Tagesarchiv für 14. Januar 2021

RTZapper

Wer stiehlt mir die Show?

Donnerstag, den 14. Januar 2021
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DI 12.01.2021 | 20.15 Uhr | ProSieben

Ist ja schon irgendwie blöd, wenn man selbst nicht so genau weiß, wie die Sendung eigentlich heißt, in der man da gerade rumsitzt. Stiehl mir nicht die Show! Ich stehe dir die Show! Oder eben so ähnlich.
Dabei heißt die Show ganz genau “Wer stiehlt mir die Show?”. Sie läuft dienstagabends auf ProSieben – und es ein echter Lichtblick in der zunehmend öden Show-Landschaft in Deutschland.

Der Titel ist auch die zentrale Frage der Show. Denn Joko Winterscheidt moderiert die Sendung zwar, es kann aber sein, dass er sie am Ende verliert und am Dienstag danach zum Rateteam gehört und stattdessen der Gewinner beim nächsten Mal vorne steht.
Das ist schon mal ein lustiger Ansatz, der sehr reizvoll ist. Dass es am Ende doch auch nur die x-te Variante eines Quiz’ ist, ist in diesem Fall alles andere als schlimm.

Das liegt auch am Rateteam. Dazu gehören Palina Rojinski, Elyas M’Barek und Thomas Gottschalk. Die sorgen für gute Unterhaltung, weil sie alle auf ihre Art einen guten Humor haben. Hinzu kommt pro Show ein(e) Kandidat(in) aus dem “normalen Leben” – heißt: Theoretisch könnte nächste Woche ein No-Name moderieren.

Die Quiz-Runden sind abwechslungsreich, den Machern sind viele skurrile Ideen eingefallen – und wenn es mal um ganz einfache Fragen geht, wie denn die, wie diese Show hier eigentlich heißt, dann entstehen daraus sehr, sehr lustige Momente, wenn rauskommt, dass die Kandidaten da mächtig ins Schleudern kommen.
Und auch für Joko Winterscheidt gehört diese Show zu den besten, die er solo moderiert hat. Man merkt ihm den Spaß an, das Zusammenspiel mit den anderen drei ist hervorragend.

Nach zwei Shows gehört die Show immer noch Joko Winterscheidt. Es wird spannend, was passiert, wenn er sie wirklich mal verliert.

-> Die Show bei Joyn

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RTZapper

Kuntergrau

Donnerstag, den 14. Januar 2021
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SO 10.01.2021 | Youtube

Diese Serie ist in verschiedener Hinsicht erstaunlich. Alle, die daran beteiligt sind, machen das ehrenamtlich. Niemand verdient daran, niemand bekommt dafür Honorar. Es gibt nur 15 Folgen – aber andererseits ist das angesichts der ehrenamtlichen Arbeit dann doch viel. Und dafür sieht die Serie aus wie ein Hochglanzprodukt, das auch ganz normal im Fernsehen laufen könnte.
Produziert wird “Kuntergrau” von einem Verein. Der anyway e.V. betreibt aber vor allem in Köln ein LGBT*-Jugendzentrum.

Es geht um die Freunde Jan, Marcel und Leopold. Und um Lukas, der neu nach Köln zieht und dort schnell auf Marcel trifft, der ihn erst mal abschleppt. Später allerdings verlieben sich Leopold und Lukas. Jan hat unterdessen Probleme mit seinem Freund, weil der auch auf SM-Praktiken steht, mit denen Jan nichts anfangen kann. Die Beziehung zerbricht, und Jan gerät in einen ziemlich bedrückenden Strudel aus käuflichem Sex. Und Marcel, der eigentlich eher auf Sex aus ist, lernt Philipp kennen. Sie beginnen eine für Marcel erstaunliche romantische Beziehung – wenn nicht zwischen beiden ein Geheimnis stehen würde.

Besonders an “Kuntergrau” ist auch, dass es in dieser Serie hauptsächlich um schwule Jugendliche geht – und zwar geht es explizit nicht um das Coming-Out. Das haben sie hinter sich. Es geht um ihre Probleme und Sorgen, um Freundschaft und Beziehungen oder auch um den Rückhalt in der Familie, der manchmal hart zu erkämpfen ist.
Dabei hat “Kuntergrau” fast auch einen Bildungsinhalt. Denn ein Schwerpunkt ist der Umgang mit HIV, das aus dem Bewusstsein vieler Jugendlicher längst verschwunden ist. Es geht dabei aber nicht ums Angstmachen, sondern um einen guten, sorgsamen Umgang damit – und um die Aufklärung darüber, was geht und was eventuell nicht geht.

Ganz bitter wird es zu Beginn der 3. Staffel, wenn ein Mitglied aus der Gruppe brutal zusammengeschlagen wird. Die Serie thematisiert auf extrem bedrückende, schockierende und berührende Art und Weise Gewalt gegen Homosexuelle – und in diesem Fall aus purer Willkür. Damit legt “Kuntergrau” in den Finger in eine klaffende Wunde, denn diese Art der Gewalt ist in Deutschland längst nicht verschwunden – die Übergriffe nehmen stattdessen zu.

Dafür, dass in “Kuntergrau” ganz überwiegend Laien spielen, merkt man der Serie nur sehr selten an. Schauspielerisch gibt es ganz starke Momente – verstärkt durch ein gutes Drehbuch. Die Kamera konzentriert sich zudem sehr auf die Menschen, ihre Bewegungen, ihre Rührungen in den Gesichtern. Das macht es fesselnd.
Nach den 15 Folgen ist nun Schluss. Das ist schade.

-> Die Serie auf Youtube

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