Monatsarchiv für Februar 2021

RTZapper

Eurovision Song Contest 2021: Unser Lied für Rotterdam – Die Premiere

Freitag, den 26. Februar 2021
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DO 25.02.2021 | 17.40 Uhr | Das Erste

Wenn es um den deutschen Beitrag für den Eurovision Song Contest geht, dann hat das deutsche Publikum schon seit 2020 nichts mehr zu sagen. Schließlich ist das deutsche Publikum aus Sicht der Verantwortlichen zu doof dafür, den richtigen Song zu wählen. Und auch möchte man nicht, dass die Kandidaten, die mitmachen, aber nicht gewinnen, enttäuscht sind und nächstes Jahr nicht mehr mitmachen möchten.
Deshalb macht der NDR lieber sein eigenes Ding und wirft den Song dann irgendwann dem deutschen Publikum hin. Was für den NDR auch den Vorteil hat, keine lästige und teure Vorentscheidungsshow produzieren zu müssen. Was in Skandinavien und vielen anderen Ländern in Europa ein Hype ist, ist in Deutschland offenbar verzichtbar.

Stattdessen fand der NDR es 2021 eine tolle Idee, die Videopremiere des deutschen ESC-Beitrages 2021 mitten in die Übertragung der Ski-nordisch-WM zu platzieren. Am Donnerstag um 17.50 Uhr sollte es losgehen – in der Hoffnung, dass durch den Wintersport eine hohe Quote zu bekommen ist. Und trommelte man an vielen Stellen dafür, dass um 17.50 Uhr der Clip erstmals laufen soll.

Nun glaubt man aber nicht nur beim NDR, sondern auch bei der ARD an sich, dass diese ganze ESC-Sache eh überschätzt ist. Weshalb man die so oft angekündigte Videopremiere kurzerhand einfach mal zehn Minuten vorzog. Ganz spontan. Ist doch eh wurscht, interessiert doch keinen – zumindest in der ARD. Einfach versenden. Weg damit, wenn es passt.

Der 1. Durchgang des Ski-Wettbewerbes war offenbar zu Ende, und schon schob man “Eurovision Song Contest 2021: Unser Lied für Rotterdam – Die Premiere” fix ins Programm. Statt um 17.50 Uhr lief die Sendung schon 17.40 Uhr, und niemand wusste davon. Als ich eher gelangweilt schon 17.43 Uhr einschaltete, hatte ich das meiste verpasst, und ich traute meinen Augen kaum.

Danach gab es übrigens einen längeren Sport-Beitrag, der 2. Durchgang des Ski-Wettbewerbes begann 17.55 Uhr. Man hätte also ohne Weiteres den Sport-Beitrag mit der ESC-Sendung tauschen können, und schon wäre sie einigermaßen pünktlich gelaufen.
Aber wozu soll denn auch so eine Premiere pünktlich anfangen? Damit hat die ARD mal wieder gezeigt, welchen Stellenwert dieses Event beim Senderverbund hat. Scheinbar keinen.

Immerhin war ab 18 Uhr der Clip dann auch auf Youtube und Co. zu sehen – und vor der 20-Uhr-Tagesschau lief der Clip nochmal. Da habe ich dann nicht noch mal reingeschaut. Und, wer weiß, vielleicht lief er ja statt um 19.56 Uhr auch schon um 19.27 Uhr. Ist doch eh wurscht.

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RTelenovela

Oranienburg hat einen Knall

Freitag, den 26. Februar 2021
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Es hat geknallt. Wieder mal. Es knallt öfter mal in Oranienburg. Vorzugsweise nachts.
So auch diesmal, und diesmal hatte ich sogar noch das Fenster geöffnet. Es war gegen 1.20 Uhr, es gab einen ordentlichen Knall. Als ob irgendwas zerplatzt ist, als ob was aus Plastik in die Luft geht. Eine Druckwelle gab es nicht, vielleicht war dieser Knall aber auch zu weit weg von mir.
Das passiert öfter mal. Neulich genau um Mitternacht. Manchmal auch gern weit vor Mitternacht.

Und auf den Knall folgt die Knall-Diskussion in der Facebook-Gruppe. Das wird dann aufgeregt gefragt, ob man denn den Knall gehört habe. Alle erzählen, dass sie ihn gehört haben, wo sie beim Knall waren und wie sie sich dabei fühlten. Und dass es doch vielleicht eine Bombe war. Weil alles gezittert habe.
Immer beginnt die Rätselei von neuem. Diesmal war sogar ein Hubschrauber in der Luft, der bis weit nach 3 Uhr offenbar von oben die Stadt absuchte. Gefunden worden ist nichts. Wie immer in solchen Fällen.
Aber dass es sich um einen Böller handeln könnte – nein, nein, das kann gar nicht sein. Da sind sich die Experten bei Facebook einig.

Wenn eine Bombe hochgeht, dann bekommen das wirklich alle mit. Denn dann knallt es nicht nur. Dann gibt es wirklich eine Druckwelle, und dann bebt und wackelt auch kurz die Erde.
Wenn das alles mal eintritt, dann ist wirklich was passiert.
Und so lange freuen sich die Blödmänner, die durch die nächtlichen Explosionen für Angst sorgen.

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aRTikel

„Ich war fast weg gewesen“

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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Ein 15-Jähriger aus Velten erzählt, wie er in die Drogensucht geriet – und von den Problemen danach

MAZ Oberhavel, 25.2.2021

Velten.
Es begann alles mit Frust. Viel Frust. Aber vor allem mit einem Verlust an Vertrauen. Gegenüber der Mutter, gegenüber allen. Jonas* war zwölf, als es losging. Als er mit Drogen in Kontakt kam.

Damals hatte er eine Freundin. Sie war vier Jahre älter als er. „Sie wollte, dass er mit zu ihr zieht“, sagt Michaela*, seine Mutter. „Ich habe gesagt: Das geht nicht, das funktioniert nicht.“ Er setzte sich durch. „Ich wollte, dass er nach Hause kommt.“ Jonas war dann eine Weile mit ihr zusammen, aber es kam dann zur Trennung. Der Schock: Das Mädchen war schwanger. Von Jonas, sagte das Mädchen. „Ich war mir sehr sicher, dass das nicht sein konnte“, sagt Jonas. Und er wusste auch von einem anderen Jungen. Geglaubt hat ihm das keiner. Auch nicht seine Mutter. Die war sich sicher, dass das Mädchen die Wahrheit sagte. „Wenn er der Vater ist, dann muss er zu seiner Verantwortung stehen“, sagte sie stattdessen. Erst als das Kind auf der Welt war und nachdem Michaela es schon als Enkelkind akzeptiert hatte, kam das Testergebnis. „An dem Punkt war dann leider klar, dass er nicht der Vater ist“, sagt Michaela. Sie überlegt kurz. „Jonas hat sich gefreut. Ich war hin- und hergerissen. Aber innerlich auch froh. Aber dann fing der Stress richtig an.“ Denn die Vertrauensbasis zwischen Mutter und Sohn war zerstört.

Jonas ist abgehauen. Immer wieder. Er begann, sich von Velten aus in der Gegend rumzutreiben. „Ich wollte einfach weg. Irgendwo hin“, sagt er. „Wo nicht Menschen oder Behörden auf mich einquatschen.“ Durch ältere Freunde kam er mit Drogen in Kontakt. „Ich habe alles probiert. Hauptsächlich Speed und Ecstasy.“ Speed hält lange wach, der Hunger vergeht einem. Am Hennigsdorfer Hafen habe er dann Leute kennengelernt, die ihm Crystal verkauft haben. „Ein paar Mal“ habe er das genommen. Durch das Zeug dauert der Rausch länger. Und er kam nicht mehr von den Drogen weg. Er hat dann begonnen, Speed günstig anzukaufen. Zehn Gramm für 30 bis 50 Euro. Er verkaufte es für 100 Euro weiter, „um mir meine Drogen kaufen zu können.“

Tatsächlich werde im Gesundheitsamt im Landkreis Oberhavel eine Zunahme des Konsums von Amphetaminen und Crystal Meth festgestellt. „In diesem Zusammenhang stellen wir insbesondere auch eine steigende Nachfrage von Eltern an unsere Kinder- und Jugendpsychiaterin im Gesundheitsamt fest“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz. „Die Entwicklung verfolgen wir sehr aufmerksam und sensibilisiert.“
„Die Jüngste, die ich kenne, war zwölf, als sie angefangen hat“, erzählt Jonas. „Viele chillen mit 16-Jährigen ab.“ Es gebe da bei vielen Probleme mit den Eltern, ähnlich wie bei ihm. Viele würden LSD nehmen, „um das Selbstbewusstsein zu erweitern. Dadurch wurde mir auch alles egal.“ Gras gebe es an jeder Ecke zu kaufen. Einmal hatte er gestrecktes Speed. „Ich war fast weg gewesen.“
Cathrin Pelz, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärt: „Der Konsumbeginn für die genannten Drogen liegt inzwischen nicht selten schon bei zwölf Jahren. Der Konsum hat insbesondere bei früh beginnender psychischer und körperlicher Abhängigkeit gravierende Folgen auf die seelische und körperliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: Je früher der Beginn des Konsums, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns, das in dieser Lebensphase besonders empfindlich ist.“

Für Jonas’ Mutter war klar: „Er war abhängig. Er brauchte Hilfe.“ Von einer Depressionsstation haute er nach einem Tag wieder ab. Es war schwer, an Jonas ranzukommen. Und auch schwer, Hilfe zu bekommen. Das Ziel war: „Er muss in eine Klinik, die ihm hilft.“ In Hamburg gab es eine. Acht Monate müsse er allerdings dort bleiben, hieß es. „Am Anfang wollte ich das nicht“, sagt Jonas. „Ich habe mich verarscht gefühlt.“ Er sah dort keine Perspektive. „Für mich war das aber Grundvoraussetzung, dass er dahin geht“, sagt Michaela. Ansonsten hätte sie nicht weiter gewusst. Sie hätte ihn ans Jugendamt übergeben müssen, sagt sie. „Damit er wieder zurecht kommt.“ Er bekam den Platz in Hamburg. Von September 2019 bis April 2020 war er in dieser Klinik. Weg von den Drogen.

„Ich kam zu einem blöden Zeitpunkt zurück“, sagt Jonas. Corona hatte die Welt im Griff. Michaela erzählt: „Wir haben Kontakt zur Schule aufgenommen. Da hieß es, wir unterstützen ihn.“ Er kam in die 8. Klasse. Doch da gibt es ein Problem, denn Jonas darf kein Internet benutzen. „Damit er keinen Kontakt zu seinen alten Freunden aufnehmen kann.“
Es gab Gespräche mit einem Einzelfallhelfer. „Da sollte es um seinen Förderstatus gehen. Den braucht er.“ Mit seinem Einzelfallhelfer ist Jonas immer wieder im Kontakt. Als Schule auch in Coronazeiten möglich war, gab es dennoch Sorgen. „Ich wollte nicht, dass jemand was von meiner Vergangenheit erfährt“, sagt Jonas. „Aber der Lehrer fragte dann vor der Klasse, warum ich kein Internet habe. Ich hatte einfach den Wunsch, dass wir das unter vier Augen klären.“ Mit dieser Bloßstellung kam er nicht klar. Vertrauensverlust.
Als dann wegen des Lockdowns die Schule wieder nur zu Hause weiter ging, war das ohne Internet schwierig. Nur Jonas’ Mutter hat Zugriff, wenn E-Mails kommen. Aber dann ging auch noch der Drucker kaputt, sagt Michaela. „Sie schicken immer Aufgaben und gehen davon aus, dass ich online einen neuen Drucker bestelle.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Kremmener Goethe-Oberschule beurteilt die Lage anders. „Er wird unterstützt“, sagt sie. „Wenn er den Willen hätte. Aber er will sich nicht unterstützen lassen.“ Die Schulleiterin sagt, das Problem liege bei Jonas’ Mutter, sie spiele ein falsches Spiel, es werde nicht auf Angebote reagiert. Näher könne sie sich nicht äußern, erklärt sie.
Jeder habe seine eigene Wahrheit, sagt sein Einzelfallhelfer, der aber betont, allgemein zu sprechen, nicht über den speziellen Fall. Über spezielle Fälle könne er grundsätzlich nichts sagen. Allgemein könne er sagen, es sei immer wieder eine Herausforderung, die globale Wahrheit zu erfassen, es sei fast unmöglich. Es sei immer wichtig zu sehen, wie jeder Beteiligte etwas wahrnehme. Warum tut jemand was oder auch nicht? Das sei immer eine neue Herausforderung.

Jonas, inzwischen ist er 15, will tatsächlich nicht mehr. Er hat das Vertrauen verloren. Wieder mal. Aber wie soll es weiter gehen? Für ihn ist klar, dass er nach der 8. Klasse abgehen will. „Ich möchte mich um einen Ausbildungsplatz bewerben.“ Seine Mutter ergänzt: „Aber ich fände es besser, wenn er ein Berufsorientierungsjahr macht.“ Er kümmere sich, sagt er. Vielleicht was bei der Bundeswehr. Vielleicht Küchenhilfe. „Mein Traum wäre es, Notfallsanitäter zu werden“, sagt er. „Oder was mit Elektronik.“ Wie er das ohne Schulabschluss schaffen kann, ist unklar.

Ist Jonas clean? Endgültig? Er überlegt. Ein Rückfall sei möglich, sagt er. Der Frust ist groß, und auch weil das Vertrauensverhältnis zur Mutter gestört ist. Hört man den beiden zu, dann stehen oft gegenseitige Vorwürfe im Raum. Bekommt Jonas Geld zum Einkaufen, muss er den Kassenzettel mitbringen.
„Ich als Mutter kann sagen, dass ich alleine gekämpft habe“, sagt Michaela. „Selbst den Einzelfallhelfer zu finden, war schwierig. Aber er bemüht sich.“ Das sieht Jonas ähnlich. Es gebe kaum Einrichtungen für Minderjährige, sagt er. Oder Ansprechpartner. Er überlegt, später eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Beim Landkreis will man an den Maßnahmen zur Drogenprävention schrauben. Angestrebt werde „noch 2021 die Einrichtung einer Fachstelle für Konsumkompetenz “, teilt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Die Fachstelle solle in erster Linie der Sensibilisierung sowie der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schule und Elternschaft dienen.
Hilfe für Betroffene und Angehörige gebe es für Jugendliche insbesondere bei der Drogenberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Möglich sei das in Gransee, Hennigsdorf und Oranienburg.

*Die Namen von Mutter und Sohn wurden geändert.

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RTZapper

Die Sendung … mit Brezel Göring für Françoise Cactus

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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DI 23.02.2021 | 21.05 Uhr | radioeins

Er war tapfer. Aber es war wohl dennoch die traurigste Radiosendung des Jahres.
Eigentlich geht immer am vierten Dienstag im Monat die Musikerin Françoise Cactus auf radioeins auf Sendung. In “Die Sendung” legt sie seit 2016 die Musik auf, die ihr gefällt und erzählt etwas dazu.
Doch am 17. Februar ist sie verstorben. Brustkrebs.
Am Dienstagabend wäre auf radioeins ihre nächste Sendung gelaufen, und sie hatte dafür schon einiges vorbereitet. Die Sendung lief dennoch, moderiert von ihrem Partner Brezel Göring.

Er sprach ganz leise, scheinbar war er sehr dicht dran am Mikrofon. Zu Ehren seiner Frau setzte sich Brezel Göring selbst ans Mikro. Er hatte seine Frau zuvor immer zu den Sendungen begleitet. Jetzt stand er da und erzählte über sie. Über ihre Karriere, über wichtige Stationen. Darüber, dass sie nun nicht mehr da ist.
Er spielte die Musik, die sie noch ausgesucht hatte. Und auch ihre Musik. Françoise Cactus kennt man hierzulande beispielsweise von der Band “Stereo total”.

Vermutlich hat es viel Konzentration gefordert. Aber Brezel Göring hatte sich am offenen Mikro im Griff. Es waren rührende, traurige zwei Stunden. Aber auch schöne Stunden mit guter Musik.
Ein würdiger Abschied von Françoise Cactus.

-> Die Sendung auf radioeins.de (bis 22. März 2021)

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aRTikel

Linus ist einer der Helden der Brandnacht

Mittwoch, den 24. Februar 2021
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Als nebenan ein Feuer ausbricht, ist es der Hund, der sein Frauchen Tanja Bienek aus dem Schlaf reißt

MAZ Oberhavel, 24.2.2021

Kremmen.
Als alles überstanden war, da wich Linus seinem Frauchen nicht mehr von der Seite. „Er war fix und fertig“, erzählt die Kremmenerin Tanja Bienek. „Der hat auch Angst gehabt.“ Aber Linus war vor allem einer der Helden der Nacht. Hund Linus ist achteinhalb Jahre alt. Der Parsson Russell Terrier war noch ein Welpe, als er zu Tanja Bienek kam. „Er ist ein friedlicher Geselle und sehr auf mich geprägt.“

Am frühen Montagmorgen brach auf dem Gelände eines Dachdeckerbetriebes ein Feuer aus. Und Linus erkannte offenbar den Ernst der Lage. Eigentlich schläft er beim Frauchen im Bett. Aber in dieser Nacht wurde er nervös. „Linus hat gebellt, ist durch die ganze Wohnung gerannt. Er ist aufs Bett gesprungen.“ Er stupste sie am Gesicht und am Körper an. „Ich habe den auch noch angeschnauzt“, erzählt Tanja Bienek. „Aus! Ist nachts!“, hatte sie gerufen. Aber Linus ließ nicht locker, er ließ sein Frauchen einfach nicht mehr weiter schlafen. „Ich bin dann aber doch aufgestanden.“ Sie kam am Fenster vorbei, und da sah sie die Katastrophe: das Feuer nebenan.

Sie meldete sich bei der Feuerwehr, zuvor hatte schon eine Nachbarin ebenfalls die Feuerwehr angerufen. In der Nachbarschaft setzte geschäftiges Treiben ein. „Alle Einwohner sind raus, haben die Autos aus dem Gefahrenbereich gebracht. Nicht, dass die auch noch Funken abbekommen. Wir haben die Explosionen gehört. Es hieß dann nur noch: raus, raus, raus!“
Es sei erschreckend gewesen, wie schnell alles gegangen sei. „Das alles hat sich ja innerhalb von drei bis vier Minuten abgespielt. Da bekommt man zwischenzeitlich wirklich Panik, weil man sich fragt: Wann hört das auf?“ Wie lange die Feuerwehr brauchte, kann Tanja Bienek nicht sagen. „Es kommt einem ja immer wie Stunden vor, aber auch das ging schnell.“ Als das Löschen begann, habe sie sich auch schon sicherer gefühlt.
Und für Linus gab es am Montag ein Extrastück Käse. „Den liebt er.“ Und es ging noch eine große Runde spazieren.

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RT liest

Andrea Kiewel: Meist sonnig – Eine Liebeserklärung an das Leben

Mittwoch, den 24. Februar 2021

Sie bringt uns vom Brandenburger Tor aus ins neue Jahr, und vom Frühling bis zum Herbst ist sie Sonntag für Sonntag vom Fernsehgarten für die Menschen da: Andrea Kiewel.
Seit 1990 moderiert sie im deutschen Fernsehen, und das auf sehr sympathische Art. Der Fernsehgarten mit viel Musik und Aktionen ist ihre Bühne. Und auch in Interview macht es Spaß, ihr zuzuhören.

Nun hat sie auch ein Buch herausgebracht. Es heißt “Meist sonnig – Eine Liebeserklärung an das Leben”. Und der Untertitel sagt es aus, worum es geht. Um ihr Leben, auch wenn es sich nicht um eine Biografie handelt. Vielmehr sind es Streiflichter und Gedanken. Sie erzählt von guten Freunden, von schönen und nicht so schönen Momenten, auch vom Fernsehgarten, von ihrem Zweitwohnsitz Tel Aviv, von der Liebe und vom Sex.

Das ist: nett. Das liest sich schneller, da liest man relativ fix drüber. Allerdings ist “nett” dann doch ein bisschen mau. Alles in allem ist dieses Buch doch eher enttäuschend. Auch wenn sie stellenweise spannende Dinge aus ihrem Leben erzählt, wirkt alles doch sehr oberflächlich und sprunghaft. Ihren Notizen fehlt ein roter Faden, thematisch springen die Kapitel hin und her. Wenn sie über ihre Schwimmkarriere spricht und davon, dass sie zwar was geahnt, aber dass sie von Doping in der DDR letztlich nichts mitbekommen habe, wirkt das sehr glatt. Dass sie in Promo-Interviews mehr über den “Fernsehgarten” erzählt als im Buch, ist ziemlich schade. Da hätte es sicher spannendere Dinge zu erzählen gegeben als so manche private Anekdote. Dass sie ehemalige Kollegen falsch schreibt (Kurt Lutz heißt Kurt Lotz), ist peinlich. Dass sie ständig von ihren “verehrten Leserinnen und Lesern” schreibt, ist schlicht überflüssig und irgendwann nervig.
Sicherlich ist es so, dass sich Andrea Kiewel in diesem Buch öffnet. Aber richtig tiefschürfend ist das alles nicht.

Andrea Kiewel: Meist sonnig – Eine Liebeserklärung an das Leben
Eden Books, 256 Seiten
5/10

Hits: 60

RT liest

Jan Weiler: Kühn hat Hunger

Dienstag, den 23. Februar 2021

(2) -> 1.8.2019

Martin Kühn muss abnehmen, denn so geht das einfach nicht mehr weiter. Eine neue Trend-Diät muss es sein, und da gibt es einen Belgier, der in der Hinsicht sehr berühmt geworden ist. Schnell wird aber klar, dass diese Diät die reinste Qual, der absolute Wahnsinn ist und er irgendwie gar nichts mehr essen darf. Oder ein bisschen Blumenkohl. Roh.
Aber natürlich hat es der Münchner Kommissar wieder mit einem neuen Mordfall zu tun. Auf einem Industriegelände wird eine Leiche gefunden. Wie bald festgestellt wird, liegt die junge Frau da schon mehrere Wochen lang. Und klar ist auch: Der Fundort ist nicht der Tatort.

Der Leser allerdings weiß alles. Jan Weiler legt ihm die Geschichte dieses Mordes gleich am Anfang haarklein dar. Wieder brilliert der Autor mit einer Erzählung, die harmlos beginnt und von einem 21-Jährigen handelt, der ein unscheinbares Leben zu führen scheint. Sebastian ist Polizei, arbeitet in der Wache auf dem Hauptbahnhof. Sebastian beobachtet Frauen. Er selbst hat keine. Keine scheint sich für ihn zu interessieren. Wie aus diesem Mann – ja, eigentlich noch ein Junge, der bei seinen Eltern draußen in Landshut lebt – ein Mörder wird, das erzählt Jan Weiler einmal mehr meisterhaft.
Die Art, wie er dem Leser das Wesen von Sebastian darlegt, wie aus diesem Mann scheinbar aus Versehen ein Mörder wird, das liest sich fesselnd, so bitter das auch alles ist.
Wir sind dann dabei, wie Martin Kühn und seine Kollegen dem Fall nachspüren. Dass das trotzdem alles spannend ist, ist einmal mehr ein großes Plus dieser Krimireihe. Nervig sind nur die meist viel zu langen Kapitel, die aus Sicht des belgischen Diätgurus erzählt werden. Diese Passagen sind einerseits albern, anderseits leider eher langweilig.

Jan Weiler: Kühn hat Hunger
Piper, 413 Seiten
8/10

Hits: 63