Tagesarchiv für 25. November 2020

RTZapper

Gott

Mittwoch, den 25. November 2020
Tags: , ,

MO 23.11.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das Thema war schwierig, der Film dennoch eine Wohltat. Denn er bot etwas, was auch in einer Zeit mit vielen Talkshows oft kaum noch möglich ist: ein ganz konzentrierten Austausch von Meinungen.

In Berlin verhandelt der Ehtikrat. Richard Gärtner ist 78, und er will sterben. Seine Frau ist tot, nun will er selbst auch nicht mehr weiterleben. Seine Hausärztin weigert sich, ihm das tödliche Medikament zu geben.
Hat sie damit recht? Oder hat der Senior das Recht, sich das Leben zu nehmen? Egal aus welchen Gründen?

Der gut 90 Minuten Film besteht ausschließlich aus der Verhandlung. “Gott”, nach einem Theaterstück von Ferdinand von Schirach, lief am Montagabend zur besten Sendezeit im Ersten.
Am Zeitpunkt der Ausstrahlung gab es teilweise Kritik. Angesichts dessen, dass in Pflegeheimen Menschen wegen des Coronavirus sterben, sei es unglücklich, nun über Sterbehilfe zu diskutieren.
Den Vorwurf aber kann man der ARD nicht machen. Aktuelle Probleme können nicht zwingend dafür sorgen, andere Probleme beiseite zu schieben, weil sie eventuell jetzt unangenehmer sein könnten als sonst. Und bei der Sterbehilfe geht es um ein wichtiges Thema.

Das Faszinierende an “Gott”: 90 Minuten ging es nur darum, Menschen zuzuhören. Ihren Argumenten dafür oder dagegen zu lauschen. Es äußerten sich Vertreter des Staates, es ging um die Gesetzteslage, es ging um den religiösen Standpunkt, um den Standpunkt des Betroffenen. Monologe, Dialoge. Jeder konnte ausreden, es gab keine Tumulte. Einer nach dem anderen.
Und der Zuschauer dazwischen, der sich Gedanken machen konnte, welche Argumente schlüssig sind und welche vielleicht nicht. Ganz am Ende hatten die Zuschauer die Möglichkeit abzustimmen: Sollte Richard Gärtner das Medikament bekommen? Gut 70 Prozent stimmten dafür.

Die Diskussion ist deshalb so spannend und schwierig, weil es in “Gott” nicht um einen schwerkranken Mann ging. Er war nicht unmittelbar dem Tode geweiht. Der Mann wollte einfach nicht mehr.
Das Gesetz jedoch macht keinen Unterschied, ob der, um den es geht, schwerkrank, todkrank oder gesund ist. So hätte ich vermutlich im konkreten Fall mit Nein gestimmt, im Fall eines schwer- oder todkranken Menschen wohl eher mit Ja. Und vielleicht gab es ja auch unter den Zuschauern vor dem Fernseher entsprechende Diskussionen.

Eigentlich war die folgende Diskussion bei “hart aber fair” deshalb vollkommen überflüssig, denn im Film selbst war ja alles schon gesagt.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 23. Dezember 2020)

Hits: 178

RTelenovela

Die A114 ist eine Baustelle

Mittwoch, den 25. November 2020
Tags: , ,

Das gibt es in Deutschland vermutlich nicht so oft: Aber die komplette A114 ist eine Baustelle, vom Anfang bis zum Ende.
Nun gut, das ist auch nicht so schwer, weil die A114 nur acht Kilometer lang ist. Sie beginnt in Schönerlinde am Dreieck Pankow und endet dann in Berlin-Pankow.

Gebaut worden ist sie zwischen 1973 und 1982 – eigentlich eine erstaunlich lange Zeit für die paar Kilometer. Bis heute gehörte sie zu den letzten Strecken, bei denen man noch über die alten Betonplatten gerumpelt ist. Zuletzt war sie auf Tempo 80 runtergesetzt, an vielen Stellen nur noch Tempo 60.

Jetzt haben die Bauarbeiten so richtig begonnen, fast die komplette Strecke stadteinwärts ist gesperrt, die allermeisten Kilometer führen nur noch zweispurig und mit Tempo 60 auf einer Seite der Autobahn.
Es geht also noch langsamer und staugefährdeter in den Osten Berlins. Wenigstens hat man nicht den Fehler gemacht, an einigen Stellen, wo es vielleicht gegangen wäre, den Verkehr vierspurig zu führen, um ihn dann wieder einzuengen.
Das Spiel wird jetzt jahrelang so gehen – plus die Bauarbeiten am Dreieck Pankow, plus die Bauarbeiten auf der nördlichen A10. Das alles kann dauern.

Hits: 133