Tagesarchiv für 8. Dezember 2020

RT liest

Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor – Ein Jahrebuch

Dienstag, den 8. Dezember 2020
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Wie ich meine Zeitung verlor. Das klingt wie ein Abgesang auf ein ganzes Medium. Vielleicht auch wie eine Analyse der Situation der Zeitungslandschaft.
Das alles ist dieses Buch nicht. Sondern eine persönliche Abrechnung mit der Süddeutschen Zeitung, bei der der Autor arbeitet.

Birk Meinhardt hat seine Journalistenkarriere in der DDR, bei der “Wochenpost” gestartet, was im Buchumschlag in der Kurzvita vorsichtshalber nicht so richtig erwähnt wird, weil es vielleicht nicht so gut klingt wie die Autorenschaft bei der SZ. Er erwähnt es aber immerhin im Buch selbst.
Zweimal bekam er Kisch-Preise für Artikel, ansonsten arbeitete er sich auch bei der SZ hoch und schien ein angesehener Autor zu sein.
Allerdings, so beschreibt er, gab es dann immer wieder Probleme. Einer seiner Artikel sollte noch mal überarbeitet werden, letztlich gab es darum Streit, und der Text ist nie erschienen. Später ärgerte er sich über einen aus seiner Sicht einseitigen Beitrag über die US-Streitkräfte in Deutschland und verfasste einen Gegentext.
Überhaupt habe sich die SZ sehr einseitig entwickelt, er wirft der Redaktion vor, bestimmte Meinungen nicht mehr zuzulassen.

Fast möchte man ein bisschen weinen, wenn man das alles liest. Übermedien hat dazu recherchiert und einen langen Beitrag dazu veröffentlicht, der auch die andere Seite mal beleuchtet.
Das tut Meinhardt nicht. Muss er auch nicht, denn es handelt sich ja um ein Buch, das seine Erlebnisse widerspiegelt.
Dennoch fällt auf, dass der Autor Vorwürfe in den Raum stellt, einseitig zu berichten, um es dann selbst zu tun. Wie Übermedien berichtet und aufzählt, steht dieser Vorwurf zudem auf sehr wackligen Füßen, kann schnell widerlegt werden.
Unverschämt wird Meinhardt, als er davon berichtet, wie ihm mitgeteilt wird, dass er erst mal nicht mehr für die Zeitung schreiben darf. Er schwurbelt rum, warum das jetzt passiere – um dann ein paar Seiten später lapidar zu erzählen, dass der Grund ganz woanders lag.
Meinungen kann man dem Autor nicht nehmen. Aber in diesem Buch wirkt vieles so, als stünden da eher diverse Kränkungen im Raum. Und wenn man seine Behauptungen, die tatsächlich erst mal für Staunen sorgen, so widerlegt sieht – dann bleibt letztlich nicht mehr viel übrig. Und das ist dann nur noch: ärgerlich. Genauso wie übrigens die 15 Euro für gerade mal 143 Seiten.

Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor – Ein Jahrebuch
Das Neue Berlin, 143 Seiten
1/10

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RT im Kino

Sebastian springt über Geländer

Dienstag, den 8. Dezember 2020

Sebastian (Finn Freyer) ist als Kind viel auf sich allein gestellt. Seine Mutter kümmert sich nicht sehr oft um ihn. Alles ist recht oberflächlich. Unter seinen Mitschülern ist er nicht sehr beliebt, auch weil er sehr ruppig und kühl sein kann.
Ein paar Jahre später. Sebastian (Joseph Peschko) verliebt sich in Betty (Frederieke Morgenroth). Und plötzlich lernt er so etwas wie ein Familienleben kennen. Leute, erwachsene Leute, die sich für das interessieren, was er sagt und denkt. Aber auch das schon ihn bald zu erdrücken.
Noch ein paar Jahre später. Sebastian ist nun ein junger Erwachsener, gerade hat er seinen letzten Tag als Pfleger, und jetzt plant er eine große Reise. Zeit, Abschied von den Freunden zu nehmen.

Es sind drei Lebensstationen, in denen der Film von Ceylan Alejandro Ataman-Checa, Sebastian begleitet. Zunächst als Kind, das scheinbar wenig Lebensfreude und Liebe bekommt und sehr traurig wirkt. Als Teenie, der neue Welten kennenlernt und als Erwachsener, der sein Leben plant. “Sebastian springt über Geländer” heißt der Film, und ganz am Anfang ist das sogar wörtlich zu nehmen. Aber dann geht es eher um Hürden, die Sebastian im Leben meistern muss.
Der Film selbst ist ein bisschen wie Sebastians Leben, aber das fällt einem erst hinterher auf. Er beginnt nämlich sehr langatmig und fast schon dröge – erst später weiß man, so wie Sebastians Leben als Kind. Lange Einstellungen, spärliche Dialoge.
Der Film taut erst auf, wenn es auch Sebastian macht. Am lebendigsten erscheint er im letzten Teil, als scheinbar auch Sebastian ein anderer Mensch geworden ist. Dieses letzte Drittel ist dann auch noch recht versöhnlich.

-> Trailer auf Youtube

Sebastian springt über Geländer
D 2019, Regie: Ceylan Alejandro Ataman-Checa
déjà vu Filmverleih, 69 Minuten, ab 0
5/10

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