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Viele Menschen in Zeiten des Coronavirus

Es ist schon seltsam. Normalerweise ist der Anblick von Menschenansammlungen ja vollkommen unspektakulär. Aber wir leben seit drei Monaten in einer Sondersituation, und dazu gehört: Abstand halten. Dazu gehörte auch wochenlang, dass man quasi niemand anderen treffen durfte. Und daran hat man sich irgendwie gewöhnt.
Dazu führt schon dazu, dass man sich Serien und Filmen aus der Zeit vor dem Coronavirus anschaut, und immer wieder zuckt man innerlich zusammen, enn man sieht, wie sich zwei Leute umarmen oder sich die Hand geben. Sofort denkt man: Dürfen die das?

Am Donnerstag bin ich mit dem Auto durch Oranienburg gefahren. An der kleinen Kneipe in der Innenstadt saßen draußen an den Tischen ziemlich viele Leute. Die Tische hatten sicherlich genug Abstand, aber viele der Tische waren mit vier Leuten und mehr besetzt. Früher wäre das normal gewesen, heute sieht man das mit gemischten Gefühlen – vermutlich grundlos.
Ein paar Hundert Meter weiter, beim Italiener, saßen draußen ebenfalls viele Leute an den Tischen. Und wieder dieser Gedanke. Wir werden uns daran auch wieder gewöhnen. Aber es ist doch bemerkenswert, dass wir uns daran erst wieder gewöhnen müssen.

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2 Kommentare zu “Viele Menschen in Zeiten des Coronavirus”

  1. ThomasS

    Ich weiß, was du meinst, wenn du vom “spontanen Zusammenzucken” sprichst. Mir geht es ganz genauso. Die Verhaltenspsychologie spricht hier von einer sogenannten klassischen Konditionierung. Wie bei den berühmten Pawlow’schen Hunden, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Die Hunde waren am Ende der Meinung, es gibt was zu Essen, wenn das Glöcklein klingelt. Wir wurden wochenlang darauf gedrillt, dass wir uns den Virus einhandeln, wenn wir uns zu nahe kommen.

    Rund 2 Monate Kontaktverbot haben offenbar ausgereicht, um diese Reaktion zu bewirken. Und ich denke, das wird sich auch noch sehr, sehr lange halten. Bei einigen Leuten vielleicht noch lange, nachdem das Virus (hoffentlich) irgendwann besiegt ist. Ähnlich wie ältere Leute heute noch bei jeder Sirene innerlich zusammenzucken, weil sie das an die Bombennächte des Krieges erinnert.

    Alles in allem denke ich, dass Politik und Medien bemüht sind, die derzeitigen Lockerungen auch zu kommunizieren. So zeigt etwa die Tagesschau seit einigen Tagen keine Statistiken mehr, jedenfalls nicht für Deutschland (im gegensatz zur Statistik für die USA). Gestern fing das reguläre Programm im Ersten tatsächlich um 20:15 an, ganz ohne das übliche Corona-Spezial. Auch draußen: Gäbe es nicht weiterhin die Maskenpflicht im Geschäft … man könnte beinah denken, alles wäre wieder normal.

    Ich denke mal, man will uns den Sommer nicht vermiesen. Die Bevölkerung bei sonnigstem Wetter wegsperren zu wollen … das würde sogar in Deutschland revolutionäre Tendenzen erzeugen. Aber warte mal bis zum Herbst. Spätestens ab November mag eh niemand gern nach draußen gehen und die Landwirtschaft wird bis dahin ihr Werk getan haben. Außerdem fühlen sich Viren aller Art bekanntlich gerade in einem feutkalten Milieu sauwohl. Gründe genug, den Lockdown dann zu reaktivieren. Mir persönlich soll’s recht sein.

  2. RT

    Ja, ich bin auch gespannt, wie das alles weitergeht. In KeineWochenShow lassen wir die Statistik inzwischen auch wieder weg.

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