Tagesarchiv für 5. Januar 2021

RTZapper

Ferdinand von Schirach: Feinde

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste / one / Dritte Programme

Ein Film, zwei Blickwinkel, elf Sender. Die ARD ist ja eher selten wirklich experimentierfreudig, aber am Sonntagabend hat sie es mal wieder gewagt.

Ein junges Mädchen wird entführt. Der Entführer fordert von der reichen Familien viel Geld für die Freilassung. Kommissar Nadler ermittelt und fokussiert sich auf das Umfeld der Familie. Sicherheitsmann Kelz wird verhört, und Nadler ist sich sicher: Kelz hat das Mädchen entführt. Weil aber Kelz nichts zugibt und auch nicht sagt, wo das Mädchen ist, greift er zu drastischen Mitteln.
Strafverteidiger Biegler muss sich vor seiner Frau rechtfertigen, weil er Kelz verteidigen wird. In der ausführlichen Befragung seines Mandanten bringt er Ungeheuerliches ans Licht.

Das Thema von “Ferdinand von Schirach: Feinde” ist extrem spannend. Denn der Zuschauer war bei der Entführung dabei, und man kann ziemlich sicher sein, dass Kelz ein Täter ist. Ziemlich. Aber nicht hundertprozentig.
Nadler foltert Kelz während des Polizeiverhörs, um ein Geständnis zu erpressen. Ist diese Art der Folter legitim? Sind alle Mittel recht, um ein Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien?
Die Antwort ist sehr eindeutig, denn der Strafverteidiger nimmt Nadler während der Gerichtsverhandlung regelrecht auseinander. Nadler hatte keine Beweise, die Spurensicherung war quasi nicht vorhanden, es war lediglich ein Gefühl, dass Kelz es gewesen sei. Dass Nadler Kelz gefoltert hat, fliegt dem Ermittler um die Ohren.

Bjarne Mädel spielt in “Feinde” den Ermittler Nadler, und das macht er hervorragend. Einmal mehr zeigt er, dass er ein fantastischer Schauspieler ist. Ebenso aber Klaus Maria Brandauer, der den Strafverteidiger spielt.

Es gibt zwei Versionen dieses Films. In Version 1 geht es vor allem um die Sichtweise des Ermittlers. Der Zuschauer ist dabei, wenn Nadler zunächst im Dunkeln tappt und später beim Verhör, das dann eskaliert. Diese Version lief im Ersten.
In Version 2 verfolgen wir, wie Strafverteidiger Biegler arbeitet, wie er hadert und sich dann seiner Aufgabe widmet, wie er schließlich Kelz verhört und auf die Tatsache der Folter stößt. Die erstengut 15 Minuten sind deckungsgleich, die letzten 25 Minuten auch – zumindest fast. Denn im Prozess ist die Kameraführung vor allem auf Biegler fokussiert, und am Ende erfährt der Zuschauer auch mehr über die Urteilsbegründung, während in Version 1 der Zuschauer mit Nadler relativ zügig nach der Urteilsverkündung den Saal verlässt. Version 2 lief bei one und in allen neun Dritten Programmen.

Das Experiment: Die beiden Filme laufen parallel, und der Zuschauer kann entscheiden, aus welcher Sicht er das Ganze sehen will. Oder er konnte hin- und herschalten, um zwischendurch zu schauen, was der Strafverteidiger ermittelt.
Ich habe das probiert und habe gezappt. Gut ist, dass man tatsächlich nicht nennenswert etwas in den jeweils anderen Versionen verpasst hat. Allerdings verliefen die Handlungen nicht immer wirklich parallel. So gab es in Version 1 ein Zusammentreffen von Nadler und Biegler, das aber da nicht gleichzeitig in Version 2 gab.
Andererseits gab es in Version 1 die Folterszenen, während Kelz in Version 2 die Szenen schilderte und der Anwalt darauf reagierte. Das war ein spannender Gegensatz, der auch nur so unmittelbar funktioniert.
Wer dagegen die beiden Filme hintereinander sah – weil viele den Eindruck hatten, es habe sich um einen zweiten Teil gehandelt – sah dagegen viele Doppelungen, die dann langweilig erschienen.

Version 1 im Ersten. Version 2 auf one, im WDR, NDR, radiobremen tv, BR, SWR, SR. hr, mdr und im rbb. Ein Film auf zehn Sendern. War das wirklich nötig? Die ARD hielt das offenbar für nötig, und sicherlich ist dabei zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht jeder Fernsehzuschauer wirklich jedes Dritte Programm und one empfängt. Es heißt, dass über DVB-T nur bestimmte Dritte zu empfangen sind. Um also sicherzustellen, dass wirklich alle Zuschauer am kompletten Experiment teilnehmen können, wurde der Film also durchgeschaltet.
Ob es grundsätzlich den zweiten Film gebracht hätte, ist eine andere Sache. Das Experiment war spannend, aber mit 120 statt 90 Minuten Länge hätte man auch alles erzählen können. Was dann aber vermutlich wieder weniger Aufmerksamkeit bekommen hätte, weil es dann eben nur ein Film im Ersten gewesen wäre.

Der Umgang mit dem Experiment in der ARD war jedoch lausig. Man hat den Zuschauer mit den Filmen leider sehr allein gelassen. Man hat sich darauf verlassen, dass alle vorher informiert waren, was denn da jetzt passiert.
Nicht nur, dass der Film in den meisten Dritten nicht zeitgleich mit dem Film im Ersten startete, sondern schon etwas früher. Er startete ohne Info an die Zuschauer.
Eigentlich hätten alle elf Sender zu Beginn wirklich zusammengeschaltet werden müssen. Ein(e) Ansager(in) (ja, sowas gibt es ja leider nicht mehr) hätte den Zuschauern erklären müssen, was jetzt passiert und was die Zuschauer machen können. Auch während des Films hätte es ab und zu Einblendungen geben müssen. An bestimmten Stellen hätte man “Umschalthilfen” geben können, in dem man sagt, was gerade in der anderen Version passiert. Dazu hätte man während des Films vielleicht zwei oder drei Punkte schaffen müssen, wo sich die Storys kreuzen und man dem Zuschauer das durch entsprechende Einblendungen sagen können.
Aber die Mühe hat man sich dann leider nicht gemacht, so wirkte das ganze wie eine gute Idee, die man aber nicht zu Ende gedacht hat.

Fast elf Millionen Menschen haben am Sonntagabend zur Primetime einen der beiden Filme gesehen. Das ist ein Erfolg, und solche Experimente könnte es gern mal wieder geben. Dann aber bitte noch mehr durchdacht.

-> Die Filme in der ARD-Mediathek (bis 3. April 2021)

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RTelenovela

Fast schneefrei

Dienstag, den 5. Januar 2021
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In vielen Gegenden hat es in den vergangenen Tagen geschneit. In meiner Instagram-Timeline sehe ich beispielsweise Fotos aus dem Süden Brandenburgs, wo wohl ordentlich Schnee liegt. Selbst aus Mecklenburg-Vorpommern liest man Nachrichten von schneebedingten Unfällen auf der Autobahn.

Nur an Oranienburg scheint der Schnee mal wieder vorbeigezogen zu sein. Am Sonntagnachmittag bildete sich eine leichte Schneedecke immerhin auf Wiesen, Dächern und Autoscheiben. Die Straßen selbst blieben weiterhin schneefrei und grau, und selbst das bisschen Schnee auf den Wiesen hat sich nicht gehalten.
Aber das ist so eine Eigenheit von Oranienburg, dass gewisse Wetterlagen um die Gegend herumziehen, weil es gerade hier einen Grad zu warm ist oder wenig Niederschlag runterkommt.

Wie schön wäre es doch, wenn Normalität herrschen würde und man überall hin reisen könnte – um zum Beispiel ein bisschen Schnee erleben zu können…

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RTZapper

Train your Baby like a Dog – Die Hund-Kind-Methode

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 19.05 Uhr | RTL

Ein Kind trainieren wie einen Hund? Das klingt einigermaßen absurd, und deshalb sorgte dieser Sendungstitel, “Train your Baby like a Dog” schon im Vorfeld für einen – was auch sonst? – Shitstorm.
RTL wird das gefallen haben. Denn noch bevor das Ganze am Sonntagabend auf Sendung ging, ist darüber ausführlich gesprochen worden. Mütter regten sich auf. Erziehungsexpertinnen regten sich auf. Und Katia Saalfrank regte sich auf – was dann doch einigermaßen amüsant ist, weil ihre Kindererziehung damals bei RTL ja auch nicht gerade, nun ja, unumstritten war.
Quotenmäßig hat sich der Wirbel es sich am Ende übrigens dennoch nicht ausgezahlt.

Pia ist 2, und sie will nicht ins Bett. Das Mädchen schreit, und ihre Eltern lassen sie schreien, weil sie den Tipp bekommen haben, sie einfach schreien zu lassen. Vorher haben sie schon alles andere ausprobiert.
Wie nun der Kontakt zu RTL entstanden ist, wissen wir nicht. Als es hieß, jetzt komme eine Hundetrainerin zu ihnen, da haben sie wohl gezögert, so haben wir am Sonntag erfahren.

Hundetrainerin Aurea Verebes sagt, das Verhalten des Kindes sei ähnlich dem eines Hundes, das Angst vor der Hundebox habe. Zum Einsatz kommt auch ein Klicker – wie es tatsächlich zur Hundeerziehung genutzt wird. Um das Klicken mit einer positiven Assoziation zu belegen.
Das scheint beim Kind tatsächlich zu funktionieren. Wobei natürlich die Frage ist, wie lange das mit dem Klicker so funktionieren soll – bis zur Kitazeit? Bekommt das Kitapersonal dann auch einen Klicker?

Ansonsten war diese Doku aber viel Wirbel um wenig. Es ging vor allem darum vermeintlich negative Dinge positiv zu besetzen, um sie dem Kind irgendwie schmackhaft zu machen. Also eine Sache der Erziehung, die nicht mal was besonders Neues ist. Dass sich Kinder- und Hundeerziehung da überschneiden sollte nicht überraschen – auch weil ja viele Hundebesitzer ihre Tiere wie Kinder behandeln.

Und was einmal mehr auffällt und angesichts der Diskussionen um die ach so skandalöse Art der Erziehung in den Hintergrund zu treten scheint: Es gibt offenbar immer noch Eltern, die ihre Kleinkinder vor die Kamera zerren. Die zur Schau stellen, wie schlimm das Kind ist und es zulassen, wie das Kind vor einem Millionenpublikum ausrasten und vermeintlich unmöglich sei. Sie lassen zu, dass sich eben jene Kinder vielleicht in ein paar Jahren selbst sehen und sich in Grund und Boden schämen – und vielleicht Mama und Papa fragen werden, wieso sie zugelassen haben, sich so vorführen haben zu lassen.

-> Die Sendung bei TV Now

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