Tagesarchiv für 21. November 2020

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Ökozid

Samstag, den 21. November 2020
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MI 18.11.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Berlin, 2034. Der Internationale Gerichtshof muss umziehen. Den Haag hat gerade eine verheerende Sturmflut erlebt, und in Berlin-Tegel ist nun ein großes Zelt für die Verhandlung des Jahrhunderts aufgestellt worden.
31 Staaten des globalen Südens klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland. Es geht um Länder wie Bangladesch oder Somalia, die mit den Folgen der Erderwärmungen zu kämpfen haben. Auf der Anklagebank sitzt auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihr Vorgänger Gerhard Schröder weilt dagegen in der russischen Förderation und kann (oder will?) nicht kommen.
Wer hat Schuld an den Umweltschäden? Wer muss dafür geradestehen? Für Deutschland geht es um Milliarden, letztlich um Billionen.

Im Ersten gab es am Mittwochabend im Rahmen der ARD-Themenwoche “#WieLeben” mal wieder ein Gedankenspiel: Was passiert, wenn Staaten die Nationen anklagen, die in den 90ern oder 2000ern noch die Macht gehabt hätten, etwas am Klimawandel zu ändern?
An Deutschland soll im Film “Ökozid” ein Exempel statuiert werden. Denn wenn das Gericht Deutschland schuldig spricht, dann wollen die Staaten auch die USA, Russland oder China anklagen.
Der Film ist so spannend wie niederschmetternd. Denn Punkt für Punkt zählt die Anklage auf, an welchen Punkten die Politik (und die Menschen) versagt haben – das wird auch mit Originalausschnitten von damals dokumentiert. Wo haben Lobbyisten ganze Arbeit geleistet, wo war die Politik eingeknickt, um ihre eigene Macht zu sichern?
Dabei lässt der Film auch nicht aus, welche Machtspiele im Hintergrund dieses Prozesses stattfinden.
Gleichzeitig macht “Ökozid” aber auch ohnmächtig, weil man als Zuschauer – als einfacher Bürger – das wahrscheinliche richtige Gefühl hat, als kleines Licht nichts ausrichten kann.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 18. Februar 2021)

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Täglich frisch geröstet

Samstag, den 21. November 2020
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MO 16.11.2020 | 20.15 Uhr | TV Now

Stefan Raab sitzt schon wieder in der Regie und frisst Chips.
So erfahren wir es zu Beginn seiner neuen Show.
Das ist schön für Stefan Raab. Noch besser wäre es, wenn er in der Regie auch mal ein bisschen an seiner Sendung arbeitet. Die ist nämlich mau. Sehr mau.

Da ging ein Ruck durch die Medienwelt, als es hieß, Stefan Raab mache eine Late-Night-Show. Bei TV Now, der Konkurrenz zu ProSieben. Klar war aber auch, dass er die Show nicht moderieren, sondern nur produzieren wird.
Doch je mehr über die Show “Täglich frisch geröstet” klar wurde, desto mehr war auch klar, dass man die Erwartungen an der neuen Show wohl etwas drosseln sollte.
Am Montagabend lief bei TV Now nun die erste Folge – und sicher ist nun, dass “Täglich frisch geröstet” die Mogelpackung des Jahres ist, und eine Enttäuschung obendrein.

Täglich? Nein, sondern nur zweimal pro Woche, montags und mittwochs, und überhaupt erst mal nur achtmal.
Frisch? Nein, die Sendung wird mehrere Tage zuvor aufgezeichnet. Aktuelle Gags, wovon eine Late Night lebt, können nur in tagesaktuell aufgezeichneten Sendungen kommen.
Geröstet? Auch nicht wirklich. Das Konzept: Jede Show wird von jemand anderem moderiert, der eigentlich nicht für Moderationen bekannt ist, und ein anderer Comedian röstet ihn, zieht ihn also parallel durch den Kakao. Aber auch das zieht nicht wirklich.

Die erste Show wurde von Ralf Moeller moderiert. Der Schauspieler kann eines ganz gut: Im Studio stehen. Was er nicht gut kann: Witze machen. Oder Witze ablesen. Oder ein Timing haben. Oder gar spontan sein. Ralf Moeller war der undenkbar schlechteste Startmoderator für eine solche Show, da konnte auch Röster Olaf Schubert nichts mehr retten, der durch die Blume durchaus mitgeteilt hat, dass er das alles eher semigut fand.
Dazu langweilige Einspielfilme über eine Laienband, zu der ein Profisänger stößt – viel zu lang, viel zu witzlos.

Die Studioband klingt wie “TV total”, was einerseits nicht schlecht ist, andererseits aber auch eine Art Raab-Nostalgie ist, die man auch langsam mal über hat.
Und überhaupt: Raab. Mit “Täglich frisch geröstet” droht sich Stefan Raab endgültig sein Image als Fernsehmann mit dem richtigen Riecher zu ruinieren. Nicht nur, dass der auch schon bei ProSieben zum Einsatz gekommene Vorspann, dass ja der große Stefan Raab in der Regie sitze und Chips fresse – als ob das irgendjemand interessieren könnte, der Typ soll lieber wieder vor die Kamera kommen -, langsam albern wird. Diese Sendung wirkt furchtbar altbacken, auch wenn die Röstidee an sich nicht so übel ist. Nur hat das alles mit Late Night nichts zu tun.
In Folge 2 trat Jorge González als Moderator auf. Nun ja. Es gibt sicher Leute, die das sehen wollen.

-> Die Sendung bei TV Now

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