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Bernd ist im Katzenhimmel

Kein Tier war länger bei uns. Es müssen 15 oder 16 Jahre gewesen sein. Am Donnerstag mussten wir von Bernd Abschied nehmen.

Wann genau Bernd zu uns kam, wissen wir gar nicht mehr so genau. Ich kann mich nur erinnern, dass der Kater zur Fußball-WM 2006 schon bei uns war. Also muss er entweder Ende 2005 oder Anfang 2006 zu uns gestoßen sein.
Er ist uns zugelaufen. Wir wissen nur, dass zu zuvor bei Nachbarn bereits zugelaufen war. Er muss in der Nachbarstraße geboren worden und irgendwann losgelaufen sein. Bei unseren Nachbarn – und den Kindern dort – scheint es ihm aber nicht gefallen zu haben.
Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon Oskar, 2006 war der Kater drei Jahre alt.
Plötzlich tauchte der plüschige grau getigerte Kater bei uns auf. Wir wussten, dass er Bernd heißt, und wir haben den Namen eigentlich immer auch beschmunzelt. Und plötzlich war da. Im Garten. Und plötzlich war er im Haus. Und er kam immer wieder. Immer öfter. Und blieb dann irgendwann.
Es schien ihm bei uns mehr gefallen zu haben, denn bei uns hatte er einerseits seine Ruhe. Andererseits hatte er aber auch Oskar, der Bernd erstaunlich gutmütig und freundlich bei uns aufnahm – war ja auch nicht selbstverständlich.
Offenbar war es der anderen Familie auch nicht so wichtig, wo der Streuner abgeblieben war. Bernd jedenfalls blieb.

Wie Oskar und Bernd quasi als Brüder ihr Leben bei uns führten, war oft rührend anzusehen. Abends lagen sie Rücken an Rücken auf dem Sofa. Natürlich gab es hin und wieder Zoff. Aber nie ernsthaft. Als Bernd zu uns kam, war er noch nicht ausgewachsen, und es schien, als ob Oskar ihm erst mal beibringen musste, wie man sich putzt. Das hat Bernd erst getan, nachdem er das bei Oskar gesehen hat.
Als Oskar am Ende des Winters 2016 bei uns in der Veranda eingeschläfert werden musste und der Kater noch auf der Bank lag, sprang Bernd rauf und leckte ihn ein paar mal – vermutlich wusste das Tier, dass es Abschied nehmen musste.

Zuletzt wurde festgestellt, dass Bernd einen Tumor im oder am Magen hatte. Nachdem das klar war – vermutlich hatte er ihn schon länger -, hatte er noch ein paar Wochen. Aber dann kamen die Tage, wo er gar nichts mehr fraß, wackelig wurde. Und ehe das Leiden ganz schlimm wird…
Mach’s gut, kleiner Freund! Ich werde die Zeit auf dem Sofa mit dem ausführlichen Kuscheln vermissen.

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