Monatsarchiv für August 2020

RT liest

Veit Etzold: Staatsfeind

Freitag, den 14. August 2020

Herrlich, endlich gibt es auch für Verschwörungstheoretiker ein Buch, das sie mit Freude lesen werden. Einen Roman, der ihre Ängste bedient und alles bestätigt, was sie sowieso schon befürchten. Der Autor Veit Etzold liefert es ihnen.

30. Dezember 2018: Vor der französischen Botschaft in Berlin geht eine Bombe hoch. Es ist nur der Anfang einer Anschlagsserie. Der Berliner Innensenator wird erschossen, und im Hintergrund entstehen Szenarien, die Auswirkungen auf ganz Deutschland und Europa haben werden.
So finden in einem Wald bei Kremmen immer zu Silvester Waffenübungen statt – bei der Knallerei fällt das Geballer im Wald gar nicht auf. Die Übung ist ein weiteres Indiz dafür, dass in unweit entfernten Berlin etwas ganz Großes stattfinden soll.
Der ehemalige KSK-Soldat Iwo Retzick nimmt Kontakt zu einem ehemaligen Kameraden auf. Nicht nur, dass es eine neue rechtspopulistische Partei gibt. Mehrere Kräfte in Deutschland planen den großen Umsturz. Das Land soll geteilt werden, in einen islamischen und in einen deutschnationalen Staat.

Die Ausgangslage von “Staatsfeind” ist an sich ja durchaus spannend. Dass irgendwelche wirren Menschen tatsächlich einen Umsturz planen, ist sicherlich auch nicht allzu weit hergeholt. Für Unbehagen sorgen übrigens viele kurze Passagen, in denen der Autor distanzlos irgendwelche Verschwörungstheorien weitergibt oder rechtsextremes Geplapper als Fakt wiedergibt.
Unangenehm wird es aber, wenn dem Autor Fehler unterlaufen. So erzählt er in der Anfangssequenz von der Mauerfall-Nacht am 9. November 1989 und davon, wie am Brandenburger Tor alle durch die Mauer geströmt seien. Dabei fand die Maueröffnung dort erst kurz vor Weihnachten statt. Später wird von Kremmen und einem “Wald bei Brandenburg” gesprochen. Das ist vermutlich einem schlampigen Lektorat geschuldet. Dass der Autor nicht weiß, wie in Deutschland Neuwahlen funktionieren, ist peinlich.
Dass die Handlung ganz am Ende im Galopp erzählt, der Showdown auf drei Seiten abgehandelt wird, ist seltsam, dass das Ende des Romans in völlige Lächerlichkeit abdriftet, dann auch mehr als ärgerlich. Das ist der Moment, wo der Roman in den Trash abgleitet.

Veit Etzold: Staatsfeind
Droemer, 461 Seiten
3/10

Hits: 44

RT im Kino

Queen & Slim

Donnerstag, den 13. August 2020

Ein Tinder-Date. Normalerweise weiß man ja, wie das funktioniert. Mann und Frau verabreden sich. Treffen sich. Finden sich hoffentlich gut. Sie essen zusammen, und dann, wenn es funkt…
Queen (Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) haben auch ein Tinder-Date. Sie essen in einem Diner – wollen noch, na ja, mal sehen. Doch es kommt anders. Die beiden geraten in eine Polizeikontrolle. Ein Cop hält sie an, weil Slim wohl einmal nicht geblinkt hat. Der Cop ist skeptisch: Zwei Schwarze, und sind vielleicht Drogen im Spiel? Die Kontrolle schaukelt sich auf, die Stimmung kippt, und irgendwann wird eine Waffe gezogen.
In Notwehr wird der Cop erschossen, und Queen und Slim sind nun auf der Flucht.
Eigentlich kennen sie sich ja kaum, aber nun müssen sie zusammenhalten. Und überraschenderweise bekommen sie im ganzen Land immer wieder Unterstützung von Fremden. Sie werden das Symbol zur Bekämpfung von willkürlicher Polizeigewalt.

“Queen & Slim” hat beim Kinostart Anfang Januar 2020 vorweg genommen, was später in den USA in der Black-Lifes-Matter-Bewegung zu erleben war. Zu sehen, wie auch in diesem Film, ein Cop seine Machtkarte ausspielen will und unter fadenscheinigen Gründen die beiden Schwarzen schikanieren will, ist geradezu beklemmend.
Es sind Momente wie diesen, die diesen Film so interessant und spannend machen. Immer wieder treffen sie im Laufe der Zeit auf Menschen, die sie unterstützen. Dennoch steuert dieses Road-Movie der anderen Art auf einen Showdown zu, der sich gewaschen hat. Und das alles immer in tollen, emotionalen Bildern.

-> Trailer auf Youtube

Queen & Slim
USA 2019, Regie: Melina Matsoukas
Universal, 132 Minuten, ab 12
7/10

Hits: 70

RT liest

Regina Scheer: Machandel

Donnerstag, den 13. August 2020

Machandel ist ein Dorf in Mecklenburg. Im Sommer 1985 kommen Clara und ihre Familie erstmals aus Ost-Berlin dorthin. Eigentlich hat Clara keine Beziehung zum Ort, aber uneigentlich liegen die familiären Wurzeln dort. Und uneigentlich ist Machandel mit Emotionen verbunden.
Claras Bruder Jan war 14 Jahre vor ihr im Schloss des Dorfes geboren worden. Jan lebte bei der Oma in Machandel, entstand sich aber später, die DDR zu verlassen.
Schon im ersten Sommer weiß Clara, dass sie diesen Ort liebt.

Mit dem Roman “Machandel” legt die Autorin Regina Scheer einerseits ihr Debüt vor. Andererseits wird davon gesprochen, dass es sich um einen großen Familienroman über die DDR handelt. Denn der Roman besteht aus lauter Kapiteln, die Clara und andere Teile der Familie in Ich-Form erzählen. So wird der Bogen gespannt vom Zweiten Weltkrieg, zum Beginn der DDR, über die Zeit des Kalten Krieges bis zum zur Wende.
Nur eines ist der Roman leider gar nicht: spannend.
“Machandel” wirkt leider wie eine Zusammenstellung von persönlichen Erlebnissen, die leider meistens alles andere als fesselnd erzählt sind. Die Erzählweise ist nüchtern und annahbar. Die Figuren kommen einem nicht nah. Der Autorin gelingt es kaum, irgendwelche Emotionen zu übertragen.
Schade, es ist absolut nicht das, was die PR-Anmerkungen auf dem Cover und dem Buchrücken versprechen.

Regina Scheer: Machandel
Penguin Verlag, 479 Seiten
1/10

Hits: 66

RTZapper

RTL Fußball – Europa League: Mailand – Leverkusen

Donnerstag, den 13. August 2020
Tags: , ,

MO 10.08.2020 | 20.30 Uhr | RTL

Eigentlich haben wir uns an die Stille im Fußballstadion schon gewöhnt. Umso merkwürdiger war das Spektakel, das am Montagabend RTL seinen Zuschauern bot. Bei der Übertragung des Europa-League-Viertelfinalspiels zwischen Mailand und Leverkusen waren Fangesänge zu hören – und auch nicht abzustellen.
Und nicht nur, dass man den Zuschauern diese Fake-Geräusche präsentieren musste – es waren mitunter wohl auch noch die falschen.

Wie Zuschauer monierten, sollen zeitweise Fangesänge für den 1. FC Köln zu hören gewesen sein. Was natürlich blöd ist, wenn man der Übertragung eines Leverkusen-Spiels folgt.
RTL weist die Schuld von sich, schließlich würden sie das Signal ja von der UEFA bekommen.
Die UEFA weist die Schuld von sich, schließlich sei ja Sky für dieses künstliche Tonsignal verantwortlich.
Sky weist die Schild von sich, angeblich habe es die falschen Gesänge nicht gegeben.
Und angeblich fanden es die RTL-Zuschauer aber grundsätzlich dufte, dass die Fake-Sounds zu hören waren, obwohl ja die ganze Zeit ein ziemlich leeres Stadion zu sehen war.

Leverkusen ist übrigens ausgeschieden. Was wirklich sehr schade ist, wo doch RTL für die nächste Übertragung schon die schönsten Fangesänge aus Düsseldorf zusammengestellt hat. Wäre auch bestimmt keinem aufgefallen.

Hits: 73

RTelenovela

Garten- und Waldträume im Schlosspark

Mittwoch, den 12. August 2020
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Wir waren seit längerem mal wieder im Oranienburger Schlosspark. Normalerweise bin ich ich da immer nur, wenn Schlossparknacht ist, also eine größere Veranstaltung. Die ist wegen des Coronavirus in diesem Jahr ausgefallen. Trotzdem war es mal wieder Zeit, einen kleinen Streifzug zu wagen.

Im neuen Park, der 2009 für die Landesgartenschau eröffnet worden ist, können sich die Kinder austoben. Es gibt einen Wasserspielplatz, Klettergerüste, diverse Schaukeln. Man kann Minigolf spielen. Es gibt eine kleine Bibliothek. Und natürlich Blumen, wie man sich ansehen kann. Wiesen und Sträucher.
Es gibt auch immer noch die verschiedenen Gartenzimmer, in die man sich setzen kann und wo man ein wenig abschalten kann. Es ist wunderbar.

Was mir aber nie so richtig bewusst wurde: Es gibt ja noch den alten Park, den, den es schon vorher gab und der naturbelassener ist. Und es ist nicht nur der Park. Im hinteren Teil gibt es ein richtiges, erstaunlich weitläufiges Waldstück mit schönen Wegen und diversen Parkbänken. Ein echter Erholungsort.

Am Rand ist die Orangerie, und in der Mitte des alten Parks ist der große Teich, wo man sich ans Ufer setzen kann. Da würde sich ein kleines Café anbieten.

Wir waren im Schlosspark, um die neue Folge von KeineWochenShow aufzuzeichnen. Der Schnitt ist schon fertig, es ist eine sehr schöne Sendung geworden. Am Sonntag geht sie auf Youtube online.

Hits: 76

RTZapper

phoenix vor Ort: SPD-Parteivorstand zur Nominierung von Olaf Scholz

Mittwoch, den 12. August 2020
Tags: ,

MO 10.08.2020 | 14.00 Uhr | phoenix

Als es darum ging, wer an der Spitze der SPD stehen soll, da entschieden die Mitglieder der Partei. Gegen Olaf Scholz, für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Und diese beiden teilten am Montagnachmittag der Presse mit, dass eben jener Olaf Scholz nun der SPD-Kanzlerkandidat für 2021 werden soll. Die Basis hatte da nichts mitzureden, und selbst Olaf Scholz hatte bei der Pressekonferenz erst mal nichts zu sagen.

Auf phoenix war live zu sehen, wie Scholz zwischen den beiden Chefs rumstand. Esken und Walter-Borjans erklärten erst mal eine geschlagene Viertelstunde lang, was denn die SPD so will, dass sie es schaffen wird und dass alles gut wird. Eine Viertelstunde lang hatte Olaf Scholz nichts anderes zu tun, als immer hin und her zu gucken und zu lauschen, was denn die Oberen Wichtiges zu sagen haben. Wie ein kleiner Junge, der zum Stillsein verdammt war und der sich dabei scheinbar ein Grinsen nicht immer ganz verkneifen konnte, weil er das Ganze vielleicht auch ein bisschen grotesk fand.
Erst nachdem Esken und Walter-Borjans ihr Manifest verkündet hatten, durfte auch der Olaf was sagen.

Erst 23 Stunden vorher war Saskia Esken zu Gast beim Sommerinterview im “Bericht aus Berlin”. Da schwadronierte sie noch davon, dass die SPD ja auch unter Führung der Grünen mitregieren könne. Da fragt man sich natürlich, wozu die SPD einen Kanzlerkandidaten braucht.
Aber immerhin kann man sich als Partei mitten in der Coronakrise auch mal mit einem anderen Thema kurz wichtig machen.

-> Die Übertragung bei phoenix auf Youtube

Hits: 76

RT im Kino

Als wir tanzten

Dienstag, den 11. August 2020

Es gibt ja immer noch Leute, die meinen, dass die LGBT-Gemeinschaft in Deutschland alles erreicht hat. Und tatsächlich ist viel in Sachen Gleichberechtigung erreicht worden. Schwule und Lesben dürfen heiraten, es gibt weniger Diskriminierung. Könnte man ja also die CSD-Demos abschaffen.
Aber mal abgesehen davon, dass immer noch einiges zu tun ist – in anderen Ländern ist die Situation sehr viel schwieriger – in Georgien zum Beispiel. Um sich das vor Augen zu führen, ist ein Film wie dieser durchaus wertvoll.

Merab (Levan Gelbakhiani) tanzt an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis. Er will mit dem Tanzen sein Geld verdienen – und es sieht auch ganz gut aus, dass er das schaffen könnte. Bis Irakli (Bachi Valishvili) im Kurs auftaucht. Auch er tanzt sehr gut. So gut, dass er zum ernsthaften Konkurrenten wird.
Weil Irakli auch Merabs Bruder kennt, lernen sich die beiden bald näher kennen. Und bei einem mehrtägigen Ausflug kommen sich die beiden dann richtig nah. Aber kann daraus etwas werden? Als Merab in einem Gayclub feiern ist, wird er vor dem Eingang von einem Kommilitonen erwischt – und die Schwuchtel-Beschimpfungen beginnen.

“Als wir tanzten” gibt einen sehr interessanten Einblick in ein Stück georgischen Alltag. Etwas, was wir in Filmen, die auch in Deutschland zu sehen sind, sehr selten können.
Regisseur Levan Akin zeigt einerseits die Unsicherheit von Merab, der nach und nach entdeckt, dass seine Liebe zu seiner Freundin nicht zukunftsweisend ist. Da sind die Blicke zwischen Merab und Irakli, und langsam entwickelt sich was. Aber ob es ein Happy End gibt, ist absolut nicht sicher. Denn Irakli hat auch eine Freundin, sagt er. Erschreckend ist zudem, wie sehr es in Georgien offenbar verbreitet ist, homophobe Angriffe zu erleben. Umso bemerkenswerter sind die Partyszenen im Club, die so ausgelassen wirken, als ob man da für ein paar Stunden alle Probleme vergessen kann. Es sind die Momente, in denen auch Merab am ausgelassensten ist.

-> Trailer auf Youtube

Als wir tanzten
Georgien 2019, Regie: Levan Akin
Salzgeber, 113 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 86