Monatsarchiv für Juli 2020

RT liest

Salvatore Basile: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Freitag, den 31. Juli 2020

Michele ist 30, und er lebt ganz allein in einem Bahnhofsgebäude eines Dorfes in Italien. Jeden Abend kommt dort ein Zug an, der dort über Nacht stehen bleibt. Michele geht durch den Zug, schaut, ob alles okay ist, ob jemand etwas liegengelassen hat. Und am Morgen kümmert er sich darum, dass der Zug wieder pünktlich abfährt.
Immer nur der eine Zug. Dazwischen nichts.
Ansonsten hat er bei sich nur die zurückgelassenen Gegenstände. Mit ihnen kann er sich immerhin ein bisschen unterhalten.
Als Michele ein Kind war, da stieg seine Mutter eines Tages in den Zug – um dann nie wieder zurück zu kommen. Und dann entdeckt er plötzlich im Zug sein altes Tagebuch. Nach so langer Zeit: Wie könnte es dort hingekommen sein?
Als sich dann auch noch Elena in sein einsames Leben mogelt, ist klar: Er muss sich auf den Weg machen, um seine Mutter zu suchen.

“Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands” heißt der Debütroman von Salvatore Basile. Er erzählt von einem jungen Mann, der von der Welt völlig entrückt zu sein scheint. Erst dieser verlorene Gegenstand, der seine wundersame Reise bei Michele beendet, ändert auch das Leben des Bahnhofsvorstehers.
Es ist eine Geschichte voller Poesie mit einer Liebe, die ganz zaghaft und leise beginnt, so schüchtern und nervös, wie es Michele ist.
Allerdings kommt die Geschichte so richtig erst in Fahrt, wenn sich auch Michele in Bewegung setzt. Als er sich nämlich aufmacht, da nimmt die Story noch mehrere Wendungen, mit denen man nicht rechnet, und da ist der Roman fast schon so was wie spannend.

Salvatore Basile: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands
Blanvalet, 350 Seiten
6/10

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RTelenovela

Schwäbischer Kartoffelsalat aus dem Friedrichshain

Freitag, den 31. Juli 2020
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Voll das Klischee!
Es wird ja immer über die Schwaben gemosert, die in Berlin den Prenzlauer Berg und Friedrichshain geentert haben sollen. Überall treffe man sie an.
Ich hielt das ja bisher immer für ein Gerücht. Jetzt aber wird mir langsam klar: Das Klischee stimmt.

Neulich gönnte ich mir ein Kino-Double-Feature im Berliner Filmtheater am Friedrichshain. Zwischen den beiden Filmen hatte ich eine gute Stunde Zeit. Ein bisschen Abendbrot konnte da nicht schaden, und das Schöne ist, dass es im Sommergarten des Kinos einen kleinen Biergarten mit Imbiss gibt.
Die Auwahl ist allerdings nicht allzu groß. Aber immerhin gab es eine Bratwurst – Bio, wenn ich mich richtig erinnere – und dazu einen Kartoffelsalat. Oder besser: einen schwäbischen Kartoffelsalat.
Der war ganz okay, wenn auch die heimische Version dreimal besser finde. Aber so wird wenigstens ein nettes Klischees im Biergarten bedient.

Und im Edeka-Markt bediente ich mich anschließend erst mal am Pfennigs-Kartoffelsalat. Damit alles wieder seine Berliner Ordnung hat…

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aRTikel

Interview der Woche: Die Einsamkeit in der Coronakrise

Donnerstag, den 30. Juli 2020
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Kerstin Laatsch erzählt, wie ältere Menschen in Oberkrämer mit der Pandemie umgehen

MAZ Oberhavel, 30.7.2020

Oberkrämer.
Es ist insbesondere auch für die älteren Menschen eine schwierige Zeit. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus verlangen auch den Seniorinnen und Senioren einiges ab. Über die vergangenen Monate und die aktuelle Situation berichtet Kerstin Laatsch. Die Vehlefanzerin ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer und Koordinatorin des „Hauses der Generationen“ in Vehlefanz.

Es gab kürzlich in Sommerfeld den Fall, dass der Seniorentreff wieder stattfinden sollte, dann aber kurzfristig doch wieder abgesagt worden ist. Die Senioren waren zu besorgt wegen der Sicherheit. Spüren Sie diese Ängste auch in Oberkrämer?
Kerstin Laatsch: Das geht auch ein bisschen von mir selbst aus. Ich habe die Verantwortung für die Senioren. Ich möchte nicht schuld sein, wenn etwas mit ihnen passiert. Allerdings wollen viele Senioren auch wieder zusammenkommen. Aber zum Beispiel in Schwante haben sie die Möglichkeit nicht, weil die Räume zu klein sind. Wir haben alle ein Schreiben mit den Auflagen bekommen, wenn wir die nicht einhalten, dann werden die Räume wieder geschlossen. Oder in Bärenklau: Da kann das Tanzen noch nicht stattfinden, auch die Chöre können noch nicht singen. Immerhin trifft sich aber die Handarbeitsgruppe in Bärenklau.

Das „Haus der Generationen“ war monatelang geschlossen. Was haben Sie in der Zeit gemacht?
Ich habe Aufräumarbeiten erledigt, Dinge, die liegengeblieben sind. Ich habe Fotoalben gestaltet. Ich war allein auf weiter Flur, im Jugendclub war ja auch nichts. Ich habe gerade mal die Gemeindearbeiter gesehen. Das war ein komisches Gefühl.

Wie haben Sie Kontakt zu den Senioren gehalten?
Telefonisch. Ich habe von der Frauenfrühstücksrunde alle Telefonnummern. Wir haben uns auch mal auf dem Parkplatz beim Einkaufen getroffen. Ich habe ja auch Masken genäht und verteilt.

Welche Probleme tauchten in der Höhepunkt-Phase der Coronakrise auf?
So ein bisschen die Einsamkeit. Dass sie die Leute nicht treffen konnten. Es gab auch gesundheitliche Probleme, wo ich vermitteln konnte. Es gab aber nichts Gravierendes, wo ich irgendwie eingreifen musste.

Keine Feiern, keine Treffen, keine Gruppen: Wie war oder ist die Stimmung unter den Senioren in Oberkrämer?
Die waren schon ziemlich geknickt. Wenn ich mal vom Frauenfrühstück ausgehe, das ich organisiere und das normalerweise einmal im Monat stattfindet: Da ging es die ersten beiden Monate noch. Irgendwann hieß es dann aber: Hoffentlich kommen wir bald wieder zusammen. Die waren ja alle zu Hause, die Kinder oder Enkel haben eingekauft.

Gab es private Initiativen?
Ich weiß, dass sich mal kleine Gruppen zum Kartenspielen getroffen haben. In Neu-Vehlefanz haben sie sich kürzlich privat getroffen, um zu besprechen, wie es denn ab September weitergehen könnte.

Seit 1. Juli sind das „Haus der Generationen“ und auch die anderen Gemeindehäuser in Oberkrämer wieder geöffnet. Waren Sie in die Entscheidung eingebunden?
Ich hatte im Vorfeld nachgefragt, weil es auch Nachfragen gab bezüglich eines Beerdigungskaffees. Da hieß es noch, nein, die Häuser bleiben geschlossen. Das war Mitte Juni. Der Bürgermeister gab dann später sein Okay. Ich habe dann das Schild abgenommen, auf dem auf die Schließung hingewiesen worden war. Wir haben uns im Seniorenbeirat getroffen und sind dann die Liste durchgegangen, welche Auflagen es gibt.

Wird es denn wieder Frauenfrühstücke geben?
Wir fangen im September wieder an. Wir werden aber kurzfristig entscheiden, wir wollen aber hoffen, dass die Coronasituation nicht wieder schlimmer wird. Am 15. September wollen wir ab 9.30 Uhr grillen. Wir machen das mit Abstand, und ich hoffe, dass alle einsichtig sind.

Gibt es noch andere Veranstaltungen?
So direkt nicht. Im Juni wäre die Seniorenwoche gewesen. Die sollte erst in den Herbst verschoben werden, aber wir können ja momentan überhaupt keine Verträge mit Künstlern abschließen, da ist es dann ganz abgesagt worden. Die Veranstaltungen an der Mühle in Vehlefanz sind auch alle weggefallen.

An welchem Punkt könnte es wieder normale Veranstaltungen geben?
Da kann ich nichts zu sagen. Noch haben wir die Auflagen der Gemeinde Oberkrämer. Ich kann auch nicht sagen, ob wir dieses Jahr eine Weihnachtsfeier machen können. Wir gehen aber im Seniorenbeirat davon aus, dass wir sie nicht durchführen können. In Eichstädt gibt es wieder Spielenachmittage, bei den Kaffeerunden werden draußen Tische und Bänke aufgestellt, denn der Raum wäre zu klein dafür.

Wären Veranstaltungen in der Turnhalle denkbar?
Mit Abstand wäre es vielleicht möglich. Aber Ideen gibt es da noch nicht.

Was haben Sie persönlich während der Coronakrise am meisten vermisst?
Na ja, auch meine Enkelkinder. Dass ich sie nicht wirklich sehen konnte, das war eigenartig. Ich habe ja Asthma, da muss ich auch aufpassen. Aber es ist klar, dass die Kontakte gelitten haben.

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RT im Kino

Undine

Donnerstag, den 30. Juli 2020

Es gibt da diese Sage: Der Mann, der Undine verrät, den wird sie töten. Und danach kehrt sie in das Wasser zurück, als dem sie einst gerufen worden ist.

Aber Undine (Paula Beer) ist klar, dass sie eine moderne Frau und nicht diese Sagenfigur.
Die Historikerin erklärt im Museum die Berliner Architektur. Es scheint, als führe sie ein normales Leben. Einen Freund hat sie auch. Aber als Johannes (Jacob Matschenz) ihr erklärt, er habe eine andere und sich von ihr trennt, da erinnert sich Undine an die Sage. An ihre Sage.
Sie aber will niemanden umbringen. Aber auch nicht im Unglück baden. Denn sie lernt Christoph (Franz Rogowski) kennen. Er ist Industrietaucher, und als er ihr seine Welt zeigt, da weiß er nicht: Undine kennt das Wasser.
Es ist Liebe. Bis Christoph mitbekommt, dass da ja noch Johannes ist. Bis Johannes plötzlich feststellt, er liebt Undine doch noch.
Nun ist sich die junge Frau plötzlich nicht mehr sicher. Trifft die Sage doch noch ein?

Christian Petzolds Film über “Undine” ist sehr faszinierend. Allerdings muss man auch sagen, dass sich die Sage um Undine aus dem Film nicht so zwingend erschließt. Man muss sich diese Geschichte erst mal anlesen, um die Hintergründe für das Geschehen im Film verstehen zu können. Aber andererseits funktioniert der Film auch ohne dieses Wissen. Es ist dann ein Stück Mystery, das mysteriös bleibt.
Der Film nimmt sich viel Zeit für die Charaktere. Wir belauschen den langen Berlin-Vortrag von Undine, der gleichzeitig fast von Städtekunde ist. Wir erleben die Liebe zwischen Undine und Christoph, die von Paula Beer und Franz Rogowski wundervoll dargestellt ist. Und Jacob Matschenz, der den seltsam ignoranten Johannes spielt.
“Undine” ist ein etwas anderer Liebesfilm, fast schon ein märchenhaftes Drama.

-> Trailer auf Youtube

Undine
D 2019, Regie: Christian Petzold
Piffl, 89 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 185

RTZapper

Schlager, Stars & Sterne – Die große Seeparty in Österreich

Donnerstag, den 30. Juli 2020
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SA 25.07.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Da klatschen ja welche! Eine Live-Fernsehshow mit Publikum ist man fast gar nicht mehr gewöhnt, aber am Sonnabend im Ersten durften nach längerer Zeit mal wieder Zuschauer mit dabei sein.
Florian Silbereisen lud zur großen Seeparty nach Österreich ein: zu “Schlager, Stars & Sterne”. Aber eigentlich fehlten im Titel der Show noch die Alpen. Denn die spielten am Sonnabend eine nicht ganz unwichtige Nebenrolle.

Kulisse für die Show war ein Bergsee mitten in den Alpen, umgeben von einer Berglandschaft. Und, ja, das sah richtig toll aus. Das Publikum wurde rund um den See platziert, was an sich schon mal für die nötigen Abstände sorgte.
Und erwähnte ich schon, dass das alles ziemlich toll aussah? Ich überlege ja tatsächlich, ob ich nicht auch mal nach Kitzbühel düse. Und genau das war auch das Ziel. Der Kitzbüheler Tourismusverband unterstützte die Show nämlich mit mehr als 370.000 Euro. Der Fachausdruck dafür ist Produktionshilfe, und daran ist letztlich wenig Verwerfliches. Denn mdr und ORF zeigen die Alpen von der schönsten Seite, und bei fast jedem Auftritt der Musiker wurden touristische Ausschnitte eingespielt. Das kann sich ein Tourismusverband dann schon mal was kosten lassen. Andererseits hat es natürlich einen faden Beigeschmack, wenn sich ein Sender die gefälligen Bilder bezahlen lässt.

Unterhaltsam war’s dennoch. Auch wenn DJ Ötzi seinen Song wohl nicht mehr ganz im Kopf hatte und das Playback leider anders weiter ging, als er das in Erinnerung hatte. Sein Mikro war leider nicht ausgeschaltet, als er reingrölte, aber aus den Lautsprechern die nächste Strophe ertönte.
Bei Semino Rossi ist das Playback gar nicht erst angesprungen, und Florian Silbereisen tat so, als ob es ein Mikrofonproblem gäbe.
Aber gut, das ist Live-Fernsehen, da sorgen technische Pannen ja durchaus mal für Abwechslung im musikalischen Einerlei.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 25. August 2020)

Hits: 165

RT im Kino

Berlin Alexanderplatz

Mittwoch, den 29. Juli 2020

Francis (Welket Bungué) ist 30, er kommt aus Guinea-Bissau. Er kam mit einem Boot aus Westafrika nach Europa. Seine Geliebte überlebt diese Fahrt nicht. Nun liegt er da, am Strand, und sagt: Er will ein besserer Mensch werden. Anständig sein.
Er kommt nach Berlin, in ein Asylbewerberheim. Er arbeitet illegal auf einer Baustelle am Alexanderplatz, nach einem Zwischenfall wird er gefeuert. Auch ins Asylbewerberheim kann er nicht mehr.
Drogendealer Reinhold (Albrecht Schuch) nimmt ihn bei sich zu Hause auf. Reinhold, leicht gestört und neurotisch, und Francis werden auf eine merkwürdige Art Freunde. Er nennt Francis fortan Franz. Francis, also Franz gerät in den Drogen-Dunstkreis. In einem Club lernt er eine Frau kennen und verliebt sich. Eigentlich will Franz Abstand von Reinhold, der aber nimmt ihn mit zu einem Einbruch, der misslingt. Auf der Flucht schmeißt er Franz aus dem Auto.
In der Klinik beschließt Franz: Er will ein besserer Mensch werden. Anständig sein.
Er lernt Mieze (Jella Haase) kennen, zieht zu ihr. Aber erneut versucht Reinhold auf perfide Weise, in Franz’ Leben zu dringen.

Burhan Qurbani hat die 2020er-Version von Alfred Döblins “Berlin Alexanderplatz” geschaffen und in die heutige Zeit übertragen. Der Kleinkriminelle ist in diesem Fall der Asylbewerber Francis, der in Deutschland Fuß fassen will, aber immer wieder in die Kriminalität abdriftet. Verschuldet und unverschuldet. Zwischen erschreckend niedriger Menschenkenntnis und völliger Fehleinschätzung und Selbstüberschätzung. Man weiß nicht mal, ob man mit ihm Mitleid haben sollte, denn es sind eher die Leute in seinem Umfeld, denen er wehtut. Mieze muss ausbaden, was Francis/Franz nicht hinbekommt.
Drei Stunden nimmt sich der Film für diese Geschichte Zeit. Das ist eine unfassbar lange Zeit, aber die vergehen erstaunlicherweise wie im Flug. Denn die Geschichte ist auf eine seltsame Weise faszinierend und packend. Burhan Qurbani schafft es, Stimmungen und Spannungen zu übertragen.
Eine Wucht ist Albrecht Schuch in der Rolle des ziemlich irren und wirren Reinhold. Leicht gebeugt mit hoher Stimme und durchdringendem Blick ist er die eigentliche Hauptattraktion. Völlig zurecht hat er dafür die Lola 2020 bekommen. Aber auch Welket Vungué spielt toll, wenn auch die Rolle das Problem hat, nie zu einem echten Sympathieträger zu werden – dafür verbaut sich Francis einfach zu viel. Dabei kommt “Berlin Alexanderplatz” aber ohne erhobenen Zeigefinger aus. Das Urteil muss sich der Zuschauer schon selber bilden.

-> Trailer auf Youtube

Berlin Alexanderplatz
D 2019, Regie: Burhan Qurbani
eOne, 183 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 150

ORA aktuell

Kremmener Straße in Oranienburg 24 Stunden gesperrt

Mittwoch, den 29. Juli 2020
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Die B273 in Oranienburg wird am 30. Juli voll gesperrt. Betroffen ist der Abschnitt in der Kremmener Straße zwischen den Kreisverkehren am Louise-Henriette-Gymnasium und dem Oranienpark. Gesperrt wird um 6 Uhr – bis um 6 Uhr des Folgetages.
Grund sind in Arbeiten an den Kanalschachtabdeckungen.

Die Umleitung – auch für den 824er-Bus – führt über die Julius-Leber-Straße, Melanchtonstraße, Berliner Straße, Walther-Bothe-Straße und Friedensstraße. Anwohner und Gewerbetreibende kommen über den Kreisverkehr am LHG zu ihren Grundstücken.

Hits: 121