Monatsarchiv für August 2020

RT liest

André Aciman: Find me – Finde mich

Montag, den 31. August 2020

Der Film “Call me by your Name” war 2018 ein Überraschungserfolg im Kino. Die Geschichte über den 17-jährigen Elio, der sich in den 24-jährigen Hausgast Oliver verliebt und die dann einen gemeinsamen Sommer erleben, hat viele bezaubert, und immer wieder rufen die Fans, dass sie eine Fortsetzung wollen. Dass der entsprechende Roman bald erscheinen würde, ging gerüchteweise schon länger rum.
Nun ist im dtv “Find me – Finde mich” erschienen. Von André Aciman, dem Autor von “Call me by your Name”, und der Verlag tut auf dem Buchrücken alles dafür, das Buch als die große Fortsetzung des ersten Teils zu verkaufen. Das ist sie allerdings nur bedingt, und viele Fans äußern sich jetzt schon in den Foren enttäuscht bis erbost.
Bis nämlich Elio überhaupt im Buch auftaucht, ist man schon auf Seite 124. Dass Fans da mindestens irritiert reagieren, sollte nicht verwundern.

Der Roman besteht genau genommen aus drei Teilen. Im ersten Teil geht es um Samuel, Elios Vater. Er ist mit dem Zug unterwegs zu seinem Sohn und lernt dort die sehr, sehr viel jüngere Miranda. Sie kommen ins Gespräch, und bald ist klar: Da ist mehr. Sie nimmt ihn mit zu ihrem Vater, sie verlieben sich.
Im zweiten Teil begleiten wir Elio. Seit damals sind 15 Jahre vergangen. Oliver ist immer noch in seinen Gedanken. Bei einem Konzert lernt er den sehr viel älteren Michel kennen. Er merkt gleich, dass er starke Gefühle für ihn hat, und eigentlich haben sie sich eine Woche später verabredet, aber schon einen Tag später treffen sich die beiden wieder.
Im dritten Teil begegnen wir Oliver, und am Ende kommt es tatsächlich zur Begegnung von Elio und Oliver.

“Find me – Finde mich” ist, vorsichtig gesagt, ein merkwürdiges Buch. Mit seiner großen Fortsetzungsankündigung legt der dtv die Messlatte sehr hoch, und der Leser wird extrem enttäuscht. Denn wer erwartet, etwas über Elio und Oliver zu erfahren, will nciht über 120 Seiten lang die Geschichte von Samuel lesen, der auf eine sehr junge Frau steht und sich Gedanken darüber macht, was er im Bett mit ihr machen möchte. Durch die Erwartungshaltung ist fast die komplette erste Hälfte des Buches schlicht uninteressant. Dieses Kennenlernen ist zudem extrem langgezogen, diese Länge gibt die Story nicht wirklich her.
Die Story um Elio, der den älteren Herrn kennenlernt, entschädigt auch nicht wirklich, ist aber immerhin tatsächlich so was wie eine Fortsetzung, auch auch sie mitunter etwas befremdlich ist.
Die Story um das Zusammentreffen von Elio und Oliver erfolgt nur auf den letzten Seiten, und die wirkt wie vom Verlag bestellt und vom Autor nur missmutig umgesetzt. Dieses Treffen kommt aus dem Nichts, ist lapidar erzählt und ist eine blanke Enttäuschung. Das als die große Fortsetzung anzupreisen, ist fast schon unseriös, denn mehr als ein PS ist es eigentlich nicht.

André Aciman: Find me – Finde mich
dtv, 295 Seiten
4/10

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RTZapper

Sportschau live: Tour de France 2020, 1. Etappe

Montag, den 31. August 2020
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SA 29.08.2020 | 14.33 Uhr | Das Erste

Fast alle großen Sport-Events sind 2020 dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Auch die Tour de France konnte im Frühsommer nicht starten. Doch nun, Ende August, steht der Radsport plötzlich doch wieder im Fokus – und steht unter spannenden Vorzeichen. Denn klar ist: Würde die Tour de France in Deutschland stattfinden, wäre sie definitiv abgesagt worden.

Am Sonnabendnachmittag begann nun die 2020er-Tour, und auch Das Erste stieg in die Live-Berichte ein. Natürlich stand das Coronavirus ganz am Anfang der Übertragung. Denn keiner weiß, ob die Tour in drei Wochen in Paris ankommen wird. Die Infektionszahlen steigen momentan in Frankreich wieder, und ausgerechnet in der Region um Nizza steigen sie besonders: die Stadt, wo die Tour startet.
Dementsprechend gibt es kein Publikum am Start, an der Strecke ist auch nur wenig los, wie es bei den Bergetappen aussehen wird, werden wir sehen.
Aber es ist eben auch ein riesiger Tross, der da jetzt drei Wochen durchs Land ziehen wird. Da kann man nur die Daumen drücken, dass alles gut geht. Sobald zwei Personen in einem der Radteams (egal ob Fahrer oder Techniker) infiziert sind, muss das ganze Team ausscheiden.

Dass die Tour de France 2020 startet, hat natürlich auch Geldgründe. Es hängen, wie beim Fußball auch, viele Finanzen an diesem Event. Und wenn diese drei Wochen Spannung bringen und die Menschen ablenken, dann ist das erst mal auch nicht das Schlechteste. Wichtig ist, das Hygienekonzept wie erdacht und geplant umzusetzen.

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RTelenovela

Kleine Zusatzleistungen gefällig?

Montag, den 31. August 2020
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Wenn man verreist und dann die Schuhe im Eimer sind, dann muss man wohl auch unterwegs mal in den Schuhladen. Ich wunderte mich zwar, dass ich bei jeder kleinsten Feuchtigkeit nasse Socken bekomme, aber erst unterwegs im Hotel schaue ich mal nach, was da eigentlich los ist. Kaputte Schuhsohle.
Also mache ich mich in Stendal auf in den Schuhladen.

Deichmann gilt ja als preiswertes Schuhgeschäft, und tatsächlich greife ich mich gleich zwei Paar Schuhe. Aber das Preiswerte im Laden muss ja irgendwo herkommen. Und woher, das erfährt der Kunde an der Kasse.
Die Frau hinterm Tressen nimmt die zwei Paar Schuhe entgegen und fragt, ob ich denn auch eine Einlage haben will. Sie erklärt mir, dass der Boden der Schuhe ja relativ rauh sei, und da mache sich so eine Einlage sehr gut. Klar, die kosten auch was. Ich verzichte.
Aber sie gibt nicht auf. Sie fragt, ob sie die Schuhe für mich beschichten soll, damit vor allen Einflüssen geschützt seien. Sie ist schon dabei, das erste Paar Schuhe in den Automaten zu stellen, und ganz am Ende der Erläuterungen erwähnt sie auch den Preis für diese Beschichtung. Irgendwas um die 3 oder 4 Euro. Beim ersten Paar ist es eigentlich schon zu spät, Nein zu sagen. Beim zweiten Paar sage ich, die würde ich ja erst später brauchen, deshalb brauche ich das da nicht.

Aber sie macht das schon sehr geschickt, und hätte ich allem eingewilligt, was sie mir vorm Kassieren angeboten hat, hätte ich gut und gerne mehr als 15 Euro drauf gezahlt.
So macht man Geschäfte.

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KeineWochenShow

#191 – Hörst du die Glocken läuten?

Sonntag, den 30. August 2020
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Die KeineWochenShow-Sommertour 2020 geht weiter. Erneut werden wir zusammengeschaltet. Der eine in Oranienburg, der andere in Stendal in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Zur Feier des Tages gibt es ein Glockenspiel, das fast die ganze Zeit im Hintergrund zu hören ist.
Und es gibt einen Abstecher nach Havelberg auf der anderen Seite der Elbe und der Havel – mit Erinnerungen an die Bundeswehr-Zeit 1998.

Außerdem geht es um den (abgesagten) Lockdown, um die Coronademos, um den neuen Ärzte-Song, um die Mohrenstraße in Berlin und die Zigeunersauce. Das und mehr in KeineWochenShow #191 auf Youtube.

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RTZapper

Promi Big Brother – Das große Finale

Sonntag, den 30. August 2020
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FR 28.08.2020 | 20.15 Uhr | Sat.1

Werner Hansch kann endlich seine Spielsucht-Schulden zurückzahlen. Man muss dazu wissen, dass Werner Hansch, ehemaliger Fußball-Kommentator, einige Jahre an Spielsucht litt. Eine Krankheit, und er hat viel Geld verloren. Er war einer von 18 (!) Kandidaten in der 2020er-Staffel von “Promi Big Brother” auf Sat.1. Und warum ausgerechnet Werner Hansch (82) dort mitmachen musste, hat er gleich am ersten Tag in einem der vielen intimen Gespräche erzählt. Seine Spielsucht. Seine Schulden. Es war ihm ein Anliegen, das zu erzählen. Deshalb erwähnte er es auch regelmäßig und immer wieder. Spielsucht, Schulden, schlimm, Leben versaut. Und auch im Finale erwähnte er noch mal, dass er ja Spielschulden hat, diese Sucht, alles schlimm.
100.000 Euro gewinnt Werner Hansch, und kann er… na, du weißt schon.

Davon abgesehen: Sat.1 hat in diesem Jahr vieles richtig gemacht – und natürlich auch Glück gehabt. Die Frage, wer oder was ein Promi ist, stellte sich auch in diesem Jahr – die Ex von Adel Tawil, die Ex von Michael Ballack, die Tochter von Willi Herren -, aber eigentlich ist der Promi-Status nach ein paar Tagen eh wurscht.
Es gab wieder zwei Bereiche auf dem Big-Brother-Gelände – einen Luxus-Bereich und die spartanische Zone, und die Wechsel waren vielfältig und überraschend. Es gab viele Spiele, die ebenfalls zu Wechsel führten, plötzliche Exits und vieles mehr, die die Show nicht langweilig werden ließen.

Mehrere Teilnehmer stachen heraus. Mit Drag-Queen Baty Bähm gab es einerseits ordentlich Zunder, allerdings war Burak Bildik nur selten im Drag zu sehen. Er stritt sich, er versöhnte sich, er war unfair, andererseits hatte er rührende Augenblicke.
Ikke Hüftgold ist Partysänger auf Mallorca und tauchte mit seiner asseligen Perücke bei “Promi Big Brother” auf. Aber nach einigen Tagen nahm er im Sprechzimmer die Haare ab, er wollte als Matthias weiter machen. Raus kam, dass Ikke ein Typ ist, der schon schon weise ist, der zuhört und einen Rat gibt – sehr sympathisch.
Emmy Russ will Model werden und zeigt gern, was sie hat. Manchmal gibt sie sich dämlich, Sex steht offenbar ganz oben auf der Skala, aber sie brachte auch Witz und Skurrilität in die Show.
Sascha Heyna, Ex-QVC-Moderator, outete sich und scheint jetzt ein befreiteres Leben führen zu können.

Comedian und Youtuber Udo Bönstrup (vorher nie gehört oder gesehen) machte in der Show dagegen nicht den Eindruck, als habe er irgendwas zu sagen. Er lag eigentlich nur rum. Dschungelkönigin Jenny Frankhause zog schon nach ein paar Tagen wieder aus – war ihr zu hart, das alles. Ach Gottl. Model Elene Lucia Ameur war oft am Heulen, sah sich über Grenzen gehen und irgendwann aus dem Haus, freiwillig. Tschüssi.
Alessia-Millane Herren rückte nach, mit 18 war sie die Jüngste, und mit ihrem Wortschatz machte sie den Eindruck einer Zehnjährigen, was oftmals fast schon schockierend war. Eine junge Frau, die sich kaum ausdrücken kann, wenig Manieren hat und die man vor sich selbst schützen muss.
Senay Gueler, DJ und Musikproduzent, von dem ich vorher nie gehört habe, hatte erst regelmäßig Ausraster, fand alles scheiße und musste dann dringend freiwillig ausziehen.
Aaron Königs, bekannt aus “Prince Charming” hätte sich seinen nachträglichen Nachrücker-Einzug zwei Wochen dem Start dagegen klemmen sollen – es war zu spät, um noch Teil der Gruppe werden zu können.

Keine wirklich gute Idee war es jedoch, die Show auf drei Wochen zu strecken. In Woche drei war ein bisschen die Luft raus. In den ersten zwei Wochen dagegen war “Promi Big Brother” erstaunlich und erfreulich kurzweilig, weil es immer Verwerfungen, Streitigkeiten und Merkwürdigen zu sehen gab.
“Promi Big Brother” ist natürlich Trash, durchaus aus verzichtbar. Aber andererseits ist es Unterhaltung, die meistens Spaß gemacht hat.
Am Freitagabend war das Finale, und wenn dann Werner Hansch gewinnt, der abseits seiner Spielsuchtbeendigungs-PR-Kampagne ein toller Kandidat war, der Streits schlichtete und allen immer sagte, was er dachte, dann ist das eine schöne Sache.

-> Die Sendung bei Joyn

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RTelenovela

Potsdamer Platz Arkaden im Rohbau

Sonntag, den 30. August 2020
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Der Potsdamer Platz in Berlin ist momentan eine ziemlich Einöde. Das liegt nicht nur daran, dass wegen des Coronavirus touristisch sehr viel weniger los ist als sonst. Das liegt nicht nur daran, dass im Cinemaxx kaum was los ist, was auch mit dem Coronavirus zu tun hat.
Es liegt vor allem daran, dass die Arkaden fast komplett geschlossen sind. Sie sind eine Großbaustelle. Selbst die meisten der Geschäfte im Außenbereich gibt es derzeit nicht.

Die Arkaden werden komplett umgebaut. Neue Geschäfte und viel mehr Speisen- und Getränkeangebote soll es dann geben. Die obere Etage als solches soll wegfallen.
Begehbar sind die Arkaden momentan nur vom Hintereingang aus. Nach ein paar Schritten steht dort allerdings auch eine riesige Wand. Blickt man nach oben sieht man immerhin noch Teile der oberen Etage, die aber schon sehr nach Rohbau aussehen.
Es gibt nur das Untergeschoss. Aber auch dort sind nur der Rewe-Markt geöffnet, die Apotheke, ein Reisebüro, eine Drogerie. Es ist dort nicht sehr viel los. Woher sollen die Leute auch kommen? Auch im Untergeschoss steht man dann vor der Sperrwand, dahinter wird gebaut. Von der S-Bahn aus kommt man derzeit auch nicht rein.

Momentan ist es ziemlich traurig, sich dort aufzuhalten. Und ich bin gespannt, wie lange der Umbau dauern wird, und ich hoffe, dass das Kino nebenan das alles überleben wird.

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RTZapper

Hotel Matze: Luke Mockridge

Samstag, den 29. August 2020
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MI 26.08.2020 | Spotify

Das erlebt man ja oft: Comedians sind zu Gast in einer Talkshow, bekommen dort 15 Minuten Gesprächszeit, und eigentlich spulen sie dann nur ab, was sie sowieso in ihren Bühnenprogrammen erzählen. Das ist dann ganz lustig, aber eigentlich auch absolut oberflächlich und nicht wirklich weiterführend.
Ganz anders im “Hotel Matze”. In diesem Interviewpodcast auf Spotify lädt sich Matze Hielscher Gäste ein und spricht dann ausführlich mit ihnen. Das kann eine Stunde dauern oder auch mal zweieinhalb.

Am Mittwoch ging die neue Folge online, und diesmal ist Luke Mockridge zu Gast. Dieses Gespräch gehört zu den bemerkenswertesten, die das “Hotel Matze” zu bieten hat. Denn hier zeigt sich Luke Mockridge eben nicht als der oberflächliche Comedian. Stattdessen erzählt er ernsthaft aus seinem Leben, von seinen Erfolgen, aber vor allem auch von seinen Zweifeln und Ängsten.
Spannend ist vor allem die Familiengeschichte der Mockridges. Luke ist einer von sechs (!) Söhnen von Bill Mockridge und Margie Kinsky. Wenn man den beiden zuhört – sie haben ein Buch geschrieben und machen drüber ein Bühnenprogramm -, dann scheint das Familienleben zwar auch anstrengend gewesen zu sein, aber vor allem lustig. Luke zeichnet nun von sich ein ziemlich anderes Bild. Denn er erzählt, dass er sich immer zurückgesetzt und minderwertig gefühlt habe. Unter den Brüdern habe er sich nicht durchsetzen können. Das sei oft schwierig gewesen, und erst durch seinen Plan, Comedian zu werden wollte und konnte er sich Anerkennung holen. Auf der Bühne zu stehen und Reaktionen vom Publikum zu bekommen, sei das Beste.

Gute 85 Minuten dauert dieses tiefgehende Gespräch, und es ist einfach nur toll, dass Luke Mockridge auch mal einen sehr anderen Einblick in sein Leben gibt und sich ganz ernsthaft so einem Dialog stellt. Sehr hörenswert!

-> Die Sendung auf Spotify

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