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Wie im Museum

Alte Möbel, Fußböden und mehr – die „Historischen Bauelemente“ in Marwitz gibt es fast 30 Jahre

MAZ Oberhavel, 20.3.2020

Marwitz.
Wer über das Gelände der „Historischen Bauelemente“ läuft, bekommt viel zu sehen. Alte Türen und Tore aus verschiedenen Epochen, Bahnhofsschilder, Straßenlaternen, Regale, Schränke und vieles mehr. In einer Ecke gibt es sogar ein Stück Berliner Mauer zu sehen – jemand hat das Sandmännchen drauf gesprüht. Das Mauerteil gehörte zur Hinterlandmauer im Bereich Humboldthain. Beeindruckend ist auch der Besuch des Hauptgebäudes, denn in jeder Ecke sieht es völlig anders aus. Rechts befindet sich ein Kamin mit einer Sitzgruppe davor, daneben eine Bar. In der Mitte ist eine Empore aufgebaut, wie in einer Kirche. Hier und da stehen Palmen. Auf der linken Seite gibt es eine Art Ausstellungsraum mit Deko und Bildern. In unserer derzeit aufgeregten Zeit ein Ort der Stille voller interessanter Ansichten.

Eigentlich sollte es ein besonders schönes Jahr werden für Olaf Elias und seine Mitarbeiter. Denn die Firma „Historische Bauelemente“ im Bärenklauer Weg in Marwitz feiert 2020 ihr 30. Jubiläum. Am 4. Oktober 1990, genau einen Tag nach der Wiedervereinigung, ging das Unternehmen an den Start, damals noch in Eichstädt. „Wir hatten sogar noch einen DDR-Stempel auf der Gewerbeanmeldung“, erinnert sich der 52-jährige Firmenchef und lächelt. 1997 zog die Firma schließlich auf das Gelände des ehemaligen Schweinekombinats. Eigentlich sollte am 6. Juni gefeiert werden. Ein Festkomitee plante bereits alles. „Wir haben aber alles auf Stand-by gesetzt“, sagt Olaf Elias . Falls sich die aktuelle Corona-Lage bis dahin nicht beruhige, sei auch eine Feier im Oktober denkbar.

Auch in der Krise geht es in Marwitz weiter, online gibt es den 24-Stunden-Versandhandel. „Der Onlinehandel macht bereits 50 Prozent unseres Geschäfts aus“, sagt Olaf Elias. „Wir hoffen, dass wir auch die Lieferketten halten können. Wir haben zum Beispiel auch Kunden in Dänemark.“ Hauptschwerpunkt des Geschäfts ist der Handel mit historischen Türen und Fenstern – gut 3000 verschiedene Teile sind in Marwitz zu finden. „Es sind Originalbauteile, keine Nachbauten.“ Vom Barock über Bauhaus und DDR-Stücke sei alles dabei, was in den vergangenen 300 Jahren gefertigt worden sei. Die Teile stammen von Entkernungen, Abrissen oder aus Sammlungsauflösungen. Auch Backsteine, Zäune, Säulen, Fußböden, Dielen und Fliesenböden sind darunter.

„Vorrangig melden sich bei uns Bauherren und Architekten, aber auch Denkmalpfleger“, sagt Olaf Elias. „Und der Häuslebauer, von der Datsche bis zum Schloss.“ Auch Hotelbetreiber und Gastronomen erkundigen sich. „Die Grundidee damals war, dass man nun im Zuge der Modernisierung Ostdeutschlands eine Lanze für das Original bricht.“ Damals seien reihenweise alte Baustoffe entsorgt worden. Vor allem mit Material aus den 1920er- und 30er-Jahren sei die DDR voll gewesen. Olaf Elias hatte unterdessen schon in Frankreich und England Geschäfte besichtigt, wo solche historischen Bauelemente verkauft wurden. „In jedem dritten Dorf gibt es dort so einen Laden.“ Er selbst hatte Geschichte und Philosophie studiert und sei in einer Findungsphase gewesen. „So wurde ich dann zum Kaufmann.“
Die spannendsten Stücke in 30 Jahren? „Wir hatten vieles vom Umbau des Reichstags hier, auch aus der Staatsbibliothek Unter den Linden. Säulen, Figurenfragmente von Stadtschlössern in Berlin und Potsdam, aus der Garnisonkirche.“ Kein Wunder, dass sich auch Film- und Fernsehproduktionen an die Marwitzer wenden. Für viele Babelsberger Produktionen konnte zugeliefert werden.

An sich – sieht man von der aktuellen Lage ab – gehe es dem Unternehmen gut. „Wir haben eine kleine Marktnische besetzt“, sagt Olaf Elias. In dieser seien die „Historischen Elemente“ in Marwitz eine der größten Firmen in Deutschland. „Da unsere Kunden langfristig planen, wird uns die Krise nicht so hart treffen. Aber die schlechte Stimmung könnte uns auch mit ergreifen. Deswegen muntere ich meine Mitarbeiter morgens immer auf.“
Acht Angestellte arbeiten in Marwitz, hinzu kommen externe Handwerksfirmen, und auch um eine Nachfolge muss sich Olaf Elias wohl keine Sorge machen. Es könnte gut sein, dass seine Tochter in zehn Jahren übernimmt.

Im Internet: www.historische-bauelemente.com

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