Tagesarchiv für 4. September 2020

RTZapper

MTV back for good

Freitag, den 4. September 2020
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DI 01.09.2020 | 23.45 Uhr | MTV

In den 90er-Jahren war MTV das ganz große Ding. Eine riesige Marke, die unter Jugendlichen einen riesigen Stellenwert hatte. Sogar, als MTV noch nicht mal einen deutschen Ableger hatte und hierzulande nur die englische Version zu sehen. Umso größer war die Freude, wenn man ein deutscher Clip zu sehen war.
Heute sieht das ganz anders aus. MTV spielt kaum noch eine Rolle, selbst ein Sender wie Deluxe Music ist erfolgreicher. Lange ruinierte MTV sein Image, in dem zig ramschige Dokusoaps liefen und kaum noch Musik. Das hat inzwischen wieder geändert, MTV ist wieder ein Musiksender.

Um an alte Zeiten anzuknüpfen, holt MTV jetzt tagelang die 90er zurück. “MTV back for good” heißt die stundenlange Clipstrecke, und der Titel erinnert natürlich an den Take-That-Hit “Back for good”.
Am Dienstagabend gab es aber immerhin auch alternative Töne. Neben “Kiss me” von Sixpence non the Richer gab es “Pure Morning” von Placebo, “Praise you” von Fatboy Slim und “Everlong” von den Foo Fighters. Aber auch Captain Jack und Take That durften nicht fehlen.

Ob aber diese Nostalgiewoche wirklich hilft, MTV wieder ins Gedächtnis der Menschen zu bringen, darf bezweifelt werden. Die jungen Leute schauen kaum noch Fernsehen, und wenn sie Videoclips konsumieren, dann auf Youtube oder ganz ohne Clips auf Spotify und Co.

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RTelenovela

Havelberg – 22 Jahre danach

Freitag, den 4. September 2020
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Es sieht alles sehr viel moderner aus. Ich stehe vor dem Eingang der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg. Es ist Ende August 2020. Vor 22 Jahren, am 1. September 1998, war ich zum ersten Mal hier. Ich trat damals meinen Dienst in dieser Kaserne an. Gut acht Wochen lang dauerte die Grundausbildung, und wir sind dort marschiert, wir haben uns anschreien lassen, wir haben die Stuben geputzt, die Waffen benutzt und gereinigt und “Tsching Tschinging Bajuh” gesungen und so weiter.

Der Schriftzug an der Mauer neben dem Eingang scheint noch der alte zu sein. Ansonsten aber ist vieles anders. Der Parkplatz vorm Eingang ist verschwunden, es gibt auf der anderen Seite des Eingangs einen kleinen Besucherparkplatz, auf dem ich nun als einziger stehe. Auch ein Gebäude parallel zur Straße hat es, so glaube ich, 1998 noch nicht gegeben. Die Kompaniegebäude sehen frischer aus.

Während ich da so rumstehe, werde ich von der Wache beobachtet. Kommt ja sicher nicht so oft vor, dass vor der Kaserne jemand rumlungert und auf das Gelände glotzt. Ich laufe ein Stück entlang des Zaunes, und ich sehe, dass ich immer noch beobachtet werde.
Während ich da so langlaufe und die Gebäude sehe, strömen lauter Erinnerungen auf mich ein. Es ist ein merkwürdiges Gefühl.
Ich laufe um die Ecke, um mir von außen auch den Sportplatz anzusehen. Rechts von mir ist ein Wohnblock, die Bewohner schauen direkt aufs Kasernengelände. Für einen Freitagmittag scheinen erstaunlich viele Leute zu Hause zu sein. In einem Fenster hockt eine Frau und beobachtet mich. In einem anderen Fenster sitzt ein Hund und beobachtet mich. An einem der Hauseingänge steht ein junger Mann und beobachtet mich.
Ich laufe weiter, am Wohnhaus vorbei. Ich sehe links den Sportplatz, auf dem ich auch sehr große Erfolge gefeiert habe. Auf dem schmalen Weg, auf dem ich jetzt stehe, sind wir sicherlich auch mindestens einmal langgejoggt.

Es gibt gerade mal ein Gruppenfoto von meinem Zug. Ansonsten gibt es nur die Erinnerungen in meinem Kopf. Smartphones gab es noch nicht, und Fotos darf man auf dem Gelände eh nicht machen.
Ich laufe wieder zurück. Ich will noch in die Stadt.

Es ist eine schöne Stadt. Die Altstadt von Havelberg liegt auf einer Insel, drumherum fließen Havel und Havelarme. 1998 hatten wir wenig Gelegenheit, und wirklich die Stadt zu erschließen. Wir waren zwar einmal auf dem Pferdemarkt, wir waren ein oder zweimal Pizza essen, und einmal waren wir am Abend in einer Disco, die es sicherlich nicht mehr gibt.

Ich laufe durch die Altstadt, es gibt dort einen kleinen Buchladen. Ich sehe mich dort um, allerdings gibt es ausschließlich alte Bücher. Auf dem Flohmarkt in Sellin hatte ich schon mal Stephen Kings “Cujo” in der Hand, das Buch war aber zu teuer, und die Händlerin ließ nicht mit sich reden. Hier habe ich es nun wieder in der Hand – es ist aus den späten 80ern, aber ich will es haben. “Cujo” war einer der ersten – wenn nicht sogar der erste Roman, den ich von Stephen King gelesen habe.
An der Kasse erfahre ich, dass es sich um einen Verein handelt, der von Spenden lebt. Man spendet, wenn man etwas haben will. Und es gibt viele Leute, die Bücher bringen.

Ansonsten gibt es in der Havelberger Altstadt ein paar Lokale, das Rathaus, diverse Läden – aber es fehlt an einem echten Anziehungspunkt. Da bietet Stendal, wo ich vorher war, mehr. Auch wenn Havelberg architektisch sehr viel spannender ist.

Gute zwei Stunden dauert mein Havelberg-Aufenthalt, ich verlasse die Stadt mit dem Auto – auf dem Weg, den wir damals immer am Freitagmittag in Richtung Heimat gefahren sind.

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