Monatsarchiv für Juni 2020

aRTikel

Heilen bei minus 110 Grad

Dienstag, den 30. Juni 2020
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Im Physiowerk in Schwante gibt es neuerdings eine Kältekammer – sie hilft bei verschiedenen Krankheiten – drei Minuten muss der Patient darin ausharren

MAZ Oberhavel, 30.6.2020

Schwante.
Schon in der Vorkammer herrscht eine Temperatur von minus 30 Grad. Das ist aber tatsächlich nur das Vorspiel für das, was dann kommt: Denn in der eigentlichen Kältekammer sind es dann minus 110 Grad – und das gute drei Minuten lang. So lange muss der Patient darin aushalten. Aber er wird belohnt.

Die Kältekammer ist die neueste Errungenschaft im „Physiowerk“ in Schwante. Sie soll am 13. Juli offiziell in Betrieb gehen. „2015 gab es bei uns in der Familie immer wieder das Gespräch über Kältekammern, weil das bei Leistungssportlern immer geholfen hat“, erzählt Physiotherapeut Phillip Blumberg. „Natürlich muss man dafür auch die räumlichen Voraussetzungen haben.“ Die sind im Gebäude an der Dorfstraße vorhanden.

Der mehrmalige Besuch der Kältekammer soll gegen Krankheiten wie Neurodermitis helfen, bei Morbus Bechterew oder Schuppenflechten. Auch bei Depressionen oder Migräne kann ein Gang in die Kältekammer helfen. „Weil die Kühlung die Nervenzellen beruhigt“, so Phillip Blumberg. Die Kammer hilft aber auch, wenn es um Leistungssteigerung geht. So will das Physiowerk-Team beispielsweise auch Sportler, insbesondere Fußballmannschaften, ansprechen. „Als Regeneration vor einem Wettkampf, man kann dadurch 20 Prozent Leistungssteigerung bei Amateursportlern erreichen“, sagt Oliver Dölling, fachlicher Leiter im Schwantener „Physiowerk“. Aber auch die Fettreduzierung könne eine Rolle spielen, 900 bis 1000 Kilokalorien könne man verlieren.

Wer in die Kältekammer will, muss einen Mund- und Nasenschutz und Handschuhe sowie unter Umständen auch einen Schutz für die Ohren tragen. Dazu Latschen, eine Bade- oder Unterhose und Frauen auch ein Bikini-Oberteil.
Insgesamt vier Minuten dauert der Vorgang. Bis zum offiziellen Start wird es noch einen kleinen Vorraum an der Kammer geben, wo sich jeder umziehen kann. Erst geht es für etwa 30 Sekunden in die Vorkammer, dann für drei Minuten in die echte Kältekammer, zum Abschluss noch mal für 30 Sekunden in die Vorkammer.
„Vier Minuten sind schon brutal, daran muss man sich erst mal gewöhnen“, sagt Oliver Dölling. „Aber es ist eine schöne Erfahrung.“ Man müsse sich in der Kammer bewegen, um die Körperwärme zu halten. „Man ist danach ziemlich euphorisiert.“ Phillip Blumberg stimmt ihm zu. „Das ist mega, ein richtiger Kick.“ Es sei auch etwas anderes, als wenn man nur kurz in eiskaltes Wasser steige. Die Kältekammer sei sehr viel nachhaltiger.
Nicht in die Kammer darf, wer beispielsweise einen Herzschrittmacher trägt. „Weil der einfriert“, sagt Philipp Blumberg. Grundsätzlich ist bei dem Vorgang immer medizinisches Personal dabei. „Das alles passiert unter Aufsicht.“

Das Physiowerk ist seit seiner Eröffnung im Januar 2019 stetig weiter gewachsen. Inzwischen arbeiten dort sieben Leute – vier physiotherapeutische Kräfte, eine Mitarbeiterin an der Rezeption plus zwei weitere Arbeitskräfte im Hintergrund. „Und wir wollen weiter wachsen“, sagt Phillip Blumberg. „Wir brauchen noch zwei Physiotherapeuten und jemanden an der Rezeption.“ Es sei grundsätzlich aber wichtig, langsam, nach und nach zu wachsen. „Wird man zu schnell groß, dann leidet die Qualität.“
Auch in Schwante mache sich der Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche bemerkbar. Es sei schwierig, weitere Physiotherapeuten zu finden. „Weil die Berufe bislang nicht attraktiv gemacht wurden“, so Philipp Blumberg. Allerdings könnte sich das ändern, weil die Ausbildung inzwischen vergütet werde.
Der Standort an der Dorfstraße in Schwante habe sich bewährt. Der Terminkalender sei voll, bei kurzfristigen Absagen versuche man, den Termin neu zu vergeben. Auch durch die Coronakrise sei das Physiowerk bislang gut durchgekommen.

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RT liest

Juli Zeh: Leere Herzen

Dienstag, den 30. Juni 2020

Deutschland in einer nahen Zukunft. Die Ära Merkel ist zu Ende, stattdessen sind rechte Populisten an der Macht in Berlin. Es herrscht ein raues Klima im Land.
Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi haben sich in diesem Deutschland irgendwie eingerichtet. Sie sagen, sie können ja sowieso nichts ändern, und deshalb beschäftigt sich Britta auch nicht mehr wirklich konkret damit, was gerade im Land abgeht.
Britta und Babak haben stattdessen “Die Brücke”. Öffentlich ist nicht so wirklich bekannt, was sich dahinter verbirgt. Klar ist aber, sie suchen nach Leuten Ausschau, die in irgendeiner Weise gefährdet sind. Die unzufrieden, depressiv sind. Sie nehmen diese Leute auf, schulen sie, testen sie. Und wenn sie Selbstmord begehen wollen, dann könnte das doch vielleicht noch gleich irgendeinen, nun ja, Zweck erfüllen. So ganz öffentlich.
Als aber im Land Anschläge geschehen, von denen Britta und Babak überrascht sind, befürchten sie, Konkurrenz bekommen zu haben. Klar ist: Sie müssen ihre Firma retten.

“Leere Herzen” sind die Menschen, die nichts mehr fühlen und nur noch auf den einen Augenblick warten, wo sie dem Nichts-Fühlen ein knalliges Ende bereiten können.
“Leere Herzen” heißt aber auch Juli Zehs Nachfolgeroman von “Unterleuten”, mit dem sie ihren bisher größten Erfolg erringen konnte. Auch diesmal wendet sie sich einem gesellschaftlichen Thema zu. War es in “Unterleuten” eher der Blick in die Vergangenheit, in eine Zeit voller Wechsel und Wirrungen, geht es auch diesmal um eine Zeit nach einem Wechsel – nur eben in der Zukunft und unter ganz anderen Vorzeichen.
Wobei sich der Roman letztlich aber dann doch fast vollkommen auf das Geschehen rund um die Firma konzentriert, das große Ganze bekommt man nur am Rande mit.
Aber wie auch schon “Unterleuten” ist “Leere Herzen” leider nicht fesselnd. Die Geschichte ist irgendwie interessant, aber sie packt an so ziemlich keinem Moment. Die Figuren kommen einem nicht nah, die ganze Story ist seltsam blutleer.

Juli Zeh: Leere Herzen
btb, 348 Seiten
5/10

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RTZapper

Reif ist Live

Dienstag, den 30. Juni 2020
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MO 29.06.2020 | 14.00 Uhr | Bild

Müllermilch ist ein wirklich sehr leckeres Produkt. Carli Underberg heißt zwar wie ein alkoholisches Getränk, aber eigentlich greift er doch lieber zur Müllermilch. Carli Underberg ist Mitglied der Bild-Chefredaktion, und er moderiert die Fußball-Talkshow “Reif ist Live” bei Bild auf Facebook. Und er mag Müllermilch, erwähnte ich das schon? Er mag so sehr die Müllermilch, dass während seiner Live-Sendung am Montagnachmittag gleich vier verschiedene Müllermilch-Flaschen auf seinem Moderationstisch standen. Natürlich so, dass sie immer im Bild waren, denn ohne Müllermilch mag Herr Underberg gar nicht gerne moderieren.

“Reif ist Live” heißt die Sendung aber nicht wegen Underbergs Müllermilch-Vorliebe, sondern weil sich in dieser sehr seriösen Sportsendung Marcel Reif zum aktuellen Fußballgeschehen äußert. Wichtig zu wissen: Marcel Reif trinkt keine Müllermilch. Zumindest nicht on Air. Was durchaus verwundert.
Während aber Marcel Reif so über den HSV und andere Mannschaften schwadroniert, macht sich der Carli Underberg erst mal eine Müllermilch auf. Er gießt die Müllermilch in sein Glas – allerdings im Off – und dann trinkt er genüsslich von seiner Müllermilch, während Marcel Reif so vor sich hinredet. Ob Herr Underberg allerdings Müllermilch trinkend zuhört weiß man nicht genau, schließlich ist der Genuss der Müllermilch doch so groß, dass das schon mal von Marcel Reifs Gerede ablenken kann. Gut, dass Carli noch ein paar Müllermilch-Flaschen auf seinem Tisch rumzustehen hat.

Tja, eines ist mal Fakt: Wenn Marcel Reif der Hauptdarsteller in der Sendung “Reif ist Live”, dann ist die Müllermilch mindestens die Nebendarstellerin – wenn sie sich nicht sogar an die Hauptdarsteller-Position mogelt.
Immerhin hat Carli Underberg die Müllermilch nicht während der Moderation genüsslich geschüttelt. Und es ist auch kein Kellner ins Studio gekommen, um die Müllermilch-Flaschen auf dem Tisch abzustellen. Und diesmal wurde die Müllermilch auch nicht ganz langsam ins Glas geschüttet.
Das ist nämlich an vorherigen Sendungen zelebriert worden.

Dass die Müllermilch da rumsteht und geschüttelt und getrunken wird, ist natürlich kein Zufall, denn immerhin gibt es eine Einblendung, die besagt: “Unterstützt durch Produktplatzierungen”.
Wobei das natürlich untertrieben ist, und noch nie wurde eine “Produktplatzierung” so ernst genommen wie im ach so journalistischen Sportformat bei Bild. Da unterbrechen die Moderatoren ihre Interviews, um Müllermilch zu schlürfen. Da dreht sich das Gespräch mit dem Keller darum, welche Müllermilch-Sorte der Moderator denn gern haben möchte: Erdbeer. Da wird die Müllermilch so total nebenbei geschüttelt, während eine Interview-Frage gestellt wird.
Und wenn du jetzt sagst: Oh mein Gott, ist das aber bescheuert, albern, hirnlos und dämlich. Dann muss ich dich natürlich beschwichtigen und sagen: Ähm, ja, stimmt.

Alles an dieser, nun ja, Produktinszenierung ist albern. Dass die Müllermilch permant im Bild steht, dass Moderatoren Müllermilch trinken in der Sendung, dass sie die Müllermilch schütteln, und dass das alles so total echt und natürlich wirkt. Nicht.
Aber vermutlich hält man bei Bild die Zuschauer für so beknackt, dass sie der Meinung sind, dass sie die Müllermilch nicht nur platzieren müssen, sondern auch noch ein albernes Theaterstück drumrum basteln müssen. Und dann regen sie sich auf, wenn jemand Bild für unseriös hält.
Es gibt übrigens auch ganz leckere Milch aus der Uckermark in Brandenburg: Hemme-Milch. Wollte ich nur mal erwähnt haben. Weiß auch nicht, warum mir das jetzt einfällt.

-> Die Sendung bei Bild auf Facebook
-> Sammlung und Zusammenfassung beim BILDblog auf Facebook

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RTelenovela

Mehr Geld in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 30. Juni 2020
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Oft geht es im Leben bei der Umsetzung von Ideen und Forderungen auch darum, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Hast du ja sicher auch schon mal gehört, dass jemand zu dir sagt: „Schöne Sache, passt aber gerade gar nicht.“

Die Gemeindevertreter in Oberkrämer haben in der vergangenen Woche in ihrer Sitzung in Marwitz darüber diskutiert, ob sie eine höhere Aufwandsentschädigung bekommen sollen.
Klar, sie machen das ehrenamtlich, und eigentlich bekommen sie viel zu wenig Geld dafür, was sie alles leisten. Die Monatspauschale liegt bei gerade mal 80 Euro, jetzt werden es wohl 110 Euro. Der Gemeindevertretervorsteher verzichtete auf eine Erhöhung, er bekommt 200 Euro im Monat.

Trotzdem ist da ein fader Beigeschmack. Wir sind in der Coronakrise, viele Leute haben mit Kurzarbeit zu kämpfen, Unternehmer wissen nicht, ob sie in den nächsten Monaten über die Runden kommen. Und in Oberkrämer bekommen die Gemeindevertreter mehr Geld.
Ich gönne ihnen das von Herzen – wirklich! Ehrenamtliche Arbeit muss auch belohnt werden, wenn sie wie in diesem Fall auch noch so zeitintensiv und wichtig ist. Aber irgendwie ist es trotzdem gerade ein blöder Zeitpunkt dafür.

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ORA aktuell

Erstes Musikfestival nach Coronapause in Oranienburg

Montag, den 29. Juni 2020
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Das Folkfest im Oranienburger Weidengarten war am Sonnabendabend das erste Musikfestival nach der dreieinhalbmonatigen Coronapause. Wie Mitveranstalter Oliver Dehnick der Märkischen Allgemeinen sagte, sei das Festival eigentlich abgesagt gewesen. Nach der Freigabe, dass Veranstaltungen mit bis zu 1000 Leuten stattfinden dürfen, wurde es innerhalb von wenigen Tagen neu organisiert.

Am 1. August soll am Weidengarten das nächste Open Air stattfinden.

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ORA aktuell

Polizei löst illegale Technoparty in Oranienburg auf

Montag, den 29. Juni 2020

Zwar sind Veranstaltungen bis zu 1000 Leute erlaubt, jedoch müssen sie angemeldet werden. In der Nacht zu Sonnabend fand im Wald zwischen der Lehnitzschleuse und der Carl-Gustav-Hempel Straße eine nicht angemeldete Technoparty statt. Etwa 200 Leute nahmen daran teil.

Die Polizei löste die Veranstaltung auf.

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KeineWochenShow

#182 – Auto-Abi 2020

Sonntag, den 28. Juni 2020
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Das Coronavirus sorgt auch dafür, dass die Menschen kreativ werden müssen. Die Abiturzeugnis-Übergabe am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium konnte nicht wie üblich stattfinden. Stattdessen traf sich der Abitur-Jahrgang in Lehnitz auf dem Tüv-Gelände zum LHG-Auto-Abi 2020 – die Zeugnisse gab es am Drive-In.
Dazu gibt es in KeineWochenShow #182 einen ausführlichen Beitrag.

Außerdem sprechen wir über die Coronavirus-Hotspots. Der größte ist in Rheda-Wiedenbrück in der Tönnies-Fleischfabrik. Eine vierstellige Infiziertenzahl, und die Frage steht im Raum, ob das alles noch beherrschbar ist oder ob eine zweite Viruswelle droht.
Und wir blicken auch auf die “Night of Light” zurück, bei der die Event- und Veranstaltungsbranche auf ihre Probleme in der Coronakrise aufmerksam machen – mit Bildern aus Oranienburg, Kremmen und Marwitz.

Wir blicken aber auch auf die Krawalle von Stuttgart und die Blicke, warum es so viele Menschen auf die Polizei abgesehen haben. Das und mehr in KeineWochenShow #182 auf Youtube.

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