Monatsarchiv für Juli 2020

RTZapper

The last Wave

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 23.40 Uhr | zdf neo

In einem Ort in Frankreich, direkt am Atlantik. Plötzlich taucht über der Küste eine Wolke auf. Und bleibt. Sie ist relativ schmal und breitgezogen. An sich passiert aber nichts. Zunächst.
Während am Strand und im Wasser ein Surfwettbewerb stattfindet, kommt es jedoch zu einem Zwischenfall. Die Wolke nähert sich dem Wasser und der Küstenlinie. Eine Wolkenwand entsteht, und danach sind die Surfer nicht mehr da. Die Suche bleibt erfolglos. Als keiner mehr damit rechnet, tauchen die Surfer plötzlich wieder auf. Was mit ihnen geschehen ist, wissen sie nicht. Aber in den folgenden Stunden und Tagen wird klar: Es ist etwas anders, bei jedem von ihnen. Und auch die Wolke ist eines Tages wieder da.

Auf zdf neo sind am späten Freitagabend und in der Nacht alle sechs Folgen der französischen Mysteryserie “The last Wave” gezeigt worden.
Gerade in der zweiten Hälfte, in den letzten drei Folgen steigt die Spannung permanent an, denn immer hängt eine diffuse Angst über dem kleinen Ort. Als die Leute beginnen, die Wolke zu bekämpfen, müssen sie bald feststellen, dass der Kampf auch eine Gefahr für die Menschen darstellt. Denn ein Verschwinden der Wolke für die Surfer, die in ihr verschwunden waren, erst mal nichts Gutes.
Die Serie bekommt den Spagat zwischen der mystischen Spannung und der Geschichte über die Menschen in dem Ort recht gut hin. Natürlich wird in dem Ort auch gelebt und geliebt, es gibt Affären, Geheimnisse und kleine Intrigen.
Das ist nicht das ganz große Kino, aber dass diese sechs Folgen letztlich unterhaltsam und zum Ende hin sehr fesselnd sind, ist die Hauptsache.
Völlig untypischerweise steht übrigens fest, dass diese Serie nur diese eine Staffel haben wird, sie war von vornherein als Miniserie angelegt. Das ist gut so, denn Netflix und Co. können in solchen Fällen viel zu oft nicht widerstehen, eigentlich beendete Storys doch weiterspinnen zu wollen.

Und auch in diesem Fall hat zdf neo die Serie versendet – sowohl bei der Premiere Ende Juli, als auch an diesem Freitag liefen alle sechs Folgen am Stück. Vermutlich hauptsächlich für die Auswertung in der ZDF-Mediathek. Dabei hätte auch diese Serie einen Sendeplatz im ZDF-Hauptprogramm verdient, wo im Sommer eh nur die alten Krimiserien wiederholt werden.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 23. August 2020)

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RTelenovela

Kein Platz für eine Rettungsgasse

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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Staus im Baustellenbereich der A24 sind normal. Seit Monaten wird zwischen Berlin-Pankow und Neuruppin in mehreren Abschnitten gebaut. Am Sonnabend war ich Richtung Norden unterwegs. Aber diesmal beobachtete ich alles aufmerksamer als sonst.

Neulich gab es auf Facebook eine Diskussion über fehlende Rettungsgassen. Im Bereich Oberkrämer auf der A10 hatte es einen Unfall gegeben, die Feuerwehr kam nicht durch. Es gab keine Rettungsgasse, und Feuerwehrleute hatten sich darüber aufgeregt. Ich hatte dagegen argumentiert: In der schmalen Baustelle sind Rettungsgassen nicht möglich.
Das sahen einige Diskutierende anders: Es müsse auch in den schmalen Bereichen Abstand gehalten und versetzt gefahren werden.
Das stimmt! Da kann man nicht widersprechen.
Ich habe das beobachtet, am Sonnabendmittag zwischen Kremmen und Fehrbellin. Da wurde der Verkehr immer dichter. Ich war auf der linken Spur, habe Abstand gehalten, war aber der einzige. Hin und wieder stockte der Verkehr, dann war plötzlich Stillstand.
Abstand? Versetzt stehen? Das funktioniert im Alltag nicht, weil es einfach zu voll ist und weil ausnahmslos alle entsprechend handeln müssten. Es wäre fast eine logistische Meisterleistung, wenn bei einem plötzlichen Stillstand im Stau alle so stehenbleiben, dass ein Abstand eingehalten und auch noch versetzt gestanden wird. Nahezu unmöglich.

Auch in diesem Fall bei Fehrbellin: Eine Rettungsgasse hätten wir nicht bilden können. Ich mache da keinem einen Vorwurf.
Zumal: Vor dem Baustart auf der Autobahn war das allen Beteiligten klar, die Feuerwehr hatte schon vorher angemahnt, dass Rettungsgassen nicht möglich sein werden. Es wurden entsprechende Rettungskonzepte erarbeitet. Dazu gehörte, Feuerwehren von der Gegenrichtung zu alarmieren, die dann von der anderen Seite kommen. Oder dass die Autobahn im Fall der Fälle an bestimmten Stellen gesperrt werden muss, wenn die Feuerwehr durch muss. Einsatzkräfte aber in den Stau in der engen Baustelle zu schicken, sehe ich als fahrlässig an.

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RTZapper

Sløborn

Dienstag, den 28. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 22.40 Uhr | zdf neo

Es ist die Serie zur Krise. Und das, obwohl zum Zeitpunkt des Drehs über das Coronavirus überhaupt noch gar keiner gesprochen hat. Aber die Parallelen sind erschütternd.

Taubengrippe. Man hört davon, irgendwo in der Welt ist irgendwas ausgebrochen, und bald gibt es auch den ersten Fall in Deutschland.
Die Insel Sløborn im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Das Virus wird eingeschleppt, über eine der vielen Fähren. Und es breitet sich aus, das Virus.

Die Serie “Sløborn” erzählt von diesem Virus, aber nicht nur. Am Donnerstag und Freitag sind die acht Teile bei zdf neo gezeigt worden.
Am Anfang wirkt alles noch ein bisschen wie eine Teenieserie. Die 15-jährige Evelin (Emily Kusche) kehrt von einer Klassenfahrt zurück. Ihr geht es nicht gut. Bald erfährt sie, dass sie schwanger ist – vom Vertrauenslehrer, in den sie sich verliebt hat. Und er sich in sie. Erst mal kümmert sie sich aber um Herm (Adrian Grünewald), der von den anderen Jungs gemobbt wird. Er soll nun zu einer großen Party mitkommen. Dort entdecken die anderen Jungs ein gestrandetes Boot. Sie entdecken darauf zwei Tote.
Unterdessen kommt Starautor Nikolai Wagner (Alexander Scheer) auf die Insel. Er ist drogensüchtig, braucht Geld, will dort eine Lesung machen. Er kommt bei einer Familie unter.
Und auch eine Gruppe straffällig gewordene Jugendliche kommen auf die Insel zu einem Rehabilitationsprojekt.
Keiner von denen ahnt, dass sich das Taubenvirus auf der Insel ausbreitet.

Und tatsächlich nimmt sich Serienschöpfer Christian Alvart Zeit. So ein Virus braucht immerhin eine Weile. Aber der Zuschauer ahnt schnell: Irgendwas geht da vor. Jedes Händeschütteln wird registriert. Jede Umarmung. Jeder Nieser, jeder Huster. Man hört kurz ein Taubengurren. Der Zuschauer ist Mitwisser, und das sorgt für Gänsehaut.
Unheimliche Parallelen zum Coronavirus tun sich auf. Das zögerliche Handeln der Regierung. Ein Krankenhausvideo, das chaotische Zustände in den Fluren zeigt und von dem geleugnet wird, dass es echt sei. Abstandsregeln, Masken, Panikkäufe – als hätte schon 2019 beim Dreh jemand geahnt, was im März 2020 in Deutschland passieren wird.
Allerdings geht “Sløborn” sehr viel weiter. Denn in der Serie lässt sich die Pandemie nicht eindämmen, sie wird unkontrollierbar. Polizei und Bundeswehr werden eingesetzt, Ausgangssperren, Evakuierungen, Gewalt.

“Sløborn” ist das Beste, was bislang 2020 in Sachen Serien aus Deutschland kam. Es ist alles andere als Wohlfühlfernsehen, die zufällige Vermischung aus Real und Fiktion (an sich ist die Serie natürlich rein fiktiv) sorgen für einen zusätzlichen Thrill. Es gibt viele spannende Figuren, und keiner weiß, wer am Ende noch da sein wird. Die Spannung steigt mehr und mehr. Unterstürzt wird sie durch tolle Sounds und durch spannende Wendungen.

Auf zdf neo ist die Serie innerhalb von zwei Tagen versendet worden, aber immerhin startete sie an beiden Tagen in der Primetime, aber dann immer gleich vier Folgen am Stück. Das ist einmal mehr bedauerlich, und für diese starke Serie kann man nur hoffen, dass sie einen vernünftigen ZDF-Sendeplatz bekommt. Für alle anderen bleibt die Mediathek.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 22. Januar 2021)

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RTelenovela

Gewittertierchen

Montag, den 27. Juli 2020
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Kleiner Ausflug nach Nordwestvorpommern. Auf der Landesstraße zwischen Gägelow und Klütz taucht sie plötzlich direkt vor uns auf: die Ostsee. Oder eher: Wir sehen die Wohlenberger Wiek, eine halbrunde Bucht in der Ostsee, die das Gewässer eher wie einen normalen See aussehen lassen. Wellen sind da kaum noch erwarten, und sie sind auch jetzt nicht zu sehen.

In Gramkow biegen wir in die Einfahrt eines Zeltplatzes. Dort befindet sich eine Naturbadestelle, die bei den Einheimischen sehr beliebt ist. Doch an der Einfahrt werden wir von zwei verkleideten Herren gestoppt. Hier fände heute eine Kostümparty statt, und wer ohne Kostüm komme, solle doch bitte eine kleine Spende hinterlassen.
Ahja, gut zu wissen. Wir sagen, wir würden uns da überlegen und heute fahren erst mal rein, ohne was zu zahlen. Und da wir keinen Parkplatz finden, drehen wir gleich wieder um, und an der Einfahrt fahren wir auch gleich an den beiden Kostümherren vorbei.

An einem größeren Parkplatz halten wir dann, laufen über die Straße zum Strand, der gleich an der Straße beginnt. Das Wasser gleicht einem Tümpel, nichts bewegt sich. Es ist früher Abend, und es ist nicht mehr sehr viel los. Ich atme einmal tief durch, um doch noch so etwas wie Ostseeluft einatmen. Allerdings ist da was anderes: ein Kribbeln. Überall kribbelt es. Auf den Armen, an den Beinen, überall am Körper.
Ich lasse mir sagen, dass es sich um Gewittertierchen handele. Thripse sind winzig kleine Insekten, die sich überall niederlassen. Sie schwirren eigentlich weiter oben herum, aber wenn ein Gewitter droht, dann sinken auch die Insekten in die unteren Luftschichten ab und landen überall, wo sie was zum landen finden – oder eher, wer ihnen im Weg ist.
Als wir wieder am Auto sind, lange haben wir es nicht am Strand ausgehalten, müssen wir uns erst mal abkopfen. Überall sind die Tiere, und überall kribbelt es.
Dieser Ausflug war wirklich sehr kurz…

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Hiobsbotschaft – Wie Ärzte um die richtigen Worte ringen

Montag, den 27. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 21.17 Uhr | tagesschau24

Die schlechte Nachricht überbringen. Sie werden sterben. Der Tumor ist gewachsen. Die Therapie hat nicht angeschlagen. Sie haben nur noch wenige Wochen. Sie sind austherapiert. Viele, sehr viele Ärzte haben nicht explizit gelernt, wie man solche Hiobsbotschaften dem Patienten überbringt. Dabei ist es ein wichtiger Baustein, zu lernen, wie man einfühlsame, ernste und traurige Gespräche führt. Wie man Menschen dabei nicht verletzt, wie man die Balance schafft zwischen zuhören und erklären.

Die Doku “Hiobsbotschaft – Wie Ärzte um die richtigen Worte ringen”, am Freitagabend auf tagesschau24 – die Erstausstrahlung lief Anfang der Woche im Ersten – zeigte, wie diesem Zustand entgegen gesteuert wird.
Das Problem: Geld. Das Vergütungssystem in den Kliniken honoriert Diagnosen und Therapien sehr viel besser als die “sprechende Medizin”. Was übrigens auch ein Grund dafür ist, dass vielen Kliniken spezielle Kinderstationen zu teuer sind. Schon jetzt bleibt im Klinikalltag zu wenig Zeit für Visiten und entsprechende Patientengespräche. Und in dieser Hektik dann noch einfühlsame Gespräche führen sollen?

Die Doku zeigte einerseits Gruppenübungen, bei denen Hiobsbotschaftsgespräche geführt wurden. Ein junger angehender Arzt und ein Patient erlaubten dem Drehteam aber auch, bei einem echten Gespräch dabei zu sein. Es war das erste derartige Gespräch für den jungen Arzt in Ausbildung überhaupt. Er musste dem Mann sagen, dass die Therapie nicht angeschlagen habe. Wie lange noch?, wollte der Patient wissen, und: Werde ich Schmerzen haben.
Man merkte beiden an, wie schlimm dieser Moment war, aber auch, dass es gut war, klare Worte zu finden und dabei so einfühlsam zu möglich zu sein.
Das zu lernen und auch die Möglichkeit zu bekommen, das zu lernen, ist wichtig, denn nichts ist schlimmer, als wenn alle Seiten bei so einem Gespräch überfordert sind.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 20. Juni 2021)

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KeineWochenShow

#186 – Tobias Fiedler. Fridays for Future und Kämpfer für die Jugend

Sonntag, den 26. Juli 2020
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Nach langer Zeit haben wir mal wieder einen Gast bei uns. Tobias Fiedler kommt zu KeineWochenShow. Er ist in Oranienburg das Gesicht von Fridays for Future, in der Stadt ist er Mitglied im Jugendbeirat, er kämpft für die Belange junger Leute, und neuerdings ist er auch bei den Grünen. Außerdem engagiert er sich im Jugendcafé des Christlichen Jugendzentrums in Oranienburg.

Wir unterhalten uns darüber, was er eigentlich mit FFF erreichen will, ob er zufrieden mit der Resonanz unter den Jugendlichen ist, ob er sich von der Politik ernst genommen fühlt, wie er mit Hasskommentaren umgeht, ob die Coronakrise gut für die Umwelt ist oder war. Außerdem geht es um seinen Glauben und darum, ob er überhaupt noch Freizeit hat.

Das und mehr in KeineWochenShow #186 auf Youtube.

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RTZapper

Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn

Sonntag, den 26. Juli 2020
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MI 22.07.2020 | 21.00 Uhr | NDR

Die Reeperbahn in Hamburg auf St. Pauli ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Kann sie auch gar nicht sein. Das Coronavirus sorgt dafür, dass nur noch sehr wenig geht. Dass wochenlang gar nichts ging. Erst nach und nach wird der Kultur-, Party- und Sexbetrieb wieder hochgefahren.

Wenn man selbst bislang ganz gut durch die Coronakrise gekommen ist, dann hat man ja vieles nicht so auf dem Schirm. Dabei sind es ganze Branchen, die derzeit am Abnippeln sind. Und ganze Stadtteile – wie eben das Viertel rund um die Reeperbahn.
Das zeigte am Mittwochabend “Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn” im NDR.

Wer schon mal auf der Reeperbahn war, der weiß: Da brennt die Luft. Dort ist es voll, dort ist es laut, es ist ein bisschen dreckig und anrüchig, aber immer aufregend.
Die Reeperbahn im Coronajahr 2020: leer, leise – traurig. Die Herbertstraße ist dunkel, auf der Partymeile sind kaum oder keine Leute.
Die Kneipen durften kürzlich wieder öffnen – aber die Umstände bleiben schwierig. Die kleine Bar darf nur noch vier Leute gleichzeitig bedienen. In der Kiezkneipe nebenan geht es plötzlich um Abstände und Mundschutz. Wie will man da genug Umsätze machen? Zumal auch weiter nicht Party gemacht werden darf, DJs müssen ihre Musik leise drehen – tanzen is’ nich.
Auch das “Schmidt”-Theater ist wieder da, es war wohl das erste in Deutschland, das wieder den Betrieb aufnahm. Allerdings dürfen auch dort weniger als die Hälfte Menschen rein, und man versuchte das mit vielen Pflanzen im Theaterraum zu kaschieren.
Alle nehmen sie die aktuellen Regeln hin. Weil es nicht anders geht, und weil sie sagen, sie wollen ja ihren Gäste auch nicht schaden.

Weiterhin nicht arbeiten dürfen die Prostituierten. Wegen der Abstände, heißt es. Die Sexbranche liegt am Boden, die Frauen können momentan kein Geld verdienen, und langsam wird es für sie alle bitter. Auch weil sich noch nicht abzeichnet, wie es für sie weitergeht. Ob es für sie weitergeht.

Die Hamburger Reeperbahn. St. Pauli. Diese Doku zeigt, wie gerade ein ganzer Stadtteil auf der Kippe steht. Und keiner kann sagen, wer oder was denn noch zu retten ist.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 21. Juli 2021)

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