Tagesarchiv für 17. Mai 2020

RTZapper

Eurovision Song Contest 2020 – Das deutsche Finale

Sonntag, den 17. Mai 2020
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SA 16.05.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Litauen gewinnt den Eurovision Song Contest 2020. Nicht.
Also, eigentlich doch. Aber eigentlich auch nicht richtig. Sondern nur in Deutschland.

Normalerweise meldet sich Barbara Schöneberger am ESC-Abend live von der Hamburger Reeperbahn für den Countdown zur eigentlichen Show. Doch der Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam findet wegen des Coronavirus nicht statt.
Es hat nach der Absage ein bisschen gedauert, aber dann rückte der NDR mit dem Konzept für eine Ersatzshow raus. Und so lud Barbara Schöneberger trotzdem ein – in die leere Elbphilharmonie zum deutschen Finale der Herzen.

Am Sonnabend davor gab es auf one das Halbfinale, dort sind aus den 40 Songs – Deutschland selbst blieb außen vor – zehn gewählt worden, die es ins deutsche Finale geschafft haben.
Somit wehte dann doch noch ein ordentlicher Hauch ESC in Deutschland – und in diesem Fall das Original. Währenddessen veranstaltete ProSieben gleichzeitig den von Stefan Raab ins Leben gerufene “Free European Song Contest”, aber den ließ man weitgehend links liegen.
Immerhin hat der NDR es geschafft, von den zehn Finalisten drei in die Elbphilharmonie zu holen. Die Isländer waren da, ebenso die Litauer und die Dänen. Wobei die Isländer mit ihrem Song “Think about Things” überraschten – war sie doch ganz anders, langsamer als die eigentliche Version. Womit sie sich vermutlich auch einige Punkte verscherzten.

Eine Fachjury und das Publikum vergaben dann die Punkte – allerdings erst nach fünf (!) Schnelldurchläufen, angeblich weil die Ergebnisse so eng waren. Zwischendurch lief noch die “Tagesschau”, die aber die Stimmung ziemlich ruinierten und einfach nur ein an der Stelle unnötiger Fremdkörper war.
Die Fachjury vergab die zwölf Punkte an Island – und man kann davon ausgehen, dass die Jury gar nicht den Live-Auftritt bewertet hat, sondern den Vorab-Clip, der sehr viel mehr Wumms hatte und viel cooler war. Darüber könnte man sich aufregen, aber es war ja am Ende immer noch nur ein Wettbewerb der Herzen.

Auch Ben Dolic konnte endlich zeigen, wie denn sein Live-Auftritt beim Eurovision Song Contest 2020 ausgesehen hätte – und lieferte damit die größte Enttäuschung dieses Abends. Sein Song “Violent Thing” ist zwar immer noch gut hörbar. Aber seine Performance war mehr als mau. Dolic hat kaum Körperspannung, seine Bewegungen wirkten sehr einstudiert und statisch, seine Stimme relativ dünn. Damit wäre Deutschland sicherlich nicht in den Top 10 gelandet. Aber vielleicht hat er sich auch nur nicht wirklich Mühe gegeben. Allerdings hat sich Ben Dolic damit nicht für den ESC 2021 empfohlen.

Es war sicherlich nicht ein gleichwertiger Ersatz für die große ESC-Show. Aber es war dennoch schön, dass in der Live-Show aus Hamburg einige Stars des 2020er-Jahrgangs aufgetreten sind. Und ein Hoch auf Barbara Schöneberger, die mit Witz, Selbstironie und großer Souveränität durch den Abend geführt hat. Es gibt wohl kaum eine bessere Entertainerin in Deutschland.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 16. Juni 2020)

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KeineWochenShow

#176 – Schweden ist anders

Sonntag, den 17. Mai 2020
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In den Zeiten der Coronakrise schauen besonders viele Menschen nach Schweden. Dort ist vieles anders als in den meisten Ländern. Die Schulen sind nicht geschlossen – zumindest die Jüngeren gehen weiter hin. Kein Maskenzwang, Veranstaltungen oder Ansammlungen bis 50 Leute sind erlaubt. Gaststätten waren nicht geschlossen. Aber: Abstand halten gilt auch dort, vieles ist freiwillig, aber die Schweden hären auch auf den Rat der Experten.
Wir lassen uns das genauer erklären. Im Interview erzählt Marcus Berndt, wie das Leben in Schweden momentan verläuft. Der Oranienburger lebt seit 13 Jahren in Schweden, in Mora, so ziemlich in der Mitte des Landes.

Wir reden aber auch über die FDP, die gerade nicht gut auf einen gewissen Herrn Kemmerich zu sprechen ist. Es geht um die Kinos, Discos und Bars, um Schulen und die Bundesliga. Und um Autokinos, auch in Nauen öffnet bald eins. In Zehdenick gab es einen Gewalt-Zwischenfall, bei dem auch Corona eine Rolle spielte.

Eine Rolle spielt aber auch der nicht stattfindende Eurovision Song Contest 2020, eine Straßensperrung zwischen Ost und West und noch vieles mehr – in KeineWochenShow #176 auf Youtube.

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RTZapper

Fußball: Bundesliga – Samstags-Konferenz

Sonntag, den 17. Mai 2020
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SA 16.05.2020 | 15.15 Uhr | Sky Sport News

Stell dir vor, Borussia Dortmund schießt in der Bundesliga ein Tor, und keiner jubelt. Und wenn du dir das nicht vorstellen kannst, dann schalte doch einfach die Bundesliga-Konferenz auf Sky ein.
Am Sonnabend rollte nach zwei Monaten wieder der Ball. Die Coronakrise hat auch den Fußball wochenlang in Deutschland ausgebremst. Dass es jetzt wieder los geht, dass die Saison nicht einfach abgebrochen wird wie in anderen Sportarten, das stößt keineswegs auf ungeteilte Gegenliebe.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind groß. Die Stadien bleiben leer. Die Bundesliga geht nur noch mit Geisterspielen. Bis zu 300 Leute dürfen überhaupt nur rein. Die Spieler kommen alle alleine, nicht im Mannschaftsbus. Sie werden immer wieder auf das Coronavirus getestet. In den Katakomben müssen sie Abstand halten, bedauerlicherweise sogar unter der Dusche. Torjubel ist erlaubt, umarmen und abklatschen nicht.
Da zuckt man als Zuschauer schon zusammen, wenn da plötzlich Zweikämpfe auf dem Platz zu sehen sind, wenn an den Trikots gezerrt wird – Körperkontakt ist nur während des Spiels auf dem Platz erlaubt.
Logisch ist es nicht wirklich.

Weil ja die Zuschauer vor Ort nicht dabei sein dürfen, werden die Fußball-Konferenzen der ersten beiden Spieltage live im Free-TV übertragen. Sie sind auf Sky Sport News zu sehen, der Sender wird vermutlich einen Quotenrekord erleben.

Aber es blieb am Sonnabendnachmittag bei der Sky-Konferenz sehr ruhig. Keine Gesänge, kein Jubel, kein Geschrei, keine Hassgesänge. Nur das Trampeln, das Keuchen, die Rufe der Spieler, man hörte leise die kleinen Diskussionen, die Schiedsrichter-Pfiffe. Eigentlich war man sogar näher dran, selbst wenn alles ein bisschen wie Trainingsspiele wirkte. Aber daran wird man sich als Zuschauer vermutlich gewöhnen.
Wer die Bundesliga-Schlusskonferenz im ARD-Radio, zum Beispiel bei radioeins, gehört hat, wird festgestellt haben, dass die Stadion-Atmosphäre dort seltsamerweise viel weniger gefehlt hat. Ein bisschen Hintergrundrauschen war dort auch zu hören, und man hat die Reporter gut gehört.

Viel spannender ist die Frage, ob die Bundesliga bis Ende Juni wirklich reibungslos verläuft. Mit Dynamo Dresden ist bereits eine Mannschaft der 2. Liga vorübergehend in einer Coronapause. Was ist, wenn es in den Team weitere Fälle gibt und ganze Mannschaften deshalb ausfallen?

Dass die Bundesliga überhaupt weitergeht, ist umstritten. Hobbyfußballer haben schließlich auch Pause. Andererseits ist die Bundesliga auch Teil der deutschen Wirtschaft, die Spieler sind Profis, und es hängen zehntausende Arbeitsplätze dran, und überhaupt sind die 36 Vereine mehr als nur die Profis, es hängt ja viel mehr dran. Und wenn man sich darüber aufregt, dass die Wirtschaft den Bach runter geht, kann man sich eigentlich nicht darüber beschweren, dass beim Profifußball der Verfall verhindert werden soll. Das Argument, dass der Fußball sich von seinen Fans entfernt habe, weil diese Geisterspiele nicht für die Fans, sondern aus wirtschaftlichen Gründen stattfinden, kann man anbringen. Aber es ist auch ein bisschen unfair, denn kann man es diesen Vereinen verübeln, dass sie weiterleben wollen? Und dass das scheinbar nur dadurch geht, dass die Bundesliga weitergeht?

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