Tagesarchiv für 7. März 2020

RTZapper

Der Bachelor – Das große Finale 2020

Samstag, den 7. März 2020
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MI 04.03.2020 | 20.15 Uhr | RTL

Mal was anderes. Der Bachelor vergibt ganz am Ende gar keine Rose, geht also ohne Frau nach Hause, und sitzt danach stattdessen heulend neben Frauke Ludowig. Das ist Deutschland 2020. Total aufregend.

In der 10. Staffel des “Bachelor” bei RTL passierte etwas, womit vermutlich niemand gerechnet hat. Sebastian hat am Ende am Mittwochabend keiner der Damen die Rose geschenkt. Es gab somit keine “Gewinnerin”, und die Enttäuschung war groß.
Stattdessen steht Sebastian kurz vor Schluss erst der einen Frau gegenüber, dann der anderen. Er sagt mit zittriger, sanfter Stimme, wie toll er sie findet, was sie ausmacht, was sie geschafft haben – aber doch: Es hat nicht gereicht. Für die Liebe hat es nicht gereicht.

Das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Erstens, weil man sieht, dass eine Reihe wie “Der Bachelor” keine geschriebene Story ist. Es hat ihm keiner gesagt, was er zu tun hat, dass er sich entscheiden muss. Zweitens, weil dieser Sebastian den Mut hatte, am Ende eben keine Entscheidung zu treffen. Oder eher: Die Entscheidung zu treffen, sich für keine der Frauen zu entscheiden. Die Boulevardpresse spricht albernerweise von einem “Mega-Eklat”. Drittens, dass so viele Zuschauer darüber so empört sind, dass sie ihr Happy End nicht bekommen. Dabei müssen sie sich natürlich fragen lassen, ob es besser ist, wenn sich der Bachelor für eine Frau entscheidet und sie sich dann eine Woche danach trennen. Vielleicht liegt es an der Enttäuschung, die Kandidatin Diana mehr und mehr ins Gesicht geschrieben steht, als sie merkt, dass er ihr gerade sagt, dass es vorbei ist. Die Gesichtszüge, die immer mehr entgleisen.
Danach noch ein Talk mit Frauke Ludowig mit Tränen und Versöhnungen. Es wirkte wie die Sendung zu einer großen Krise.

Mal alles beiseite gelassen, was über den Bachelor 2020 geschrieben und gesagt wurde – ein bisschen Respekt habe ich durchaus, was er da getan hat. Er hat seine Liebe nicht gefunden, und er hat auch nicht für die Kameras so getan, als hätte er sie gefunden, nur um RTL und die Zuschauer zufrieden zu stellen.

-> Die Sendung bei TV Now

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RT liest

Peter Bendig: Vom armen Stoppelhopser zum reichen Schwein

Samstag, den 7. März 2020
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Es gibt Lebensgeschichten, die muss man einfach aufschreiben. Wie die von Peter Bendig. Er wird im Dezember 80 Jahre alt, seit 1958 lebt er in Potsdam.
Unter dem Titel “Vom armen Stoppelhopser zum reichen Schwein” hat er einen Zeitzeugenbericht verfasst – aber eigentlich trifft es das Wort “Lebenserinnerungen” eher. Diese Erinnerungen sind lesenswert.

Peter Bendig wurde Ende 1940 in Königsberg geboren. Als es zu den Luftangriffen kommt, flüchten sie in einen Erdbunker, den der Vater gebaut hatte. Die Familie erlebte die Hölle, und nicht mal das Kriegsende 1945 ließ diese Hölle enden. Tote Soldaten, Exzesse, Hungertod in der Familie. Ein bitterkalter Winter. Und schließlich im März 1948 die Reise “Heim ins Reich”, wie es damals hieß – die Übersiedlung in die damalige sowjetische Besatzungszone, in die spätere DDR. Das Leben in Netzen bei Brandenburg war für die Familie aber auch von Armut geprägt.
Später wurde Peter Bendig Stahlkocher in Brandenburg an der Havel, er musste seinen Dienst in der Armee ableisten, erlebte in dieser Zeit den Mauerbau 1961 mit, war an der Grenze stationiert. Er war Koch, Taxifahrer, Eisverkäufer. Und Oldtimer-Fan.

Die gut 80 Seiten sind ein Bericht ohne großen Schnickschnack. Es gibt Stellen in diesem Buch, da hätte der Autor seine Geschichte durchaus ausschmücken können. Da hätte man gern mehr erfahren. Aber vielleicht ist es gerade diese Schnörkellosigkeit, die dieses Buch so interessant macht. Die Erlebnisse im und nach dem Krieg sind furchtbar – nicht, weil sie so emotional aufgeschrieben sind, sondern weil sie an sich furchtbar sind.
Aber er arbeitet sich hoch, und auf diese Weise ergibt sich auch der Titel des Buches. Es wäre ein guter Serienstoff.

Peter Bendig: Vom armen Stoppelhopser zum reichen Schwein
tredition, 85 Seiten
7/10

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RTelenovela

Rügen 2020 (4): Mosaik, Atze, Frösi, Trommel, ABC-Zeitung

Samstag, den 7. März 2020
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(3) -> 6.3.2020

Im Stadtmuseum in Bergen auf Rügen ist momentan eine sehr spannende Ausstellung zu sehen. Es geht um “Die Geschichte des Comics in der DDR”.
Zu sehen sind Mosaik-Comics mit den Digedags und den Abrafaxen, Seiten der ABC-Zeitung, der Frösi, von Atze, der Trommel und vielen anderen Bilderzeitschriften und Magazin, die solche Bildergeschichten abdruckten.
Den Begriff “Comic” gab es in der DDR offiziell natürlich nicht. Stattdessen gab es die Bildergeschichten.
Die Geschichte des “Mosaik” wird besonders beleuchtet, war es doch das vermutlich beliebteste Comic in der DDR – und es hat bis heute überlebt.

Ich war 11 als die Mauer fiel. Aber in dieser Ausstellung ist mir mal wieder aufgefallen, dass ich damals schon viele Medien konsumiert habe. Was natürlich auch daran lag, dass man sie sich leisten konnte.
Ab 1985 kaufte ich jede Woche das Mosaik – es kostete 60 Pfennige. Heute habe ich es im Abo. Auch “Atze” kaufte ich bis zur Wende – das Heft kostet 20 Pfennige. Darin waren diverse Comics. Die Frösi kaufte ich dagegen selten, die hat mich nicht so richtig interessiert. Allerdings sind in Bergen auch Adventskalender zu sehen, die offenbar der Frösi beilagen. Die kenne ich tatsächlich – vermutlich hingen sie immer bei unseren damaligen Nachbarn.
Die ABC-Zeitung hatte ich auch, das war die wöchentliche Zeitschrift für Pioniere. Die Trommel hatten wir auch im Abo, das war die wöchentliche Zeitschrift für die Jugendlichen, also FDJler. Als sie abgeschafft wurde, hatten wir damals plötzlich die “Bravo” im Briefkasten. Die Bummi – die es wohl heute auch noch gibt – die hat mich dagegen nie interessiert.

Eine sehr spannende Ausstellung, die natürlich auch viel mit Nostalgie zu tun hat. Im selben Haus kann man sich übrigens auch mit der Geschichte von Bergen und von der Insel Rügen befassen. Und das für nur 2 Euro.
Die Öffnungszeiten – Montag bis Freitag von 11 bis 15 Uhr – sind allerdings eher mau.

-> Mehr Infos

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