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Sløborn

FR 24.07.2020 | 22.40 Uhr | zdf neo

Es ist die Serie zur Krise. Und das, obwohl zum Zeitpunkt des Drehs über das Coronavirus überhaupt noch gar keiner gesprochen hat. Aber die Parallelen sind erschütternd.

Taubengrippe. Man hört davon, irgendwo in der Welt ist irgendwas ausgebrochen, und bald gibt es auch den ersten Fall in Deutschland.
Die Insel Sløborn im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Das Virus wird eingeschleppt, über eine der vielen Fähren. Und es breitet sich aus, das Virus.

Die Serie “Sløborn” erzählt von diesem Virus, aber nicht nur. Am Donnerstag und Freitag sind die acht Teile bei zdf neo gezeigt worden.
Am Anfang wirkt alles noch ein bisschen wie eine Teenieserie. Die 15-jährige Evelin (Emily Kusche) kehrt von einer Klassenfahrt zurück. Ihr geht es nicht gut. Bald erfährt sie, dass sie schwanger ist – vom Vertrauenslehrer, in den sie sich verliebt hat. Und er sich in sie. Erst mal kümmert sie sich aber um Herm (Adrian Grünewald), der von den anderen Jungs gemobbt wird. Er soll nun zu einer großen Party mitkommen. Dort entdecken die anderen Jungs ein gestrandetes Boot. Sie entdecken darauf zwei Tote.
Unterdessen kommt Starautor Nikolai Wagner (Alexander Scheer) auf die Insel. Er ist drogensüchtig, braucht Geld, will dort eine Lesung machen. Er kommt bei einer Familie unter.
Und auch eine Gruppe straffällig gewordene Jugendliche kommen auf die Insel zu einem Rehabilitationsprojekt.
Keiner von denen ahnt, dass sich das Taubenvirus auf der Insel ausbreitet.

Und tatsächlich nimmt sich Serienschöpfer Christian Alvart Zeit. So ein Virus braucht immerhin eine Weile. Aber der Zuschauer ahnt schnell: Irgendwas geht da vor. Jedes Händeschütteln wird registriert. Jede Umarmung. Jeder Nieser, jeder Huster. Man hört kurz ein Taubengurren. Der Zuschauer ist Mitwisser, und das sorgt für Gänsehaut.
Unheimliche Parallelen zum Coronavirus tun sich auf. Das zögerliche Handeln der Regierung. Ein Krankenhausvideo, das chaotische Zustände in den Fluren zeigt und von dem geleugnet wird, dass es echt sei. Abstandsregeln, Masken, Panikkäufe – als hätte schon 2019 beim Dreh jemand geahnt, was im März 2020 in Deutschland passieren wird.
Allerdings geht “Sløborn” sehr viel weiter. Denn in der Serie lässt sich die Pandemie nicht eindämmen, sie wird unkontrollierbar. Polizei und Bundeswehr werden eingesetzt, Ausgangssperren, Evakuierungen, Gewalt.

“Sløborn” ist das Beste, was bislang 2020 in Sachen Serien aus Deutschland kam. Es ist alles andere als Wohlfühlfernsehen, die zufällige Vermischung aus Real und Fiktion (an sich ist die Serie natürlich rein fiktiv) sorgen für einen zusätzlichen Thrill. Es gibt viele spannende Figuren, und keiner weiß, wer am Ende noch da sein wird. Die Spannung steigt mehr und mehr. Unterstürzt wird sie durch tolle Sounds und durch spannende Wendungen.

Auf zdf neo ist die Serie innerhalb von zwei Tagen versendet worden, aber immerhin startete sie an beiden Tagen in der Primetime, aber dann immer gleich vier Folgen am Stück. Das ist einmal mehr bedauerlich, und für diese starke Serie kann man nur hoffen, dass sie einen vernünftigen ZDF-Sendeplatz bekommt. Für alle anderen bleibt die Mediathek.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 22. Januar 2021)

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5 Kommentare zu “Sløborn”

  1. ThomasS

    Wahrlich … die Serie ist verblüffend prophetisch.
    Als hätte da jemand vorher gewusst, was auf uns zu kommt.
    Sogar Polizeigewalt wird thematisiert … was ja dann tatsächlich auch in der Realität zum Thema wurde, wenn auch mehr oder weniger unabhängig von dem Virus.

  2. ThomasS

    Interessant sind auch die Kurz-Interviews, die Steven Gädjen mit den Machern und Darstellern geführt hat.
    https://www.zdf.de/serien/sloborn/inside-slborn-100.html

    Das mit dem Wortspiel habe ich sogar irgendwann kapiert.

  3. RT

    Eine zweite Welle dürfte spannend werden. Jetzt, wo längst nicht mehr alle mitziehen…

  4. ThomasS

    Ich weiß nicht, ob “spannend” das Wort ist, das jedermann gebrauchen würde. Viele Menschen haben immerhin Familie und Freunde. Aber auch ich halte es für denkbar, dass die Serie unfreiwillig noch weiter in die Zukunft gesehen hat. Wir wollen’s besser nicht beschreien. Momentan können wir eh nur abwarten.

  5. RT

    Stimmt.

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