Tagesarchiv für 24. November 2020

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Interview der Woche: Prince Charming ist nicht sein Typ

Dienstag, den 24. November 2020
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Adrian Sarac (25) aus Mühlenbeck ist zwar bei der Datingshow ausgeschieden, aber trotzdem glücklich

MAZ Oberhavel, 24.11.2020

Mühlenbeck.
Der 25-jährige Adrian Sarac war einer von 20 Männern, die in der Datingshow „Prince Charming“ auf TV Now und Vox um die große Liebe von Alexander Schäfer buhlten. In Folge 5, die am Montagabend bei Vox lief, ist der in Mühlenbeck aufgewachsene Adrian ausgeschieden. Er musste am Ende seine Krawatte abgeben.

Bist du enttäuscht gewesen?
Adrian Sarac: Klar ist man ein bisschen desillusioniert, wenn man gehen muss. Ich muss aber sagen, dass meine Enttäuschung nicht darin liegt, dass ich meine große Liebe nicht gefunden habe, sondern dass ich mich von der Gruppe im Haus trennen musste.

Ich hatte den Eindruck, dass du kaum stattgefunden hast.
Wahrscheinlich war ich nicht ordinär genug. Vielleicht war ich auch den Redakteuren gegenüber zu diplomatisch und haben es ihnen zu schwer gemacht, mir Böses zu entlocken.

Was haben wir denn von dir durch den Schnitt verpasst?
Ich würde sagen, dass ich auch sehr schöne Messages und Botschaften an die Welt adressiert habe. Es ging mir ja um die Problematik, die viele türkische Homosexuelle haben.

Ist das heutzutage immer noch ein Problem?
Auf jeden Fall! Ich weiß ja, wie es bei den anderen läuft, ich stehe ja auch im Austausch mit türkischen Homosexuellen und mit vielen schwulen Muslimen. Ich bin nicht religiös, aber ich habe viele Berührungspunkte mit der Szene. Ich möchte, dass sie eine gewisse Sichtbarkeit bekommen. Viele wissen nicht, was es heißt, Türke und schwul zu sein.

Was heißt es denn?
Das heißt, dass man automatisch an den Pranger gestellt wird. Meine Eltern haben eine gute Intuition und merken, in welche Richtung sich ihr Kind entwickelt. Bei anderen wird es totgeschwiegen und nicht thematisiert. Außer, du bringst es selbst zur Sprache. In vielen Familien ist es so, dass du Drohungen bekommst und du musst in Kauf nehmen, deine Familie zu verlieren.

Wie ist es bei dir?
Bei mir war es entspannter, da ich ja auch nur Halbtürke bin, habe ich auch deutsche Einflüsse. Deshalb zog mein Vater ganz gut mit. Aber ich weiß, dass es bei anderen ganz anders aussieht.

Seit wann war klar, dass du bei der zweiten Staffel von „Prince Charming“ dabei bist?
Beworben habe ich mich im Januar, Mitte März kam die Zusage. Eigentlich sollte es Ende April losgehen, das hat dann aber wegen der Pandemie nicht geklappt. Gedreht wurde dann erst im August auf Kreta.

Und wie hast du dich vorbereitet?
Ab Ende Juli habe ich mir Gedanken gemacht. Man weiß ja, was man so alles gefragt wird. So Fragen wie: Wie war dein Outing? Obwohl ich ja der Meinung bin, dass ein Outing eigentlich nicht mehr vonstatten gehen müsste. Ich habe mich aber auch mit viel Sport vorbereitet. Ich wollte Vorreiter sein mit meinem Körper.

Was hast du gedacht, als du das erste Mal Alex, den „Prince Charming“, gesehen hast?
Ich dachte mir: ein lieber, netter Mann. Ich fand es schön, dass er auch so ein bisschen eingeschüchtert war. Das hat ihn nahbar gemacht. Er war allerdings nicht mein Typ. Was aber auch nichts zu heißen hat, mein Ex-Freund war anfangs auch nicht mein Typ. Aber ich war neugierig auf ihn.

Was war der schönste Moment beim Dreh auf Kreta?
Wo wir in Folge 3 alle zusammen Party gemacht haben. Wir standen ja deutlich unter Musikentzug. Aber es war ein toller Moment, wo wir alle tanzten, und auch, dass wir über Community-relevante Dinge gesprochen haben. Wir hatten Botschaften an die Menschen da draußen, das war ein intimer Moment. Leider hat man vieles davon nicht sehen können.

Es gibt Kritik am Schnitt.
Ich muss sagen, dass ich den Schnitt etwas gewöhnungsbedürftig finde, etwas überradikalisiert. Viele Zusammenhänge wurden nur oberflächlich angeschnitten, vieles wurde nicht zu Ende erzählt. Das macht es den Zuschauern schwer, in die Staffel reinzukommen. Viele schöne Szenen wurden komplett weggelassen. Botschaften und Messages wurden hintenan gestellt, das ist vielleicht ein bisschen missglückt.

Wie ist es für dich, plötzlich mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?
Auf Instagram hatte ich vorher gut 8000 Follower, jetzt sind es knapp 11 000. Der eine oder andere hatte da durchaus mehr Resonanz. Aber ich muss auch sagen, dass ich da manchmal noch überfordert bin. Manchmal habe ich mehr als 100 Anfragen, zum Teil machen sich die Leute ganz viel Mühe, schreiben ganz lange Texte, erstellen Fanseiten. Das finde ich zwar schön, aber ich würde so was niemals machen, da bin ich nicht der Typ für. Also damit komme ich kaum hinterher. Ich bin ja immer noch Student, arbeite in Teilzeit, und in dieser Woche fange ich an, für ein paar Dinge Werbung zu machen.

Wenn schon nicht in den Prinzen, hast du dich ansonsten verliebt in der Show?
Verlieben, nein. Aber ich habe Leute kennengelernt, die ich sympathisch finde und mit denen ich teilweise noch im Austausch bin. Ich bin da vorsichtig, ich brauche lange, bis ich eine Freundschaft entwickele. Aber es gibt da Leute, die definitiv das Potenzial dazu haben. Ich suche auch nicht die große Liebe, das habe ich ja auch in der Show gesagt. Weil ich das doof finde, verkrampft nach der „großen Liebe“ zu suchen. Man sollte aber für die Liebe bereit sein. Sollte es der Fall sein, dass ich beim Einkaufen jemanden treffe und eine gewisse Chemie da ist, bin ich der letzte, der das verwehrt.

Wie ist es, sich selbst im Fernsehen zu beobachten?
Schrecklich! Ich kriege da immer eine Art Schamgefühl. Man sieht sich da gestikulieren. Es ist ungewohnt. Man muss sich da echt dran gewöhnen.

Und wirst du auf der Straße erkannt?
Ich arbeite ja Teilzeit beim Bäcker, da kommt das schon mal vor. Neulich war ich in einem Shop, da trug ich Maske und Basecap, es waren außer mir noch zwei Leute da, und genau die haben mich angesprochen.

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Dunkle Kneipen in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 24. November 2020
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Am Montag begann bereits die vierte Woche des “Lockdown Light”. In der vierten Woche sind nun schon wieder die Gaststätten geschlossen, die Kinos, Theater, Konzerthäuser, Schwimmhallen, Saunen, Fitnessstudios und alle Orte, in denen wir in der Freizeit Spaß und Zerstreuung haben.
Und wie es aussieht, wird das Ganze am 30. November nicht enden.

Die Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain ist zwischen dem Kosmos-Kino und dem U-Bahnhof Weberwiese normalerweise eine kleine Kneipenmeile. Dort sind auf dem sehr breiten Gehweg eigentlich am Abend immer Leute unterwegs. Vor den Gaststätten sitzen eigentlich die Leute, und jetzt im Herbst sind die Läden eigentlich voll.

Ein Montagabend im November – in Zeiten des Coronavirus. Es ist dunkel in den Kneipen und in den Cafés. Es herrscht eine bedrückende, traurige Stille. Selbst der Autoverkehr ist auf der Allee nicht allzu üppig.
Die Stühle sind zusammengestellt, die Türen verriegelt. Es gibt nicht mal nennenswert viele Spaziergänger. Ein Mann mit Hund läuft an mir vorbei, später kommen zwei junge Radler.

Zumindest hier gibt es derzeit keinen Freizeitspaß. Die Karl-Marx-Allee ist wie ausgestorben. Man kann nur hoffen, dass bald wieder bessere Zeiten kommen und dann die vielen Kneipen noch da sind.

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RT im Kino

Kahlschlag

Dienstag, den 24. November 2020

Wie früher: Martin (Florian Bartholomäi) und Eric (Bernhard Conrad) sind beste Freunde. Oder besser: Früher waren sie das mal. Das ist 20 Jahre her.
Damals waren die beiden in dasselbe Mädchen verliebt, in Frenni. Inzwischen lebt Martin mit Frenni (Maike Johanna Reuter) zusammen – die große Liebe, aber auch glücklich?
Lange hat sich Eric nicht mehr bei Martin gemeldet – bis er plötzlich vor seiner Tür steht. An einem Waldsee wollen sie ein ruhiges Wochenende beim Angeln verbringen. Aber ruhig wird es denn, denn Eric will Martin sagen, was ihm seit langem auf der Selle brennt. Doch die Sache spitzt sich zu.

Die Handlung von “Kahlschlag” liest sich spannend, und tatsächlich hat der Film von Max Gleschinski auch Momente, die durchaus fesselnd sind.
Davon gibt es jedoch nicht viele, denn eine richtige Spannung will letztlich überhaupt nicht aufkommen. Über weite Strecken wirkt “Kahlschlag” enttäuschend dröge, die Handlung dämmert auf enttäuschende Weise vor sich hin.
Titel und Inhaltsangabe lösen nicht ein, was sie versprechen, da kann auch der dramatische Teil am Ende nichts mehr rausreißen.

-> Trailer auf Youtube

Kahlschlag
D 2018, Regie: Max Gleschinski
UCM.One, 98 Minuten, ab 16
2/10

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