Tagesarchiv für 21. Mai 2020

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Petra Dittrich / Rainer Moritz: Meine Inselbuchhandlung – Zwischen Bodden und Brandung

Donnerstag, den 21. Mai 2020
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Die Insel Rügen hat einige versteckte Perlen. Dazu gehört auch “Der Buchladen” in Gingst. Betreiberin Petra Dittrich hat ein Buch darüber geschrieben, wie es dazu kam und was sie antreibt. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an das Buch, an die kleinen Buchläden, an Gingst, an Rügen.

In Bergen geboren, ist sie in Samtens aufgewachsen, und schon damals hat sie gern gelesen, was die kleine Bibliothek hergab. Sie lernte in Schwerin und ging dann nach Berlin. Anfang der 2000er ging sie auf die Insel Rügen zurück und begann damals schon in einem Buchladen zu arbeiten. Nach einem weiteren Gastspiel in Hamburg zog es sie wieder auf die Insel zurück. Sie erfüllte sich einen Traum: einen Buchladen.
Sie kümmert sich um die Stammkundschaft ebenso wie um Urlauber, die Lektüre brauchen. Entdeckungen sind ihr wichtiger als Mainstream-Bestseller. Viele Lesungen veranstaltet sie.
2019 musste sie mit ihrem Laden auf die andere Marktseite ziehen.

Petra Dittrich ist eine glückliche Frau. Sie liebt das, was sie tut, und sie macht ihren Job mit Herzblut, steckt da ihre ganze Kraft rein.
Gemeinsam mit Rainer Moritz hat sie aufgeschrieben, was “Meine Inselbuchhandlung – Zwischen Bodden und Brandung” ausmacht. Sie erzählt über nette Kunden, wunderliche Kunden, über geglückte und fast verunglückte Lesungen. Emotionaler Höhepunkt ist, wenn sie erzählt, wie viele Menschen beim Umzug des Ladens und des eigenen Hausstandes geholfen haben.
Wer das Buch gelesen hat, will eigentlich lieber heute als morgen fix mal nach Gingst fahren, um sich im Buchladen umzuschauen.

Petra Dittrich / Rainer Moritz: Meine Inselbuchhandlung – Zwischen Bodden und Brandung
Eden Books, 205 Seiten
9/10

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Big Brother – Das Finale

Donnerstag, den 21. Mai 2020
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MO 18.05.2020 | 22.00 Uhr | Sat.1

Cedric hat “Big Brother” 2020 gewonnen. Das kommt überraschend, und das freut mich ehrlich. Mit dem Finale am Montagabend endete auf Sat.1 die aktuelle Staffel – und vielleicht ist es die wirklich Letzte in dieser Form. Aber klar ist auch: An mir hat es wirklich nicht gelegen. Coronakrise und Homeoffice sei Dank: So konnte ich jede Folge sehen. Die wenigsten davon “live” auf Sat.1, die allermeisten beim Streamingdienst Joyn.
Aber die Zuschauerzahlen waren alles in allem nicht gut. Sie waren immerhin aber nicht im freien Fall, die stabilisierten sich irgendwann zwischen 800.000 und 900.000 Zuschauer, zumindest in der linearen Sat.1-Ausstrahlung. Aber auch das allgemeine Echo war erstaunlich schlecht.

Dass “Big Brother” nicht funktioniert hat, lag vielleicht an einem Punkt, der überraschend ist: Sie war zu normal. Sat.1 hat sich einen Cast zusammengesucht, der erfreulich bodenständig war. Die allermeisten hatten einen ziemlich normalen Beruf oder sie studierten. Eines waren sie allerdings nicht: klickgeile Influencer. Natürlich träumten einige von einer Karriere, aber das stand nicht im Vordergrund.
Natürlich gab es hin und wieder Zoff, manchmal krachte es gewaltig. Aber die Nominierungen und Televotings schmissen nach und nach die nervigen Kandidaten raus. Die maulige Österreicherin, die für Streits sorgte und alle nervte, war irgendwann rausgewählt.

Ganz am Ende waren ausschließlich die großen Sympathieträger im Haus. Ein Paar hat sich gefunden. Ansonsten verbrachten die Leute die Zeit damit, die Spiele zu spielen, die man ihnen antrug. Sie unterhielten sich, neckten sich, manchmal rumorte es leicht.
Wer in der Schlussphase zufällig reinschaltete, wird nicht dran geblieben sein. Fremdzuschauern erschien das Geschehen im Haus als extrem langweilig. Bei Stammzuschauern spielte das keine Rolle. Die täglichen 45 Minuten waren für sie eine gute Zeit, um mal zu schauen, wie es den Leuten, die man mehr und mehr mochte, denn nun geht.

Die Coronakrise sorgte dafür, dass sie im Haus das sicherste Leben in ganz Deutschland hatten, und der Moment, wo ihnen die Nachrichten von der Krise überbracht worden sind und alle schockiert waren, ging nah. Aber sie konnten ihren Alltag weiterleben.

Man könnte sagen: Sat.1 hat Pech gehabt. Pech, weil die Leute im Haus – der harte Kern – sich einfach nicht hassen wollte. Dass selbst die etwas aufbrausenden Charaktere ganz tolle Seiten an sich hatten, hat man sich beim Sender vielleicht anders gedacht. Leute, von denen man sich Konflikte und Zickereien erwartete, hatten sich plötzlich lieb. Und die, die ihre Klischees erfüllten, waren bald nicht mehr da. Selbst die Bewertungen der Zuschauer, die auch mal in den Keller gingen und die den Bewohnern immer wieder mitgeteilt worden sind, hatten nicht den Angst- oder Zoffeffekt. Was genau genommen aber sehr für die Leute im Haus spricht.
Man könnte aber auch sagen: Gut gemacht, Sat.1. Denn man widerstand der Versuchung, lauter grelle Menschen ins Haus zu schicken. Man verzichtete auf echte Prolls oder Püppchen. Das langweilte vermutlich viele, aber ich habe es fast schon genossen. Es erinnerte an die ersten Staffeln.

Mit Cedric gewinnt am Ende jemand, der es wirklich verdient hat. Ja, er kämpfte im Haus 100 Tage lang. Mit sich, mit den anderen. Er stritt sich, er fühlte sich ungerecht behandelt und sprach das an. Er war emotional, im schlechten und guten Sinn. Und er konnte selbst recht gut reflektieren, was er eventuell falsch gemacht hat. Und immer und immer wieder wurde er nominiert, und immer und immer wieder hat er die im Zuschauervoting überstanden. Er biss sich durch. Er fand zwar, wie er sagte, am Ende nicht die eine Bezugsperson im Haus. Aber dennoch hatten ihn die letzten fünf im Haus auch gern – und andersrum. Mal sehen, ob er was aus dem Gewinn machen kann.

Ich hätte nichts dagegen, wenn “Big Brother” weiter geht. Aber das grundsätzliche Interesse an dem Format ist zu gering. Die Leute wollen Zuspitzungen, sie wollen Skandale, sie wollen so was wie “Promis unter Palmen”. Das haben sie bei “Big Brother” selten bekommen. Ich konnte gut auf Zuspitzungen verzichten, und deshalb sehe ich auf diese Staffel mit gutem Gefühl zurück.

-> Das Finale bei Joyn

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