Tagesarchiv für 29. Juli 2020

RT im Kino

Berlin Alexanderplatz

Mittwoch, den 29. Juli 2020

Francis (Welket Bungué) ist 30, er kommt aus Guinea-Bissau. Er kam mit einem Boot aus Westafrika nach Europa. Seine Geliebte überlebt diese Fahrt nicht. Nun liegt er da, am Strand, und sagt: Er will ein besserer Mensch werden. Anständig sein.
Er kommt nach Berlin, in ein Asylbewerberheim. Er arbeitet illegal auf einer Baustelle am Alexanderplatz, nach einem Zwischenfall wird er gefeuert. Auch ins Asylbewerberheim kann er nicht mehr.
Drogendealer Reinhold (Albrecht Schuch) nimmt ihn bei sich zu Hause auf. Reinhold, leicht gestört und neurotisch, und Francis werden auf eine merkwürdige Art Freunde. Er nennt Francis fortan Franz. Francis, also Franz gerät in den Drogen-Dunstkreis. In einem Club lernt er eine Frau kennen und verliebt sich. Eigentlich will Franz Abstand von Reinhold, der aber nimmt ihn mit zu einem Einbruch, der misslingt. Auf der Flucht schmeißt er Franz aus dem Auto.
In der Klinik beschließt Franz: Er will ein besserer Mensch werden. Anständig sein.
Er lernt Mieze (Jella Haase) kennen, zieht zu ihr. Aber erneut versucht Reinhold auf perfide Weise, in Franz’ Leben zu dringen.

Burhan Qurbani hat die 2020er-Version von Alfred Döblins “Berlin Alexanderplatz” geschaffen und in die heutige Zeit übertragen. Der Kleinkriminelle ist in diesem Fall der Asylbewerber Francis, der in Deutschland Fuß fassen will, aber immer wieder in die Kriminalität abdriftet. Verschuldet und unverschuldet. Zwischen erschreckend niedriger Menschenkenntnis und völliger Fehleinschätzung und Selbstüberschätzung. Man weiß nicht mal, ob man mit ihm Mitleid haben sollte, denn es sind eher die Leute in seinem Umfeld, denen er wehtut. Mieze muss ausbaden, was Francis/Franz nicht hinbekommt.
Drei Stunden nimmt sich der Film für diese Geschichte Zeit. Das ist eine unfassbar lange Zeit, aber die vergehen erstaunlicherweise wie im Flug. Denn die Geschichte ist auf eine seltsame Weise faszinierend und packend. Burhan Qurbani schafft es, Stimmungen und Spannungen zu übertragen.
Eine Wucht ist Albrecht Schuch in der Rolle des ziemlich irren und wirren Reinhold. Leicht gebeugt mit hoher Stimme und durchdringendem Blick ist er die eigentliche Hauptattraktion. Völlig zurecht hat er dafür die Lola 2020 bekommen. Aber auch Welket Vungué spielt toll, wenn auch die Rolle das Problem hat, nie zu einem echten Sympathieträger zu werden – dafür verbaut sich Francis einfach zu viel. Dabei kommt “Berlin Alexanderplatz” aber ohne erhobenen Zeigefinger aus. Das Urteil muss sich der Zuschauer schon selber bilden.

-> Trailer auf Youtube

Berlin Alexanderplatz
D 2019, Regie: Burhan Qurbani
eOne, 183 Minuten, ab 12
8/10

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ORA aktuell

Kremmener Straße in Oranienburg 24 Stunden gesperrt

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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Die B273 in Oranienburg wird am 30. Juli voll gesperrt. Betroffen ist der Abschnitt in der Kremmener Straße zwischen den Kreisverkehren am Louise-Henriette-Gymnasium und dem Oranienpark. Gesperrt wird um 6 Uhr – bis um 6 Uhr des Folgetages.
Grund sind in Arbeiten an den Kanalschachtabdeckungen.

Die Umleitung – auch für den 824er-Bus – führt über die Julius-Leber-Straße, Melanchtonstraße, Berliner Straße, Walther-Bothe-Straße und Friedensstraße. Anwohner und Gewerbetreibende kommen über den Kreisverkehr am LHG zu ihren Grundstücken.

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RTZapper

The last Wave

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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FR 24.07.2020 | 23.40 Uhr | zdf neo

In einem Ort in Frankreich, direkt am Atlantik. Plötzlich taucht über der Küste eine Wolke auf. Und bleibt. Sie ist relativ schmal und breitgezogen. An sich passiert aber nichts. Zunächst.
Während am Strand und im Wasser ein Surfwettbewerb stattfindet, kommt es jedoch zu einem Zwischenfall. Die Wolke nähert sich dem Wasser und der Küstenlinie. Eine Wolkenwand entsteht, und danach sind die Surfer nicht mehr da. Die Suche bleibt erfolglos. Als keiner mehr damit rechnet, tauchen die Surfer plötzlich wieder auf. Was mit ihnen geschehen ist, wissen sie nicht. Aber in den folgenden Stunden und Tagen wird klar: Es ist etwas anders, bei jedem von ihnen. Und auch die Wolke ist eines Tages wieder da.

Auf zdf neo sind am späten Freitagabend und in der Nacht alle sechs Folgen der französischen Mysteryserie “The last Wave” gezeigt worden.
Gerade in der zweiten Hälfte, in den letzten drei Folgen steigt die Spannung permanent an, denn immer hängt eine diffuse Angst über dem kleinen Ort. Als die Leute beginnen, die Wolke zu bekämpfen, müssen sie bald feststellen, dass der Kampf auch eine Gefahr für die Menschen darstellt. Denn ein Verschwinden der Wolke für die Surfer, die in ihr verschwunden waren, erst mal nichts Gutes.
Die Serie bekommt den Spagat zwischen der mystischen Spannung und der Geschichte über die Menschen in dem Ort recht gut hin. Natürlich wird in dem Ort auch gelebt und geliebt, es gibt Affären, Geheimnisse und kleine Intrigen.
Das ist nicht das ganz große Kino, aber dass diese sechs Folgen letztlich unterhaltsam und zum Ende hin sehr fesselnd sind, ist die Hauptsache.
Völlig untypischerweise steht übrigens fest, dass diese Serie nur diese eine Staffel haben wird, sie war von vornherein als Miniserie angelegt. Das ist gut so, denn Netflix und Co. können in solchen Fällen viel zu oft nicht widerstehen, eigentlich beendete Storys doch weiterspinnen zu wollen.

Und auch in diesem Fall hat zdf neo die Serie versendet – sowohl bei der Premiere Ende Juli, als auch an diesem Freitag liefen alle sechs Folgen am Stück. Vermutlich hauptsächlich für die Auswertung in der ZDF-Mediathek. Dabei hätte auch diese Serie einen Sendeplatz im ZDF-Hauptprogramm verdient, wo im Sommer eh nur die alten Krimiserien wiederholt werden.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 23. August 2020)

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RTelenovela

Kein Platz für eine Rettungsgasse

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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Staus im Baustellenbereich der A24 sind normal. Seit Monaten wird zwischen Berlin-Pankow und Neuruppin in mehreren Abschnitten gebaut. Am Sonnabend war ich Richtung Norden unterwegs. Aber diesmal beobachtete ich alles aufmerksamer als sonst.

Neulich gab es auf Facebook eine Diskussion über fehlende Rettungsgassen. Im Bereich Oberkrämer auf der A10 hatte es einen Unfall gegeben, die Feuerwehr kam nicht durch. Es gab keine Rettungsgasse, und Feuerwehrleute hatten sich darüber aufgeregt. Ich hatte dagegen argumentiert: In der schmalen Baustelle sind Rettungsgassen nicht möglich.
Das sahen einige Diskutierende anders: Es müsse auch in den schmalen Bereichen Abstand gehalten und versetzt gefahren werden.
Das stimmt! Da kann man nicht widersprechen.
Ich habe das beobachtet, am Sonnabendmittag zwischen Kremmen und Fehrbellin. Da wurde der Verkehr immer dichter. Ich war auf der linken Spur, habe Abstand gehalten, war aber der einzige. Hin und wieder stockte der Verkehr, dann war plötzlich Stillstand.
Abstand? Versetzt stehen? Das funktioniert im Alltag nicht, weil es einfach zu voll ist und weil ausnahmslos alle entsprechend handeln müssten. Es wäre fast eine logistische Meisterleistung, wenn bei einem plötzlichen Stillstand im Stau alle so stehenbleiben, dass ein Abstand eingehalten und auch noch versetzt gestanden wird. Nahezu unmöglich.

Auch in diesem Fall bei Fehrbellin: Eine Rettungsgasse hätten wir nicht bilden können. Ich mache da keinem einen Vorwurf.
Zumal: Vor dem Baustart auf der Autobahn war das allen Beteiligten klar, die Feuerwehr hatte schon vorher angemahnt, dass Rettungsgassen nicht möglich sein werden. Es wurden entsprechende Rettungskonzepte erarbeitet. Dazu gehörte, Feuerwehren von der Gegenrichtung zu alarmieren, die dann von der anderen Seite kommen. Oder dass die Autobahn im Fall der Fälle an bestimmten Stellen gesperrt werden muss, wenn die Feuerwehr durch muss. Einsatzkräfte aber in den Stau in der engen Baustelle zu schicken, sehe ich als fahrlässig an.

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