Tagesarchiv für 6. Juni 2020

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Erinnerung ans Autokino Flatow: Filme aus dem Lkw

Samstag, den 6. Juni 2020
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Von 2000 bis 2008 stand die zwölf Meter große Leinwand auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs – Betreiberin Rita Marcinkowski erzählt

MAZ Oranienburg, 6.6.2020

Flatow.
Heute erinnert hinter dem ehemaligen Güterbahnhof in Flatow nichts mehr daran, dass dort mehrere Jahre lang immer im Sommer Kinofilme zu sehen waren. Rechts und links der alten Kopfsteinpflasterstraße ist das Gras hochgewachsen. In den Jahren 2000 bis 2008 befand sich auf dem Gelände das Autokino Flatow.

Rita Marcinkowski war damals die Betreiberin. „Das erste Jahr verlief sehr gut“, erzählt die Nauenerin. In der Stadt im Havelland hatte sie Ende der 90er-Jahre vergeblich nach einer Fläche für ein Autokino gesucht. Fündig wurde sie am alten Güterbahnhof in Flatow – an der stillgelegten Strecke zwischen Nauen und Kremmen. „Das war eine wunderschöne Fläche, die haben wir uns ausgesucht, die Bahn hat sie uns vermietet.“

Das Autokino Flatow war allerdings kein festes Gebäude, weshalb davon heute auch nichts mehr übrig ist. „Wir haben aus einem Lkw heraus gespielt.“ Die Leinwand hatte eine Größe von 144 Quadratmeter, war zwölf Meter hoch. Dazu gab es einen Imbisswagen, Popcorn konnten die Besucher natürlich auch kaufen. „Die Flächen sind geschoben worden“, erinnert sich Rita Marcinkowski. Die Flächen seien so gestaltet worden, dass kleine Anhöhen entstanden waren, so standen die Autos vorn höher, die Sicht für die Zuschauer wurde besser. Es gab 130 Stellplätze.
Die Autokino-Saison dauerte von April bis Oktober. „Die Jugend wollte Action sehen“, sagt die damalige Kinochefin. Es sei jedoch nicht einfach gewesen, immer die aktuellen Filme zu bekommen. „Da haben wir schon mal vier bis acht Wochen gewartet.“

Die ersten Jahre waren sehr erfolgreich. Aber dann sei es immer schwieriger geworden. „Die Zahlen gingen zurück.“ Schon 2007 war vom Aus die Rede, nach der Saison 2008 war wirklich Schluss. Einerseits weil Rita Marcinkowski in den Ruhestand ging, aber auch, weil bei einem Weiterbetrieb in neue Technik hätte investiert werden müssen.

Einer, der sich an diese Zeit erinnert, ist Enrico Gennrich. Er lebte in der Anfangszeit des Autokinos in Flatow. „Ich habe damals um die Ecke gewohnt“, sagt er. „Das war die Sturm- und Drangzeit. Wir sind vom Jugendclub aus öfter hingegangen.“ Sie seien nie mit dem Auto dagewesen, konnten sich stattdessen auf eine Bank setzen. „Sie haben für uns dort eine Box hingestellt, sie haben das für die Dorfjugend immer möglich gemacht.“ An die Betreiber erinnert er sich mit guten Gefühlen.
Heute ist Enrico Gennrich selbst Mitbetreiber eines Autokinos – nämlich in Nauen. „Wir sind eigentlich Veranstalter und DJs“, sagt er. „Wir machen das in Nauen aufgrund der Coronasituation.“ Weil momentan immer noch keine Kinos geöffnet haben, bieten sie das Autokino in Nauen an. Weil sie eine moderne LED-Wand haben, können sie auch tagsüber beispielsweise Kinderfilme zeigen. Tickets gibt es nur online. Über die Pfingstfeiertage seien die Vorverkäufe sehr gut gewesen, so Enrico Gennrich.

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ORA aktuell

Coronavirus: Sporthallen geöffnet, mehr Kultur

Samstag, den 6. Juni 2020
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Auch wenn die Coronakrise nicht beendet ist – die Fallzahlen sind nur noch klein. Nach und nach werden die Sicherheitsmaßnahmen wieder gelockert.

Am Freitag wurden die städtischen Sporthallen teilweise wieder geöffnet. Wegen der Coronaverordnungen können aber noch nicht alle Sporthallen wieder öffnen. Geschlossen bleibt die Halle am Schloss. Die Nutzung erfolgt nach dem Schutz- und Handlungskonzept auf Grundlage der Eindämmungsverordnung.

In der Nicolaikirche in Oranienburg gibt es wieder kleine Konzerte. Am Freitag gab es wieder die Stadtmusik zum Beginn des Wochenendes. Es findet wieder freitags um 20.30 Uhr statt. Auch die Orgelmusiken dienstags um 12.15 Uhr finden wieder statt.

Die MAZ-Ticketeria in der Mittelstraße öffnet wieder am 15. Juni – allerdings zunächst nur dienstags von 12 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 16 Uhr. Die Zeiten werden ausgeweitet, wenn auch wieder mehr Konzerte stattfinden.

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RTZapper

Die Carolin Kebekus Show / Pocher – Gefährlich ehrlich

Samstag, den 6. Juni 2020
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DO 04.06.2020 | 23.00 Uhr | Das Erste
DO 04.06.2020 | 23.10 Uhr | RTL

Rassismus. Der Polizist, der den dunkelhäutigen George Floyd in Minneapolis festgenommen hat und dann minutenlang ihm kniend die Kehle abschnürte, was zum Tod des Mannes führte. Die Unruhen. Der Hass. Die Demos.
In den Zeiten, wo nicht nur in den USA immer noch Rassismus herrscht, muss man Stellung nehmen. Das haben am Donnerstagabend Comedians auf vollkommen unterschiedliche Weise getan.

In der “Carolin Kebekus Show” im Ersten gab es eine Sonderausgabe vom “Brennpunkt” – mit einem Seitenhieb an den eigenen Sender, der bislang zwar reihenweise “ARD extra”-Sendungen zur Coronakrise ausstrahlte, aber keinen “Brennpunkt” zur besten Sendezeit. In einem Beitrag kamen reihenweise dunkelhäutige Menschen aus den Bereichen Kunst, Journalismus, Comedy, Sport und Politik zu Wort kamen. Sie erzählten, wie sie Rassismus erleben – regelmäßig, in Deutschland. Was ihnen widerfährt. Der Beitrag dauerte acht Minuten und 46 Sekunden – so lange dauerte es in Minneapolis, bis George Floyd gestorben war.

Die RTL-Comedyshow “Pocher – Gefährlich ehrlich” begann dagegen ganz ruhig. Oliver und Amira Pocher riefen zum Schweigen auf – auch acht Minuten und 46 Sekunden. Inne halten. Zuschauer konnten sich beteiligen, in dem sie per Mail oder per Nachricht auf Instagram ihren Namen hinterließen – etwa 400 Namen sind während der Aktion durchs Bild gelaufen.

Es sind Aktionen, die beide beeindruckend waren. Bei Carolin Kebekus sprachen die, die betroffen sind. Bei den Pochers schwiegen die, die keine Worte fanden für diese abscheuliche Gewalt.
Es ist gut, wenn auch in eigentlich lustigen Comedyshows ernste Töne angeschlagen werden.

-> Der Ausschnitt der “Carolin Kebekus Show” in der ARD-Mediathek (bis 4. Juni 2021)
-> “Pocher – Gefährlich ehrlich” bei TV Now

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RT liest

Nadja Quint: Hohes Tier – Ein Fall für Lilo Gondorf

Samstag, den 6. Juni 2020
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Razzia in Gager auf Rügen. Auf einem Grundstück sind Dutzende Katzen. Sie leben im Haus, eng an eng, die schreien, sie wollen raus. Und wenn sie draußen im Garten sind, dann machen sie einen solchen Lärm, dass die Nachbarn genervt sind. Es sind einfach zu viele Katzen. Pikant: Es handelt sich um das Grundstück von Hansjoachim Segert, dem ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister. Als die Razzia läuft, nimmt er das ganz ruhig hin.
Allerdings bringt die Razzia noch eine ganz andere Entdeckung zu Tage: Im Garten liegt eine tote Frau. Segert sagt, sie habe sich umgebracht. Aber kann das wirklich sein?
Lilo Gondorf, ehemalige Polizistin, lebt im Nachbardorf Groß-Zicker, und als die Ermittlungen beginnen, schaut auch sie mal vorbei. Welchen Zusammenhang gibt es zum Beispiel zum Tierheim in Göhren? Und der dortige junge Praktikant – ist es Zufall, dass er zwei Tage nach dem Zwischenfall dort anfangen hat, zu arbeiten?

“Hohes Tier” ist der zweite Fall für Lilo Gondorf. Die Autorin Nadja Quint erzählt über die ehemalige Polizistin, deren Tochter ihr gefolgt und auch Polizistin ist. Da passt es natürlich gut, dass die eine unweit des Tatortes wohnt und die andere ganz offiziell ermittelt.
Der Fall geht durchaus an die Nieren. Das Kapitel, in dem beschrieben wird, wie die Katzen im Haus und im Garten leben, welche Zustände dort herrschen, das ist durchaus hart.
Die Ermittlungen selbst gestalten sich stellenweise aber etwas zäh. Das liegt auch an der Mutter-Tochter-Kombi, was den Roman manchmal etwas trutschig macht. So hat Lilo Gondorf einen guten Freund, mit dem sie sich berät. Er sagt ständig solche Dinge wie “Sach wat, min Best.” Diese Satzanhänge beginnen schnell zu nerven, auch wenn sie putzigen Lokalkolorit ins Buch bringen sollen.
Der Fall selbst nimmt später noch durch diverse Wendungen größere Dimensionen an. Wäre das alles etwas flotter geschrieben, wäre es noch lesenswerter.

Nadja Quint: Hohes Tier – Ein Fall für Lilo Gondorf
btb, 315 Seiten
6/10

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