Tagesarchiv für 23. Februar 2020

KeineWochenShow

#164 – Kassel, Halle, Hanau

Sonntag, den 23. Februar 2020
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Diese Sendung war ganz anders geplant. Denn eigentlich ist es zur Tradition geworden, dass wir am Sonntag vor Rosenmontag einen Karnevalsumzug übertragen. Und auch in diesem Jahr hatten wir schon etwas vorbereitet, ein Dreh außerhalb von Oranienburg mit einem Gast war bereits terminiert.
Aber dann kam der späte Mittwochabend. Hanau. Und im Laufe des Donnerstags war für uns klar, dass wir keine Lust auf lustigen Fasching haben. Fasching fällt 2020 für uns also aus.

Stattdessen reden wir über Hanau. Über rechtsextreme Gewalt. Über die Reaktionen und Folgen. Und darüber, wie sehr die Grenzen zwischen den Parteien im kleinen, regionalen Bereich schon verschwimmen.

Ansonsten sprechen wir über die Fällung eines uralten Baumes, über den Tesla-Wald und über einen Musical-Rechte-Streit in Neuruppin. Das und noch mehr in KeineWochenShow #164 auf Youtube.

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RTelenovela

Überraschungsevent (37): Viel Tunnel am Ende des Lichts

Sonntag, den 23. Februar 2020
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(36) -> 14.1.2020

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte ich das Event planen, im nächsten Monat ist sie dran.

Diesmal waren wir in Charlottenburg, und wenn man vor dem Europacenter steht, dann kann man das alte West-Berlin-Gefühl erahnen. Das Europacenter war ja immer das Prestigeding der damaligen Zeit, und als wir in das Einkaufszentrum gingen, ging mir im Kopf herum: Warum denke ich immer, das Ding sei tot? Es herrscht durchaus Leben im Europacenter. Es gibt viele Läden, unten diverse Bars. Und die Stachelschweine.
Das Kabarett-Theater ist in Berlin eine echte Institution. Hier traten Legenden wie Wolfgang Gruner auf. Im vergangenen Jahr feierte es das 70. Jubiläum.

Wir sahen einen Kabarettabend unter dem Motto “Viel Tunnel am Ende des Lichts”. Es geht um eine Frau und einen Mann, die vom Dach des Europacenters springen wollen. Er, weil seine Firma scheinbar ruiniert ist – er stellte Sülze in Dosen her -, und sie, Lehrerin, weil sie auch am Ende ist. Ein Dritter kommt dazu, er will das Center in die Luft jagen. Die anderen denken aber, dass auch er springen wollte.
Und so kommen sie ins Gespräch und besprechen die gesellschaftliche und politische Lage.

Dachte ich am Anfang noch, ob es spannend sein könnte, über Selbstmordgedanken zu reden und ob das den Abend tragen könnte, ging es dann ordentlich zur Sache.
Die Parteien – und zwar alle – kriegten ihr Fett weg, die Politiker, die Gesellschaft. Es ging um die allgemeine Hysterie. Um den Umstand, dass wir nicht mehr miteinander diskutieren können. Darum, was in den Schulen abgeht und wie sehr es mit der Bildung abwärts geht. Um die drohende Spaltung der Gesellschaft, und um die Umwelt ging es auch.

Das Stück ist sehr sehenswert und ein gesellschaftlicher Rundumschlag. Es appelliert, dass wir wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen müssen. Um zu erörtern, was ist. Und um Lösungen zu finden.
So spannend der Abend auch war, solche Kabarettprogramme sind auch immer ein Stückweit deprimierend, weil man im Laufe von zwei Stunden gezeigt bekommt, was alles im Argen liegt. Das Kabarett zeigt ein sehr düsteres Bild von der Gesellschaft. Lustig zwar, aber eben eigentlich düster.
Das entspricht der Zeit, und ich fand es auch gut. Aber so mit ein bisschen Abstand frage ich mich auch, ob man so einen Abend so dermaßen düster gestalten muss. Andererseits komme ich dann auch immer zur Antwort, dass ein Kabarettabend keine bunte Gala zur Zerstreuung ist. Es handelt sich dabei auch immer um geistige, manchmal anstrengende Arbeit. Das Stück ist im Idealfall der Beginn für eine längere Unterhaltung darüber auf dem Rückweg.

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RTZapper

Berlinale 2020 – Die Eröffnung

Sonntag, den 23. Februar 2020
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DO 20.02.2020 | 19.20 Uhr | 3sat

Neue Chefs. Neuer Moderator. Und eine Sondersituation.
Die Eröffnung der 70. Berlinale 2020 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin war aus gleich mehreren Gründen spannend.
Die vergangenen Jahre waren geprägt vom Doppel Kosslick-Engelke. Auf der einen Seite die charmant-lockere Anke Engelke, die durch die Eröffnungs- und Preisvergabeshows der Berlinale geführt hat. Auf der anderen Seite der Festivalleiter Dieter Kosslick, der sympathisch-bodenständig und schlecht Englisch sprechend das Publikum erfreute.

2020 ist die erste Berlinale mit Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek als Festivalleiter. Und Samuel Finzi ist der neue Moderator.
Und natürlich stand die Eröffnung der Filmfestspiele – am Donnerstagabend live von 3sat übertragen – unter dem Eindruck der Terrortat von Hanau.

So war dann Samuel Finzi auch sichtlich nervös. Lange, etwas zu lange redete er über Filme, seine Erfahrungen und Empfindungen, und eine etwas theaterhafte Stelle wirkte dann auch etwas zu aufgesetzt und deplatziert.
Lange erzählte er auch davon, dass man als Filmemacher die Chance habe, Geschichten zu erzählen, die die Menschen erreichen. Man müsse gerade nach den Ereignissen in Hanau zusammenstehen und für die Demokratie einstehen. Es waren Gänsehautmomente, Augenblicke der Ernsthaftigkeit.
Da wirkte es etwas irritierend, dass eine Frau im Publikum – wohl auch eine Schauspielerin – lautstark eine Schweigeminute forderte. Irgendwie hatte das einen seltsamen Beigeschmack. Lautstark das Schweigen zu fordern hatte dort etwas Despektierliches, zumal auf der Bühne viel über Hanau gesprochen worden ist – und wie sich zeigte, war dann sowieso eine Schweigeminute geplant.

Dass Kulturschaffende sich glasklar gegen den Rechtsextremismus positionieren, ist richtig und gut. Aber sie sind eben auch “nur” eine Eliteblase. Viel wichtiger wäre, wenn sich verstärkt auch die Mitte äußert. Was sie zu selten tut.

-> Die Sendung in der 3sat-Mediathek (bis 21. März 2020)

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