Tagesarchiv für 4. Juni 2020

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Villa Kunterbunt kommt gut durch die Coronakrise

Donnerstag, den 4. Juni 2020
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Elke Schilling und Diana Franke erzählen vom momentanen Sommerfelder Kita-Alltag – ältere Kinder verstehen die Abstandsregeln schon sehr gut

MAZ Oranienburg, 4.6.2020

Sommerfeld.
Es waren aufregende Wochen in der Sommerfelder Kita „Villa Kunterbunt“. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus haben seit Mitte März alle Pläne durcheinandergewirbelt. „Am anstrengendsten waren aber die vielen Vorgaben, die ständig kamen und immer wieder wechselten und nicht immer praxisnah sind“, erzählt Kitaleiterin Elke Schilling. „Es war manchmal sehr schwierig umzusetzen.“
Dazu gehöre auch beispielsweise die Regel, dass die Kinder nur noch in der eigenen Gruppe bleiben müssen, dass keine Vermischung entstehe. „Wir können aber nicht gewährleisten, dass die Kinder immer nur in ihren Stammgruppen bleiben“, sagte die künftige stellvertretende Kitaleiterin Diana Franke. Das funktioniere nur in der Hauptkernzeit der Betreuung. „Da sind die Kinder in ihren Stammgruppen.“ Gerade am Anfang der Coronakrise seien sie fast schon überinformiert worden. „Vieles war auch widersprüchlich. Vieles ist wohl am Tisch entschieden worden, da war nicht die Praxis gefragt“, erzählt Elke Schilling.

Momentan sind im Kitabereich 51 von 97 Kindern regelmäßig im Haus. Hinzu kommt der Hort in Beetz mit 42 Kindern, die dort betreut werden. Jetzt zum Beispiel muss jeden Tag ein Zettel neu unterschrieben werden, dass das Kind keine Covid-19-Symptome habe und auch keinen Kontakt mit einer infizierten Personen gehabt habe. „Das ist sehr aufwendig. Besser wäre es, wenn man Eltern einmal verpflichtet, zu melden, wenn etwas ist.“

Die Abstandsregeln seien gut vorbereitet worden, erzählt Elke Schilling. „Die Älteren verstehen sie auf jeden Fall.“ So habe ein Junge neulich seinem Vater erklärt, warum im Flur Desinfektionsmittel angeboten werden: „Papa, das ist wegen Corona.“ Elke Schilling schätzt, dass Kinder ab etwa viereinhalb Jahren die Regeln rund um das Coronavirus gut verstehen würden. „Die passen schon untereinander auf. Gestern gab es ein Kreisspiel, alle wollten sich an die Hände nehmen, und ein Junge rief in großer Sorge: Aber das dürft ihr doch nicht, wegen Corona.“

Die Betten seien auseinander gestellt worden, auch beim Essen werde Abstand gehalten. „Das Händewaschen, das machen sie ganz gern.“ Da werde dann bis 20 gezählt. „Man muss sich pädagogische Lösungen einfallen lassen, um sie dafür zu begeistern“, sagt Elke Schilling. Anfangs sei nicht klar gewesen, wie ernst die Lage sei, „und wir dachten, das geht acht Wochen, und dann ist wieder Normalbetrieb.“ Elke Schilling hofft, dass nach den Sommerferien der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden könnte. „Wenn sich die Pandemie nicht wieder ausbreitet.“ In diesem Fall würde das Diana Franke auch befürworten, Elke Schilling ist dann schon in den Ruhestand gegangen. „Wir hatten Glück, dass alle Kollegen durchgehalten haben, auch die Risikogruppen.“

Einen Vorteil hatte die Situation. „Man hat mehr Zeit für die Kinder“, sagt Diana Franke. „Man kann sich besser um die Einzelnen kümmern.“ Andererseits sei die Elternarbeit zu kurz gekommen.

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RTelenovela

Moabit – das neue Berlin

Donnerstag, den 4. Juni 2020
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Berlin-Moabit boomt. Wenn man durch den Stadtteil der Hauptstadt fährt, staunt man, wie dort in den vergangenen Jahren ein neues Wohngebiet nach dem anderen aus dem Boden gestampft worden ist.

In der Lehrter Straße zum Beispiel. Eine ganze Reihe neuer Hochhäuser steht dort, und dahinter entstehen gerade weitere. Es nimmt kein Ende. Mit den Häusern sind ganze neue Plätze entstanden, quasi ein neuer Kiez mit Läden, einem Café und Sitzmöbeln. Dieser Kiez muss noch wachsen, alles sieht noch steril aus. Aber in 20 Jahren wird keiner mehr wissen, dass diese Gegend auf der Wiese entstanden war.

Noch krasser ist die Entwicklung entlang der B96 in der Heidestraße, ebenfalls in Moabit. Auch dort entsteht ein vollkommen neues Stadtviertel, das Quartier Heidestraße.
Auf der westlichen Seite der Straße standen vormals diverse flachere Gebäude. Werkstätten, kleine Läden, Kneipen, auch Wohnhäuser. Es war ein Stück altes Berlin. Runtergekommen. All das ist nach und nach abgerissen worden, einige wenige dieser Gebäude stehen noch.
Auf der anderen Seite sind schon viele Neubauten entstanden. Die Tankstelle, die mal auf einem freien Feld stand, ist nun Teil eines Wohngebietes, und schon jetzt hat sich der Charakter dieser Straße komplett geändert. Die Brache ist keine mehr.

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RTZapper

Breaking News: LA County under Curfew

Donnerstag, den 4. Juni 2020
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MO 01.06.2020 | 3.00 Uhr (Di.) | NBC LA

Los Angeles von oben. Ein Hubschrauber bringt die Live-Fernsehbilder aus den Straßen der Stadt nach Hause. Breaking News beim US-Sender NBC LA. In der Stadt gilt eine Ausgangssperre, “LA County under Curfew” steht dauerhaft und groß unten im Bild. Die Kamera zeigt aus der Luft einen Mann und eine Frau, die mit einem Kind in der Mitte auf dem Bürgersteig laufen.
Die Kamera schwenkt weg, denn offenkundig passiert an dieser Stelle der Stadt gerade nichts. Suchend bewegt sie sich über die Straßen, bis sie an einer Kreuzung eine Reihe mit Cops entdeckt. Sie blockieren eine Straße, und es sieht bedrohlich aus. Auf der anderen Seite der Kreuzung stehen ein paar Demonstranten. Trotz der Bedrohlichkeit wirkt das Hubschraubergeräusch fast schon wieder beruhigend. So beruhigend, dass die Reporterin im Helicopter schon minutenlang schweigt.
Die Kamera schwenkt wieder weg. Aus einer der anderen Seiten kommen plötzlich lauter Polizeiwagen, die Kamera verfolgt sie. Die Autos stoppen unweit der Kreuzung, wo die Demonstranten jetzt nach rechts wegschwenken und damit die Cop-Blockade umgehen.
Die Demonstranten halten Schilder hoch, aber man kann nicht lesen, was drauf steht. Sie ziehen an Roman’s Liquor-Laden vorbei, das Schild blinkt und lädt zum Trinken ein, aber alle laufen dran vorbei und beachten es nicht mal.
Ein anderer Hubschrauber fliegt durchs Bild – von der Konkurrenz? Oder sitzt Donald Trump drin, um alle auszulachen? Die Demonstranten ziehen in Richtung Hollywood, sagt die Reporterin, die plötzlich aus ihrer Lethargie erwacht. Sie muss aber schon lange auf Sendung sein, ununterbrochen, seit mindestens anderthalb Stunden auf der Suche nach aufregenden Live-Bildern.

NBC LA ist nicht der einzige Sender, der in den USA live berichtet. Die Auswahl ist in der Nacht zum Dienstag – in den USA am Pfingstmontagabend – sehr groß.
In vielen Städten sind Unruhen ausgebrochen, nachdem ein Polizist sich nach der Festnahme eines schwarzen Mannes minutenlang auf dessen Kehle setzt – und der Mann, er heißt George Floyd, daran erstickt. Es ist ein neuer und erschreckender rassistischer Vorfall in den USA – und immer weiter befeuert von US-Präsident Donald Trump, der nun die Antifa zur Terrororganisation erklären will. Die Antifa gibt es zwar als einzelne Organisation gar nicht, aber er triggert damit auch in Deutschland mal wieder eine entsprechende Diskussion. Dabei gäbe es ganz andere Dinge zu besprechen.
Viele Menschen sind nun in den USA auf der Straße. Afroamerikaner machen ihrem Ärger über den Rassenhass Luft. Aber es sind nicht nur Black People, die demonstrieren. Und diese Demos sind bei weitem nicht alle friedlich.

Im Livestream von USA Today auf Youtube aus Washington sind zur gleichen Zeit Knaller zu hören und schreiende Menschen. Die Kamera ist mittendrin im Gewühle, es gibt weitere kleine Explosionen. Die Lage scheint zu eskalieren, und der Zuschauer steht mittendrin. Live.

Rübergezappt zu ABC, live aus Los Angeles. Die Hubschrauberkamera zeigt eine Gruppe Cops, die einen Mann stellen. Der Mann liegt auf dem Boden. Die Lage muss ernst sein, und man nur hoffen, dass da keiner schießt. Der Mann erhebt, und mit erhobenen Armen steht er nun da.
Das ist so spannend, dass ABC an dieser Stelle erst mal eine Werbepause einlegen muss. Vielleicht wollte man auch auf Nummer sicher gehen.

Auch die Reporter sind keineswegs sicher. Ein Team der Deutschen Welle ist beschossen worden. Bei CNN in Atlanta stand eine große Gruppe Demonstranten drei Tage zuvor vor dem Sendezentrum des Nachrichtensenders. Der Sender berichtete live aus dem Foyer, wo der Eingang von Cops beschützt werden musste und wo von draußen immer wieder Gegenstände reingeflogen kamen. Dann eine Rauchbombe, der Reporter kriegt kaum noch Luft, der Moderator im Studio fragt immer wieder, ob es ihm gut gehe. Ein dunkelhäutiger Mann wird ins Gebäude geführt und von den Cops abgetastet. Live bei CNN. Der Reporter fragt den Mann, warum er hier sei. Er wolle den Wechsel, sagt er. Unterdessen versucht ein Mann, die Scheibe der Eingangstür mit einem Skateboard einzuschlagen. Live bei CNN. Jegliche Hemmung ist vorbei. Die Cops verschanzen sich hinter den Schilden, ein Feuerwehrkskörper fliegt ins Foyer und explodiert. Immer noch live bei CNN.

Es ist ein beunruhigender Ausnahmezustand in den USA. Der Anlass macht wütend, der Name George Floyd steht ab sofort für Rassismus und Polizeigewalt. Die Auswirkungen sind besorgniserregend. Und das Fernsehen immer mittendrin.

-> Die CNN-Übertragung auf Youtube

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