Tagesarchiv für 27. Mai 2020

aRTikel

Coronavirus in Schweden: Vom Leben mit dem Sonderweg

Mittwoch, den 27. Mai 2020
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Der Oranienburger Marcus Berndt (40) lebt in der Kleinstadt Mora in der Mitte des skandinavischen Landes – mit gemischten Gefühlen sieht er die jetzige Lage

Oranienburg.
In Zeiten der Coronakrise blicken viele Menschen nach Schweden. Dort gab es sei Mitte März sehr viel weniger Einschränkungen im öffentlichen Leben als in Deutschland. Einer, der das alles hautnah miterlebt, ist Marcus Berndt. Der 40-Jährige ist in Oranienburg groß geworden, er hat am Louise-Henriette-Gymnasium sein Abitur gemacht. Seit fast 13 Jahren lebt er in Mora, das ist eine kleine Stadt in der Mitte von Schweden. Er arbeitet dort für eine Agentur, die unter anderem Sportevents durchführt.

Dass Schweden einen anderen Weg gehe als die meisten anderen Länder, sei dort aber auch nicht unumstritten. Deshalb sei seine Stimmung auch gespalten, er verfolge ja auch deutsche Medien und sehe die Unterschiede. „Im Alltagsleben sind die Sachen nicht so super unterschiedlich“, erzählt er. „Drumherum ist das Regelwerk vielleicht ein bisschen anders.“ In Deutschland gebe es mehr Verbote, bei ihm in Schweden gebe es mehr Gebote und „starke Empfehlungen“. Es sei auch ein größerer Unterschied, ob man in der Großstadt wie Stockholm sei oder bei ihm in der eher ländlichen Gegend. Social Distancing sei dort schon an sich möglich. Aber es sei schon ein Unterschied gewesen, wenn er mit Freunden in Deutschland gesprochen habe, die zu Hause gewesen seien und wo die Kinder nicht in der Schule waren. „Hier in Schweden gehen wir in Schwimmhallen, zu Kindergeburtstagen, in die Schule, zur Arbeit, alles wie gehabt. Das fühlt sich schon ein bisschen komisch an, das richtig zu verstehen.“ Man dachte zum Anfang, dass Corona vielleicht nicht so gefährlich sei. Das passe aber gar nicht zu den Statistiken, so Marcus Berndt weiter. Es sei aber schwierig zu vermitteln, wenn viele Dinge des täglichen Lebens einfach so weitergehen können.
Man höre andererseits Todeszahlen, man höre, dass Altenheime vom Virus befallen seien, man höre verschiedenste Nachrichten. „Und alle pochen darauf, dass man seine Vernunft zurate zieht. „Aber das Leben im Allgemeinen ging relativ unverändert weiter.“

Es sei aber auch so, dass die Arbeitgeber deutlich dazu geraten haben, dass man zu Hause arbeiten könne, das sei mit den technischen Voraussetzungen einfach gewesen. Die Sportaktivitäten der Kinder seien jedoch eingestellt worden, gerade die Sportarten in den Hallen. Für die älteren Kinder habe eine längere Schulpause gegolten, die jüngeren seien aber weiter zur Schule gegangen. „Die schwedischen Behörden haben ganz deutlich das Ziel gehabt, dass die sagen: Leute, die nicht krank sind oder nicht zur Risikogruppe gehören, die sollen verhältnismäßig normal arbeiten können.“
Er selbst habe zu Hause gearbeitet. Er sei auf Kurzarbeit. Er arbeitet auf 60 Prozent, bei 94 Prozent Gehalt. Kündigungen habe es nicht gegeben. Man habe sich schon eingeschränkt, viel weniger Freunde getroffen, man treffe sich mehr draußen zum Spaziergang. Man sollte momentan nicht reisen. „Aber vieles sind Empfehlungen, und mein Gefühl ist, dass sich praktisch alle daran halten.“ Die Älteren bleiben zu Hause, viele kaufen für Ältere ein. „Machen wir auch.“

Anfangs sei man auch in Schweden unsicher gewesen. Man wusste nicht, ob man zu weich vorgehe, und es fange jetzt auch dort an, lascher zu werden. Es gebe aber Stimmen, die sagen, dass verschiedene Wirtschaftsbereiche stärker unterstützt werden müssten. Ihm selbst ist anfangs auch mulmig gewesen, er fand den Weg riskant, gerade in der Großstadt. Bis Dienstag gab es in Schweden knapp 35 000 bestätigte Infizierungen und mehr als 4100 Tote – im Vergleich zu Deutschland sind die auf die Einwohnerzahl sehr viel höher.

Wann Marcus Berndt mal wieder in Oranienburg sein wird, kann er noch nicht sagen. Er geht davon aus, dass es erst wieder im nächsten Jahr so weit sein wird.

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RTZapper

Sing meinen Song – Das Tauschkonzert: MoTrip

Mittwoch, den 27. Mai 2020
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DI 26.05.2020 | 20.15 Uhr | VOX

Wurde bei “Sing meinen Song” jemals so viel geheult wie in der 2020er-Staffel? Wahrscheinlich noch nie so emotional ging es in der Sendung mit den Tauschkonzerten zu.
In diesem Jahr sind Max Giesinger, Nico Santos, Ilse DeLange, MoTrip, Jan Plewka von der Band Selig, Lea und Michael Patrick Kelly dabei, und interessanterweise sind es vor allem die Männer, die sehr nah am Wasser gebaut haben. Als es um Nico Santos ging, da war er bei vielen der Interpretationen seiner Musikerkollegen so gerührt, dass Tränen flossen.

Am Dienstagabend ging es nun um MoTrip. Und wenn man jetzt denkt, dass der Rapper ganz cool über sich ergehen lässt, was an diesem Abend passiert, der irrte sich ganz gewaltig, denn dieser Abend stellte sich als der bislang emotionalste heraus, den diese Musikshow vermutlich je erlebt hat.
Denn jeder seiner Kollegen machte aus seinen Songs etwas ganz Großes. Nico Santos hat “Mama” fast komplett umgeschrieben, um einen tollen Popsong draus zu machen. Ilse DeLange hat mit “Home Is Where You Are (Zuhause ist wir)” ebenfalls was Neues geschaffen.
Als Michael Patrick Kelly zum Song anhob, da ging es dann zur Sache. Denn “Embryo” ist ein Lied, das selbst MoTrip fast nie singt. Es handelt von einer Abtreibung – die seines ungeborenen Kindes. Es ist ein Thema, das ihn sehr beschäftigt, und schon als klar ist, dass Kelly sich für den Song entschieden hat, fließen Tränen.
Alle haben sie Tränen in den Augen, als Michael Patrick Kelly den herzzerreißenden Song singt, wie ein Kind nicht auf die Welt kommen durfte, weil es zu dem Zeitpunkt einfach nicht ging.
Minuten, die MoTrip tief erschüttern und die scheinbar auch in der Runde und beim Team für Unsicherheit sorgen. Es dauert ein wenig, bis er sich wieder fängt.
Minuten, die zeigen, dass Menschen Facetten haben, die man gar nicht vermutet – und die man vor allem nicht im Fernsehen vermutet.

Die siebente Staffel erweist sich, das kann man nach vier Folgen sagen, als sehr abwechslungsreich, überraschend, packend – einfach sehenswert.

-> Die Sendung bei TV Now

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