Monatsarchiv für Mai 2020

KeineWochenShow

#178 – E wie Erst mal kein Umweltschutz

Sonntag, den 31. Mai 2020
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Folge #168 von KeineWochenShow war die erste, die wir wegen des Coronavirus unterm Carport und mit frischer Luft aufgezeichnet haben. Nun sind wir schon bei Ausgabe #178.
Covid-19 wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen, aber ab dieser Woche verzichten wir auf die Statistik, die wir nun seit fast drei Monaten immer am Anfang der Sendung hatten. Das Virus selbst bleibt natürlich ein Thema.

Wir sprechen über das aktuelle Regel-Wirrwarr und darüber, ob in Sachen Umwelt danach alles besser werden wird. Vermutlich nicht. Warum gibt es Flüge von Düsseldorf nach Frankfurt/Main? Und wann gibt es wieder Kreuzfahrten? Und ist Fußball ohne Zuschauer wirklich so öde?
Im Interview ist diesmal Tino Herrig. Mit seinen Söhnen spielte er jeden Sonntag vor der Friedrichsthaler Kirche ein paar Lieder. Letzten Sonntag zum vorerst letzten Mal, und im Gespräch berichtet er, wie es dazu kam.

Wir sprechen außerdem über einen Tempel in Sommerswalde, einen Aufkleberskandal in Oranienburg und einiges mehr. In KeineWochenShow #178 auf Youtube.

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RTelenovela

Konzerte in Zeiten des Coronavirus

Sonntag, den 31. Mai 2020
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Dass ich den Besuch eines Autokino-Konzertes grundsätzlich etwas albern finde, erwähnte ich ja schon. Es macht mir, wahrscheinlich hat das auch was mit dem Alter zu tun, auch immer weniger Spaß, zu normalen Konzerten zu gehen. Vor allem, wenn man ewig rumstehen muss, eh überhaupt was passiert. Ich bin ja dann eher derjenige, der Sitzplatzkarten kauft und frühestens zum angegeben Beginn-Zeitpunkt erscheint. Wenn nicht gar später, weil mich Vorbands nicht interessieren. Aber ich kann auch mit Menschenmassen nicht mehr allzu viel anfangen, und eigentlich ist es ja auch ganz schön, wenn man seine Lieblingsmusik einfach zu Hause lauter aufdreht und dazu tanzt.

Aber Konzerte sind ja momentan nicht möglich. Coronavirus und so. Aber die Musiker wollen ja trotzdem auftreten, und deshalb ist man auf die Idee gekommen, Auto-Konzerte zu geben. In Autokinos oder auf größeren Parkplätzen werden Bühne und Leinwand aufgebaut. Der Musiker oder die Band stehen vorne, die Zuschauer sitzen in ihren Autos. Den Konzertton bekommen sie aus dem Autoradio. Und Hupen ist Applaus.
Nun ja. Das muss man mögen. Man sitzt also im Auto, und irgendwo da vorne ist die Bühne, wo jetzt singt und spielt, auf einer Leinwand sitzt man vielleicht noch mehr, und der Ton kommt aus dem Radio.
Da kann man sich eigentlich auch eine CD einlegen.

Aber einmal kann man das ja trotzdem mal miterleben. Dachte ich. Also schaute ich mal, wer so in nächster Zeit im Autokino Berlin in Schönefeld auftritt. Nico Santos tritt da demnächst auf.
Was kann so was kosten? Nico Santos aus dem Autoradio singen hören, während er selbst irgendwo dahinten steht, wir ihn aber nicht so richtig live hören?
Das Ergebnis fand ich, nun ja, atemberaubend. Das Ticket für ein Auto mit zwei Personen kostet 102,77 Euro. Für drei Personen 119,25 Euro. Wobei die dritte Person dann ja hinten sitzt und noch weniger sieht.
Also über 50 Euro pro Person, wenn man zu zweit hinfährt. Für ein Konzert… nun ja, siehe oben.
Nein. Ganz sicher nicht. Für das Geld habe ich eine bessere Verwendung.

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RTZapper

MaPa

Sonntag, den 31. Mai 2020
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FR 29.05.2020 | Joyn

Das Leben ändert sich vom einen Tag zum anderen radikal. Metin Müller ist allein mit seiner noch nicht mal ein Jahr alten Tochter Lene. Seine Freundin Emma lag eines Morgens tot im Bett. Weg, einfach so.
Metin ist überfordert. Mit dem Baby. Mit der Trauer. Und mit seiner Mutter, die ihn einfach nicht allein lassen will. Lene hält ihn auf Trab, aber immer wieder überfällt ihn die unendliche Trauer darüber, dass seine Freundin nicht mehr ist.
Für Lene ist Metin nun MaPa, Mama und Papa.

“Mapa” heißt die sechsteilige Serie, die beim Streamingdienst Joyn verfügbar ist und die gemeinsam mit dem rbb produziert worden ist. Sie handelt einerseits von der Trauer, von der unfassbare Überforderung, die so ein schreckliches Ereignis mit sich bringt. Aber es geht auch um die skurrilen Momente, die Metin erlebt. Wenn Menschen, die ihm begegnen, in traurig-lustige Fettnäpfchen treten.
“Mapa” ist eine Sadcom, oder auch Sad Comedy, traurige Comedy. Diese Balnace aus Traurigkeit und Komödie gelingt dieser Serie sehr gut. Muss man sich gerade die Tränen wegdrücken, kommt auch gleich ein Schmunzeln oder ein leiser Lacher. Die Serie erzählt aber auch von der Verarbeitung von Trauer, die Zuschauer tauchen ein in die letzten Wochen des Paares, die Liebe und die Zweifel, weil nicht immer alles so gut lief, wie sie es sich vielleicht vormachten.
Max Mauff spielt Metin Müller, in dieser Hauptrolle glänzt der Schauspieler. Es ist nicht seine erste Hauptrolle, aber seine Performance in dieser Serie kann sich wirklich sehen lassen. Wenn er mit großen, aber traurigen Augen das Baby wickelt, dann kann man sehr gut nachfühlen, was da in seinem Inneren passiert.

Nach sechs Folgen würde sich eine 2. Staffel sicherlich anbieten, wobei natürlich grundsätzlich die Geschichte von der Trauer irgendwann auserzählt ist. Es sei denn, man möchte Metin und Lene auch beim weiteren Erleben begleiten.

-> Die Serie bei Joyn

Hits: 115

RT im Kino

Einsam Zweisam

Samstag, den 30. Mai 2020

Klingt ein bisschen wie der Film zur Coronakrise.
Rémy (Francois Civil) und Mélanie (Ana Girardot) kennen sich nicht. Aber sie verbindet dennoch einiges. Beide sind um um die 30, sie leben beide im selben Pariser Stadtbezirk. Und sie sind beide Singles. Und nicht ganz so gut drauf. Wegen der Gesamtsituation.
Mélanie hat immer mal wieder Dates – die sie absagt. Rémy hätte gern Dates, bekommt aber nicht so richtig welche zustande. Ihn macht das fertig, es schlägt auf seine Psyche, er muss sich sogar behandeln lassen. EWas aber zunächst nichts nutzt.

Zwei Hauptperson und eine Frage: Werden sich die beiden mal treffen? Zumindest ist das die Frage, wenn man das Filmplakat sieht, auf dem die beiden ja drauf sind. Schaut man sich den Film davon losgelöst an, dann gibt es ein Problem: Es ist egal. Dieser ganze Film ist so ziemlich egal.
Depressiv schleppt sich “Einsam Zweisam” dahin, und “Zweisam” kann in diesem Film nicht wirklich gelten, denn selbst der Zuschauer ist in seiner Gelangweiltheit ziemlich einsam.
In diesem Sinne könnte man sagen, dass es tatsächlich – ungewollt, denn er entstand ja schon 2019 – der Kommentar zur Coronakrise ist, wo wir alle besser alleine bleiben. Nur will man ihnen dabei nicht wirklich zusehen.

-> Trailer auf Youtube

Einsam Zweisam
Frankreich 2019, Regie: Cédric Klapisch
Studiocanal, 110 Minuten, ab 6
2/10

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RTZapper

Augstein und Blome

Samstag, den 30. Mai 2020
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FR 29.05.2020 | 17.05 Uhr | phoenix

Wenn wir etwas in unserer Gesellschaft immer weniger können, das ist es das Streiten. Das Austauschen von Meinungen, ohne sich am Ende gleich abgrundtief zu hassen und sich für immer aus dem Weg zu gehen.

Ob sich Jakob Augstein und Nikolaus Blome privat hassen, ist nicht klar. Jeden Freitag zoffen sie sich 10 bis 15 Minuten lang in ihrer Sendung “Augstein und Blome” bei phoenix.
Es ist eine spannende Zusammensetzung. Jakob Augstein kommt eher aus dem linken Journalistenspektrum. Nikolaus Blome ist aus der konservativen, eher rechten Ecke (rechts im Sinne von: nicht links oder Mitte, “rechts” ist ja heutzutage fälschlicherweise schon ein Schimpfwort). Jede Woche kommen sie für ein paar Minuten zusammen, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Ein Schlagabtausch.

Das machen sie auf eine interessante Weise, denn sie gehen nicht immer zimperlich miteinander um. Diese Woche ging es um “Wissenschaft und Politik – Was erlauben Drosten?”.
Augstein argumentierte, ob es gut sei, wissenschaftliches Halbwissen in die Öffentlichkeit zu pusten. Blome merkte hingegen an, es gebe eine zwangpolitisierte Wissenschaft.
Corona ist momentan natürlich ein Dauerthema, der eine will wissen, warum die Menschen derart eingeschränkt werden, der andere hat Verständnis.

Da fallen manchmal harte Worte. Andererseits machen die beiden das seit 2011. So richtig hassen kann man sich da eigentlich nicht, wenn man Woche für Woche auf diese Weise zusammenkommt.
Dass diese Sendung auch wieder nur in der Nische im Spartensender läuft, ist schade. Auch sie hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, zum Beispiel an einem Tag nach den “Tagesthemen”.

-> Die Sendung auf Youtube

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RTelenovela

Viele Menschen in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 29. Mai 2020
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Es ist schon seltsam. Normalerweise ist der Anblick von Menschenansammlungen ja vollkommen unspektakulär. Aber wir leben seit drei Monaten in einer Sondersituation, und dazu gehört: Abstand halten. Dazu gehörte auch wochenlang, dass man quasi niemand anderen treffen durfte. Und daran hat man sich irgendwie gewöhnt.
Dazu führt schon dazu, dass man sich Serien und Filmen aus der Zeit vor dem Coronavirus anschaut, und immer wieder zuckt man innerlich zusammen, enn man sieht, wie sich zwei Leute umarmen oder sich die Hand geben. Sofort denkt man: Dürfen die das?

Am Donnerstag bin ich mit dem Auto durch Oranienburg gefahren. An der kleinen Kneipe in der Innenstadt saßen draußen an den Tischen ziemlich viele Leute. Die Tische hatten sicherlich genug Abstand, aber viele der Tische waren mit vier Leuten und mehr besetzt. Früher wäre das normal gewesen, heute sieht man das mit gemischten Gefühlen – vermutlich grundlos.
Ein paar Hundert Meter weiter, beim Italiener, saßen draußen ebenfalls viele Leute an den Tischen. Und wieder dieser Gedanke. Wir werden uns daran auch wieder gewöhnen. Aber es ist doch bemerkenswert, dass wir uns daran erst wieder gewöhnen müssen.

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aRTikel

Coronavirus in Schweden: Vom Leben mit dem Sonderweg

Mittwoch, den 27. Mai 2020
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Der Oranienburger Marcus Berndt (40) lebt in der Kleinstadt Mora in der Mitte des skandinavischen Landes – mit gemischten Gefühlen sieht er die jetzige Lage

Oranienburg.
In Zeiten der Coronakrise blicken viele Menschen nach Schweden. Dort gab es sei Mitte März sehr viel weniger Einschränkungen im öffentlichen Leben als in Deutschland. Einer, der das alles hautnah miterlebt, ist Marcus Berndt. Der 40-Jährige ist in Oranienburg groß geworden, er hat am Louise-Henriette-Gymnasium sein Abitur gemacht. Seit fast 13 Jahren lebt er in Mora, das ist eine kleine Stadt in der Mitte von Schweden. Er arbeitet dort für eine Agentur, die unter anderem Sportevents durchführt.

Dass Schweden einen anderen Weg gehe als die meisten anderen Länder, sei dort aber auch nicht unumstritten. Deshalb sei seine Stimmung auch gespalten, er verfolge ja auch deutsche Medien und sehe die Unterschiede. „Im Alltagsleben sind die Sachen nicht so super unterschiedlich“, erzählt er. „Drumherum ist das Regelwerk vielleicht ein bisschen anders.“ In Deutschland gebe es mehr Verbote, bei ihm in Schweden gebe es mehr Gebote und „starke Empfehlungen“. Es sei auch ein größerer Unterschied, ob man in der Großstadt wie Stockholm sei oder bei ihm in der eher ländlichen Gegend. Social Distancing sei dort schon an sich möglich. Aber es sei schon ein Unterschied gewesen, wenn er mit Freunden in Deutschland gesprochen habe, die zu Hause gewesen seien und wo die Kinder nicht in der Schule waren. „Hier in Schweden gehen wir in Schwimmhallen, zu Kindergeburtstagen, in die Schule, zur Arbeit, alles wie gehabt. Das fühlt sich schon ein bisschen komisch an, das richtig zu verstehen.“ Man dachte zum Anfang, dass Corona vielleicht nicht so gefährlich sei. Das passe aber gar nicht zu den Statistiken, so Marcus Berndt weiter. Es sei aber schwierig zu vermitteln, wenn viele Dinge des täglichen Lebens einfach so weitergehen können.
Man höre andererseits Todeszahlen, man höre, dass Altenheime vom Virus befallen seien, man höre verschiedenste Nachrichten. „Und alle pochen darauf, dass man seine Vernunft zurate zieht. „Aber das Leben im Allgemeinen ging relativ unverändert weiter.“

Es sei aber auch so, dass die Arbeitgeber deutlich dazu geraten haben, dass man zu Hause arbeiten könne, das sei mit den technischen Voraussetzungen einfach gewesen. Die Sportaktivitäten der Kinder seien jedoch eingestellt worden, gerade die Sportarten in den Hallen. Für die älteren Kinder habe eine längere Schulpause gegolten, die jüngeren seien aber weiter zur Schule gegangen. „Die schwedischen Behörden haben ganz deutlich das Ziel gehabt, dass die sagen: Leute, die nicht krank sind oder nicht zur Risikogruppe gehören, die sollen verhältnismäßig normal arbeiten können.“
Er selbst habe zu Hause gearbeitet. Er sei auf Kurzarbeit. Er arbeitet auf 60 Prozent, bei 94 Prozent Gehalt. Kündigungen habe es nicht gegeben. Man habe sich schon eingeschränkt, viel weniger Freunde getroffen, man treffe sich mehr draußen zum Spaziergang. Man sollte momentan nicht reisen. „Aber vieles sind Empfehlungen, und mein Gefühl ist, dass sich praktisch alle daran halten.“ Die Älteren bleiben zu Hause, viele kaufen für Ältere ein. „Machen wir auch.“

Anfangs sei man auch in Schweden unsicher gewesen. Man wusste nicht, ob man zu weich vorgehe, und es fange jetzt auch dort an, lascher zu werden. Es gebe aber Stimmen, die sagen, dass verschiedene Wirtschaftsbereiche stärker unterstützt werden müssten. Ihm selbst ist anfangs auch mulmig gewesen, er fand den Weg riskant, gerade in der Großstadt. Bis Dienstag gab es in Schweden knapp 35 000 bestätigte Infizierungen und mehr als 4100 Tote – im Vergleich zu Deutschland sind die auf die Einwohnerzahl sehr viel höher.

Wann Marcus Berndt mal wieder in Oranienburg sein wird, kann er noch nicht sagen. Er geht davon aus, dass es erst wieder im nächsten Jahr so weit sein wird.

Hits: 155