Tagesarchiv für 15. Januar 2021

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Years and Years

Freitag, den 15. Januar 2021
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DO 14.01.2021 | 20.15 Uhr | zdf neo

Die Serie nimmt einem den Atem. Sie bereitet ein mulmiges Gefühl. Irgendwie macht sie auch Angst. Weil alles so realistisch erscheint. Weil es durchaus möglich ist, was wir dort sehen.
Die britische BBC-Serie “Years and Years” zeigt uns den Abgrund.
Alle sechs Folgen liefen am Donnerstagabend bei zdf neo am Stück.

Es ist das Jahr 2019, die Familie Lyons gehört zur Mittelschicht, die haben ein recht gutes Leben. Stephen ist Finanzberater, seine Frau ist Buchhalterin. Sie haben zwei Töchter. Stephens Bruder Daniel arbeitet beim Wohnungsamt und will bald seinen Freund Ralph heiraten. Seine Schwester Rosie, die im Rollstuhl sitzt, arbeitet in einer Schul-Cafeteria, sie kümmert sich allein um ihre beiden Söhne. Seine Schwester Edith ist für Hilfsorganisation in aller Welt unterwegs. Muriel, hochbetagt, sorgt dafür, dass ihre Enkel mit ihren Familien mindestens einmal im Jahr an ihrem Geburtstag zusammenkommen.
Doch die Feier 2019 ist eine Zäsur: Die Sirenen heulen. Es wird der Kriegszustand ausgerufen, nachdem China eine Atombombe gezündet und daraufhin die USA ihre gezündet hat. Eine chinesische Insel wird getroffen.
Es ist der Beginn einer Zeitenwende.
In den USA wurde Trump wiedergewählt, er ließ die Bombe zünden. Deutschland trauert um Angela Merkel. Und in Großbritannien buhlt eine Populistin um Macht – mit Aussagen, die schockieren. Und ihre Fans in Jubel ausbrechen lassen. Mit der Wirtschaft geht es bergab, die erste Bank geht pleite. Flüchtlinge kommen aus Osteuropa.
Und Familie Lyons mittendrin. Nach und nach verlieren sie alles. Haus, Geld, Sorglosigkeit und Sicherheiten.

Russell T. Davies schrieb das Drehbuch für diese fesselnde Serie, die 2019 schon bei der BBC zu sehen war und dort noch komplett in die Zukunft blickte. Entworfen wurde eine Welt, die komplett aus den Angeln gerät: gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich.
Das zu erleben, gerade anhand dieser Familie, ist hart, und das zehrt an den Nerven. Es erzeugt Grusel, weil die Szenarien absolut nicht aus der Luft gegriffen sind. Denn in ihrer Angst, Naivität und Verzweiflung machen auch die Lyons Fehler, über die man sich wundert – oder auch nicht.

Emma Thompson spielt in “Years and Years” die Populistin Vivienne Rook, die sagt, was sie denkt und was viele nicht aussprechen würden. Sie verspricht keine weltpolitischen Dinge, sie bewegt sich ausschließlich auf der Ebene der Menschen und ihrem Umfeld. Israel? Ist ihr wurscht. Das sagt sie voller Überzeugung, und die anderen sind erschüttert, und die andere finden es toll. Sie kämpft darum, ins Parlament zu kommen. Emma Thompson spielt das großartig. Aber auch die Darsteller der Familie zeigen auf unglaublich eindringliche Art, wie ein Gefüge regelrecht wegbrechen kann.

Eine tolle, aber eben auch schwer aushaltbare Serie. Das macht sie relevant und wichtig. Sie wäre im ZDF-Hauptprogramm sehr gut aufgehoben gewesen, stattdessen hat sie zdf neo an einem Donnerstagabend am Stück versendet, die letzte Folge endete gegen 2 Uhr. Wichtiger erscheint für das ZDF die Bereitstellung in der Mediathek. Aber die Serie hätte einen größeren Auftritt verdient gehabt.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 13. März 2021)

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Real Life Guy – Der Youtuber und der Tod

Freitag, den 15. Januar 2021
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MI 13.01.2021 | 0.05 Uhr (Do.) | NDR

Er hat nur noch zwei Wochen zu leben. Vielleicht zwei Monate.
Was ihm die Ärzte da gesagt haben, ist ein Schock. Krebs. die Lymphdrüsen.
Aber Philipp Mickenbecker beschließt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Wieder und wieder.

Der 23-Jährige ist unter Jugendlichen kein Unbekannter. Mit seinem Zwillingsbruder Johannes betreibt er seit einigen Jahren den Youtube-Kanal “The Real Life Guys”. Sie haben mehr als 1,3 Millionen Abonnenten und zeigen in ihren Videos, wie sie verrückte Konstruktionen bauen und sie ausprobieren.
Sie können von den Videos leben, und sie haben Spaß dabei.

Philipp war 16, als er zum ersten Mal die Krebsdiagnose bekam. Bestrahlung, Therapie. Er konnte den Krebs besiegen. Es hat jedoch ein Jahr gedauert. Ein Jahr voller Strapazen.
Drei Jahre später: Der Krebs ist zurück. Eine zweite Chemo lehnt er ab. Zu schlimm war es damals.
Nicht genug: Seine Schwester stirbt in dieser Zeit beim Absturz eines Kleinflugzeuges. Ein Schock. Der Tod kam plötzlich, er kündigte sich nicht an, wie bei Philipp.
Wieso weiß niemand: Aber Philipp wird wieder gesund, zum zweiten Mal.
Im Sommer 2020 aber, da kehrte der Krebs wieder zurück, und diesmal mit voller Wucht. Endstadium. Alles, was noch machbar ist, kann nur palliativ sein.

Philipp nimmt das hin. Seine Kraft schöpft er aus seinem Glauben. Er kommt aus einem streng gläubigen Elternhaus, selbst betete er aber nie. Aber in seinem Schmerz, in seiner Angst hat er ein Zeichen bekommen, sagt er.

Der NDR zeigte am (viel zu) späten Mittwochabend die berührende Doku über diesen starken Typen, über den “Real Life Guy – Der Youtuber und der Tod”. Denn der Tod ist ein zentrales Thema im Leben des Youtubers. Auch wenn es ihm gelingt, es ab und zu zu verdrängen. In der Doku kommen auch sein Bruder und seine Freunde zu Wort. Auch sie müssen stark sein, und nicht immer gelingt es ihnen, ihre Anspannung, ihre Angst um den Bruder, um den Freund zu verbergen. Und den Schmerz, sich in so jungen Jahren überhaupt noch damit beschäftigen zu müssen.
Diese Doku geht unter die Haut. Macht aber in gewisser Hinsicht auch Mut.
Nach der jüngsten Diagnose sind inzwischen gute drei Monate vergangen.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2022)

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Charité

Freitag, den 15. Januar 2021
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DI 12.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste

Ich war (leider) nie ein großer Fan der ARD-Serie “Charité”. In Staffel 1 hatte ich bemängelt, dass alles sehr künstlich aussehe, so künstlich, dass ich keinem abnehme, im 19. Jahrhundert zu leben.
Inzwischen ist am Dienstagabend im Ersten bereits die 3. Staffel der Serie angelaufen. Und angesichts der Zeit, in der diese sechs Folgen spielen, war ich dann doch wieder neugierig.

Die Charité im Sommer 1961: Aus Ost-Berlin und der DDR flüchten massenhaft Arzt- und Pflegepersonal in Richtung Westen. Die Lage droht, kritisch zu werden.
In dieser Zeit wird Ella Wendt von Senftenberg nach Berlin versetzt – zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung der Hauptstadt. Ella forscht im Bereich der Krebsfrüherkennung, in der Charité erhofft sie sich einen Aufschwung. Als Ellas Oberarzt in den Westen geht, sieht sie neue Chancen.
Kinderärztin Ingeborg Rapoport kämpft unterdessen für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Kindern. Als ein Junge aus West-Berlin mit Kinderlähmung eingeliefert wird, handelt sie – der Osten hat einen Impfstoff – und eine spezielle Lungenmaschine.

Diese 3. Staffel zeigt, womit Ärzte und Pfleger 1961 in der Charité zu kämpfen hatten. Am 13. August wird in Ost-Berlin die Mauer gebaut – quasi direkt vor den Toren der Klinik. Das sorgt für Frust, auch weil die Klinikleitung mit allen Mitteln versucht, das Personal auf SED-Linie zu bringen.
Aber nicht nur die politischen Probleme sind es, die die 3. Staffel spannend machen. Es geht auch um die medizinischen Entwicklungen in dieser Zeit. Neue Entwicklungen in der Krebsforschung, in der Gynäkologie und in anderen Bereichen.

Darstellerisch stechen Nina Gummich als Ella Wendt und Nina Kunzendorf als Ingeborg Rapoport heraus. Mit Engagement und Hingabe gaben die Ärztinnen damals ihr bestes, und das bringen die Schauspielerinnen toll rüber.
Eine sehr sehenswerte 3. Staffel!

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (Staffel 3 verfügbar bis 26. Juli 2021)

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