Tagesarchiv für 8. April 2021

aRTikel

„Wir sollten hier Modellregion werden“

Donnerstag, den 8. April 2021
Tags: , , , , ,

Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über Coronaregeln, die Finanzlage und das Erntefest

MAZ Oberhavel, 8.4.2021

Kremmen.
Zum Abschluss der diesjährigen Reihe „MAZ zu Hause in Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu aktuellen Themen.

Halbzeit im Amt des Bürgermeisters. Macht’s noch Spaß?
Sebastian Busse: Ja, definitiv. Am 21. März war Halbzeit. Wie schnell doch die Zeit vergeht, das ist Wahnsinn. Es macht immer Spaß, die Bürgernähe zu haben. Jeder kann sich an mich wenden, egal ob auf der Straße oder über die sozialen Medien, ich versuche stets zu helfen.

Corona hat Ihnen nichts vom Spaß genommen?
Nein. Corona hat uns ja unter Umständen auch wieder mehr Zeit geschenkt für die Familie. Dafür bin ich sehr dankbar. Abendveranstaltungen, Einweihungen fallen ja alle aus. Man sollte bei allen Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich bringt, auch wieder zu schätzen lernen, dass unser Wasser aus der Wand kommt und wir jederzeit Grundnahrungsmittel zur Verfügung haben. Lösungen muss man finden, und kompromissbereit muss man sein.

Vergeht Ihnen manchmal der Spaß, wenn Sie auf die Finanzen der Stadt schauen?
Wir müssen schon mit offenen Augen haushalten und wirtschaften. Aber die Stadt hat die Finanzlage im Blick, da vergeht mir auch nicht der Spaß daran. Ich weiß ja, was passieren wird und kommen kann, so dass die Großprojekte mit Kita, Schule, Feuerwehr und Turnhalle finanzierbar sind. Aber ja, Kremmen kann nur mit Krediten und Fördermitteln solche Großprojekte stemmen. Als Nächstes werden wir einen Nachtragshaushalt für die Feuerwache und die Erweiterung der Kremmener Schule brauchen. Aber wir haben auch schon viel geschafft. Das Rathaus ist digitalisiert, da sind wir weiter als manch andere Kommunen oder Institutionen im Landkreis. Im Juni kann zudem der Erweiterungsbau der Kita Rhinstrolche bezogen werden.

In Oberkrämer wird gebaut ohne Ende, und das Geld dafür scheint immer da zu sein. Kremmen scheint da irgendwie auf der Stelle zu stehen.
Wir haben im Vergleich einiges auf den Weg gebracht. In den letzten zehn Jahren ist Oberkrämer enorm gewachsen, an Einwohnern sowie Gewerbebetrieben, und um wie viel Kremmen? Wir sind minimal gewachsen. Dadurch hat Oberkrämer schon mal höhere Einkommens- und Gewerbesteuereinnahmen. Wenn wir in den nächsten zehn Jahren um 1000 Einwohner wachsen, dann haben wir auch höhere Einnahmen. Ich finde es auch unsolidarisch, dass einer der größten Arbeitgeber in Kremmen hier bei uns keine Steuern zahlt. Da müsste es klare rechtliche Leitlinien von Bund und Land geben.

Im Kremmener Ortsbeirat wurde neulich über einen Grundstücksverkauf durch die Stadt in Groß-Ziethen diskutiert. Es ging an den Meistbietenden, zu einem höheren Preis als der geschätzte Wert. Im Ortsbeirat gab es Kritik, man wolle ein Einheimischenmodell. Was halten Sie davon?
Dazu muss man wissen: Wir haben wenig eigene Grundstücke. Wir haben vielleicht als Stadt noch ein paar eigene Fleckchen. Die große Fläche nahe der Straße der Einheit kann die Stadt Kremmen nicht selbst entwickeln. Da werden wir sicher einen Investor finden, der die Wohnbebauung vorantreibt. Was den Grundstücksverkauf in Groß-Ziethen angeht: Da hieß es, Einheimische hätten da keine Chance gehabt. Es gab zwar Anfragen. Aber am Bieterverfahren haben sich keine Einheimischen beteiligt. Auch nicht die, die vorher nachgefragt hatten. Es gab fünf Bieter, keiner von hier, und da geht es nun mal an den Meistbietenden. Da hat Kremmen auch nichts zu verschenken.

In acht Ortsspaziergängen wurde immer darauf hingewiesen, welche Geschäfte es früher mal gab, die heute nicht mehr da sind. Schmerzt das?
Ja, das schmerzt schon. Im Konsum in Staffelde war ich ja früher selbst noch einkaufen. In der Altstadt in Kremmen gab es früher mehrere Bäcker, die haben alle selber gebacken. Aber da gab es auch noch nicht die großen Discounter. Die Menschen mussten auch noch nicht so viel in der Tasche haben. Es muss Miete gezahlt werden, die Angestellten müssen bezahlt werden, und übrig bleiben muss auch noch was. Immerhin haben wir auf dem Markt wieder mehr Bewegung.

Kremmen hat den Kirchplatz, die Altstadt, das Scheunenviertel und relativ viel Wasser. Täuscht mein Eindruck, dass das touristische Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird?
Da liegt es immer am Interesse des touristischen Ortes und des Betreibers, was man denn selber für Ziele hat. Kremmen kann viel bieten, aber das ist noch lange nicht ausgereizt. Wir sind unter anderem gerade dabei, eine Wanderkarte, die die neuen Brücken am Kanal mit aufzeigen soll, zu erstellen. Da soll es drei Wanderrouten geben, eine führt auch durch die Altstadt. Kremmen bietet außerhalb von Corona viele private Initiativen, die die Stadt gerne unterstützt. Stadtführungen sind auch immer wieder gut besucht.

Immer mal wieder heißt es in den Dörfern, dass durch die großen und wichtigen Projekte das meiste Geld in die Kernstadt fließe. Flatows Ortschef Gert Dietrich sagte gar, dass die Entscheidung, sich Kremmen anzuschließen, falsch gewesen sei.
Über die Aussage von Gert Dietrich war ich enttäuscht, dass er da nach 20 Jahren nicht mal über seinen Schatten gesprungen ist. Es fehlt doch an nichts in Flatow! Alles, was ein Problem war, haben wir angepackt oder versuchen wir zu machen. Dass alles seine Zeit braucht, ist normal. Da muss man geduldiger sein. Ich empfand die Zusammenarbeit mit dem Ortsteil Flatow immer positiv. Die Leute in Flatow profitieren von allen großen Investitionen in Kremmens Infrastruktur.

Die Sommerfelder wünschen sich ein neues Bürgerhaus. Angesichts der großen Kremmener Projekte, besteht doch da aber gerade auch keine Chance, oder?
Ich arbeite mit dem Ortsvorsteher Kurth eng zusammen, und er hat es realistisch dargestellt. Wir hatten zwei Orte im Fokus, der Wunschort des Beirates ist nicht genehmigungsfähig. Vielleicht klappt so was in den nächsten zehn bis 20 Jahren, auch in Verbindung mit einer neuen Feuerwache nahe des Sommerfelder Sportplatzes. Momentan ist ja alles da, und die Gaststätten, wo man sich treffen kann, müssen ja auch von etwas leben.

Ihr Parteikollege Frank Bommert setzt sich für eine Öffnungsstrategie ein, für einen Test, wie auch in Coronazeiten Theater und Restaurants wieder öffnen könnten. Könnten Sie sich vorstellen, sich mit der Stadt Kremmen an einem solchen Test zu beteiligen?
Wir sollten hier zu einer Modellregion werden. Ich unterstütze das überall, wo ich kann. Ich sehe hier in Kremmen ganz klar die Gastro- und Beherbergungsbetriebe, auch unser Scheunenviertel mit dem Theater. Wer einen negativen Test vorliegen hat, sollte die Möglichkeit haben, sich zu erholen, essen zu gehen oder Kultur zu erleben. Ich kann den Landrat nur ermutigen, den nächsten Schritt zur Normalität zu wählen! Wir haben seit dem ersten Lockdown nicht viel geschafft.

Angesichts des Regel-Wirrwarrs rund um die Corona-Pandemie kündigte Leegebruchs Bürgermeister Martin Rother kürzlich den Austritt aus der CDU an. Können sie das nachvollziehen?
Ich habe wirklich gezweifelt, als der Donnerstag vor Ostern ein Ruhetag werden sollte. Aber ich werde deshalb jetzt nicht aus der CDU austreten. Die CDU ist in anderen wichtigen Punkten für mich ein Eckpfeiler. Ich versuche immer, das Ganze zu sehen.

Wird es ein Erntefest 2021 geben?
Ja. Abgespeckt. Daran arbeiten wir gerade. Es wird in diesem Jahr was geben. In welcher Größenordnung weiß ich noch nicht.

Hits: 99

RTZapper

Pocher vs. Influencer

Donnerstag, den 8. April 2021
Tags:

MI 07.04.2021 | 20.15 Uhr | RTL

RTL will sich wieder mehr dem älteren Publikum zuwenden. Angesichts der schwindenden Zuschauerzahlen ist das auch dringend nötig.
Wie dazu allerdings eine Show mit lauter Instagram- und TikTok-Influencern passt, die bei Leuten Ü30 vermutlich kaum jemand kennt. Inklusive mir: Bevor diese Leute am Mittwochabend bei RTL zu Gast waren, habe ich von Twenty4tim (seinen richtigen Namen wollte der junge Mann nicht preisgeben, das wäre vielleicht zu, ähm, privat), Kristina Levina, Younes Zarou und Payton Ramolla etwas gehört. Nur Sam Dylan kannte ich durch seine Auftritte bei “Prince Charming” und “Ich bin ein Star – Die Dschungelshow”.

In “Pocher vs. Influencer” traten Amira und Oliver Pocher gegen diese bei Jugendlichen extrem bekannten Leute an. Alle zusammen haben sie wohl 40 Millionen Follower.
Die Show ist die Fortsetzung von “Pocher vs. der Mann, der von RTL nicht mehr namentlich benannt wird”. Da Michael Wendler inzwischen virtuell lieber mit seinen Nazifreunden abhängt, wird es von der Show glücklicherweise keine Fortsetzung geben.

Normalerweise teilt Pocher gegen die Insta- und TikTok-Influencer ordentlich aus, wenn sie mal wieder in Dubai zu feiern oder dubiose Produkte verscheuern wollen. Dass er die nun alle in seine Show einlädt, um mit ihnen zu spielen, erscheint allerdings überflüssig. Die Frage ist: Was wollen diese Leute im Fernsehen, das sie eh nicht interessiert? Und seltsamerweise wirkt Twenty4tim in der Show wie ein schüchterner Junge, der schlicht nichts zu erzählen hat – im Internet ist das vermutlich anders. Bei den anderen war es ähnlich, und nur um sich über sie lustig zu machen oder sie bei öden Spielchen zu beobachten, ist dann die Zeit eigentlich doch zu schade.
Pocher hat die Show am Ende gewonnen. Immerhin. Vermutlich werde ich von den meisten seiner Gegner nichts mehr hören.

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 141

RTelenovela

Stolpe

Donnerstag, den 8. April 2021
Tags:

Eigentlich dachte ich, so ziemlich jeden Winkel im Süden meines Heimat-Landkreises zumindest schon mal gesehen zu haben. Doch da sollte ich mich getäuscht haben.
Durch den Hohen Neuendorfer Ortsteil Stolpe fährt man normalerweise nur durch. Die Landesstraße verbindet dort Hennigsdorf, die A111 und Hohen Neuendorf. Durch Stolpe ist man da recht schnell durch. Es gibt eine Ampelkreuzung, von der links und rechts eine Straße abgeht, dann ist man auch schon wieder raus.
Und scheinbar bin ich in Stolpe entweder schon ewig nicht mehr oder noch nie abgebogen.

Es gibt einen alten und einen neuen Teil von Stolpe. Der alte Teil besteht aus einer Kopfsteinpflasterstraße, rechts und links stehen alte Häuser. Es gibt Gaststätten, einen Spielplatz, ein Bürgerhaus. Ein typisches Ein-Straßen-Dorf, auch wenn ein weitere Abzweigungen gibt.
Völlig im Kontrast dazu die andere Seite von Stolpe. Fährt man über die Landesstraße gelangt man auf die Neue Dorfstraße. Und was man da zu sehen bekommt, ist beeindruckend. Denn das scheint die Villen-Gegend zu sein. Riesige Häuser in Reih und Glied. Einige sind vermutlich Mehrfamilienhäuser, dennoch sieht hier alles relativ protzig aus. Ganz am Ende ist ein Golfplatz, was natürlich auch dazu passt.

Stolpe sind eigentlich zwei Dörfer, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zueinander passen. Auf den zweiten vermutlich auch nicht.

Hits: 112