RT liest

Max Annas: Finsterwalde

Irgendwann in einer nicht ganz so fernen Zukunft. In Europa macht jedes Land wieder sein eigenes Ding. Die Europäische Union ist Vergangenheit. In Deutschland ist eine offenbar eines rechtsextreme Regierung an der Macht. Ausländer müssen das Land verlassen. Wer kein deutscher Staatsbürger ist, muss gehen. Wer Staatsbürger mit ausländischen Wurzeln ist, muss auch gehen, die Staatsbürgerschaft wird aberkannt. Bevor sie abgeschoben werden, kommen sie in Lagern zusammen.
In Finsterwalde in Brandenburg gibt es so ein Lager. Die Stadt ist zweigeteilt. Im einen Teil leben die Afrodeutschen, die bald gehen müssen. Im freien Teil leben die Deutschen, die kaum vom Lager Notiz nehmen. Und auch in Berlin herrscht für Ausländer ein Klima der Angst.
Als das Gerücht aufkommt, dass in Berlin drei schwarze Kinder zurückgeblieben sind, macht sich eine Gruppe auf den (illegalen) Weg in die Hauptstadt. Er ist beschwerlich.
Unterdessen erlebt ein griechisches Paar das bedrückende Leben in Berlin.

Max Annas erzählt in seinem Roman “Finsterwalde” von einer beängstigenden deutschen Zukunft. Er berichtet davon, wie Deutschland aussieht, wenn neue Machtverhältnisse herrschen. Aber besonders erzählt er, wie es den griechischen Einwanderern in Berlin und den Afrodeutschen in Finsterwalde geht.
Das ist an sich interessant, hätte aber noch so viel spannender sein können. Denn lange, sehr lange wird die Flucht der Gruppe aus Finsterwalde erzählt, außerdem geht es um eine Suche innerhalb Berlins. Das zieht sich über weite Strecken des Buches, hat aufregende Momente. Aber alles in allem verliert sich die Geschichte total. Der Fokus liegt auf die beiden angstvollen Touren, es sind eigentlich nur noch Beschreibungen dessen, was beide Gruppen unterwegs erleben.
Stattdessen fehlt eigentlich das große Ganze. Hin und wieder wäre es spannend gewesen, mehr über die Lage in Deutschland zu erfahren. Oder auch mehr über das, was in Finsterwalde geschieht. Stattdessen rennt hier jemand, rast da jemand, begegnet an andere Stelle jemand jemanden, und hier mal noch ein Spurt, da mal verstecken – und so weiter. Bald liest man nur noch quer, weil auf vielen Seiten letztlich wenig passiert.
Starker Beginn, aber ein Verlauf, der inhaltlich zwar erschüttert, erzählerisch dennoch aber eher lau ist. Die Geschichte hätte sehr viel mehr Potenzial haben können.

Max Annas: Finsterwalde
Rowohl Hundert Augen, 397 Seiten
5/10

Hits: 290

Einen Kommentar schreiben: