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Zwei Schulanbauten sind nicht machbar

Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über neue Wohnungen und weitere aktuelle Themen

MAZ Oberhavel, 24.10.2020

Kremmen.
In der Reihe „MAZ zu Hause in Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu den aktuellen Themen aus der Stadt.

Lässt sich das Rathaus auch aus dem Homeoffice leiten?
Sebastian Busse: Ja, ganz klar. Aber ich war nicht viel im Homeoffice. Gerade mal vor 14 Tagen nach dem Treffen mit dem Landrat und der folgenden Meldung, dass er positiv auf Corona getestet wurde. Bis mein Testergebnis da war, blieb ich, aus reiner Vorsicht, zu Hause. Ich bin gut vernetzt. Ich habe ein mobiles Gerät, mit dem ich Zugriff auf meinen Rechner im Rathaus habe.

Wie wird momentan, während der Pandemie, im Rathaus gearbeitet?
Unser Rathaus ist seit März nicht geöffnet wie normalerweise. Die Türen sind verschlossen. Aber jeder, der ins Amt muss, bekommt auch einen Termin. Für die Mitarbeiter ist es ein koordinierteres Arbeiten, und es muss keiner mehr warten, es ist für jeden besser planbar. Ich glaube, das werden wir so beibehalten, es gibt dazu wenig Negatives. Wir haben für die Mitarbeiter aber auch Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet.

Viele Feste fallen aus. Was ist mit dem Kremmener Weihnachtsmarkt?
Das ist ja eine Veranstaltung des Scheunenviertelvereins. Meine Kenntnis ist, dass keine weiteren Schritte dafür eingeleitet werden. Es soll aber am 3. Advent einen Trödelmarkt im Scheunenviertel geben.

Könnte ein trauriger Advent werden.
Vielleicht wird es ja wenigstens ein weißer Advent. Und es kommt ja nicht alles ganz plötzlich, den Sommer haben wir genießen können. Jetzt müssen wir uns einfach noch mal gedulden. Und ich denke, dass man trotzdem Adventsspaziergänge machen und gemütlich in der Gaststätte den Gänsebraten genießen kann.

Das Kremmener Asylbewerberheim ist leergezogen. Kommt der Umbau zu Wohnungen voran?
Wir sind am ersten Haus zu 90 Prozent fertig, beim zweiten sind wir dabei. Diese Häuser wollen wir Anfang November für einen „Tag der offenen Tür“ zur Verfügung stellen. Wir werden dort 34 Wohnungen und eine Arztpraxis an den Start bringen. Die Baufirmen sind zum größten Teil beauftragt. Ich habe die Hoffnung, dass wir im Februar komplett fertig sind. Es wird drei Wohnungstypen geben, zwischen 55 und 63 Quadratmeter.

Könnte dann das Wohnungsproblem in Kremmen gelöst sein?
Oberhavel insgesamt hat ein Wohnungsproblem. Ich kenne keine Kommune, die sagt, wir haben Leerstand. Ich denke, die Wohnungen können innerhalb eines Vierteljahres vermietet werden, es stehen schon viele Leute auf der Warteliste. Ich denke auch, dass sich viele Neu-Kremmener ansiedeln werden.

Kremmen braucht ein neues Feuerwehr-Depot. Ein erster Entwurf sah Baukosten um die vier Millionen Euro vor. Da muss noch mal nachgesteuert werden, hieß es im jüngsten Bauausschuss. Wie weit sind da die Gespräche?
Wir haben mit der Planerin eine Veränderungsliste erstellt. Wir erwarten jetzt eine neue Planung mit einem abgespeckten Gebäude. Ich habe die große Hoffnung, dass wir unter die vier Millionen Euro kommen. Es steht auch eine neue Förderrichtlinie vor der Tür, die aber noch beschlossen werden muss. Die Förderung könnte sich auf eine Million Euro beziffern.

Im Bauausschuss wollte der Vorsitzende Ricky Schlichting eine neue Diskussion über den Standort an der Straße der Einheit. Hat Sie das gewundert?
Sehr. Es ist ganz klar, diese Diskussion führen wir nicht noch mal. Nicht nach der Arbeit, die wir jetzt geleistet haben, und nach dem Grundstückskauf am Schlossdamm. Das Thema ist vom Tisch.

Es gibt noch keinen Zeitplan für den Anbau an der Goetheschule. Jetzt soll noch mal der Bedarf ermittelt werden. War nicht schon klar, wie hoch der Bedarf sein wird?
Es gibt den Bedarf für zwei Räume im jetzigen Schuljahr an der Grundschule, 2021/22 brauchen wir zwei weitere Räume für die Oberschule. Aber wenn der Landkreis in der Oberschule statt zwei dann drei Züge haben will, dann muss uns der Landkreis auch bei der Bauphase unterstützen. Deshalb brauche ich auch mehr Daten. Wie weit werden wir uns entwickeln? Das ist auch ein Blick in die Glaskugel, ob das alles so kommt. Wir haben jetzt die Container für die nächsten drei Jahre. Sie sollen am 9. November in Betrieb gehen.

Eigentlich bräuchte auch die Grundschule in Beetz einen Anbau.
Es liegt eine Kostenschätzung dafür vor, sie liegt bei 1,2 Millionen Euro. Der Anbau in Kremmen liegt bei 3,5 Millionen Euro. Es ist klar, dass die Stadt Kremmen das nicht finanzieren kann. Und es ist auch nicht genug Kapazität in der Verwaltung für Planung und Umsetzung da. Kita, Feuerwehr, Brückenbau, Spielplätze, und das Klubhaus wollen wir auch nicht vergessen. Dazu Straßenreparaturen. Das alles schaffen wir mit unserer kleinen Verwaltung nicht. Deshalb gibt es Anfang November ein Treffen mit den Schulleiterinnen, da kommen die Zahlen auf den Tisch, und wir besprechen das weitere Vorgehen.

Sie hatten neulich Besuch von Kremmenerinnen, die für das Klubhaus kämpfen. Wie konnten Sie sich einigen?
Ich habe mich erst mal bei den Frauen bedankt, dass sie den Weg zu mir gesucht haben. Es war ein sehr angenehmes Gespräch. Aber es ist ein schwieriges Objekt. Klar, es wäre schön, den Saal wiederzubeleben. Aber als Festveranstaltungsstätte sehe ich den Saal nicht mehr. Schallschutztechnisch wären zu große Hürden zu nehmen. Vielleicht ein kleines Konzert, aber so was wie früher, wo die Discos stattgefunden haben, wird so nicht mehr möglich sein. Von daher muss man sehen, wie man das Haus nutzen könnte, ich hätte nichts dagegen, wenn ein Kulturverein es nutzt. Wir wollen ein Interessenbekundungsverfahren einleiten, und da können wir auch Wünsche äußern.

Die Situation am Kremmener See ist schwierig. Es gab im Sommer nur wenige Badezeiten. Wie können Sie da eingreifen?
Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr eine bessere und vor allem gemeinsame Lösung finden werden. Wir wollen uns noch mal mit dem Eigentümer zusammensetzen, auch mit dem Ortsvorsteher und der Vorsitzenden der Stadtverordneten. Es gibt da auch einiges, was nicht so läuft, wie es vertraglich festgehalten ist. Wir als Stadt werden es uns aber nicht leisten können, sieben Tage einen Bademeister zu stellen.

Insbesondere im Ortsteil Kremmen war die Beteiligung am Bürgerhaushalt in diesem Jahr niedrig. Ist so ein Bürgerhaushalt noch nötig?
In Beetz hat man die Wahl am Sonnabend gemacht, dadurch hatte man einen großen Zulauf. Aber es liegt auch klar am Ortsbeirat und Ortsvorsteher, wie sie sich mit dem Bürgerhaushalt auseinandersetzen. Kremmen hatte die geringste Abstimmungsquote, vielleicht sollte man das gesamte Konstrukt Bürgerhaushalt nochmals überdenken. Aber politisch wird man dagegen sein, wegen der Beteiligung der Bürger. Vielleicht kann der Ortsbeirat auch selbst über die Finanzmittel verfügen. In Oberkrämer werden sie schon wissen, warum sie den Bürgerhaushalt nicht einführen.

Auf das Auto von Neuruppins Bürgermeister Golde ist ein Brandanschlag verübt worden. Kommt man da ins Grübeln?
Ich stehe gerade in der Mitte meiner Amtszeit, ich habe nicht das Gefühl, dass der Ton rauer wird, auch weil wir nicht in einer Wahlkampfsituation sind. Aber das ist schon beängstigend. Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, das ist kriminell und lebensgefährlich. Ich wünsche ihm alles Gute.

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