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Deutschlands Blockwarte in Zeiten des Coronavirus

Bis mindestens zum 3. Mai 2020 dauert noch die Kontaktsperre zur Eindämmung des Coronavirus. Heißt: keine Familienfeiern, keine Treffen in der Öffentlichkeit mit mehr als einer weiteren Person – außer sie gehört zu meinem Haushalt. Was bei mir eher schwierig ist. Keine Reisen auf meine Lieblingsinsel Rügen. Wie überhaupt die Einfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern gerade verboten ist, wenn man da nur touristisch hinwolle.

Und es gibt Menschen unter uns, die scheinen es sehr zu mögen, andere anzuscheißen. Die dann ganz aufgeregt die Polizei rufen, wenn beim Nachbarn zwei (!) Personen zu Besuch kommen. Wenn auf einem Spielplatz drei (!) Personen zusammenstehen. Wenn vor einem Imbiss die Leute mit weniger als 1,5 Meter Abstand anstehen.
Schlimmer noch: Auf den Inseln Rügen und Usedom werden Autos mit auswärtigen Nummernschildern mitunter mit Steinen beworfen, weil die Leute denken, dass sich Fahrzeug und Halter illegal auf der Insel befinden. Leute werden bespuckt. In Baabe auf Rügen haben sich Einwohner als Zivilpolizisten ausgegeben und ein Auto angehalten.

Es sind gruselige Nachrichten, die da teilweise verbreitet werden – Deutschland, deine Blockwarte. Es scheint Menschen zu geben, die willig sind, Gesetze durchzudrücken, auch wenn sie dafür gar nicht zuständig sind. Wie früher, in der DDR, wo Stasileute auch bei den Leuten vor der Tür standen und, nun ja, mal nachgefragt haben. Oder noch früher, als auch die kleinen Leute gerne dabei halfen, Diktaturen umzusetzen.
In einigen Orten hat die Polizei sogar offensiv zu diesem Denunziantentum aufgerufen – und es gibt sie, die sehr willigen Helfer.

Deshalb freue ich mich sehr auf die Zeit, wenn wir den Coronavirus irgendwann überstanden haben und wir wieder alle Freiheiten haben. Und ich hoffe nicht, dass irgendwann Parteien an der Macht sind, die Gesetze schaffen, bei deren Umsetzung wieder irgendwelche willigen Helfer zur Stelle sind.

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