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Funkmast direkt vor der Nase

In Eichstädt steht jetzt ein 40 Meter hoher Turm für ein besseres Handynetz – Anwohner sind verärgert, weil vorher niemand mit ihnen gesprochen hat

MAZ Oberhavel, 30.9.2020

Eichstädt.
Er ist 40 Meter hoch und steht fast direkt an der Grundstücksgrenze, hinter der Einfamilienhäuser stehen. Die Anwohner der Straße Zum Heidegarten sind über den neuen Funkmast, auf den sie seit einigen Wochen schauen, alles andere als begeistert. Vor allem sind sie darüber irritiert, dass niemand vorher mit ihnen darüber gesprochen oder irgendetwas angekündigt hat.
„Als wir mitbekommen haben, dass die Vermesser unterwegs waren und als Pflöcke eingeschlagen wurden, da brodelte die Gerüchteküche“, erzählt Anwohner Tino Dittwald. Der Aufbau im August sei dann relativ schnell gegangen – und die Eichstädter konnten nur zuschauen. „Die Nichtinformation der Nachbarschaft“, so nennt es Tino Dittwald, ärgert die unmittelbaren Anwohner sehr.

Sie suchten das Gespräch mit Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO) und wandten sich auch an die Gemeindevertreter. Letztere waren offenbar uninformiert. „Ich würde behaupten, wir wissen so viel wie Sie“, hatte Matthias Schreiber (BfO), der Vorsitzende der Gemeindevertreter in der jüngsten Sitzung gesagt. Im vorherigen Gespräch und auch in der Sitzung sagte Peter Leys, dass die Gemeinde Oberkrämer nicht Besitzer des Grundstücks sei, die werde zwar zu Bauanträgen angehört und könne ein Einvernehmen erteilen oder versagen, aber das hätte keinen Einfluss auf den Genehmigungsprozess gehabt. „Außer wir hätten objektive Gründe gehabt. Aber nur zu sagen: Das ist heikel oder ungünstig, ist sicher nicht ausreichend“, so Leys.
„Wir wünschen uns von Ihnen politische Unterstützung“, sagte Tino Dittwald zu den Gemeindevertretern. Er bezeichnete es als „Katastrophe, dass Sie erst heute Kenntnis davon bekommen.“ Hinzu komme, dass in das Grundstück, auf dem der neue Turm stehe, ein Mitglied der BfO involviert sei, und die „Bürger für Oberkrämer“ stellen auch den Bürgermeister und sind stärkste Kraft im Gemeindeparlament. Die Anwohner befürchten einen Klüngel und Vertuschung. Diesen Vorwurf wies Peter Leys zurück.

Gebaut hat den Mobilfunkmast in Eichstädt die DFMG Deutsche Funkturm GmbH im Auftrag der Deutschen Telekom. „Der 40 Meter hohe Stahlgittermast versorgt den Ortsteil und die nähere Umgebung mit LTE-Diensten“, teilt Firmensprecher Benedikt Albers mit. „Im Rahmen der kommunalen Abstimmung haben wir die Gemeinde frühzeitig über unser Bauvorhaben informiert“, sagte er. „Wir haben keine direkten Gespräche mit den Anwohnern geführt. Dies wäre auch nicht üblich.“ Wenn es aber in der Phase vor dem Bauantrag Informationsbedarf gäbe, „bieten wir beispielsweise Infoabende an.“
Weiter unklar ist, warum der Standort an der Grundstücksgrenze ausgewählt worden ist. Dazu äußerte sich Benedikt Albers nur allgemein. Der Standort müsse funktechnisch geeignet sein, es dürften keine Hindernisse zwischen dem Standort und dem Versorgungsgebiet liegen.
„Die untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises hat keinen unmittelbaren Einfluss auf den Standpunkt des Mastes“, teilte Ivonne Pelz, Pressesprecherin im Landratsamt, mit. „Der Standort wird vom Bauherrn ausgewählt.“ Die Baugenehmigung sei am 28. April erteilt worden. „Die Entscheidung, ob Anliegergespräche als erforderlich betrachtet werden, obliegt dem Bauherrn beziehungsweise Bauträger.“

Dirk Jöhling (BfO), dem Leiter des Bauausschusses, sei das Problem bis einen Tag vor der Sitzung auch nicht bekannt gewesen. „Das hätte man als Info in den Bauausschuss bringen können“, sagte er an die Verwaltung gerichtet. Er sagte aber auch: „Alle Welt beklagt die Funklöcher in Deutschland, und wird was dagegen getan, ist es auch nicht richtig.“ Das weist Tino Dittwald zurück. „Wir sind nicht gegen Mobilfunk, aber Maß und Mitte sollten eingehalten werden, 100 Meter weiter wäre es auch gegangen, die Möglichkeit war da.” Die Befürchtung der Anwohner, dass durch den Mast der Wert der Grundstücke gemindert werde, teilt Dirk Jöhling, der Sachverständiger für Immobilienbewertung ist, nicht. Das sei eine bloße Behauptung.

Inzwischen gab es ein Gespräch zwischen Gemeindevertretervorsteher Matthias Schreiber und Anwohnern. „Das war ein nettes Gespräch“, sagte Tino Dittwald am Dienstag. Am 5. Oktober soll das Thema auch noch mal im Eichstädter Ortsbeirat besprochen werden, kündigte zudem Ortsvorsteher Dirk Ostendorf (BfO) mit.
Der Gemeindevertreter Wolfgang Krüger (CDU) mahnt unterdessen, in Zukunft besser mit Betroffenen in Kontakt zu treten. „Der Kommunikationsprozess muss anders organisiert werden.“ Die Anwohner haben sich unterdessen juristischen Beistand geholt.

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