Tagesarchiv für 4. Januar 2021

RTZapper

Bridgerton

Montag, den 4. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | Netflix

Pünktlich zu Weihnachten haute Netflix seinen nächsten Serienhit raus, und er passt ganz genau in die Zeit der Feiertage, wo man es sich zu Hause gemütlich macht und eine Serie suchtet.

1813 im feinen London. Die Ballsaison beginnt, und Daphne Bridgerton (Phoebe Dynevor) steht nun auch für den Heiratsmarkt offen. Blicke treffen sich auf den Bällen, die Mädchen tuscheln miteinander, einige werden von Herren angesprochen, andere nicht. Königin Charlotte (Golda Rosheuvel) kürt Daphne zu ihrer Favorin. Doch von der Klatschkolumnistin Lady Whistledown, deren Stimme wir nur hören, wird sie kritisiert, weil sie keinen der Männer an sich ran lässt – oder eher: Ihr Bruder Anthony (Jonathan Bailey) weist alle ab.
Um einen lästigen Herren von sich fernhalten zu können, schließt Daphne später mit dem Duke of Hasting, Simon Basset (Regé-Jean Page), den Pakt, so zu tun, als sei bei den beiden Liebe im Spiel.
Aber die beiden merken, dass da wirklich mehr ist, und so wird dann tatsächlich Liebe draus. Aber so einfach ist es dann doch nicht: Denn Simon sagt, dass er keine Kinder zeugen kann, und er will nicht, dass sich Daphne mit ihm das Leben ruiniert. Wird Daphne Simon also wieder verlassen? Und wie weit geht Daphne, wie skrupellos ist sie, wenn es darum geht, ein Kind haben zu wollen?

In der ersten Staffel von “Bridgerton” (man kann wohl davon ausgehen, dass es weitergeht) tauchen wir acht Folgen lang in die Welt des englischen Adels ein. In der Edelsoap wird geliebt, gestritten, getratscht, und ein bisschen Krimi gibt es auch.
Die Liebelei zwischen Daphne und Simon steht zwar im Mittelpunkt der Serie, steht aber nicht allein da. Zwischen dem Paar geht es um Liebe und Lüge, denn lange erscheint das Hin und Her sehr merkwürdig und unverständlich – erst später wird klar, was eigentlich das Problem ist.
Aber es geht auch darum, neue Wege zu gehen, aus Konventionen auszubrechen. Um die Frage wer liebt wen, und wer darf wen lieben – und wenn nicht: warum nicht?
Das ist modern inszeniert – aber nicht nur das. “Bridgerton” zeigt, wie divers heutzutage produziert und erzählt werden kann. Da gibt es die dunkelhäutige Königin, was zunächst ungewöhnlich erscheint, in der Serie aber plausibel erklärt wird, und auch sonst gibt es verschiedene Hautfarben im Cast.
Es gibt die Momente des Kopfschüttelns innerhalb der acht Folgen – aber es überwiegt dann doch immer die Neugierde und die Spannung, und das ist ja alles, was eine gute Soap braucht.

-> Die Serie und Trailer auf Netflix

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RTZapper

Your Name engraved herein

Montag, den 4. Januar 2021
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SA 02.01.2021 | Netflix

1987 wird der am Ende des chinesischen Bürgerkriegs in Taiwan verhängte Ausnahmezustand nach fast 40 Jahren beendet. Im Mai 2019 wurde in Taiwan die Ehe für alle legalisiert – als erstes Land in Asien.
Es sind zwei Daten, die wichtig für diesen Film sind.
„Your Name Engraved Herein“ (so viel wie: “Dein Name ist hier eingraviert”) von Liu Kuang-Hui entführt den Zuschauer nach Taiwan, in das Jahr 1987.

Chang Jia-Han (Edward Chen) hat sich geprügelt. Und jetzt sitzt er bei Father Oliver (Fabio Grangeon), der wissen will, weshalb er sich geprügelt hat.
Es ging um Liebe.
Wang Po-te (Tseng Jing-Hua), genannt “Birdy” trifft in der Schule auf Chang Jia-Han, genannt “A-Han”. In den Orchesterproben werfen sie sich immer mal ein Lächeln zu, und irgendwas ist da. Aber selbst, wenn da was ist – dann darf das nicht sein in einem Land, das immer noch Homosexualität verfolgt. Dennoch kommen sie sich näher, und als der eine homophob bepöbelt und verprügelt wird, schreitet er andere ein.
1988 reisen sie nach Tapipeh. Präsident Chiang Ching-kuo ist gestorben, und alle Schüler dürfen in die Hauptstadt reisen, um seiner zu gedenken. Sie erleben dort eine schöne Zeit und Nähe – und werden aber auch Zeuge von einem Angriff auf einen Aktivisten. Er hielt ein Transparent hoch: „Ehe ist ein Menschenrecht! Homosexualität ist keine Krankheit!“ Ein Fingerzeig, vorsichtig zu sein.
Sie sind enge Freunde – aber auch ein Paar? A-Han hätte das gern, Birdy vermutlich auch, aber er traut sich noch weniger, verleugnet, dass da vielleicht mehr als Freundschaft ist.

“Your Name engraved herein” ist das Motto dieses Films. Denn der Name des anderen bleibt wohl immer im Gedächtnis, selbst als sie sich später aus den Augen verlieren.
Dieser Film ist bittersüß, und ob es überhaupt ein Happy-End gibt, darüber wird der Zuschauer lange im Unklaren gelassen. Denn natürlich kann es hier kein einfaches Ende geben, in einem Land, wo es nicht gibt, was nicht sein darf.
Das ist an einigen Stellen ziemlich melodramatisch, manchmal zehrt es an den Nerven, weil die beiden umeinander kreisen, ohne Nägel mit Köpfen zu machen. Aber dann gibt es auch wieder die Stellen, die einfach nur schön sind – wenn sie im Kino herumalbern oder sich am Meer treffen.
Ein gewaltiger Film, zeitweise kitschig – aber so ganz anders kitschig als die üblichen westlichen Filme an dieser Stelle wohl wären…

-> Trailer auf Netflix

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