Tagesarchiv für 10. Januar 2021

RTZapper

Deutschland sucht den Superstar: Ohne Du-weißt-schon-wer

Sonntag, den 10. Januar 2021
Tags:

SA 09.01.2021 | 20.15 Uhr | RTL

RTL hat am Sonnabend Fernsehgeschichte geschrieben. Denn noch nie ist eine Person aus einer Sendung derart auffällig wegretuchiert worden.

Bis Dienstag dachte man bei RTL, dass die Castings von “Deutschland sucht den Superstar” noch mit dem Wendler stattfinden können – und das nach dem Skandal im Oktober. Augen zu und durch – das schien das Motto zu sein, und für alle – außer für die RTL-Leute bei RTL – war schon vorher klar, dass das nicht so ganz einfach sein würde.
Und letztlich war es Michael Wendler selbst, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Mit seinem Vergleich auf Telegram vom “KZ Deutschland” mit den strengeren Coronaregeln, stellte er sich selbst ins Abseits. Dass er vom einem “Krisenzentrum” gesprochen haben will, glaubt er vermutlich nicht mal selbst.
Am Mittwoch kündigte RTL dann jedoch an, den Wendler nun komplett aus DSDS rauszuschneiden. Am Sonnabend konnten wir sehen, was das bedeutet.
Und das war verstörend, bedrückend, manchmal unfreiwillig komisch – und natürlich folgerichtig.

Nicht mal der Name von Du-weißt-schon-wer ist am Sonnabend noch genannt worden. Am Anfang der Sendung und nach jeder Werbepause ist ein Statement auf einer Schrifttafel verlesen worden.
Es muss ein Kamikaze-Schnitt gewesen sein. Denn manchmal ist Du-weißt-schon-wer verschwommen zu sehen, manchmal haben sie in der Bearbeitung eine Lichtblendung raufgepackt, manchmal haben sie rüde das Bild weggeschnitten, andere Szenen sind schlicht gekürzt worden. Die Sendung war netto 13 Minuten kürzer als geplant.

Es scheint das Ziel gewesen zu sein, den Du-weißt-schon-wer einerseits zu verbannen, aber durchaus kenntlich zu machen, dass da noch jemand rumsaß. An einigen Stellen – wenn es um knappe Juryentscheidungen ging, hat man über Du-weißt-schon-wer einfach eine Sprechblase mit “Ja” geklebt.
Auf die Spitze trieb es RTL, als ein Castingkandidat auch noch einen Song von Du-weißt-schon-wer zum Besten gab. Die Nennung von Interpret und Song ist überpiept worden, als das Lied dann erklang, wurde das durch die DSDS-Countdownmusik ersetzt, und unten gab es eine erklärende Einblendung – das war dann fast schon quälend – und so schockierend, dass es sehr lustig war. Für den Kandidaten selbst wäre aber jedoch sicherlich besser gewesen, ihn einfach komplett rauszuschneiden, auch wenn es bitter für ihn gewesen wäre (ist es so ja auch schon), er ist eh ausgeschieden.

RTL hätte gute zwei Monate Zeit gehabt, den Schnitt der DSDS-Castings zu bearbeiten. Stattdessen gab es am Sonnabend den Brachial-Schnitt, den öffentlichen Arschtritt an… wie hieß er noch gleich?

-> Die Sendung bei TV Now

Hits: 134

KeineWochenShow

#210 – Live aus dem Krisenzentrum

Sonntag, den 10. Januar 2021
Tags: , , , ,

Das fünfte KeineWochenShow-Jahr ist angebrochen. Und man kann nicht gerade behaupten, dass es seit Silvester sehr ruhig gewesen ist.
Deshalb ist viel zu besprechen: Silvester und das ZDF-Programm vom Brandenburger Tor. Natürlich Trump und die Ausschreitungen am und im Capitol in Washington. Michael Wendler und das KZ, das natürlich nicht Konzentrationslagerlager, sondern Krisenzentrum heißt. Und alles zum Coronavirus und zum Impfen. Und wir sprechen über Fußballer aus Bergfelde, die sich um Jerome Boateng bemühen.

Im Interview ist diesmal DJ Cryme., der etwas darüber erzählt, wie es momentan um die Clubszene in Berlin während der Coronakrise bestellt ist. Der Hennigsdorfer, der in Berlin lebt, berichtet aber auch über sein DJ-Hobby.

Auch im neuen Jahr gibt es ein Bier, Promi-Geburtstage und einiges mehr! In KeineWochenShow #210 auf Youtube!

Hits: 138

RTelenovela

Mit der U5 unter die Spree

Sonntag, den 10. Januar 2021
Tags: ,

Als Kind bin ich öfter mit der U5 in Berlin unterwegs gewesen. Meine Oma hat in Lichtenberg gewohnt, und deshalb ging es, wenn ich bei ihr war, öfter mit der U-Bahn zum Alex oder zum Tierpark, wo nicht nur der Park selbst war, sondern auch eine Freundin von ihr wohnte.
1989 wurde die U5 bis nach Hönow verlängert, und als großer Fan von Bahnen und Bahnstrecken schleppte ich meine Oma natürlich in den Zug, um einfach mal so nach Hönow zu fahren. Weil wir es konnten. Einfach so. Und ich fand es aufregend.

Schon 1995 war Baubeginn für den Abschnitt zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof, 2006 sollte der Teil, dann erst mal als U55 in Betrieb gehen. Doch wegen diverser Probleme kam es nicht dazu, und erst 2009 war Eröffnung. Zwei Wochen nach dem Start, fuhr auch ich erstmals mit.
Schon damals war klar, dass es noch zehn Jahre dauern würde, bis auch der Abschnitt zwischen dem Alexanderplatz und dem Brandenburger Tor fertig sein würde.
2010 war Baubeginn, und die größte Hürde war die Untertunnelung der Spree.

Anfang Dezember 2020 war dann schließlich Eröffnung, und gute fünf Wochen danach erlebte ich dann meine U5-Premiere. Vom Hauptbahnhof aus fuhr ich erst mal durch zum Alex.
Hinter dem Bahnhof Unter den Linden geht es bergab, damit die U-Bahn unter der Spree fahren kann, der Bahnhof Museumsinsel ist noch nicht geöffnet.
Am Alex stieg ich aus, um wieder zurückzufahren und an den neuen Stationen auszusteigen.

Der Stationsname Rotes Rathaus verspricht nicht zu viel. Kommt man mit der Rolltreppe nach draußen, steht man direkt vor eben jenem Roten Rathaus, und der Fernsehturm ist auch nicht weit.
Unter den Linden ist der Kreuzungsbahnhof mit der U6, er ist komplett neu gebaut worden. Tatsächlich ist dort auch schon recht viel los, und wenn die Coronakrise mal überstanden ist, könnte es dort richtig voll werden. Dort füllt sich dann auch die neue U5.

Oft ist kritisiert worden, die neue U5 sei in dem Abschnitt überflüssig. Ist sie nicht. Vor allem vom Friedrichshain aus kommt nun nun noch viel besser in Richtung Hauptbahnhof, es gibt bessere Anschlüsse in Richtung Nord-Süd-S-Bahn. Und wenn wir hoffentlich im Dezember 2021 wieder zum Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus können, bietet sich die U5 auch an.

Hits: 118

RTZapper

Die Liebe des Hans Albers

Sonntag, den 10. Januar 2021
Tags: , ,

MI 06.01.2021 | 21.55 Uhr | Das Erste

Er war der blonde Hans. Hans Albers ist ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Schauspieler in Deutschland sehr bekannt und beliebt gewesen. Stand er auf der Theaterbühne sahen ihm die Leute gerne zu, und später spielte er auch in vielen Kinofilmen.
Er war mit Hansi Burg liiert, über viele Jahre. Sie suchte auch seine Rollen aus.
Und dann kamen die Nazis.
Die Nazis liebten den blonden Hans, fanden die Beziehung zu Hansi Burg aber alles andere als gut – sie war Jüdin. Und die verstand auch nicht, warum sich Hans Albers vor den Karren der Nazis spannen ließ und weiter deren Propagandafilme und Gute-Laune-Werke in Kriegszeiten drehte.
Dabei wollte Albers nur eines sein: unpolitisch. Er wollte spielen, nur darum ging es ihm. Und deshalb vermied er es auch, sich gemeinsam mit den Naziherrschern zu zeigen, entsprechende Termine sagte er immer wieder ab.
Ein Spagat.

Von diesem spannenden Spagat erzählte am Mittwochabend der Film “Die Liebe des Hans Albers”. Dabei handelte es sich um eine Art Dokudrama. Denn zu sehen waren teilweise Originalszenen, aber auch inszenierte Szenen, die wohl auf wahre Gespräche beruhen.
Dabei ging es nicht um den blonden Hans als Held der Frauen, die ihm zujubelten. Sondern um Haltung und Moral. Um die Frage, was er gegen die Nazis getan hat – ob er überhaupt was gegen sie getan hat. Warum er den Nazis zwar fern blieb, aber in deren Filmen spielte.
Hält man Albers anfangs noch für seltsam naiv, wird später klar: Es ging ihm auch ums Überleben. In dem er einfach weiter seinen Beruf ausübte, auf eine Weise die er für vertretbar hielt.

Leider war der ganze Film im Ersten erst in der Nacht zum Donnerstag weit nach 3 Uhr zu sehen. Denn bei der TV-Premiere am Mittwochabend ist er nach etwas mehr als einer Stunde zugunsten einer wegen der Capitol-Ereignisse vorgezogenen “Tagesthemen” abgebrochen worden.
Das ist wirklich schade, und das haben der Film und das Thema nicht verdient. Die ARD muss sich fragen lassen, warum man im Wissen der Ereignisse der Film überhaupt begonnen hat.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 7. April 2021)

Hits: 111