Tagesarchiv für 17. Dezember 2020

ORA aktuell

Oranienburger Filmpalast ohne Leitung

Donnerstag, den 17. Dezember 2020
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Der Oranienburger Filmpalast steht derzeit ohne Theaterleitung da. Das Kino ist wegen der Eindämmungregeln rund um das Coronavirus seit dem 2. November geschlossen – bis auf Weiteres.
Nach Informationen der Märkischen Allgemeinen ist Mario Nazahn seit dem 1. Dezember nicht mehr Leiter des Filmpalastes. Laut Betreiber K-motion GmbH & Co.KG habe Markus Thiel, Leiter des Standorts Schleswig die Leitung des Filmpalastes kommissarisch übernommen.

Unklar ist, ob die Führungslosigkeit ein Zeichen dafür sein könnte, dass das Kino nach dem Lockdown nicht mehr geöffnet wird. Vor Weihnachten werden aber Gutscheine verkauft.

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RTZapper

Geschichte im Ersten: Stramm rechts im Parlament

Donnerstag, den 17. Dezember 2020
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MO 14.12.2020 | 23.55 Uhr | Das Erste

Großeinsatz der Polizei in Dortmund. Mit fünf Einsatzwagen rücken die Beamten an. Ein Passant hat eine schlimme Straftat beobachtet und per Telefon die Polizei informiert. Und dann rücken sie an, die Blaulichter.
Was da wohl passiert ist? Ein Raubüberfall? Ein Mord? Eine Schlägerei?
Nein, die Polizei rückt wegen der 75-jährigen Irmela Mensah-Schramm an. An einer Bushaltestelle hat sie sich eine Sprühdose genommen und einen Nazispruch übersprüht.
Die Polizei gerufen hat ein Neonazi – ein Mitglied der Dortmunder Stadtparlaments, der dort für “Die Rechte” sitzt. Ein Neonazi sorgt also für einen Polizei-Großeinsatz, weil eine Oma dafür sorgt, dass Nazisprüche unsichtbar werden.
Deutschland im Jahr 2020. Kann man sich nicht ausdenken. Ist aber passiert.

Zu sehen war das am (viel zu späten) Montagabend im Ersten. In der Reihe “Geschichte im Ersten” ging es um die Historie vom stramm Rechten im (west-)deutschen Parlament.
Der Film war Teil eines kleinen Themenpakets, denn direkt davor ging es um Rechtsextreme in der DDR und in Ostdeutschland. Schon das war spannend und bedrückend zugleich, denn die Doku zeigte, dass es auch in der DDR Neonazis gab – und nicht zu knapp. Weil es sie aber nicht geben durfte, gab es sie eben offiziell auch nicht. Gleich nach der Wende erlebten die Rechtsextremen im Osten einen Aufschwung – durch die Hilfe der Neonazis aus dem Westen.

In der zweiten Doku ist die Geschichte dann aus vor allem westdeutscher Sicht erzählt worden. Mit interessanten Erkenntnissen. Dass im Nachkriegsdeutschland Nazis im Parlament saßen, ist nichts Neues. Dass die FDP dafür ein Sammelbecken war, ist dagegen durchaus interessant.

Und dann ist da die Oma, die durch Deutschland reist und alle rechten Hetz-Aufkleber abschabt und entfernt und Nazi-Schmierereien übersprüht. Sie bewegt sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Dass sie bei ihren Spaziergängen immer wieder von mutmaßlichen Neonazis “beschattet” wird, das macht ihr Angst, aber sie will es nicht zeigen. Dieses Engagement, Deutschland vom Nazischeiß säubern zu wollen – das finde ich einfach nur beeindruckend.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 21. Dezember 2020)
Die Doku aus “Ost-Sicht” in der ARD-Mediathek (bis 14. Dezember 2021)

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RT liest

Christian Huber: 7 Kilo in 3 Tagen – Über Weihnachten nach Hause

Donnerstag, den 17. Dezember 2020

Weihnachten! Zeit, nach Hause zu fahren! Auch für Bastian ist es jetzt wieder so weit. Von Köln aus reist er in seine Heimatstadt. Es ist der Ort, in dem er groß geworden ist, in dem es überall Erinnerungen gibt – und die gute Kneipe mit dem guten Bier und den guten Freunden.
Seine Eltern kocht bis zum Abwinken und will ihn scheinbar mästen, es gibt noch ein wenig Stress wegen der Geschenke – alles wie immer. Nur dass Bastian in diesem Jahr keine Freundin mehr hat. Und dass eben jene Freundin Fine jetzt mit seinem Bruder Niklas zusammen ist.

“7 Kilo in 3 Tagen – Über Weihnachten nach Hause” heißt der Roman von Christian Huber, der 2017 erstmals erschienen ist. Durch die Umsetzung als Miniserie bei Netflix unter dem Titel “Über Weihnachten” bekommt auch das Buch noch mal Aufmerksamkeit.
Das allerdings ist keine gute Idee. Denn es ist erstaunlich, geradezu bedrückend, wie langweilig und ideenlos die Romanvorlage ist. Im Grunde genommen ist der Roman die bloße Erzählung von Weihnachten zu Hause. Das ist stellenweise pointenreich, aber auch das nicht wirklich oft. Genau genommen ist dem Autor scheinbar nicht viel zu dem Thema eingefallen – oder eher: Durch die Serie wird ihm nun vorgeführt, was aus seinem Roman hätte werden können. Denn im Roman gibt es praktisch keine Konflikte. Dass seine Ex mit seinem Bruder zusammen ist, ist scheinbar kaum ein Problem. Auch zu Hause läuft eigentlich alles glatt ab, wenn auch einen Hauch (aber wirklich nur einen Hauch!) skurril. Es gibt im Buch nichts, was die Geschichte irgendwie spannend macht. Einige Kapitel plätschern sehr lahm vor sich hin, da gibt es ewige Dialoge, die aber weder witzig sind, noch zu irgendwas Aufregendem führen.
Oft ist es so, dass es Filme, die auf Romanen basieren, bei den Lesern schwer haben. Dass aber im Ursprungsroman praktisch keine der witzigen Ideen und Wendungen schlicht nicht enthalten sind, das habe ich so auch noch nicht erlebt. Erst durch die Netflix-Serie hat die Story überhaupt eine Aufwertung bekommen. Das Buch zu lesen, kann an sich dagegen klemmen.

Christian Huber: 7 Kilo in 3 Tagen – Über Weihnachten nach Hause
ro ro ro, 175 Seiten
2/10

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