Tagesarchiv für 6. Januar 2021

RTZapper

Deutschland sucht den Superstar: Der Wendler

Mittwoch, den 6. Januar 2021
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DI 05.01.2021 | 20.30 Uhr | RTL

“Deutschland sucht den Superstar” hat in Staffel 18 mal wieder eine neue Jury: Neben Dieter Bohlen sitzen jetzt Maite Kelly, Mike Singer und Michael Wendler.
Alle scheinen sich gut zu verstehen, und sie genießen die Castings auf einem Rheindampfer. Beim Staffelauftakt am Dienstagabend bei RTL herrschte gute Laune.

Aber war da nicht was? Im Oktober hatte Michael Wendler die Teilnahme an “DSDS” hingeschmissen, hatte RTL vorgeworfen, zu gleichgeschalteten Medien zu gehören und die Coronamaßnahmen in Frage gestellt und überhaupt Corona verharmlost. Der Wendler hat seinem Arbeitgeber ordentlich in den Hintern getreten. Immer wieder hetzte er auf Telegram, und für RTL war er klar, dass die Recalls bei “Deutschland sucht den Superstar” ohne ihn weitergehen.

Am Dienstagabend nun lief Folge 1 bei RTL, und es war spannend zu sehen, wie der Sender mit dem Mann umgehen würde, von dem man in den Schmutz gezogen worden ist.
Würde RTL die Sendungen mit einem Hinweis versehen, dass man sich vom Wendler distanziere, aber man ihn ja nicht komplett rausschneiden könne? Würde RTL den Wendler so weit wie möglich rausschneiden, ihn gewissermaßen nur noch “hinnehmen”?
Was RTL gemacht hat: nichts.
RTL hat am Dienstagabend getan, als sei nichts gewesen. Die Öffentlichkeitsabteilung beim Sender beschränkte sich auf kurze Stellungnahmen im Internet, die aber auch eher blumig blieben.
In der Sendung selbst: gar nichts. Alles war wie immer. Wendler durfte Statements abgeben, er durfte ab und zu lustig sein. Allerdings gab es auch mehrere Szenen, in denen sich Kandidatinnen, Jurymitglieder und auch die Redaktion durch Schnitte sich über den Wendler lustig machten.
Aber reicht das? Kann es das sein? Lässt sich RTL tatsächlich solche Entgleisungen gefallen und tut dann so, als sei alles normal?

Schon im Frühjahr hat man zwar klare Kante gezeigt, als man Xavier Naidoo aus der Jury feuerte, auch im Internet gab es Sender-Statements. Aber schon damals hat RTL, hat die Redaktion von “Deutschland sucht den Superstar” schlicht versagt. Damals schleppte man die Ankündigung eines Statements von Dieter Bohlen wegen der Quote durch die ganze Show, und dann kamen windelweiche Sätze von Bohlen. Schon da hatte keiner bei “DSDS” den Arsch in der Hose in der Sendung selbst Haltung zu zeigen.

Warum aber dachte man bei RTL, dass sie mit dieser Nummer durchkommen? Warum dachte man bei RTL, dass es schon irgendwie funktionieren würde, den Wendler wochenlang zur Primetime auf Sendung zu schicken? Warum ist man bei RTL dermaßen blauäugig und seltsam ignorant?
Oder wollten sie es drauf ankommen lassen? Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Schon während der Ausstrahlung am Dienstagabend gab es Proteste, mal wieder einen Shitstorm. Auch weil der Wendler nachgelegt hatte. Die neuen Regeln zur Eindämmung des Coronavirus, die Einführung eines Bewegungsradius bei hohen Inzidenzen, vergleich er mit Konzentrationslagern. Das Medienmagazin DWDL hatte darauf hingewiesen.
Im Laufe des Abends äußerten sich auch Promis, auch welche von RTL, es herrschte viel Unverständnis und Fassungslosigkeit, über das Nicht-Handeln von RTL.
Bis Mittwoch. Da gab RTL plötzlich bekannt, nun doch den Wendler aus “DSDS” rausschneiden zu wollen, wegen der KZ-Äußerungen.
Hat es vorher seitens RTL geheißen, dass es nicht möglich sei, den Wendler rauszuschneiden, soll es nun doch gehen. Aber es werde wohl so manchen sichtbaren Logikfehler, so manche sichtbare Lücke geben, so heißt es von RTL am Mittwoch. Nun muss die Show innerhalb von zwei bis drei Tagen komplett neu bearbeitet werden.
Hat man bei RTL tatsächlich nicht mal intern einen Testschnitt gemacht, wie DSDS ohne den Wendler aussehen würde? Dass RTL mal wieder die Schiene “Augen zu und durch” fahren wollte, spricht jedenfalls nicht dafür, dass im Sender Leute arbeiten, die echte Haltung haben. Erst mal abzuwarten, was passiert, ist keine gute Methode. Denn dieser Shitstorm kam nun wirklich mit Ansage. Dass man bei RTL damit nicht gerechnet hat – das kann mir doch echt keiner erzählen…

-> Die ausgestrahlte Sendung ist bei TV Now nicht mehr verfügbar.

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RT liest

Tim Pieper: Stille Havel

Mittwoch, den 6. Januar 2021
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(3) -> 20.8.2019

Das Team um den Potsdamer Kommissar Toni Sanftleben bekommt es mit einem Mord zu tun. Im Park Sanssouci wird ein Mann tot aufgefunden. Es stellt sich heraus, dass es sich um den Kunstsachverständigen Helmut Lothroh handelt. Er ist erschlagen worden, und schnell ist auch klar: Es passierte nicht im Park. Er muss dort hingeschleppt worden sein.
Sanftleben und seine Leute beginnen in der Kunst- und Antiquitätenszene Potsdams zu recherchieren. Lothroh war an einem bestimmten Gemälde im Museum Barberini interessiert – darauf zu sehen ist eine verschleierte Frau.
Toni Sanftleben stößt bei Nachforschungen zur Unbekannten bei der Ufa-Filmfirma auch auf eine Villa an der Havel – und auf Marie. Ihre Oma ist kürzlich steinalt verstorben, und auch sie – wie die Villa selbst – hatten ein Geheimnis.

Das langweiligste an diesem Roman ist leider sein völlig wahllos erscheinender Titel: “Stille Havel”. Und das Cover das irgendwelche Stöcker auf dem Wasser zeigt. Das hat dieser Roman nicht verdient, der sehr gelungen ist. Weil: extrem spannend und extrem interessant.
Der Leser taucht in die deutsche Historie ein. Wir lernen Lydia kennen, die im Dritten Reich von Leipzig nach Berlin zieht, um Schauspielerin zu werden. Bei der Ufa bekommt sie eine Chance – muss sich dafür aber mit Propagandaminister Goebbels einlassen.
Autor Tom Pieper taucht ein in ein Stück Potsdam-Berliner Kulturgeschichte, nämlich die Verstrickungen der Filmbranche mit den Nazis – und was aus den Stars von einst geworden ist.
Nebenbei gibt es die Ermittlungen in der Kunstszene, und auch im Team von Sanftleben gibt es zwischenmenschliche Probleme.
Diese verschiedenen Aspekte machen den Roman – der 4. Teil der Reihe – zu einem packenden Krimi, der sowohl eine bessere Aufmachung als auch einen besseren Titel verdient hätte.

Tim Pieper: Stille Havel
Emons, 333 Seiten
9/10

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RTelenovela

Impf-Telefonate in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 6. Januar 2021
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Die Politik möchte, dass wir uns gegen das Coronavirus impfen lassen. Blöd nur, wenn es den Leuten besonders schwer gemacht wird.
Es geht um die Frage, wie man denn an einen Impftermin kommt. In Berlin läuft das so, dass per Post Einladungen verschickt werden. So ist dann auch gleich klar, welche Risikogruppen oder Altersklassen dran sind. Man muss sich nicht kümmern, sondern wird irgendwann per Post mit der Nase drauf gestoßen.
So muss das laufen.

Und in Brandenburg? Da gibt es eine Hotline, und die ist – welch Überraschung! – von Tag 1 an überlastet. Leute, die sich impfen lassen wollen, müssen jetzt also stundenlang am Telefon hocken und darauf hoffen, dass irgendjemand mal drangeht. Oder Oma Erna setzt sich ans Internet und besorgt sich da irgendwo einen Termin.
So sollte das nicht laufen.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller sagt, dass man das alles nicht mehr ändern kann. Die Abläufe seien angestoßen. Klar, die Hotline in Brandenburg ist nun geschaltet, und deshalb kann man das mit den Briefen keinesfalls machen.
Die Methode, dass man sich selbst zu kümmern hat, kann man so machen. Wenn man aber will, dass sich möglichst viele Leute impfen lassen und sich nicht erst überwinden müssen, einfach mal so eine Hotline anzurufen – und dann nicht durchzukommen -, dann muss man mehr auf die Leute zugehen und nicht darauf hoffen, dass sie sich schon melden werden.

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RTZapper

Gösta

Mittwoch, den 6. Januar 2021
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MO 04.01.2021 | 3.40 Uhr (Di.) | NDR

Der junge Kinderpsychologe Gösta meint es nur gut. Immer. Und mit allen. Er kann einfach nicht Nein sagen, und Konfrontationen sind ihm zuwider.
Er wohnt ganz weit draußen, mitten auf dem Land, und eigentlich wohnt er dort alleine.
Bis er einen Flüchtling aufgenommen hat. Bis plötzlich sein Vater bei ihm vor der Tür steht, weil er Probleme hat. Bis seine Freundin vor der Tür steht, die irgendwie mehr will als er selbst. Bis seine Ex vor der Tür steht, die nicht Ex sein will. Bis seine Mutter vor der Tür steht, die ein neues Filmprojekt im Wald umsetzen will. Bis der Vater einen Hund ins Haus schleppt. Bis sein Kumpel vor der Tür steht, der einfach mal raus wollte.

“Gösta” heißt die 12-teilige Serie aus Schweden, die im Dezember am Stück bei one zu sehen war und am Sonntag und Montag mitten in der Nacht beim NDR versendet worden ist.
Allerdings macht es Gösta – der Typ und die Serie – es einem als Zuschauer nicht ganz einfach. Denn Gösta ist nett, aber eigentlich viel zu nett, weil er sich von allen ausnutzen lässt.
Er holt sich mitunter unfassbare Egoisten ins Haus. Alle scheinen sie nur an sich zu denken. Ich, ich, ich – das ist das Motto, wenn es darum geht, was denn jetzt das Beste für alle ist.
Das ist mit der Zeit immer schwerer auszuhalten, weil auch Göstas Gäste immer krasser und psychotischer zu werden scheinen. Es ist ein langer Zeit bis Gösta mal auf den Tisch haut.
Das ist tatsächlich irgendwie interessant, aber dieses Gefühl, dass man sich eigentlich viel ärgert über diese Leute – auch über Gösta – das ist kein Wohlfühlfernsehen.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 5. Februar 2021)

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