World Wide Wohnzimmer: Das ESC-Halbfinale 2020

SA 09.05.2020 | 20.15 Uhr | one

Bei one haben sie am Sonnabend etwas ganz Neues ausprobiert: den Eurovision Song Contest live aus der Mülltonne. Fast vier Stunden lang ist es nicht gelungen, ein großes Tonproblem zu beheben. Das muss man auch erst mal schaffen.

Der Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam fällt aus. Coronavirus sei Dank. Immerhin hat sich die ARD, die in Deutschland das Event ausstrahlt, nun doch noch ein paar Ersatzshows einfallen lassen.
Am Sonnabendabend gab es so was wie das ESC-Halbfinale 2020. Dafür zeigte man eine Sonderausgabe der Funk-Show „World Wide Wohnzimmer“. Normalerweise begrüßen die Zwillinge Dennis und Benjamin Wolter in ihrer Show Gäste und machen Gags. Diesmal stellen sie alle 41 Songs des 2020er-ESC-Jahrgangs vor. Mit ihrem Gast Torge Oelrich und dem zugeschalteten Peter Urban besprachen sie die Songs.
Offenbar sollten sich so zwei Zielgruppen befruchten. Einerseits sollte die junge „World Wide Wohnzimmer“-Zielgruppe an den Eurovision Song Contest herangeführt werden. Und andererseits die ESC-Fans an das Funk-Projekt, das normalerweise nur im Internet zu sehen ist.
Kann man machen, hat aber nicht so richtig funktioniert.

Die Wolter-Zwillinge schienen an vielen Stellen eher schlecht vorbereitet, womit man natürlich den ESC-Fans keinen großen Gefallen tut. Mitunter ein bisschen gelangweilt sagten sie die 41 Songs an (nur 40 waren im Voting, Deutschland lief außer Konkurrenz), ihr Gast schien so, als habe er mehr Ahnung als die beiden Moderatoren. Im Laufe des Abends machten sie den Eindruck, als hofften sie, dass es bald vorbei sei.
Die oft eher uninspirierten Moderationen, öfter mal krampfhaft von Karten abgelesen, empfehlten sich nicht für einen weiteren größeren Fernseheinsatz. Die letzte Ansage am Showende zum folgenden Programm wurde nur noch gelangweilt abgelesen.

Die größte Katastrophe für eine Musiksendung ist jedoch, wenn die Musik an technischen Problemen leidet. Während die Studiogespräche tonlich einwandfrei waren, muss es bei den Einspielern ein grundsätzliches Problem gegeben haben. Alle Songs hallen dumpf und hallig, wie eine Live-Übertragung aus der Mülltonne.
Seitens des Senders one hieß es irgendwann auf Facebook und Twitter, man kümmere sich um das Problem. Aber auch nach Mitternacht ist man dem Problem offenbar nicht auf den Grund gekommen.
Es klang, als würde man in einem Raum stehen, in dem laute Musik läuft. In der Senderegie muss da irgendwo der Fehler gelegen haben.
Ein Musikgenuss kam da nicht auf, und der Unmut der Zuschauer prasselte vollkommen zurecht auf das Team und one ein.

Sicherlich ist es schön, dass man sich dieses Ersatzprogramm überlegt hat. Aber in den Tagen davor gab es auf Facebook und Youtube vier „Songcheck“-Sendungen mit guten Moderatoren, tollen Einspielern und guten Songkritiken. Diese Sendungen wurden bei one in diesem Jahr aus dem Programm genommen. Dabei waren sie um viele Längen besser als das Special vom „World Wide Wohnzimmer“.
Dennoch sollte man 2021 auch auf diese zusätzliche Schiene setzen, um auch die Jugend auf den ESC und die Songs aufmerksam zu machen. Man hat ja nun ein paar Monate Zeit, sich auch dafür ein Konzept zu überlegen.

Von den 40 Songs haben es übrigens zehn ins Finale geschafft, das am 16. Mai um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen sein wird. Natürlich ist auch dieses Finale nur inoffiziell – aber es haben wirklich zehn gute Songs geschafft. Mal sehen, was Barbara Schöneberger dann draus macht.

-> Die Sendung auf Youtube


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