwingen kann ihn keiner. Martin denkt drüber nach. Denn so eine Entscheidung zu treffen, ist schwer.

-> Die Serie bei TV Now

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RTelenovela

Konservativ-grau-braun vs. Regenbogen-bunt

Dienstag, den 4. Mai 2021
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Die Gemeindevertreter in Oberkrämer haben es mehrheitlich zum zweiten Mal abgelehnt, dass am 17. Mai in Eichstädt vor der Gemeindeverwaltung die Regenbogenfahne weht.
Es gibt dafür mehrere Begründen der Gegner. Angeblich müsse eine Verwaltung neutral sein, heißt es. Eine andere heißt, da könne ja jeder kommen. Oder: Es handele sich um eine Privatsache, was man denn so treibt.

Klar, es ist Privatsache, mit wem man sich im Bett vergnügt. Aber ist es auch Privatsache, wenn schwule Paare im Supermarkt bepöbelt werden, nur weil sie vielleicht „anders“ aussehen? Oder wenn Menschen nur wegen ihrer Homosexualität zusammengeschlagen werden? Völlig unabhängig, ob das nun konkret in Oberkrämer passiert oder nicht – es ist eben keine Privatsache.
Oder werden die Gemeindevertreter schulterzuckend daneben stehen, wenn es zu einem Angriff käme und auch von einer „Privatsache“ sprechen? Küsst der Bürgermeister seine Frau eigentlich in aller Öffentlichkeit und erwartet, dass sich keiner drüber aufregt?

Die Regenbogenfahne steht für „Du bist nicht allein“. Sie steht für Menschlichkeit – und nicht für Provokation, wie es die rechte AfD an der Stelle gern sagt. Provoziert wird von einer Regenbogenfahne allerdings nur die Person, die vermutlich selbst ein Problem mit dem Thema hat, es unterdrücken will. Und schon mehrfach haben AfD-Vertreter im Bundestag erwähnt, dass sie beispielsweise die “Homo-Ehe” wieder abschaffen würden.

Der Vergleich, dass ja dann jeder seine Fahne hinhängen könnte, Fans vom Fußballverein oder Sammler von Was-weiß-ich, ist eigentlich fast schon ein unverschämter Vergleich. Vielleicht auch ein naiver. Und vielleicht auch einer, über den man, nun ja, nicht tiefer nachgedacht hat. Eine Leidenschaft mit etwas zu vergleichen, was man sich nicht aussucht, ist kurzsichtig. Fürs Händchenhalten zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau kann man schon mal verprügelt werden, wenn man Pech hat. Für die Leidenschaft für den Fußballverein passiert das eher selten oder hat andere Gründe.

In Oberkrämer ist die bunte Fahne unerwünscht. Das ist bedauerlich. Die Gemeindevertreter in Oberkrämer möchten kein Zeichen für Minderheiten setzen und haben dafür nur fadenscheinige oder ignorante Begründungen. Die Gemeinde hat seine besonders konservative, nicht sehr weltoffene Seite gezeigt.
Dass sich die “Bürger für Oberkrämer” dabei auf die Seite der AfD stellen – was nicht das erste Mal passiert – sollte die “Bürger für Oberkrämer” gerne auch mal nachdenklich stimmen.

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