Tagesarchiv für 12. April 2021

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Oliver Hilmes: Das Verschwinden des Dr. Mühe

Montag, den 12. April 2021
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Berlin, 1932. Erich Mühe ist verschwinden. Der Berliner Arzt, der seine Praxis in der Oranienstraße hat, ist unauffindbar. Sein Auto wird am Sacrower See bei Potsdam entdeckt. Aber von ihm selbst gibt es keine Spur. Im See wird offensiv gesucht – ohne Erfolg.
Ernst Keller und seine Kollegen nehmen die Ermittlungen auf, Mühes Frau allerdings ist der festen Ansicht, dass ihr Mann tot ist. Zumal die Umstände des Fernbleibens widersprüchlich sind. Gab es einen Streit? War Mühe schon mal zu merkwürdigen Zeiten unterwegs? Und überhaupt, war die Ehe glücklich oder hatte Mühes Frau eine Affäre?
Führt Erich Mühe gar ein Doppelleben?

Oliver Hilmes schreibt in seinem Buch über “Das Verschwinden des Dr. Mühe”. Der Fall erstreckt sich über 18 Jahre. Lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird der Fall nämlich noch mal aufgenommen.
Der Autor hat sich die Akten dieses Falles angesehen, denn das Verschwinden des Arztes hat es offenbar 1932 in Berlin tatsächlich gegeben. Oliver Hilmes beschriebt die Ermittlungen, in dem er den Leser mitnimmt, wenn der Kommissar ermittelt und Zeugen befragt und sich seine Gedanke dazu macht.
Das ist in der ersten Hälfte ganz spannend, zumal Hilmes relativ nüchtern und ohne Schnickschnack von diesem Fall erzählt. Die Spannung lässt allerdings dann nach, wenn auch die Ermittlungen ins Stocken geraten, dann ist doch relativ viel Leerlauf in der Story.
Hin und wieder wirft der Autor auch die politische Stimmung in Berlin ein, was 1932 und danach natürlich sehr interessant ist.

Oliver Hilmes: Das Verschwinden des Dr. Mühe
Penguin-Verlag, 238 Seiten
6/10

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Punkt 12: Prinz Philip ist tot

Montag, den 12. April 2021
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FR 09.04.2021 | 12.00 Uhr | RTL

Eigentlich dachte Roberta Bieling am Freitagmittag, dass sie gegen 14 Uhr ihr RTL-Studio verlassen darf. Denn normalerweise endet die Nachrichtenboulevardsuppe “Punkt 12” um Punkt 2.
Dann aber kam die Nachricht, dass Prinz Philip gestorben ist, und bei RTL setzte das Breaking-News-Fieber ein.
Der Prinzgemahl von König Elisabeth starb kurz vor seinem 100. Geburtstag.

Hurtig – eigentlich sogar sofort – war schon der erste Nachruf gesendet (von hochbetagten Promis liegen die ja schon fertig im Archiv), und dann dauerte es auch nicht sehr lange, bis Michael Begasse neben Roberta Bielang saß. Michael Begasse ist ein sogenannte Adelsexperte, weil er sich mit Adel besonders gut auskennt.
So fabulierte er darüber, dass Königin Elisabeth jetzt sicherlich sehr traurig sei. Und es ist gut, dass der Adelsexperte so was weiß. Ich weiß so was nämlich… ähm, nicht. Und natürlich gehe er auch fest davon aus, dass die Queen dabei war, als Philip einschlief. Man könnte sagen, er blubbert irgendwas ins Blaue rein.
Aber immerhin wird damit sehr, sehr viel Sendezeit gefüllt.

Denn natürlich endete “Punkt 12” nicht um Punkt 2. „Wir gehen hier gar nicht mehr weg“, sagte Roberta Bielang später, denn bei RTL wird man sich die Hände gerieben haben, denn mit dem normalen Reality-Gedöns erreicht man immer weniger Zuschauer, da kam RTL der tote Prinz doch gerade recht.
„Weil das alles so interessant ist, was du uns erzählst, haben wir nochmal verlängert“, sagte Roberta Bielang am Nachmittag, obwohl natürlich nichts von dem, was Michael Begasse zu erzählen hatte, irgendwie interessant war. Stattdessen viel Geraune und Geschwurbel, nur um ja nicht die Sendung beenden zu müssen.
Sie endete übrigens um Punkt 4.

Bei tagesschau24 blendete man sich gegen 13.35 Uhr aus dem “Mittagsmagazin” aus, um eine eigene Berichterstattung anzubieten. Den London-Korrespondenten aber zu fragen, wie die Briten denn den Tod Philips aufgenommen haben, ist angesichts dessen, dass die Meldung erst ein paar Minuten alt war, ein wenig albern.

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