Monatsarchiv für April 2020

RT liest

Michael Wallner: Shalom Berlin

Montag, den 27. April 2020

Ein Artikel über die Schändung eines jüdischen Friedhofes in Berlin hat für die junge Journalistin Hanna Golden Folgen. Sie bekommt E-Mails, in der man ihr mit dem Tod droht. Sie benachrichtigt die Polizei.
Alain Liebermann übernimmt den Fall. Er gehört zum Mobilen Einsatzkommando, und er ist Spezialist für Terrorbekämpfung. Anfangs erscheint der Fall relativ harmlos, aber es passieren mehr und mehr grauenvolle Taten. Gibt es einen rechtsextremen Hintergrund? Und wo kann man da anknüpfen?
Als Hanna Golden von einem Bekannten in der Klinik missbraucht wird, gerät auch der Innenminister ins Visier der Ermittlungen. Denn Täter ist dessen Sohn, von dem offiziell keiner weiß, dass er sein Sohn ist – aber er wurde auch in anderen Fällen schon gedeckt.

Mit “Shalom Berlin” will der Autor Michael Wallner eine neue Krimireihe in Buchform etablieren. Band 2 ist bereits für Ende August 2020 angekündigt.
In der Tat ist seine Auftaktstory im Grundsatz sehr spannend. Denn sie hat eine politische und gesellschaftliche Dimension. Es geht um die extremen Ränder, aber auch um Kungeleien in der Politik.
Hinzu kommt die private Story um Alain Liebermann, der auch einen jüdischen Hintergrund hat. Interessant sind die Einblicke in seine Familie, die sich zum 95. Geburtstag der Familienältesten trifft. Auch geht es um Alains Liebesleben.
Ein bisschen verwirrend sind so manche zeitlichen Sprünge in der Geschichte, und leider ziemlich ärgerlich ist das eher blöde und plumpe Ende, das sich der Autor ausgedacht hat, die dieser ganzen Story überhaupt nicht gerecht wird. Schon allein das gibt einen Minuspunkt.
Auffälligkeit am Rande: Dass der Autor aus Österreich kommt, merkt man an seinem Schreibstil. Immer mal wieder verwendet er Wörter, die in Deutschland eher nicht verwendet werden – wie Spital oder Sektionschef. Da muss man gar nicht in die Biografie im Umschlag schauen.

Michael Wallner: Shalom Berlin
Piper, 287 Seiten
7/10

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KeineWochenShow

#173 – Eine Öffnungsdiskussionsorgie

Sonntag, den 26. April 2020
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Die sechste Corona-Spezialsendung. Wie besprechen das Regelwirrwarr, das inzwischen in den verschiedenen Bundesländern herrscht. Wer blickt da noch durch? Es geht um Merkel und die Öffnungsdiskussionsorgie. Um den Handball und den Fußball, die verschieden mit der Krise umgehen. Wie reden über das abgesagte Oktoberfest, den Berlin-Marathon und darüber wie es mit Kinos und Theater weitergeht. Und es geht darum, wie man in der Oranienburger Eisdiele Eis to go bestellt.

Abseits von Corona geht es um die Trockenheit, und wir nehmen Abschied von Norbert Blüm. Das und mehr in KeineWochenShow #173 auf Youtube.

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RTelenovela

Ohne Maske einkaufen in Zeiten des Coronavirus

Sonntag, den 26. April 2020
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Ich habe es am Sonnabendabend noch mal zelebriert: einkaufen ohne Maske. Ein Blick in meinen Kühlschrank sagte mir: Da ist noch mal ein Besuch im Supermarkt fällig. Ein paar Getränke, ein bisschen was zu essen, und auch was Süßes muss ja im Haus sein.

Dieser Sonnabend war der letzte Tag ohne Maskenpflicht im Einzelhandel. Und ich bin da durchaus zwiegespalten. Denn man kann sagen: An diesem Sonnabend nach 19 Uhr hätte ich nicht wirklich eine Maske gebraucht. Mein Stamm-Supermarkt in Oranienburg war nicht leer, aber auch lange nicht so voll, als dass es schwierig gewesen wäre, Abstände einzuhalten. Also alles sehr entspannt.

Aber es gibt durchaus lustige Momente. Man fühlt sich manchmal ein bisschen wie in einem Computerspiel. Wenn mir jemand in den Gängen entgegenkommt, dann checken wir beide, ob wir denn jetzt den Sicherheitsabstand einhalten können, und im genau demselben Moment weichen wir voreinander aus. So geht das immer wieder. Man beobachtet sich immer wieder gegenseitig.
Ein Pärchen stand vor dem Kühlregal mit den Wurstwaren. Ich stellte mich mit Abstand hin und wartete ab, denn die beiden unterhielten sich mehr, als dass sie schauten, was sie kauften könnten. Immerhin bemerkte der junge Mann, dass die beiden im Weg standen. Wir lächelten die Situation weg. Alles gut.

Und ab Montag dann wirklich nur mit Maske. Auch wenn es vielleicht wirklich sicherer ist, und auch wenn ich schon zwei Masken habe. Ein kleines bisschen wird es mich nerven. Ich bin nicht wirklich überzeugt, dass sie notwendig sind, wo sie doch die vergangenen sechs Wochen auch nicht notwendig waren. Aber ich kann es ja auch nicht ändern.

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ORA aktuell

Oranienburger Stadtverordnete stellen sich hinter Woba-Chef

Samstag, den 25. April 2020
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In einer nichtöffentlichen Sitzung der Oranienburger Stadtverordneten ging es am Freitagabend um eine Personalie. Nach Informationen der regionalen Medien ging es um eine mögliche Entlassung des Chefs der Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg (WOBA), Bernd Jarczewski. Der Aufsichtsrat der Oranienburg-Holding hatte zuvor für die Entlassung gestimmt, das Votum der Stadtverordneten war ebenfalls nötig.
Sie stimmten mehrheitlich gegen die Entlassung.
Ein möglicher Hintergrund, warum es zur Entlassung kommen sollte, ist offiziell öffentlich nicht bekannt.

Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) sagte danach in einer Presseerklärung: “Das Votum der Stadtverordnetenversammlung, das die demokratische Kontrolle über die Arbeit städtischen Gesellschaften ausübt, respektiere ich. Die Stadtverordneten sollten den aktuellen Vorgang jedoch zum Anlass nehmen, ihr Verhältnis und die Aufgabenverteilung mit dem Aufsichtsrat der Holding zu überdenken. Dass die Stadtverordneten dem Expertenvotum des von ihnen benannten Aufsichtsrates nicht folgen, sollte nicht zum Regelfall werden.“

Wegen der Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus fand die Sitzung in der MBS-Arena an der Turm-Erlebniscity statt.

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RTZapper

Der Deutsche Filmpreis 2020

Samstag, den 25. April 2020
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FR 24.04.2020 | 22.35 Uhr | Das Erste

Bitte, liebes deutsches Fernsehen! Gebt Edin Hasanovic eine Show! Lasst ihn irgendwas moderieren. Konzipiert ihm eine Late-Night-Show. Der kann das!
Bewiesen hat er das am Freitagabend bei der Lola 2020. Nahezu allein. Und live.

Der Deutsche Filmpreis 2020 hätte eine rauschende Party sein sollen. Denn immerhin fand die Preisverleihung zum 70. Mal statt. Und tatsächlich hatte Moderator Edin Hasanovic – im Hauptberuf Schauspieler – eine kleine Torte dabei. Es gab nur keinen Applaus. Weil es kein Publikum gab. Und keine Nominierten im Saal.
Das Coronavirus machte auch der Lola 2020 einen Strich durch die Rechnung. Allerdings hat die Deutsche Filmakademie die Show trotzdem nicht abgesagt – und das war eine gute Entscheidung.

Edin Hasanovic führte allein durch die Show. Einige Laudatoren waren vor Ort. Auch hatte er einen DJ zur Seite, der hin und wieder Musik einspielte.
Die meisten Laudatoren, alle Nominierten und dementsprechend alle Preisträger sind via Internet zugeschaltet worden. Auch einige Musiker wurden per Videoschalte dazugeholt. Da klappte meistens gut, manchmal nicht so. Aber darauf kam es nicht so sehr an.

Denn diese Show zeigte: Da waren unheimlich viele Leute, die für ihre Sache brennen. Die da mit ganzem Herzen dabei sind. Denen es wichtig war, diesen Abend zu veranstalten.
Und die das Kino vermissen und lieben. So wie ich. Ich liebe das Kino, und ich vermisse das Kino, und wenn ich mir vorstelle, dass die Kinos eventuell erst im August wieder öffnen, ist das ein extrem trauriger Gedanke.
Und eben Edin Hasanovic, der es auf erstaunliche Weise schaffte, locker und unterhaltsam durch den Abend zu führen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn ohne Publikum, ohne Reaktionen, muss die Performance, müssen die Texte sitzen, und auch mit Pannen muss man irgendwie umgehen, selbst diese Klippen umschiffte er gekonnt. Der Mann ist ein echter Entertainer, der immer noch unterschätzt zu sein scheint.

Als großer Sieger ging an diesem Abend der hervorragende Film “Systemsprenger” hervor. Ein bedrückender und beeindruckender Film über eine Neunjährige mit großen psychischen Problemen. Bei Netflix kann man ihn sich derzeit anschauen.

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RTelenovela

Kommunalpolitik in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 24. April 2020
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Auch mein Job spielt sich momentan ganz anders ab als sonst. Normalerweise treffe ich ja viele Leute. Ich besuche Menschen, ich schaue mir Firmen an, ich besuche Sitzungen. Und dann schreibe ich darüber.
Momentan telefoniere ich sehr viel. Ich rufe Leute, rede mit ihnen, sehe sie aber nicht. Das funktioniert auch, ist aber alles andere als optimal. Und ich hoffe, dass sich da bald was ändert.

Auch die Kommunalpolitik ruhte wegen der Coronavirus-Krise. Bis zum Donnerstag, da fand in Kremmen mal wieder eine Stadtverordnetenversammlung statt.
Aber da auch da: Alles anders als sonst. Die Stadtverordneten trafen sich diesmal nicht im Rathaus, sondern in der Stadtparkhalle. Wegen der Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus mussten größere Abstände eingehalten werden. Das war im Rathaussaal nicht möglich.

Bevor ich die Halle betrat, legte ich mir meine Maske an, aber ich merkte schnell, dass ich der einzige war. Auch für die Presse standen zwei Tische für je einen Vertreter am Rand. Ich ging noch schnell einmal rum, um Fotos zu machen. Immerhin muss man so eine außergewöhnliche Sitzung auf Fotos festhalten.
Jeder Stadtverordnete saß an einem eigenen Tisch. Jede Fraktion hatte zudem ein eigenes Mikrofon. Was ja eigentlich auch nicht den Hygieneregeln entspricht, aber mehr Mikros gab es sicherlich nicht.
Wer an der U-förmigen Tisch-Gruppierung ganz hinten saß, brauchte fast schon ein Fernglas, um Bürgermeister Sebastian Busse und die Stadtverordnetenvorsteherin Stefanie Gebauer am Kopfende zu erkennen. Diskussionen funktionierten nur mit Mikro.

Das hat alles auch so funktioniert. Die Sitzung verlief, abgesehen von den Umständen, relativ normal. Denkwürdig war dieser Abend aber dennoch.

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RTZapper

Promis unter Palmen

Freitag, den 24. April 2020
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MI 22.04.2020 | 20.15 Uhr | Sat.1

Bastian Yotta. Carina Spack. Matthias Mangiapane.
Drei Namen, die man sich merken sollte. Um sie danach am besten ganz schnell zu vergessen.
Denn diese Namen stehen für die übelste Sorte des Mobbings. Für eine Art der Gruppendynamik, die äußerst schädlich ist. Für Charaktere, die niederste Gelüste bedienen. Die andere Menschen klein machen. Die andere durch Psychotricks ausschalten wollen.

“Promis unter Palmen” ist für Sat.1 ein großer Erfolg. Man steckte eine Gruppe Promis – oder welche, die sich dafür halten – in ein großes Haus in Thailand und ließ sie machen.
Das war in den vergangenen Wochen mitunter ganz unterhaltsam. Modefrau Claudia Obert und Desirée Nick zickten sich an. Nun ja, manchmal schrien sie sich an, und grenzwertig war das auch hin und wieder. Zumal Claudia Obert in der Tat einen hohen Nervfaktor hatte, merkwürdige Dinge tat und dem Alkohol zugetan war.
Es bildeten sich Grüppchen, was so lange nicht auffiel, bis die Nick rausgewählt worden ist. Nun war Claudia Obert auf sich allein gestellt.

Was sich aber am Mittwochabend bei “Promis unter Palmen” abspielte, das war keine Unterhaltung mehr. Das war einfach nur noch schockierend, und auch Sat.1 muss sich fragen lassen, warum die so was bei der Produktion laufen lassen.

Yotta, Spack und Mangiapane waren sich in der Gruppe einig, dass die Obert gar nicht geht. Dass man sie weg haben wolle. Dass sie nervt. Dass sie das Letzte sei. Man beschloss blödsinnige Regeln. Man mied sie, oder man blökte sie an. Bastian Yotta – von ihm ist kürzlich ein Video aufgetaucht, in dem er darlegte, dass Frauen für ihn der Befriedigung dienen, sie hätten dafür ja drei Löcher – hatte für die Obert nur noch beleidigende Worte übrig. “Charakterloses Kollegenschwein”, nennt Mangiapane die Obert, und eigentlich müsste er nur mal in den Spiegel schauen.

Den Tiefpunkt erreichte die Spack, als sie im Schlafzimmer mit Psychoterror begann. Während Claudia Obert schlafen wollte, begann sie absichtlich mit einer Chipstüte zu rascheln, immer und immer wieder. Yotta kam dazu, raschelte mit und sprach davon, wie abstoßend er die Obert fände – in ihrer Anwesenheit. Damit offenbarten die beiden ihren unglaublich abstoßenden Charakter, und wie die beiden sich dafür feierten, weil sie sich immer im Recht sahen, löst Brechreiz aus.
Das waren schockierende Szenen. Von lustig meilenwert entfernt. Denn solche Psychomethoden sprechen für einen ganz fiesen Charakter, der das Maß aller Dinge offenbar komplett verloren hat.
Matthias Mangiapane war keinen Deut besser. Mal abgesehen davon, dass er schon in der Vorwoche offenbarte, was er für ein intriganter Lügner er ist, beim Keifen und Lästern und Mobben war er auch immer munter dabei.
Alle drei müssten sich in Grund und Boden schämen. Dass sie es nicht tun und sich für ihr Tun auch noch verteidigen, offenbart die Widerlichkeit dieser Menschen. Selbst wenn man einen Menschen nicht leiden kann – irgendwann muss Schluss sein. Irgendwann muss man sich wieder in den Griff bekommen. Aber hier war ein beeindruckender Fall von Gruppendynamik zu sehen, die an ganz dunkle Zeiten erinnert.

Dass Sat.1 so etwas ausstrahlt, ist bedenklich. Zu zeigen, wie ein Mensch derartig gemobbt wird, ist atemberaubend. Dass es vor Ort keiner nötig hatte, einzugreifen, ist bemerkenswert. Sat.1 verteidigt dies, niemand sei zu Schaden gekommen. Womit Sat.1 jedoch auch nicht ganz unrecht hat – denn Claudia Obert ist am Morgen still und heimlich ausgezogen und konnte über den Ekel-Mob bald nur noch lachen. Und Sat.1 zeigte durch Hintergrundmusik und Kommentare während der Folge auch durchaus, dass man zeigen wollte, was für Unmenschen Spack, Yotta und Mangiapane sind. Was für eine absolute Scheiße die sich da geleistet haben. Dass diese Leute von Anstand offenbar nicht mal entfernt was gehört haben.
Man kann nur hoffen, dass diese drei Menschen nie wieder Engagements im Fernsehen bekommen – womit allerdings auch nicht zu rechnen ist. Quoten bringen die Mobber sicherlich auch weiterhin. Sat.1 hat es bewiesen, in dem nach “Promis unter Palmen” eine Wiederholung von der bislang gefloppten Reihe “Promis privat” mit Mangiapane eingestreut wurde.

Zwei Dinge waren dann doch noch bemerkenswert. Tobias Wegener, der Tobi, war der Einzige, der sich im Mobbingsturm um Claudia Obert gekümmert hat, sich Sorgen gemacht hat, in der Nacht mit ihr gesprochen und sie getröstet hat. Auch wenn er nicht die Größe hatte, dies vor den anderen zu tun – damit hätte auch er sich in den Hasssturm begeben -, er bewies Größe und Herz. Als Yotta und er am Morgen trainierten und Yotta als Wunsch äußerte, er wolle die 100.000 Euro Siegprämie, da wünschte sich Tobi einfach nur Friede im Haus.
Nachdem Claudia Obert freiwillig auszog, kam Desirée Nick zurück und las Mobbing-Spack erst mal die Leviten. Die Nick war dabei so richtig böse und unverschämt – aber vermutlich sprach sie den Zuschauern damit aus der Seele, als sie die Spack runter machte. Vermutlich und sicherlich wusste Nick, was am Vorabend im Haus passiert war.

Nächste Woche ist Finale. Auch die drei Mitglieder des Ekel-Mobbingteams können noch gewinnen. Verdient hat die Kohle aber eigentlich nur einer – und eigentlich müsste die letzte Folge der Sendung so heißen: “Asis unter Palmen und Tobi”.

-> Die Sendung bei Joyn

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