Tagesarchiv für 7. April 2021

RTZapper

Dark Germany – Kämpfen bis aufs Blut

Mittwoch, den 7. April 2021
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DI 06.04.2021 | 22.15 Uhr | DMAX

Gewalt ist geil. Und es gibt sie wirklich, die harten Kerle, die Gewalt geil finden. Die sich verabschieden, um auf sich einzuprügeln.
Der Männersender DMAX gewährte am Dienstagabend einen Einblick in eine Szene, die so faszinierend wie gruselig und abstoßend ist. In der Doku “Dark Germany – Kämpfen bis aufs Blut” ging es um Fußballhooligans und um Kampfsportler, die Wettbewerbe veranstalten, bei denen hart aufeinander eingeprügelt wird – illegal. Männer auf der Suche nach Gewalt.

Zum Beispiel beim Hamburger Fußball-Derby zwischen dem HSV und St. Pauli. Allein schon die Drohkulisse vorher, denn das Bedrohliche spielt sich eher außerhalb des Stadions ab. Da finden regelrechte Aufmärsche, um Drohkulissen aufbauen und vermeintliche Macht zu präsentieren. Pyro. Schlägereien. Für diese sogenannten Fans ist das alles völlig normal, weil sie für ihren Verein kämpfen.
Versteht man vermutlich nur, wenn… Sie selbst verstehen sie das vermutlich nur. Auch dieser Hooligan-Szene heraus gibt es noch die Kampfsportler, die sich beispielsweise in Schweden zu den Prügelwettbewerben treffen. Eine geisteskranke Veranstaltung, wie der (im Film anonymisierte) Kampfsportler immerhin auch selbst anmerkt. Gesicht ist dick, Lippe ist dick, Nase ist dick, das Ohr hat was abbekommen, die Wange auch, ein Zahn ist abgebrochen – aber egal, Montag geht es wieder zur Arbeit.

Der Einblick in diese Szene ist interessant, aber natürlich auch erschreckend. Denn ein Gewaltforscher bringt es auf den Punkt: Bliebe die Szene unter sich, könne man das so stehen lassen. Problematisch werde es, wenn die Szene sich an politischer Gewalt beteilige. Darauf müssten die Kampfsportverbände und Organisationen Antworten finden.

-> Die Sendung auf DMAX.de

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RT liest

Bill Kaulitz: Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre

Mittwoch, den 7. April 2021
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Das Buch fällt auf, ist aber optisch alles andere als ein Hingucker. ZU sehen sind in Schwarz-weiß nur Augen, Nase und Mund von Bill Kaulitz, dazu seine Piercings. Zwischen den Augen ist Blut, vielleicht ein Einschussloch. Etwas Blut läuft auf die Nase runter. Über der Stirn prangt der krakelige, an einen Horrorfilm erinnernde Schriftzug mit dem Titel des Buches.
Und aus der Ferne sieht das Buch aus wie damals eine DVD aus der Videothek. An den Seiten sind die Buchseiten schwarz eingefärbt, dazu das billig und trashig wirkende Cover.
Der Inhalt des Buches ist das allerdings nicht.

Bill Kaulitz steht seit bald 20 Jahren in der Öffentlichkeit. 2003 nahm er an der Sat.1-Castingshow “Star Search”, und zu dieser Zeit war er im Magdeburger Raum schon mit seiner Band unterwegs.
2005 kam “Durch den Monsun”. Und die Band Tokio Hotel wurde der große Überflieger.
In seinem Buch “Career Suicide” erzählt Bill Kaulitz über seine ersten 30 Jahre. Über seine Kindheit, die Schulzeit, darüber wie er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Tom seine Bandkollegen Georg und Gustav kennenlernte und wie es zum ersten großen Hit kam.

Obwohl Bill Kaulitz erst 32 Jahre alt ist, hat er viel zu erzählen. Dabei wird schnell klar, dass sein Leben nie ein Zuckerschlecken war – auch und gerade nicht in der besten Zeit von Tokio Hotel.
Bill war schon immer jemand, der sich auffällig gestylt hat, für den das völlig normal war. Damit fiel er auf, schon in der Schule. Er schreibt von bösen Hänseleien und Attacken – aber auch, wie er das alles überstanden hat, wie sehr da auch sein Bruder eine große Hilfe war. Bill und Tom haben sich immer perfekt ergänzt.
Die Musik aber war die großen Leidenschaft – und ist es noch immer. Aber wer denkt, dass es nur toll ist, ein Star zu sein, der täuscht sich. Denn der Hype, der über Tokio Hotel hereinbrach, lässt einem schon beim Lesen den Atem stocken.

Recht schonungslos lässt Bill Kaulitz in “Career Suicide” sein bisheriges Leben Revue passieren. Er geht dabei auch mit sich selbst nicht zimperlich um. Das Buch wirkt, als ob er dem Leser alles persönlich erzählt. Manchmal spricht er den Leser auch persönlich an. Wer das Buch liest und Kaulitz kennt, kann sich sicher ganz gut vorstellen, wie er das einem gerade alles erzählen würde. Einige der Episoden sich bestürzend, andere lassen einen den Kopf schütteln. Aber am Ende steht auch der große Respekt vor einem jungen Mann, der extrem für seinen Traum gekämpft hat und fast an ihm zerbrochen wäre.

Bill Kaulitz: Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre
Ullstein, 381 Seiten
8/10

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RTelenovela

Masken-Wirrwarr in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 7. April 2021
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Bei McDonald’s in Berlin-Reinickendorf. Im Restaurant sitzen darf man ja seit gefühlten 13 Jahren nicht mehr, aber man darf reingehen, um etwas zu bestellen und es dann mitzunehmen.
Ich stand am Dienstagnachmittag am Automaten, um meine Bestellung aufzugeben.
Ein McDonald’s-Mitarbeiter sprach mich an. Nicht wegen der Adressdaten – das scheint ja auch nicht mehr nötig zu sein. Sondern er fragte mich, ob ich eine FFP2-Maske dabei habe. Hatte ich nicht. Ich hatte die normale OP-Maske drübergezogen. FFP2 sei nun Pflicht, sagte er.

Ich schaute den Typen etwas länger an. Er trug eine OP-Maske. Woraufhin ich ihn fragte, on das, was er da trage, eine FFP2-Maske sei. Er müsse nicht, weil, er hier arbeite. Das sei ja unlogisch, sagte ich. Er fände das auch, sagte er, ich solle mich bei Frau Merkel beschweren.
Leider fiel mir Michael Müllers Name nicht ein, weshalb ich nur sagte, dass dafür ja nicht Frau Merkel, sondern “Ihr Bürgermeister” zuständig sei. Immerhin seien das ja Länderbestimmungen, mit denen Frau Merkel nichts zu tun hat. Das fand er ein bisschen lustig, wobei ich Unwissenheit nach einer solchen Zurechtweisung nicht si lustig finde.
Ich durfte aber freundlicher- und ausnahmsweise trotzdem bleiben.
Schade, dass ich eben gerade erst gelesen habe, dass diese blödsinnige FFP2-Maskenpflicht in bestimmten Läden erst am Mittwoch gilt.
Und warum die Mitarbeiter, die viel enger zusammenstehen, einen “schlechteren” Schutz tragen sollen, weiß sicher auch nur Herr Müller. Oder auch nicht.

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