Tagesarchiv für 13. Mai 2020

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Anne with an E

Mittwoch, den 13. Mai 2020
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DI 12.05.2020 | Netflix

Es war 1988, da startete im Nachmittagsprogramm von Sat.1 die japanische Zeichentrickserie “Anne mit den roten Haaren”. Es geht um ein Mädchen, das sich Ende des 19. Jahrhunderts in vielerei Hinsicht durchsetzen muss. Und weil es damals am Nachmittag nichts anderes als Sat.1 gab – die anderen hatten noch eine mittägliche Sendepause – war die Serie bei den Kindern damals sehr bekannt und beliebt.
Der Stoff über Anne auf Green Gables ist schon mehrfach verfilmt worden. Auf Netflix gibt es die Geschichte in drei Staffeln mit 27 Folgen: “Anne with an E”.

Die Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert haben eigentlich für ihren Hof eine neue männliche, junge Arbeitskraft erwartet. Aber dann ist es Anne, die auf ihrem Gehöft auf der kanadischen Prince-Edward-Insel, ankommt. Das 11-jährige Waisenmädchen ist auf “Green Gables” nicht wirklich erwünscht.
Aber Anne setzt sich durch. Sie bringt frischen Wind in den Ort. Sie kämpft für ihre Rechte, für Frauenrechte und überhaupt gegen viele Ungerechtigkeiten. 1896 gibt es in der Hinsicht auch noch viel zu tun.

Das macht die Serie auch so sehens- und liebenswert. Zwar ist es tatsächlich so, dass Anne, gespielt von Amybeth McNulty, gerade am Anfang ein bisschen nervt. Sie redet ohne Punkt und Komma und wirkt anstrengend weinerlich. Da braucht es einen gewissen Gewöhnungseffekt.
Dabei hat die Serie einiges zu bieten: Denn Anne entwickelt sich zur Streiterin für sich selbst und ihre Lieben. Sie will Gerechtigkeit, und die will ihr aber nicht jeder zugestehen. Weil die Gesellschaft Menschen ausgrenzt. Das will sie nicht hinnehmen. Ihr bei diesem Kampf zuzusehen, macht Spaß und ist spannend.
Staffel 3 fällt im Niveau leider ein bisschen ab. Beliebte Figuren verschwinden, fast hat man den Eindruck, den Autoren ist dazu nicht mehr viel eingefallen. Es kommt Geschichten dazu, die seltsam fremd wirken und am Ende für die Serie auch nicht wirklich wichtig erscheinen.
Nach jetzigem Stand ist Staffel 3 auch die Letzte, auch wenn Fans um eine Fortsetzung kämpfen. Aber wenn wir mal ehrlich sind: Das Ende der 3. Staffel ist auch ein annehmbares Serienende. Und da sich andeutet, dass alle Jugendlichen am Ende den Ort verlassen, müsste eine Staffel 4 eh ganz anders aussehen. Und will man das?

-> Die Serie bei Netflix

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Bela B. Felsenheimer: Scharnow

Mittwoch, den 13. Mai 2020

Bela B. Felsenheimer hat seinem Roman “Scharnow” ein mehrseitiges Personenregister vorangestellt. Eigentlich kein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass der Autor meint, es nicht zu schaffen, dem Leser seine Figuren auch so nahe kommen zu lassen.
Der Autor, eigentlich viel mehr durch seine Band “Die Ärzte” bekannt, hat zum ersten Mal einen Roman vorgelegt. “Scharnow” heißt er, benannt nach einem Ort nördlich von Berlin, den es aber nicht gibt. Und eigentlich spielt das alles auch keine echte Rolle. Aber so egal wie dieser Fakt ist, so egal ist am Ende auch leider das ganze Buch.

Scharnow ist ein Dorf, in dem nichts passiert. Könnte man denken. Denn eigentlich geht da die Post ab. Der Leser lernt den Pakt kennen, eine Gruppe von Junggesellen. Sie saufen, futtern und schauen Splatterfilme. Und ihnen scheint langweilig zu sein. Sie überfallen, weil sie nichts mehr zu Essen haben, nackt den Supermarkt. Es kommt zu einem Polizeieinsatz, und Verschwörungstheoretiker, die der Meinung sind, dass es eine geheime Weltmacht gibt, spielen auch eine Rolle…

Am Ende weiß man nicht genau, was man davon eigentlich halten soll. Denn der Roman erzählt nicht wirklich eine Geschichte vom Brandenburger Dorfe. Eigentlich ist unklar, was er überhaupt erzählen will. Denn während die erste Hälfte des Romans ganz lustig und kurzweilig ist, kommen plötzlich irgendwelche außerirdischen Möchte ins Spiel. Überhaupt ist die zweite Hälfte merkwürdig langweilig geraten, es gibt einen ganz kräftigen Niveauabfall, als ob Bela B. da irgendwie die Luft ausgegangen ist.
Zwar hat er eine Menge skurriler Figuren geschaffen, aber am Ende wirkt es, dass sie einfach nur skurril sind, um skurril zu sein. Enttäuschend flach.
Unangenehm beim Hardcover-Buch ist übrigens die dick auf den Seiten aufgetragene Farbe, so dass die Buchseiten zugeklappt schwarz sind – allerdings kleben sie auch leicht zusammen, was beim Blättern unangenehm ist.

Bela B. Felsenheimer: Scharnow
Heyne Hardcore, 415 Seiten
4/10

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