Tagesarchiv für 23. Oktober 2020

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Stuart Heritage: Gutenacht-Geschichten für alle, die sich vor Populisten gruseln

Freitag, den 23. Oktober 2020

Kannst du abends nicht einschlafen? Weil du denkst: Früher war alles besser. Alles wird immer schlimmer. Die Politik wird immer verrückter. Es geht vorbei.
Dann ist dieses Buch genau das richtige für dich.

Stuart Heritage schreibt u.a. im “Guardian” und in der “Times” Kolumnen. In Großbritannien gilt er als einer der 50 einflussreichsten Medienmenschen. Er hat nun eine Geschichtensammlung herausgegeben, die uns am Ende einfach nur gut fühlen lässt. Es sind “Gutenacht-Geschichten für alle, die sich vor Populisten gruseln”.
Es sind 23 Kurzgeschichten, die – und das kann man ruhig verraten – allesamt gut ausgehen. Wenn man denkt, dass die Populisten gewonnen haben, dann ist das in diesem Buch ganz anders. Denn hier sind die Trumps, Putins und Johnsons allesamt Loser.

Was sich anfangs auf dem Buchcover ein bisschen merkwürdig liest, entpuppt sich als einfach wunderbar und oftmals unfassbar lustig. Viele der Geschichten sind Parabeln auf das wahre Leben oder leicht umgeschriebene Märchen – die am Schluss oftmals lapidar mit einem dahingeschrieben Satz enden, bei dem alles wieder gut ist.
So deutet Stuart Heritage die Geschichte von “Hänsel und Gretel” um. Die treffen ja bei den Grimms auf eine Hexe. In dieser Geschichte läuft aber alles ein bisschen anders.
In einer anderen Story geht es um drei Bären und um Boris Johnson, der sie auf perfide Art schikaniert – aber die Bären wissen sich zu helfen.
Sicherlich, es ist eine sehr heile – oft grotesk heile Welt – die hier erzählt wird. Aber es sind ja auch Märchen, und das darf man das.
Wunderbare Geschichten, einige wirklich toll geschrieben, mit sehr viel Witz und so schön positiv!

Stuart Heritage: Gutenacht-Geschichten für alle, die sich vor Populisten gruseln
Kiepenheuer & Witsch, 166 Seiten
9/10

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Rad auf Achse

Freitag, den 23. Oktober 2020
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DI 20.10.2020 | 20.30 Uhr | rbb

Das waren noch Zeiten, als Michael Kessler durch Berlin und Brandenburg fuhr. Mit einem Rad, auf einem Floß, auf einem Hausboot. Er zeigte Land und Leute, und heraus kamen viele kleine Fernsehperlen.
Michael Kessler hat seine Expeditionen leider längst eingestellt, aber der rbb will dennoch daran anknüpfen. Nur das man die Liebe und den Charme weitgehend weggelassen hat.

“Rad auf Achse” heißt die vierteilige Reihe, die immer am Dienstagabend im rbb läuft. Auf dem Rad geht es entlang des längsten Radfernweg Deutschlands, der “Tour Brandenburg”. Der hat mehr als 1000 Kilometer.
Da erscheint es schon grundsätzlich sportlich, dass man pro 45-Minuten-Episode 250 Kilometer schaffen will. Wie tiefgründig will man da eigentlich berichten?

In jeder Folge werden zwei mutmaßliche Tagestouren gezeigt. Auf jeder Tagestour ist jemand anderes auf dem Rad unterwegs. Am Dienstag war es zunächst ein junger Mann, der schon richtig weite Radreisen unternommen hat – worüber erst mal mehrere Minuten berichtet worden ist. Und dabei dachte ich, es ginge um die Tour Brandenburg.
Von Rheinsberg ging es am Dienstag – in Folge 2 – zum Stechlinsee. Dort erfuhren wir immerhin etwas über eine Wissenschaftlerin, die den See untersucht. Fürstenberg und Himmelpfort waren schon nur noch Erwähnungen wert, die nächste Station war die Draisine in Richtung Templin. Der junge Radler machte auf der Draisine unbeholfenen Smalltalk mit dem Besitzer der Anlage.

Mal abgesehen davon, dass es natürlich eine schöne Idee ist, Brandenburg zum 30. Jubiläum der Gründung in so einer Dokureihe zu zeigen, hätte man das doch noch etwas tiefgründiger machen können. Warum muss man 1000 Kilometer in vier kurze Folgen quetschen? Auf jeder der Tagestouren – immerhin ja auch gute 125 Kilometer – hätte ganz sicher auch gute Geschichten erzählt werden können. Andererseits ist diese Reihe eh nur eine Mischung aus dem bloßen Zeigen der Radtour mit Benennung einiger Orte und Beiträgen, die drumherum produziert worden sind.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 13. Oktober 2021)

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