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Seit 60 Jahren für Senioren im Dienst

1960 übernahm Inge Meier in Eichstädt ein Ehrenamt, das sie bis heute nicht loslässt – sie leitet den Club der älteren Mitbürger – das Jubiläum ist den meisten im Dorf gar nicht bekannt

MAZ Oranienburg, 17.3.2020

Eichstädt.
Es ist ein Jubiläum, das es vermutlich nicht so oft gibt. Seit 60 Jahren kümmert sich Inge Meier um die Seniorenarbeit in Eichstädt. Die heute 82-Jährige ist die Vorsitzende des Seniorenclubs im Dorf. Schon seit 1960 ist es ihre ehrenamtliche Aufgabe, sich um die älteren Mitbürger – zu denen sie ja inzwischen selbst gehört – zu kümmern.

Und das kam so: Seit 1958 lebt Inge Meier in Eichstädt. Sie stammt aus dem Norden, geboren bei Anklam. Später lebte sie in Stralsund. Inge Meier lernte den Beruf der Erzieherin. Als es darum ging, sich zu bewerben, tat sie das im damaligen Kreis Oranienburg. „Mein Vater war zuvor nach Zühlsdorf gezogen“, erzählt sie. In Eichstädt war damals eine Stelle als Kitaleiterin frei. Das war ihr Start im Dorf. Gleich zu Beginn mit gerade einmal 20 Jahren eine hohe Verantwortung. „Das ist nicht zu empfehlen“, sagt sie schmunzelnd. „Was ich gelernt habe, konnte ich nicht umsetzen. Die Bedingungen waren ganz anders.“ Der Gegenwind durch die Eltern war groß. „Das ging ein paar Jahre so.“ Dann jedoch war sie etabliert, die Arbeit mit den Kindern habe immer großen Spaß gemacht. 40 Jahre blieb sie in der Kita, davon 37 als Leiterin.
Mit den Kitakindern sei sie oft bei den Senioren zu Gast gewesen, um zum Geburtstag zu gratulieren oder zu singen. „Da wurde ich dann angesprochen: Können wir uns nicht mal irgendwann treffen? Das haben wir dann auch gemacht.“ Das war 1960. Damals begann ihre Arbeit mit den Senioren, damals noch über die Volkssolidarität. „Das hat sich alles so ergeben, wir haben uns zusammen etwas aufgebaut.“ Auch wenn sie den Vorsitz hat – alleine war sie in diesem Ehrenamt nie. Heute gibt es im Vorstand des Seniorenclubs fünf Mitglieder. Auch Christa Fritsch ist, wie Inge Meier weiß, schon seit 60 Jahren dabei.

In sechs Jahrzehnten seien viele gekommen und gegangen. „Aber ich habe jetzt die erste in der Gruppe, die ich auch im Kindergarten hatte“, erzählt sie. „Anfangs waren wir so um die 15 Leute, das hat sich später gesteigert.“ In den 90ern war die Aktivität im Seniorenclub zwischenzeitlich nicht ganz so groß, die Kaffeenachmittage habe es aber immer gegeben. „Als ich 1998 aufgehört habe zu arbeiten, da konnte ich dann auch neue Kraft reinstecken.“ Inzwischen ist die Gruppe um die 25 bis 30 Leute stark.
Die Kaffeenachmittage im Saal des Gemeindehauses in Eichstädt sind immer sehr gut besucht. Nur die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger, der die Leitung des Clubs übernehmen könnte, ist offen. Mit ihren 82 Jahren denkt Inge Meier verstärkt darüber nach.

Durch die Corona-Krise sind nun auch die Veranstaltungen der Senioren in Eichstädt ausgesetzt. „Aber es gibt ja das Telefon“, sagt Inge Meier. So könne zu den anderen ebenfalls Kontakt gehalten werden. Sie selbst strickt außerdem sehr gern, und auf ihrem Tisch liegt immer ein Tablet. Auf dem handlichen Computer löst sie Rätsel, sucht über Google aber auch schon mal nach Dingen, die sie interessieren. „Das ist schon eine tolle Erfindung“, findet sie.

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