Tagesarchiv für 10. April 2021

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Doktor Ballouz

Samstag, den 10. April 2021
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DO 08.04.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Die Uckermark hat ja nicht so das allerbeste Image. Tiefster Osten, nichts los, alles öde.
Vermutlich ungewollt erfüllt die neue ZDF-Serie “Doktor Ballouz” dieses Image perfekt – und das, obwohl die Uckermark hier nicht mehr ist als ein Feigenblatt.

Doktor Ballouz kehrt an die Klinik in der Uckermark zurück. Einst hat er da schon mal gearbeitet, aber in dieser Klinik ist auch seine Frau gestorben – er war dabei.
Mit seinem Trabant (augenroll!) tuckert er über die schmale Allee im Nirgendwo (augenroll!). Bevor er in der Klinik ankommt, kommt er an eine Unfallstelle. Eine Frau und ihr Kind brauchen seine Hilfe, er leistet sie und bringt sie in sein Krankenhaus.
So weit, so unspannend.

“Doktor Ballouz” ist Deprifernsehen. Alle flüstern sie vornehmlich, alle haben sie Gebrechen, und der Doktor selbst ist eh fertig mit der Welt. Zumindest wirkt er so, weil er eigentlich immer nur niedergeschlagen ist. Die Patienten sind es auch, die anderen Leute in der Klinik nicht ganz so.

Mit der neuen Arztserie, die am Donnerstagabend mit den ersten beiden Folgen startete, wollte das ZDF mal wieder vieles anders machen. Wobei ich nicht genau weiß, was.
Vielleicht wollten sie auf den Kitsch des “Bergdoktors” verzichten. Vielleicht auch die Dramatik vom “Bergdoktor”. Deshalb also keinen Kitsch, keine Dramatik, stattdessen viele missgelaunte Menschen.
Und das große landschaftliche Nichts, was die Stimmung jetzt auch nicht gerade aufhellt. Die Uckermark besteht in der ZDF-Serie nur aus der Klinik, die im Nirgendwo steht. Einen Ort in der Uckermark nennt man vorsichtshalber nicht – und wenn ist es ein Fantasiename. Ansonsten gibt es nur die schmale Straße zwischen den Feldern und einen einsamen, runtergekommenen Hof.
Ganz toll, diese ZDF-Uckermark.

Hinzu kommt, dass auch diese Serie mit den üblichen abgeschlossenen Geschichten daherkommt. Schade ist, dass aber auch der Unterbau unspannend ist. Normalerweise haben solche Serien immer eine grundsätzliche Story, die von Folge zu Folge weitererzählt wird. Aber der deprimierte Ballouz ist erst mal noch nicht spannend, und das ZDF hat eigentlich keinen Grund geliefert, warum man am nächsten Donnerstag die nächsten beiden Folgen schauen sollte.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 31. März 2022)

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RT liest

Hanni Fux: Simons Wendepunkt

Samstag, den 10. April 2021

Simon Kupfer hatte schon bessere Zeiten. Der Schwimmer ist bei der letzten WM ohne Medaille geblieben – überhaupt hat die deutsche Mannschaft ein mieses Bild abgegeben. In den Medien gibt es viel Häme.
Gemeinsam mit seinen Leuten aus der WG geht er zum Feiern ins Regenbogenhaus. Simon hatte einst seinen besten Freund, als der sich vor ihm geoutet, das Regenbogenhaus gezeigt – und ist seitdem immer wieder dort. Allerdings musste er erst mal klarstellen, dass er nicht schwul ist.
Aber bei dieser Party geschieht etwas Merkwürdiges. Ein Typ nimmt mit ihm Blickkontakt auf – und in Simon kribbelt es. Dieser Mann löst in Simon etwas aus, was ihn völlig verunsichert.
Als ihn Anne aus seiner WG am nächsten Tag in eine Buchlesung schleppt, ist Simon schockiert: Denn der Mann, der da vorne aus seinem Buch liest, ist der Typ von der Party.
Er nimmt nach der Lesung allen Mut zusammen und spricht Benedikt Bergmann an. Er muss wissen, was da los ist – was mit ihm los ist. Denn einerseits fühlt er da etwas – und ist andererseits total verunsichert.

Hanni Fux schreibt in ihrem Roman über “Simons Wendepunkt”. Und man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass die beiden zusammen – und es geht sogar ziemlich schnell.
Denn die eigentliche Geschichte ist etwas anderes. Erstens ist Simon mit seinen 22 Jahren 14 Jahre jünger als Ben – was aber nur für Ben ein Problem zu sein scheint. Und zum anderen ist die Frage, was denn eigentlich passiert, wenn sich Simon, der Profisportler outet. Ist dann seine Karriere beendet?
Diese Frage ist in der Tat spannend, und Hanni Fux erzählt davon, wie sich Simon erst mal über sich selbst klar werden muss – und auch, wie er das der Öffentlichkeit mitteilen könnte. Denn für ihn ist klar: Er will nicht, dass es die Presse rauskriegt – er will den Schritt machen und dem Boulevard so den Wind aus den Segeln nehmen. Doch das ist alles andere als einfach.
Und ist so der Roman einerseits ein relativ kitschiger Liebesroman (man sollte auf explizite Erotikszenen vorbereitet sein), andererseits aber auch ein interessantes Gedankenspiel, wie denn die Öffentlichkeit auf ein Profisportler-Outing reagiert.

Hanni Fux: Simons Wendepunkt
dead soft verlag, 394 Seiten
9/10

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